Motivation braucht Kopf und Bauch 
Dienstag, 10. Februar 2009 - Arbeit
Tobias Constantin Haupt, Psychologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München, warnt davor, sich bei der Erreichung beruflicher Ziele allein auf bewusste Planung zu verlassen. Wer nur auf den Kopf setze, darüber aber den Bauch, also seine Emotionen vernachlässige, laufe Gefahr, die Motivation zu verlieren und gar in einen Burnout zu steuern. Ideal sind seiner Ansicht nach Aufgaben, bei denen sowohl Kopf als auch Bauch zustimmen. "Sie lassen sich dann auch mit sparsamem Willenseinsatz erreichen", so der Psychologe, denn so entstehe ein Arbeitsfluss, in dem keine inneren Widerstände überwunden werden müssten.
"Aufs Bauchgefühl vertrauen", SZ 4.2.2009


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Wie viel Querdenken ist erlaubt? 
Montag, 9. Februar 2009 - Management
Das Magazin Chrismon hat in seiner aktuellen Ausgabe einen interessanten Dialog zwischen der Diversity-Managerin Natalie Lotzmann, die für den Softwarekonzern SAP tätig ist, und dem Berater Carsten Alex, der Führungskraft bei Daimler-Chrysler war und sich nach zwei Sabbaticals selbstständig machte. Beide eruieren im Gespräch, wie viel Querdenken in Unternehmen möglich beziehungsweise erlaubt ist. Eine wichtige Rahmenbedingungen ist laut Carsten Alex: "Ich brauche Gestaltungsspielraum. Einen Verantwortungsbereich, in dem ich mich bewegen darf und über den ich im Einzelfall auch mal hinausgehen kann. Und ich brauche als Angestellter einen Chef, an dem ich mich mal reiben kann. Ja, ich brauche Reflexion. Ohne diesen Freiraum kann ich meine Leistung nicht bringen, und dann sinkt auch meine Motivation." Natalie Lotzmann argumentiert ähnlich: "Es muss einen Vertrauensrahmen geben. Dazu gehört auch, dass man mal Fehler machen darf, sonst können keine neuen Dinge ausprobiert werden. Wo Angst regiert, geht kreatives Potenzial verloren. Allerdings gibt es auch Mitarbeiter, die enger geführt werden wollen, während andere sich da schon längst gegängelt fühlen." Doch mit einem Umfeld wie diesem tun sich viele Unternehmen noch schwer. "Wenn der Vorstand es ernst meint, muss er auch mal Exoten in Führungspositionen bringen, um die Monokultur auf den unteren Ebenen aufzubrechen. Dort gibt es kleine Könige, die nur ihresgleichen hochkommen lassen. Und man sollte vom Kurzfristdenken weg, dass Führungskräfte in Quartalsberichten gemessen werden", gibt Carsten Alex zu bedenken. Als Möglichkeit, diese Hürde zu überwinden, propagiert Natalie Lotzmann die Förderung von Neugier: "Natürlich haben wir diesen Impuls, dass wir jemandem, der anders ist, fremd, erst mal ablehnend gegenüberstehen. Das ist stammesgeschichtlich in uns drin: Wer nicht zu meiner Horde gehört, ist vielleicht eine Gefahr. Der nächste Schritt ist dann aber, diese Reserviertheit schnell in Neugier zu wandeln."
"Querköpfe gesucht", Chrismon Februar 2009


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Krise ist in den Köpfen noch nicht angekommen 
Freitag, 6. Februar 2009 - Management
Wie sieht ein angemessenes Verhalten in Zeiten der Wirtschaftskrise aus? Nachdem die Gier der Top-Manager schon lange ein Thema für die Gazetten ist, mehren sich in Krisenzeiten fast schon automatisch die Berichte über diesbezügliche Verfehlungen in den Führungsetagen. So berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung über verschiedene Spitzenmanager, die durch übermäßige Investitionen in die Ausstattung ihrer Büroräume nicht nur den Zorn der Aktionäre, sondern auch der Öffentlichkeit auf sich zogen. Jüngstes Opfer eines Mangels an Gespür ist der Investmentbanker John Thain, der eigentlich angetreten war, um Merrill Lynch zu retten. Der frisch gekürte Vorstandschef hatte nichts besseres zu tun, als 1,2 Millionen Dollar in die Renovierung seines Büros zu investieren. Die FAZ listet dabei genüsslich auf, dass er einen Teppich für 87.000 Dollar erwarb, Vorhänge für 28.000 Dollar und Stühle für 87.000 Dollar. Thain wurde schnell gefeuert - nicht wegen dieser Ausgaben, doch seine Entschuldigung zum Thema teure Möbel macht deutlich, wie tief verwurzelt das Unverständnis in den Führungsetagen für Verhältnismäßigkeit ist. So verteidigte sich Thain mit der Äußerung, dass die Zeiten eben früher anders gewesen seien - mithin es also eigentlich völlig normal war, eine Summe, die viele Angestellte im ganzen Leben nicht verdienen, für eine Büroeinrichtung auszugeben. Die öffentliche Diskussion über Gier, Verfehlungen und das rechte Maß ist eine Sache - doch bis das Gefühl, wie weit man gehen kann, sich in den Vorstandsetagen wirklich entwickelt, dürfte noch einige Zeit vergehen.
"Das Ende der Exzesse", FAZ 29.1.2009

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Wie Krisen die Seele wachsen lassen 
Donnerstag, 5. Februar 2009 - Management
Zeiten der Krise sind auch Zeiten der Bewältigung und des inneren Wachstums. Seit einigen Jahren hat sich im Personaler-Jargon der neue Begriff Resilienz etabliert, der die Fähigkeit umschreibt, Herausforderungen zu meistern und an der Auseinandersetzung mit der Krise zu wachsen. Die Wirtschaftswoche hat ein spannendes Interview mit dem Unternehmer Joachim Schoss, Mitbegründer des Internetportals Scout24, veröffentlicht, der vor einigen Jahren bei einem Motorradunfall einen Arm und ein Bein verlor und in der Folge unternehmerisch seine einstige Machtposition einbüßte. Schoss betrachtet Resilienz als einen Lernprozess am Leben, der sich darauf einlässt, dass der Wunsch nach stetigem Glück zwar verständlich ist, aber mit der Realität wenig gemein hat: "Viele haben einfach nicht die Willenskraft, um die jeweilige Katastrophe zu verarbeiten. Aber man kann Resilienz auch bis zu einem gewissen Grad fördern: Das Beste, was man tun kann, ist schon den Kindern zu vermitteln, dass einem im Leben nicht alles geschenkt wird. Der Sinn des Lebens kann nicht sein, dass es uns 80 Jahre am Stück gut geht, sondern dass wir uns weiterentwickeln. Und man entwickelt sich eben am schnellsten, wenn es am meisten wehtut." Schoss ist weit davon entfernt, den möglichen Gewinn negativer Erfahrungen zu verherrlichen. Vielmehr zeigt er, dass Menschen mit ausgeprägter Resilienz in der Lage sind, einer Niederlage zum einen auch etwas Positives abzugewinnen und zum anderen eine veränderte - und oft zunächst vielleicht als schlechter wahrgenommene - Situation zu akzeptieren und sie als neuen Ausgangspunkt des eigenen Lebens anzuerkennen "Manches, was sich im ersten Moment wie ein Unglück darstellt, erweist sich später als großes Glück und entscheidende Wende im Leben. Ich habe heute viel gewonnen: eine glückliche Beziehung, sehr viel Freiheit mit meinen Kindern – lauter Dinge, die ich so nicht gehabt hätte, wenn mein Leben einfach im alten Trott weitergegangen wäre. In allem wohnt auch etwas Gutes. Es war kein Glück – aber ein klarer Gewinn."
"Man wächst daran", WiWo 26.1.2009


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Klaus Schwab plädiert für Öko-Kapitalismus 
Mittwoch, 4. Februar 2009 - Management
Anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos äußerte sich Foruminitiator Klaus Schwab über die Entwicklungspotenziale der Weltwirtschaft in Zeiten der Krise. Schwab schlägt unter anderem einen "hippokratischen Eid für Manager" vor, mit dem diese sich zu einer verantwortungsvollen Unternehmensführung verpflichten sollen: "Verantwortung heißt dabei nicht nur Rücksichtnahme auf die Aktionäre, sondern ein nachhaltiges Wirtschaften zum Nutzen aller, die mit dem Unternehmen in einer Verbindung stehen. Wir brauchen eine moralische Reformation oder, wenn Sie so wollen, einen Wechsel vom Ego-Kapitalismus zum Öko-Kapitalismus."
"Ein hippokratischer Eid für Manager", FAZ 28.1.2009


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Frauen in der Führungsetage immer noch Mangelware 
Dienstag, 3. Februar 2009 - Studien
Eine Frau im Vorstand zu finden, ist in etwas so schwierig wie die Suche nach der berüchtigten Stecknadel im Heuhaufen. Eine Umfrage der Zeitung "Die Welt" macht deutlich: Im Top-Management stagniert der Frauenanteil nach wie vor unter zehn Prozent. In den Dax-30-Unternehmen machten die Forscher genau eine Vorstandsfrau aus - Barbara Kux bei Siemens. Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung besetzen in den 200 größten deutschen Unternehmen Frauen nur ein Prozent aller Vorstandsposten, und das, obwohl Frauen unter den top-ausgebildeten Kräften bereits einen Anteil von 50 Prozent hätten, so die Forscher. In der Automobilbranche haben Frauen es besonders schwer. So finden sich bei BMW auf der ersten Ebene unterhalb des Vorstandes zwei Prozent Frauen, auf der zweiten Ebene neun Prozent. Bei Daimler sind es auf beiden Ebenen vier Prozent. Etwas besser sieht es im Handel und Dienstleistungsgewerbe aus. Bei Banken und Versicherungen liegen die Durchschnittswerte meist deutlich über zen Prozent. Bei der Deutschen Bank etwa arbeiten unterhalb des Vorstandes immerhin 14,8 Prozent Frauen, bei der Münchener Rück sind es je nach Hierarchieebene zwischen acht und 18 Prozent.
"Wenig Frauen an der Führungsspitze", HB 3.1.2009


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Der "ehrbare Kaufmann" steht wieder auf der Agenda 
Montag, 2. Februar 2009 - Management
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat sich in einem interessanten Beitrag dem Leitbild des "ehrbaren Kaufmanns" angenommen. Vor dem Hintergrund der im Zuge der Wirtschaftskrise wieder anschwellenden Diskussion über die Moral von Managern rekapituliert der Artikel die Entwicklung des Ehrbarkeitsideals. Der ehrbare Kaufmann wurde erstmals im Mittelalter in italienischen Handelsbüchern thematisiert - in diesen Leitfäden gaben Familienpatriarchen ihre geschäftlichen Erfahrungen an ihre Nachfolger weiter. "Die Ehrbarkeit wurde als die Summe einzelner Charakterzüge verstanden, die dem Kaufmann nutzten, um eine vertrauensvolle Beziehung zu seinen Geschäftspartnern aufzubauen: darunter Ehrlichkeit, Sparsamkeit, politischer und ökonomischer Weitblick, Mäßigkeit, Ordnung, Genügsamkeit, Fleiß und Demut", schreibt die FAZ. Über Handelskontakte hielten diese Grundsätze alsbald auch in Deutschland Einzug, wo sich die Kaufleute der Hanse zu Anstand und Geradlinigkeit verpflichteten. Befürworter der heutigen Zeit gehen davon aus, dass die Idee des "ehrbaren Kaufmanns" auch heute im öffentlichen Bewusstsein noch immer zu einem fairen Verhalten anregen kann. Als Allheilmittel gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise könne das Konzept jedoch nicht verstanden werden. "Sie können falsche Spielregeln nicht durch moralisch korrektes Verhalten ersetzen", zitiert die FAZ den DIHK-Präsidenten Ludwig Georg Braun. So greift es wahrscheinlich zu kurz, die gegenwärtigen Verwerfungen in der Weltwirtschaft alleine auf der moralischen Ebene diskutieren zu wollen, denn solange sich moralische Vorstellungen und gängige Praktiken, die ja größtenteils im Rahmen des gesetzlich Möglichen etabliert wurden, noch vielfach eher entgegen stehen als sich wechselseitig befruchten, kann dieser Konflikt kaum alleine auf der Moralebene gelöst werden.
"Leitbild 'Ehrbarer Kaufmann'", FAZ 26.1.2009



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The Power of Dignity: Mikrokredite und Social Entrepreneurship 
Freitag, 30. Januar 2009 - Bücher
Heute möchte ich ein ganz besonderes Schmuckstück vorstellen, nämlich den Bildband "The Power of Dignity", der Unternehmerinnen portraitiert, die sich mit Hilfe der Mikrokredite der von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus gegründeten Grameen Bank eine neue wirtschaftliche Existenz aufgebaut haben. Die Fotos von Roger Richter sind absolut berührend. Sie zeigen, wie viel Stolz und Würde diese mutigen Gründer mit ihrem Wirken zum Ausdruck bringen und vermitteln ein völlig neues Bild von Armut (oder sollte man nicht besser sagen wirtschaftlichem Aufschwung) jenseits aller Klischees. In einem Essay, der sich durch das ganze Buch zieht, erklärt Peter Spiegel (selbst als Gründer des Genisis-Instituts im Bereich Social Entrepreneurship tätig und Biograf von Muhammad Yunus) die Hintergründe zum Thema Mikrokredite und vermittelt Einblicke in die Potenziale einer Social Entrepreneurship. Ein Buch für alle, die auf der Suche sind nach wirklich neuen und nachhaltigen Wirtschaftskonzepten. Weitere Informationen zum Buch sowie die Möglichkeit zur Direktbestellung beim Verlag (in Deutschland versandkostenfreie Lieferung!) finden Sie in unserem »inspire!«-Shop.
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