Individualisten haben keine Chance 
Freitag, 23. Januar 2009 - Management
Der Harvard Business Manager widmet einen ausführlichen Beitrag dem neuen Problem des Einheitsmanagers. Während bis in die achtziger Jahre im Recruiting noch das Fachwissen im Vordergrund stand, haben sich die Auswahlkriterien in den letzten Jahren stark in Richtung der Kandidaten aus den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften verschoben. Genossen die früheren Leader aufgrund ihres Fachwissens die Wertschätzung der Mitarbeiter, fühlen sich die Untergebenen heute zunehmend vom Führungskader entfremdet, da die Chefs kaum verstehen, was sich jenseits ihres Schreibtischs im Unternehmen tut. "Der kanadische Managementvordenker Henry Mintzberg stellte in seinem 2005 erschienenen Buch 'Manager statt MBAs' fest, dass der Schwerpunkt der Ausbildung auf Finanzen, Marketing und Buchhaltung liege, soziale Situationen kämen so gut wie nie vor. Alles, was MBAs können, so Mintzberg, sei im Büro zu sitzen, Daten zu sammeln, Kennzahlen und Kontrollverfahren zu entwerfen und bürokratische Strukturen entstehen zu lassen, die jeglicher unternehmerischer Vision widersprechen, ja sie sogar ad absurdum führen", so der Harvard Business Manager. Das Blatt spricht gar von einem "Gleichschalten von Managerkarrieren" durch Assessment Center und ewig gleiche Prüfkriterien. So wird Aufstieg nur noch mit der richtigen Herkunft, dem richtigen MBA und durch Anpassung möglich. "Als Gegenpol brauchen wir Führungskräfte, die sich von dem Heer der Kennzahlenfetischisten abheben. Sie müssen innovationsfreudig und mutig sein. Und sie sollten Mitarbeiter motivieren können. Dazu müssen sie ihnen die Möglichkeit einer Identifikation, ja man möchte fast sagen ein Stück Geborgenheit geben, hinter der mehr steckt als eine septische Corporate Identity und die Kennzahlen der Konkurrenten als Messlatte. Die Firmen sind voll von Mitarbeitern, die auf einen Chef warten, der einen Puffer zu den Vorgaben der Geschäftsführung bildet, der sie begeistern kann und für den Verantwortung nicht dort aufhört, wo er seine Renditeziele erreicht hat", schreibt der Harvard Business Manager.
"Gesucht: Chefs mit Profil", HBM 17.12.2008



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Auf der Suche nach dem Karriere-Gen 
Donnerstag, 22. Januar 2009 - Wissenschaft
Die Wirtschaftswoche berichtet in einem Beitrag über verschiedene Studien, die der Frage nachgehen, inwiefern Erfolg, Intelligenz und ähnliche Faktoren genetisch verankert sind. So kommt eine britische Studie zu dem Ergebnis, dass Unternehmergeist genetisch bedingt sein könnte, da bei eineiigen Zwillingen signifikant öfter beide Zwillinge Unternehmer wurden als bei Geschwistern mit unterschiedlichen Genen. Soziologen wiederum fanden heraus, dass auch die Erziehung maßgeblich die spätere Selbstwirksamkeit fördert. So erwarten Eltern aus bildungsnahen Schichten von ihren Kindern, keine übertriebene Autoritätsgläubigkeit an den Tag zu legen und ihr Kommunikationsverhalten auszuprägen. Die Folge: Diese Kinder bilden früh Selbstbewusstsein aus und lernen, für sich einzustehen. Amerikanische Wissenschaftler wiederum kommen zu dem Schluss, dass oft der Glaube allein schon Berge versetzen kann. In einer Studie erlitten Männer, die davon überzeugt waren, ein geringes Infarktrisiko aufzuweisen, drei Mal weniger Herzinfarkte - und dies unabhängig von ihrer DNA. Kommentar der Wirtschaftswoche: "Manchmal reicht schon eine gesunde Portion Optimismus."
"Erfolg im Job durch richtige Gene", WiWo 7.1.2009


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Krankmacher Großraumbüro 
Mittwoch, 21. Januar 2009 - Studien
Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die krankmachenden Auswirkungen der Arbeit im Großraumbüro. Einer australischen Studie zufolge sind Mitarbeiter in Büros ohne Wände schneller gestresst, weniger produktiv und bekommen leichter Erkältungen. Die australischen Wissenschaftler werteten weltweite Studien zu den Auswirkungen über moderne Bürogestaltung aus und kamen zu dem Schluss, dass diesen zu 90 Prozent über negative Einflüsse auf Psyche und Gesundheit berichten. Für Unternehmen, die sich zur Einrichtung von Großraumbüros entschließen, scheint dagegen das Einsparpotenzial von bis zu 20 Prozent bei den Raumkosten im Vordergrund zu stehen.
"Kollegen machen krank", SZ 13.1.2009


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Deutsche Wirtschaft in der Motivationsfalle 
Dienstag, 20. Januar 2009 - Studien
Die deutsche Wirtschaft steckt in einer Motivationsfalle. Die Gallup-Studie 2009 zeigt, dass die Verbundenheit der Mitarbeiter mit ihren Arbeitgebern wie auch in den Vorjahren auf einem Tiefststand stagniert. So empfinden nur 13 Prozent aller Beschäftigten eine echte Verpflichtung gegenüber ihrem Unternehmen und sind hoch engagiert. 67 Prozent weisen dagegen eine geringe emotionale Verbundenheit auf und machen eher Dienst nach Vorschrift. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit im unteren Mittelfeld, denn in Großbritannien liegt die Zahl der Mitarbeiter mit hoher Verbundenheit bei 20 Prozent, in den USA sogar bei 29 Prozent. Dass das Thema emotionale Verbundenheit nicht nur psychologische Relevanz hat, zeigt ein Blick auf die finanziellen Auswirkungen. Da Mitarbeiter mit geringer Bindung ans Unternehmen zwei bis vier Fehltage pro Jahr mehr ausweisen als ihre engagierten Kollegen, summieren sich die Folgekosten für ein Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitern auf jährlich 485.000 Euro. So entstehen laut Gallup volkswirtschaftliche Gesamtkosten von 81,2 bis 109 Milliarden Euro pro Jahr.
"Deutsche Mitarbeiter demotiviert", FTD 14.1.2009


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Uniforme Management-Ausbildung als Innovationsfalle 
Montag, 19. Januar 2009 - Management
Sie haben ihr Handwerk in renommierten Unternehmensberatungen gelernt, setzen dann noch einen MBA drauf und streben spätestens mit Mitte 40 ins Top-Management der großen Konzerne. Die deutsche Management-Elite weist zunehmend uniforme Lebensläufe auf - ein Faktor, der leicht zur Innovationsfalle werden kann. In einem Kommentar kritisiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung die neuen "Einheits-Manager", die zwar alle über eine hochkarätige Ausbildung verfügen, aber gerade deshalb nicht unbedingt am Puls der Zeit sind. "Kein Zweifel, die Managergeneration 40 plus ist exzellent ausgebildet, sie hat Hunderte von Fallstudien mit Bestnoten gelöst, kann aus dem Effeff den Markt für deutsche Limousinen in China in einer dreidimensionalen Matrix darstellen, navigiert wortgewandt zwischen Deleveraging, Due Diligence und Downsizing. Doch wer ähnlich tickt, handelt ähnlich. Es entsteht die Gefahr eines Herdentriebs: Alle hecheln denselben Trends hinterher, alle stoßen irgendwann an dieselben Grenzen, und alle reagieren mit denselben Maßnahmen", schreibt die FAZ und legt damit den Finger in eine Wunde, die auch immer mehr Personalberater thematisieren. Denn mit den Top-Lebensläufen ist auch eine gewisse Eintönigkeit verbunden, die sich in den Führungsetagen bereits negativ bemerkbar macht. Zwar sind die MBA-Absolventen fit im Rationalisieren, doch fehlt es ihnen am Gespür für weitgehende Neuerungen. Sie können hervorragend Prozesse managen, tun sich aber bisweilen mit dem Umgang mit Mitarbeitern schwer. Doch Querdenker haben es nach wie vor schwer, bis ins Top-Management aufzusteigen. Der Grund: Im Raster der Personalabteilungen sind Prädikatsexamen und MBA die Eintrittskarte für die Führungsetage, doch wer sich in seiner Ausbildung alleine darauf konzentriert, diese Voraussetzungen zu erfüllen, findet wenig Zeit, um über den Tellerrand hinaus zu schauen.
"Die Einheits-Manager", FAZ 12.1.2009



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CSR fehlt es an strategischer Verankerung 
Freitag, 16. Januar 2009 - Studien
Nur 15 Prozent der CSR-Maßnahmen im Mittelstand weisen eine fundierte strategische Verankerung auf. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine Studie der Beratungsgesellschaft Bonne Nouvelle und des TÜV Rheinland, für die rund 500 mittelständische Unternehmen befragt wurden. 62 Prozent der Befragten weisen dem Thema unternehmerische Verantwortung zwar einen hohen Stellenwert zu,doch nur 32 Prozent haben dafür ein festes Budget. Die große Mehrheit (68 Prozent) verzichtet auf die Erfolgsprüfung von CSR-Maßnahmen. Kreativität und Innovationen sucht man auf der CSR-Agenda des Mittelstands noch eher vergeblich, denn ein Großteil der Investitionen fließt in eher konventionelle Maßnahmen. Für die Mehrheit der Unternehmen umfasst CSR vor allem Maßnahmen der Personalentwicklung und Mitarbeitermotivation (78 Prozent) oder der Nachwuchsförderung (72 Prozent). Meistens werden die Mittel jedoch einfach nur extern eingesetzt für Spenden (56 Prozent), Sponsoring (53 Prozent) oder die Förderung von Mitarbeiterengagement (59 Prozent).
Pressemitteilung zur Studie vom Januar 2009


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Geringe Weiterbildung kostet Milliarden 
Donnerstag, 15. Januar 2009 - Studien
Die deutsche Wirtschaft könnte deutlich produktiver sein, wenn sie denn in Weiterbildung investieren würde. Zu diesem Schluss kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. In einer Studie eruierten die Wirtschaftsforscher, dass fehlendes Wissen die deutsche Wirtschaft jedes Jahr rund 4,5 Milliarden Euro kostet. In Deutschland liegt der Wertschöpfungszuwachs von Erwerbstätigen bei 172 Euro pro Kopf - denn nur jede dritte Arbeitnehmer qualifiziert sich weiter. Beim europäischen Spitzenreiter Schweden sind es dagegen 329 Euro. Eine weitere Achillesferse: Nur 36 Prozent aller Weiterbildungen sind auf Informationstechnologie ausgerichtet, und das, obwohl 75 Prozent des Produktivitätswachstums auf der richtigen Nutzung von Informationstechnologien basieren. Eine Erkenntnis der Experten: Je höher der Bildungsgrad, umso größer die Weiterbildungsambitionen. So bilden sich 34 Prozent der Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss fort, aber nur acht Prozent der Arbeitnehmer ohne Ausbildung.
"Fehlendes Wissen kostet 4,5 Mrd. Euro", FTD 21.12.2008


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Lügen als bewährte Alltagsstrategie 
Mittwoch, 14. Januar 2009 - Wissenschaft
Wahrhaftigkeit, Ethik und Moral - gerade in der gegenwärtigen Krisenanalyse werden diese Tugenden besonders beschworen. Und doch sind sie eher eine Ausnahmeerscheinung. Die Wirtschaftswoche widmet sich in einem Artikel dem Massenphänomen der Lüge und stellt fest: Selbst in einer nur zehnminütigen Konversation belügen sich 60 Prozent aller Gesprächspartner bis zu drei Mal - meist durch beiläufige Flunkerien, derer sie sich gar nicht bewusst sind, die aber beinahe ein Drittel aller Lügen ausmachen. 41 Prozent der Menschen lügen, um sich Ärger zu ersparen und keine Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen zu müssen, 14 Prozent wollen sich mit ihren Lügen das Leben erleichtern, acht Prozent versuchen, damit ihre Beliebtheit zu erhöhen und sechs Prozent lügen schlicht aus Faulheit. Studien zeigen auch, dass die virtuelle Kommunikation das Lügen begünstigt. So zeigt eine Umfrage der Unternehmensberatung German Consulting Group, dass 63 Prozent der Befragten ihre Geschäftspartner via SMS belügen, und amerikanische Forscher fanden heraus, dass nahezu alle Mail-Schreiber ihre Partner anlügen, während bei Briefe-Schreibern "nur" 64 Prozent zu Unwahrheiten bereit sind.
"Dienen Lügen wirklich der Karriere?", WiWo 5.1.2009


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