Die Musikbranche und die verlorene Authentizität 
Donnerstag, 20. Juli 2006 - Management
Die Musikbranche leidet nicht nur unter Raubkopierern, sondern krankt zunehmend an einem Verlust von Authentizität. Einerseits führt die Marktdominanz der vier großen Konzerne Sony BMG, Universal, EMI und Warner dazu, dass immer mehr Einheitsware den Markt überschwemmt und die Programme der Musiksender überflutet, während die erlesenen, eigenwilligen und besonderen Titel der unabhängigen Musiklabel gerade mal auf einen Marktanteil von 20 Prozent kommen - und sich bei MTV oder Viva kaum auf den am Mainstream und Massenmarkt orientierten Playlists finden. Andererseits führt die Marketingmaschinerie dieser Anbieter zudem dazu, dass immer weniger Musiker wirkliche Künstler sind und immer mehr Pseudo-Glamour die Szene beherrscht oder - drastischer ausgedrückt - Musikfans schlicht verarscht werden. So legte die die Süddeutsche Zeitung kürzlich auf ihrer Webseite jetzt.de offen, wie Label mit erfundenen Biographien der "Stars" die Käufer zu ködern versuchen - und welche Geringschätzung dabei den Kunden entgegengebracht wird. Die sind indes nicht so blöd, wie manche Plattenfirmen meinen und sind bereits kräftig dabei, in Form von Musikweblogs eine neue Subkultur zu schaffen. So beleuchtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in ihrer letzten Ausgabe, wie die Audioblogs zu den neuen "Trüffelschweinen" der Musikliebhaber werden - die Kunden selbst also damit beginnen, ihr eigenes Programm zu fahren. Der potenzielle Markt beginnt also damit, sich selbst zu versorgen - eine Aufgabe, die die Plattenfirmen auch selbst übernehmen könnten, würden sie nur das Bedürfnis der Hörer nach Authentizität überhaupt erkennen und ernst nehmen.
Wie bloß vermarktet man sehr junge R&B-Künstler? Ein geheimer Einblick!, jetzt.de 7.7.2006
"Die Jukebox der Pandora", FAS 16.7.2006

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Konservative Sozialsysteme zwischen Schutz und Begrenzung 
Mittwoch, 19. Juli 2006 - Studien
Unter Federführung des Bamberger Soziologie-Professors Hans-Peter Blossfeld fasst die länderübergreifende Studie "Globalife" die Auswirkungen von Globalisierungsprozessen in 18 OECD-Ländern zusammen. Der Wandel an den Weltmärkten beeinträchtigt der Studie zufolge gegenwärtig vor allem junge Arbeitnehmer, die zunehmend von befristeten Arbeitsverträgen, phasenweise niedrigem Verdienst oder qualitativ schlechter Arbeit betroffen seien. Wer im Arbeitsleben dagegen bereits Fuß gefasst habe, bleibe vom "Drive des Weltmarktes" bisher noch weitgehend verschont - jedenfalls in Ländern wie Deutschland, wo die Gewerkschaften eher stark sind und rechtliche Vorgaben wie der Kündigungsschutz einer entfesselten Hire-and-Fire-Dynamik noch entgegenwirken. Die Studie identifiziert verschiedene Ländercluster. Das deutsche System wird dabei als typisch "konservativ" eingestuft. Mit zentralisierten Lohnsystemen und relativ rigiden Arbeitsmarkt- und Bildungsregulierungen werde ein Beschäftigungssystem erzeugt, das jungen Menschen den Berufseinstieg erschwere und Insider - vor allem gut vernetzte und qualifizierte erwerbstätige Männer - begünstige, so ein Ergebnis der Studie. In "liberalen" Ländern wie England, Kanada und den USA sei der Arbeitsmarkt dagegen flexibler, dafür ist die Position der Arbeitnehmer aufgrund wesentlich lockerer Arbeitsmarktgesetze deutlich unsicherer. Einer der Vorteile laut Studie: Persönliche Ressourcen werden hier zum entscheidenden Erfolgskriterium. Die Schlüsse der Studie sind relativ zweischneidig. Einerseits bietet das konservative deutsche System Arbeitnehmern bei vergleichsweise hoher Regulierung, die sich auch einschränkend auf individuelle Chancen auswirken kann, immer weniger Sicherheit - wie die Massenentlassungen vor allem durch Konzerne hierzulande immer noch belegen. Andererseits fördert die "Freiheit" liberaler Systeme individuelle Chancen, verschärft aber zugleich den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt erheblich - und damit wiederum die individuelle Gefahr, auf der Verliererseite zu landen.
Pressemitteilung zur Studie "Globalife"

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Immer mehr Studiengänge integrieren Ökonomie und Philosophie 
Dienstag, 18. Juli 2006 - Management
Ökonomie und Philosophie haben mehr gemeinsam, als man im Zeitalter des "Heuschrecken-Kapitalismus" meinen möchte. So war Adam Smith, der Begründer der klassischen Nationalökonomie, zugleich auch Moralphilosoph. Moral und Macht, Ethik und Erfolg miteinander wieder in Verbindung zu bringen, ist inzwischen vielen Hochschulen ein Anliegen. So bietet die Frankfurter Hochschule für Bankwirtschaft zum Wintersemester einen neuen Studiengang "Management, Philosophy & Economics" an. Die Uni München richtete bereits vor einem halben Jahr einen Weiterbildungsstudiengang "Philosophie, Politik, Wirtschaft" ein, während in Bayreuth bereits seit dem Jahr 2000 "Philosophy & Economics" auf dem Lehrplan steht.
"Management, Philosophy & Economics" Hochschule für Bankwirtschaft, Frankfurt
"Philosophie, Politik, Wirtschaft", Universität München
"Philosophy & Economics", Universität Bayreuth

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Abschied vom Konsumzeitalter 
Montag, 17. Juli 2006 - Wissenschaft
Der Trendforscher Matthias Horx rät in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Unternehmen, sich schon einmal auf den Abschied vom Konsumzeitalter einzustellen. Laut Horx sollten Firmen die Wertschöpfungskette neu durchdenken und nicht über Produkte, sondern über integrierte Dienstleistungen auf Kundenfang gehen. Als Beispiel, wie ein solcher "Deep Support", der sich auf dem Radar der Zukunftsforscher bereits als Trend zeigt, aussehen könnte, nennt er unter anderem den Online-Buchhändler Amazon, dessen Produkt nicht nur Bücher seien, sondern die Bereitstellung von verknüpftem Content. Aus Sicht der Trendforscher liegt in genau dieser Beziehung zwischen Service und Produkt eine große Chance für zukunftsweisende Angebote am Markt. Der Ausweg aus der Innovationsfalle liegt laut Horx nicht in Prozessen der Rationalisierung und Systemoptimierung, sondern in der Verbreitung eines kreativen Geists, der mit neuen Ideen und Ideentransfers aus anderen Branchen neue Potenziale erschließt.
"Das Konsumzeitalter geht zu Ende", FAZ 15.7.2006

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CSR-Konferenz im Oktober 2006 in Berlin 
Freitag, 14. Juli 2006 - Veranstaltungen
An der Humboldt-Universität in Berlin findet vom 11. bis 13. Oktober 2006 zum zweiten Mal die internationale Konferenz "Globalization and Corporate Responsibility" statt. Die zwei Panel-Diskussionen der Veranstaltung gehen der Frage nach, wie Unternehmen sich im globalen Kontext Herausforderungen wie Armut, Umweltverschmutzung und Bevölkerungswachstum stellen können und beleuchten die Frage, was strategische CSR bedeutet und wie Unternehmen CSR-Maßnahmen mit ihren Kernkompetenzen verbinden können. Die Speaker der Sessions werden noch bekannt gegeben.
Konferenz "Globalization and Corporate Responsibility"

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"Management by Personality": Freigeister führen besser 
Donnerstag, 13. Juli 2006 - Management
Wer den Eindruck hat, in deutschen Führungsetagen herrschen Anpassung und Langeweile, liegt häufig gar nicht so falsch. Der Headhunter Klaus Leciejewski weiß auch, warum. In einer Kolumne im Handelsblatt diagnostiziert er, dass Unternehmen bei der Personalauswahl häufig glatte Idealtypen bevorzugen: "Die Kriterien dieser Auswahlverfahren orientieren sich an einem Vorbild: Dem des idealen Managers. Ecken und Kanten als integrale Eigenschaften einer schöpferischen Persönlichkeit sind dabei nicht vorgesehen. Sie stören nur das Idealbild und werden sofort aussortiert." In der Praxis dagegen zeigt sich immer wieder, dass gerade die Führungskräfte, die sich nicht einem äußeren Anpassungsdruck (sei es dem der Shareholder oder dem der Konkurrenz) beugen, besonders erfolgreich sind. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking beispielsweise lässt sich nicht in sein Management reinreden. Unbeeindruckt von Aktionären und den taktischen Schachzügen der Wettbewerber hält er Porsche seit Jahren auf Erfolgskurs. Im Mittelstand ist dieses "Management by Personality" ohnehin weit verbreitet - denn wer das eigene Unternehmen führt, tut dies meist, um der eigenen Vision im wirtschaftlichen Tun Ausdruck zu verleihen und nicht, um andere zu beeindrucken.
"Gesucht: Durchschnitts-Manager", Handelsblatt 9.7.2006

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Idea Engineering - Auswege aus der Innovationskrise 
Mittwoch, 12. Juli 2006 - Wissenschaft
Innovationen sind für Unternehmen der beste Motor, um konkurrenzfähig zu sein. Doch wie können Firmen die Kreativität ihrer Mitarbeiter anzapfen, ohne sich in unkoordinierten Brainstormings zu verlieren? Das an der Universität Magdeburg entstandene "Idea Engineering" verspricht ein strukturiertes Setting, mit dem sich in kürzester Zeit neue Ansätze entwickeln lassen. Sein Vorteil: Im Zuge klar definierter Prozesse werden die kreativen Energien so gelenkt, dass am Ende praktikable Lösungen entstehen. Der Ansatz im "Idea Engineering" betrachtet dabei das Generieren von Ideen als Ingenieursaufgabe und misst den Output deshalb im Hinblick auf seine Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit, Transparenz, Effizienz, Fundiertheit und Optimierbarkeit. Diese Parameter stellen dabei keine Kreativitätsbremse dar, sondern gewährleisten vielmehr den Praxistransfer der vorstellbaren Lösungen. Unternehmen wie Siemens, BMW und Microsoft haben das Magdeburger System bereits erfolgreich eingesetzt.
Webseite "Idea Engineering"

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Wenn Umstrukturierungen zur Motivationsfalle werden 
Dienstag, 11. Juli 2006 - Management
Die Umstrukturierung von Unternehmen durch den Verkauf oder die Schließung ganzer Konzernsparten hat gegenwärtig Hochkonjunktur. Häufig konzentrieren Vorstände dabei ihre ganze Energie auf die schnelle Abwicklung der beschlossenen Transaktionen, vernachlässigen darüber jedoch die Auswirkungen, die diese Strategien auf die verbleibenden Geschäftsfelder hat. Gutes Beispiel ist Siemens, dessen Ankündigung, zum Oktober den Großteil des Mobilfunk- und Festnetzgeschäfts in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia auszugliedern, weitere Unruhe unter den Beschäftigten stiftete. Verunsicherung und Demotivation scheinen eine fast schon zwangsläufige Folge zu sein, wenn Manager sich im Downsizing profilieren, es zugleich aber nicht schaffen, den verbleibenden Mitarbeitern Zukunftsperspektiven aufzuzeigen. "Wir glauben unseren Führungskräften nicht mehr. Die reden jede Woche anders", zitiert die FAZ etwa einen Siemens-Angestellten, dessen Zukunft im Unternehmen ungewiss ist. Die Folge: Bei Siemens - und nicht nur dort - schalten ganze Abteilungen in den Leerlauf und sitzen ihre Arbeitszeit ab. Weil Projekte, die noch wenige Wochen zuvor als Erfolgsgaranten betrachtet wurden, kurzfristig ersatzlos gestrichen werden, weil Projektleiter für ihre Mitarbeiter keine neuen Aufgaben haben oder schlicht, weil die Angestellten das Vertrauen in ihre Führung verloren haben. Gerade in Zeiten der Konsolidierung erscheint es wichtig, nicht nur abzuwickeln und auf äußere Bereinigung zu setzen. Denn wenn es Unternehmen nicht gelingt, ihre inneren Strukturen zu stärken und den Kern ihrer Kompetenzen zu erhalten und zu pflegen, wird das Downsizing zur Sackgasse.
"Zwischen Resignation und Galgenhumor", FAZ vom 11.7.2006

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