Business jenseits des Renditedrucks 
Donnerstag, 26. November 2009 - Success Stories
Hohe Renditen für Aktionäre und Boni für Top-Manager haben in der Wirtschaft die Grundsatzfrage aufgeworfen, wie viel Gewinnorientierung im Sinne privater Interessen das Business verträgt. Bei einer Veranstaltung der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn in Kooperation mit dem info3-Verlag zeigten ausgewählte anthroposophische Unternehmen, dass es auch anders geht. Der Naturkosmetik- und Heilmittelhersteller Wala, der Farbenanbieter Stockmar, das Reinigungsmittelunternehmen Sonnet und der info3-Verlag illustrierten, dass ein Wirtschaften auch jenseits dieser "Anreizsysteme" möglich ist. Alle vier Unternehmen haben sich Geschäftsmodelle gegeben, die über teils komplexe juristische Konstruktionen privaten Besitz am Unternehmen verhindern. Wala beispielsweise "gehört" einer Stiftung, der die Gewinne des Unternehmens zufließen. Auf dieser Basis wird ein Kapitalstock gebildet, der in die weitere Expansion des Unternehmens fließt, so dass dieses nicht vom Kapitalmarkt abhängig ist - eine Strategie, die zu einem zwar langsamen, aber nachhaltigen Wachstum führt. Die anthroposophischen Unternehmer sehen ihre primäre Aufgabe darin, im besten Sinne des Wortes "etwas zu unternehmen", anstatt schlicht auf Kapitalmaximierung erpicht zu sein.
Kapital als Verantwortung, info3-Blog 11.11.09

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Fairness als Antriebsfaktor im Business 
Mittwoch, 25. November 2009 - Studien
Armin Falk, Professor an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bonn, stellt mit seinen Forschung im Bereich Neuroökonomie das Bild des homo oeconomicus gründlich auf den Kopf. In verschiedenen Experimenten belegt er, dass Menschen in wirtschaftlichen Kontexten nicht alleine von egoistischen Motiven getrieben werden und sich Leistungen nicht durch Kontrolle erpressen lassen. Beim klassischen Experiment des Teilens etwa, bei dem eine Person einen Betrag X erhält und einer anderen davon etwas abgeben kann oder auch nicht, zeigt sich: Erhält der Empfänger einen Anteil von weniger als 40 Prozent der Gesamtsumme, verweigert er den Deal - mit dem Ergebnis, dass beide Beteiligten leer ausgehen. Rein ökonomisch betrachtet wäre für ihn jedoch bereits ein geringer Betrag ein "Gewinn". Der Versuch zeigt, dass es darum anscheinend nicht ausschließlich geht, sondern auch das Gefühl, fair behandelt worden zu sein, eine Rolle spielt. Bei einer Variante des Experiments verdreifacht der Versuchsleiter den Betrag, der weitergegeben wird. Und das Gegenüber hat dann die Möglichkeit, von dieser erhöhten Summe dem Geber etwas zurückzugeben. Aus Sicht des homo oeconomicus müsste der Empfänger eigentlich die volle Summe behalten, also seinen persönlichen Gewinn maximieren. Im Labor zeigt sich jedoch, dass der Empfänger dem Geber in den meisten Fällen etwas zurück gibt. Falk untersuchte auch, welches Verständnis Chefs und Arbeitnehmer von gerechter Bezahlung haben. Nach Absolvieren einer Aufgabe, die vom Chef delegiert wird, erhält dieser dafür einen Betrag X und muss ihn mit demjenigen, der die Arbeit ausgeführt hat, teilen. Die "Arbeiter" erwarten hier im Schnitt einen Anteil von zwei Dritteln, während die "Chefs" ihnen nur etwa 40 Prozent zubilligen. Der "Ärger" über diese Ungleichbehandlung zeigt sich bei den "Arbeitern" in Form einer deutlich erhöhten Herzfrequenz. Für Falk ein wichtiges Signal im Hinblick darauf, dass Stress in westlichen Ländern die Hauptursache für Herzerkrankungen ist. Strenge Kontrolle erzeugte in Falks Experimenten Gegenwehr, denn Mitarbeiter, deren Entlohnung an die Befolgung genauer Vorschriften gekoppelt war, leisteten deutlich weniger als diejenigen, die selbstbestimmt und ohne Vorgaben arbeiten durften. Die stark fremdbestimmten Mitarbeiter bestätigten, dass sie auf das ihnen auf diese Weise entgegengebrachte Misstrauen bewusst mit Leistungszurückhaltung reagiert hätten. Unter dem Strich zeigen all diese neuroökonomischen Experimente, dass Fairness und Selbstbestimmung zum einen im Business eine große Rolle spielen und zum anderen gute Geschäfte fördern können.
Warum Egoismus im Geschäftsleben schadet, Spiegel online 12.11.09

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Persönliche Entfaltung macht glücklich 
Dienstag, 24. November 2009 - Arbeit
Über die glücksstiftende Wirkung materieller Güter wurde bereits viel geforscht. Uns es zeigt sich immer wieder: Bis zu einer gewissen Einkommensgrenze können Steigerungen des Einkommens tatsächlich Menschen vorübergehend glücklicher machen. Über die Zeit gesehen treten jedoch Gewöhnungseffekte ein. Und ein weiterer wichtiger Faktor, der individuelle Glücksgefühle untergräbt: Der Vergleich mit anderen Menschen. Können wir alleine finanzielle Zuwächse verbuchen, macht uns das glücklicher als wenn Gesellschaften insgesamt mehr Wohlstand erwirtschaften. "Die wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen deutlich, dass nicht nur Materielles unser Glück bestimmt. Insbesondere die Arbeitslage ist ein entscheidender Glücksfaktor", sagt etwas Bruno Frey, Professor an der Universität Zürich, in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Ein weiterer Artikel in der gleichen Ausgabe hebt den Faktor Bildung als wichtigen Faktor für persönliche Zufriedenheit hervor. So zeigen immer mehr Studien, dass mit dem Bildungsgrad nicht nur die individuellen Einkommensmöglichkeiten steigen und die Gefahr sinkt, arbeitslos zu werden (Arbeitslosigkeit trägt nicht nur zum Empfinden persönlichen Unglücks bei, sondern kann sogar zum Krankheitsfaktor werden), sondern auch, dass sich das persönliche Wohlbefinden verbessert. Vergleicht man Menschen gleicher Einkommensgruppen im Hinblick auf ihren Bildungsgrad, so zeigt sich: "Die Qualifizierten sind auch bei identischem Verdienst seltener krank, weniger kriminell, zufriedener mit ihrem Leben, lassen sich seltener scheiden und fühlen sich seltener gestresst." Einer der Gründe: Ein längerer Schulbesuch führt dazu, "dass man eine Arbeit bekommt, die mehr Prestige hat, mehr Autonomie bietet, mehr Gelegenheit zu sozialer Interaktion, mehr Anerkennung und bessere Arbeitsbedingungen". All diese Parameter stehen für Momente der persönlichen Entfaltung und verdeutlichen, dass es Menschen anscheinend nicht nur darum geht, im Leben materiell etwas zu erreichen, sondern vor allem auch darum, sich in ihrer Persönlichkeit zu entfalten und auszudrücken.
Wohlstand allein macht nicht glücklich, FAS 15.11.09
Kind, geh doch zur Schule! FAS 15.11.09

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Quer denken, geradlinig handeln 
Montag, 23. November 2009 - Success Stories
Die FAZ, die sich ja nicht gerade zum Vorreiter alternativer Businessperspektiven macht, ist immer für Überraschungen gut. In einem sehr wohlwollenden Kommentar (der allerdings, sucht man ihn im FAZ-Onlinearchiv, als "Glosse" rubriziert ist) geht das Blatt darauf ein, was den Alnatura-Gründer Götz Rehn so erfolgreich macht. So lobt die FAZ Rehn, weil er nicht vor Zwängen kapituliert, sondern mutig auf seine Weise die Wirtschaft gestaltet. Frischfleischtheken gibt es bei Alnatura nicht, weil der Chef findet, dass die Menschen weniger Fleisch essen sollten. An Preiskämpfen beteiligt sich das Unternehmen nicht, sondern achtet darauf, dass die Lieferanten ordentlich bezahlt werden. Und beim Verpackungsdesign dürfen sich schon einmal die Kunden austoben anstelle hochbezahlter Agenturen. "Auch Rehn kann sich Marktzwängen nicht entziehen. Aber der mittelständische Unternehmer zeigt, dass auch die Zwänge dem noch genug Spielraum lassen, der wirklich etwas ändern will", kommentiert die FAZ. Erleichtert hat dem Redakteur dieses Fazit aller Wahrscheinlichkeit das exzellente Jahresergebnis, das Alnatura gerade präsentierte. Während der Biomarkt in Deutschland in diesem Jahr wohl nur um zwei Prozent wachsen wird, verkündete Alnatura für das gerade abgelaufene Geschäftsjahr einen Zuwachs von bereinigt knapp unter zehn Prozent. Gut sein lohnt sich also.
Die Alternative Alnatura, FAZ 12.11.09

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Konsum braucht Sinnhaftigkeit 
Freitag, 20. November 2009 - Management
Die Werbeagentur BBDO Düsseldorf hat in einer Studie einen neuen Bewusstseinsruck der Konsumenten ausgemacht in Richtung "des Wesentlichen und des Bedeutungsvollen". CEO Andreas Trautmann erklärt im Interview mit dem Magazin Absatzwirtschaft, welche Motive Unternehmen ansprechen sollten, um Kunden, die durchaus bereit sind, auch höherpreisige Produkte in Erwägung zu ziehen, anzusprechen. "Das Selbst entwickeln", "das Gewissen beruhigen", "die Einbindung erleben", "an Substanz gewinnen" und "Fürsorge genießen" sind nach Ansicht des Werbeexperten wichtige Trigger. Sein Rat: Anbieter müssen Standpunkte einnehmen. Als Beispiele, wie das funktionieren kann, nennt er den Energieversorger EnBW, der Kunden mit intelligenten Stromzählern hilft, Energie und damit Geld zu sparen, oder die britische Supermarktkette Sainsbury, die Starkoch Jamie Oliver auf Rezepte aufmerksam machen ließ, mit denen eine ganze Familie mit nur fünf britischen Pfund satt wird. Ob Aktionen wie diese wirklich bereits wesentlich oder gar bedeutungsvoll sind? Nette Ideen, ja, und in gewisser Weise sinnvoll auch, aber "einen Standpunkt einzunehmen" bedeutet doch ein bisschen mehr ...
"Konsumenten suchen derzeit nach der Sinnhaftigkeit im Konsum", Absatzwirtschaft 11.11.09

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Volksbanker finden mit Zen zu besserer Leadership 
Donnerstag, 19. November 2009 - Management
Weil es so spannend ist, heute gleich noch ein Beitrag über Zen im Management. Die Volksbank International mit Hauptsitz in Wien hat im Sommer im Rahmen ihrer Führungskräfteentwicklung ein Seminar "Zen for Leadership" abgehalten. Vorstandschef Friedhelm Boschert initiierte die Weiterbildung, weil er davon überzeugt ist, dass Zen den Führungskräften dabei hilft, zu ihrer Authentizität zu finden. Er selbst habe mit Zen mehr Gelassenheit, Ruhe und Konzentration entwickelt. Bei seinen Managern, die am Training teilnahmen, beobachtet er mehr Offenheit, eine verstärkte Teamfähigkeit und wachsende Empathie. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer praktiziert auch nach Abschluss des Seminars weiterhin Meditation. Und Boschert ist sich sicher, dass weitere Führungskräfte der Volksbank International in den Genuss des Zen-Trainings kommen werden.
Antworten von innen: Zen für Führungskräfte, Der Standard, 4.9.09

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Meditation als Kraftquelle im Job 
Mittwoch, 18. November 2009 - Management
Zen-Meditation wird für immer mehr Manager zum wirkungsvollen Weg, um mit den Herausforderungen des Berufsalltags besser zurechtzukommen. "In der Krise beherrschen Stress und Ängste Management wie Mitarbeiter. Auch Führungskräfte stoßen da an mentale Grenzen. Und suchen nach neuen Wegen, um zu Gelassenheit und Kraft zu kommen", schreibt die Berliner Morgenpost über ein Zen-Seminar mit Zen-Meister Hinnerk Polenski. Der meint, dass Meditation Selbstvertrauen, inneres Gleichgewicht, Kreativität, körperliche Kraft und eine Verbesserung der kognitiven Funktionen mit sich bringe. Auch Helmut Rümke, Gründer der Zen Leadership School, findet, dass Zen wesentliche für Manager nötige Kernkompetenzen fördere: "Wer konzentriert ist, kann Prioritäten setzen. Und hat so Energie und Zeit für das Wesentliche. Wenn wir Unbekanntes zulassen, können wir aus verschiedenen Möglichkeiten wählen und gezielt agieren statt reagieren."
Effektiver Arbeiten mit Zen, Berliner Morgenpost 16.8.09

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Firmentreue wird mit geringeren Gehältern bestraft 
Dienstag, 17. November 2009 - Management
Mitarbeiter, die ihrer Firma lange treu bleiben, bezahlen dafür in Euro und Cent, denn über die Jahre verdienen sie deutlich weniger als Job-Hopper, die alle paar Jahre den Arbeitgeber wechseln. So berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass je nach Hierarchiestufe Gehaltsunterschiede von bis zu 20 Prozent an der Tagesordnung sind. Die Rechnung ist einfach: Wer alle paar Jahre die Firma wechselt, lässt sich dies mit einem Aufschlag versüßen. Dieser ist zwar in Krisenzeiten gefallen - und lag 2007 bei etwa fünf Prozent, während es 2008 nur noch 1,5 Prozent waren -, doch summier sich das über die Jahre dennoch. Für Personalberater ist klar: Jobwechsel sind immer mit einem Risiko behaftet, so dass der finanzielle Bonus für die Wechselwilligen gerechtfertigt erscheint. Andererseits: Diese Politik ist natürlich auch ein schlechtes Signal für "treue" Arbeitnehmer, denn sie werden indirekt benachteiligt, wenn sie mit ihrem Wissen dem Arbeitgeber über lange Jahre zur Verfügung stehen. Rein rechnerisch wäre es auch für die Unternehmen überlegenswert, einen "Bleibebonus" einzuführen, denn mit jedem Mitarbeiterwechsel verlieren die Firmen Know-how und Erfahrung - Faktoren, die mit teuren Personalentwicklungsmaßnahmen wieder kompensiert werden müssen.
Gleiche Position, höheres Gehalt, FAZ 7.11.09

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