Die dunkle Seite des Konsums 
Freitag, 22. Januar 2010 - sonstiges
Das anthroposophische Magazin info3 beschäftigt sich in seiner Januar-Ausgabe mit der Kehrseite des Konsums. Nachdem die erste Euphorie zu nachhaltigem Konsum etwas abgeklungen ist, nicht zuletzt unterlegt durch verschiedene Studien, die zeigen, dass die konkrete Kaufbereitschaft der Verbraucher für faire, aber teurere Produkte doch zurückhaltender ist als diesbezügliche positive Selbstaussagen, widmet sich der von mir geschriebene info3-Artikel unter der Überschrift “Ab sofort wird scharf geschossen” der Frage, welche spirituellen Dimensionen sich bei diesem Thema zeigen. Der Glaube, dass "guter" Konsum alleine die Welt verändert, greift meiner Ansicht nach zu kurz, denn - so zeigen verschiedene Experten in dem Kapitel - es birgt durchaus große Gefahren, gewünschte gesamtgesellschaftliche Entwicklungen gewissermaßen an die Wirtschaft zu delegieren. Darüber hinaus blenden wir, wenn wir unseren Konsum durch den Kauf nachhaltig produzierter Produkte versuchen zu adeln, auch mögliche Schattenseiten unserer grundsätzlichen Konsumneigung aus. “Ohne Achtsamkeit sind wir nicht länger Herr unserer Konsumprozesse. Die Prozesse und Konsumobjekte greifen nach uns und wir leisten mit nachlassender Bewusstheit und Energie immer geringeren Widerstand”, sagt etwa Kai Romhardt, Gründer des Netzwerkes Achtsame Wirtschaft. Den vollständigen Artikel können Sie hier mit freundlicher Genehmigung der info3-Redaktion herunterladen. info3 berichtet regelmäßig über Beispiele alternativen Wirtschaftens und stellt Pioniere einer nachhaltigen Ökonomie vor. Ein kostenloses Probe-Abo ist hier erhältlich.

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Deutschland im Vertrauenstief 
Donnerstag, 21. Januar 2010 - Studien
Die Bertelsmannstiftung hat mit einer qualitativen Wertestudie das Vertrauen in Deutschland erforscht. Die Ergebnisse sind ernüchternd, denn rund zwei Drittel der Befragten zeigen sich resigniert, schätzen die aktuelle Lage sehr negativ ein und sind auch für die Zukunft eher skeptisch. Der Niedergang des Vertrauensniveaus ist dabei der Studie zufolge nicht allein auf die jüngste Krise zurückzuführen, sondern das Vertrauensniveau erodierte bereits in den 90-er Jahren. Die Studie entwickelt aus den qualitativen Antworten der Befragten vier unterschiedliche Wertecluster. 25 Prozent der Befragten begreifen die Gesellschaft vor allem als Solidargemeinschaft und machen ihr Vertrauen davon abhängig, wie sehr Chancengleichheit umgesetzt wird. Mit 31 Prozent die größte Gruppe setzt vor allem auf individuelle Leistungsfähigkeit und entsprechende Freiräume, möchte eigene Ziele durchsetzen und setzt auf Eigenverantwortung und Leistungsförderung. 25 Prozent streben wiederum vor allem nach Planungssicherheit, wobei sie mehr das eigene Wohlergehen als das der Gemeinschaft im Auge haben. 20 Prozent favorisieren eine Gesellschaft mit mehr Bürgerbeteiligung, da sich ihrer Meinung nach Vertrauen am ehesten in der aktiven Beteiligung an politischen Prozessen entwickelt. Die Betrachtung des Wirtschaftssystems fällt vernichtend aus, denn die Befragten setzen die aktuelle wirtschaftliche Grundordnung mit Egoismus förderndem Wettbewerb (93 Prozent), Zukunftsangst (93 Prozent) und einer Abkopplung von der Wirklichkeit (92 Prozent) gleich.
Studie der Bertelsmann-Stiftung

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Die eigenen Präferenzen erkennen und leben 
Mittwoch, 20. Januar 2010 - Arbeit
In einem Interview mit der Psychologin Susan Pinker wirft die FAZ einen interessanten Blick auf die Frage, wie sinnvoll es überhaupt ist, an das Karriereverhalten von Frauen und Männern gleiche Maßstäbe anzulegen. Zahlreiche Studien belegen längst, dass Frauen in den Führungsetagen meistens eine Minderheit darstellen. Pinker behauptet, dass dies nicht nur an den von Männern in Machtpositionen gezogenen gläsernen Decken liege, die Frauen einen Aufstieg erschweren, sondern schlicht daran, dass Frauen einfach völlig andere Prioritäten verfolgen - weil sie schlicht anders sind als Männer: "Dahinter stecken die Hormone. Bei Männern spielt das Testosteron eine große Rolle, es macht sie abenteuerlustig, kampfbereit, aggressiv. Frauen hingegen können sich gut einfühlen in andere, haben Mitgefühl. Auch das geht auf ein Hormon, Oxytozin, zurück. Schon im Säuglingsalter reagieren Mädchen auf Gesichter, Jungen auf mechanische Pendel. Nur zehn, fünfzehn Prozent der Frauen wollen sich bis an die Spitze durchbeißen - und sind bereit, dafür so viel zu opfern, wie Männer das tun. Den meisten Frauen ist der Chefsessel nicht wichtig. Eine erfolgreiche Frau sattelt gerne um, einen Mann spornt der Erfolg zu noch mehr Ehrgeiz an." Pinker warnt davor, beim Thema berufliche Karriere alleine männliche Maßstäbe anzulegen: "Wir müssen aufhören, den Mann als Standard zu sehen. Männer setzen alles auf eine Karte, auf der steht: Karriere, Geld, Macht. Bei Frauen steht daneben noch einiges, was ihnen ähnlich wichtig ist." Laut Pinker ist ein eher männliches Karriereverhalten von Frauen eher in gesellschaftlichen Umbruchszeiten zu verzeichnen, wenn Gesellschaften einen emanzipatorischen Sprung machen. Sind jedoch gleiche Rechte erkämpft, folgen Frauen wieder mehr ihren ureigenen Neigungen und schlagen eher - häufig gesellschaftlich nicht sonderlich anerkannte - Berufswege ein, die ihrem Naturell entsprechen. Die kritischen Fragen der FAZ-Redakteurin im Interview zeigen mehr als deutlich, wie schwer wir uns damit tun, anzuerkennen, dass Männer und Frauen vielleicht wirklich grundverschieden sind. Und dass gerade viele Frauen lieber männlichen Idealen nacheifern als zu ihrem ureigenen Weg zu stehen.
"Vielen Frauen ist der Chefsessel nicht wichtig", FAZ 12.1.2010

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
VWL muss sich an menschlichem Verhalten orientieren 
Dienstag, 19. Januar 2010 - Wissenschaft
Der Nobelpreisträger Paul Krugman kritisiert in einem Interview mit dem Handelsblatt die grundsätzliche Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre, die sich seiner Einschätzung nach viel zu weit von den menschlichen Realitäten der Wirtschaft entfernt hat. "Moderne Wirtschaftswissenschaft muss auf einer realistischen Beschreibung menschlichen Verhaltens basieren – nicht wie bislang auf der Annahme, dass wir alle rational agieren", fordert der Kritiker der Mainstream-Ökonomie. Krugman rät dazu, Modelle endlich als das zu erkennen, was sie wirklich sind, nämlich nur Orientierungsrahmen, die nicht zum Selbstzweck werden dürften. Seine Kritik: Während in Modellen stets von rationalen Akteuren ausgegangen werde, sei hier für den "irrationalen Überschwang", der sich im tatsächlichen Leben zeige, kein Raum und er werde vernachlässigt. Von der Wirtschaftswissenschaft fordert Krugman eine grundlegende Weiterentwicklung, die den Herausforderungen der Zeit gerecht werde, anstatt eine weitere Flucht in die Mathematik voranzutreiben.
Nobelpreisträger Krugman will alte VWL-Weisheiten "beerdigen", HB 11.1.2010

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Hohe Managergehälter: Der Schuss geht nach hinten los 
Montag, 18. Januar 2010 - Studien
Zwei neue Studien aus den Amerika nähren die wachsende Kritik an hohen Gehältern für Manager, denn sie zeigen, dass zu gut bezahlte Top-Führungskräfte der Performance von Unternehmen und damit auch den Aktionären nicht unbedingt zuträglich sind. Finanzprofessor Raghavendra Rau von der Purdue Universität stellte in einer Untersuchung fest, dass die Unternehmen mit den am höchsten bezahlten Vorstandschef der Konkurrenz deutlich hinterher hinken. Die Studie beleuchtete die Vergütung und Aktienkursentwicklung von rund 1.500 Firmen im Zeitraum von 1994 bis 2006 in jedem Jahr und zeigt, dass die 10 Prozent der Unternehmen mit den bestbezahlten Vorstandschef sich gegenüber Branchenkonkurrenten jeweils in den fünf Folgejahren um 12,3 Prozentpunkte schlechter entwickelten. Während die Verluste der Aktionäre sich im Jahr auf 2,4 Milliarden Dollar beliefen, verdienten die Vorstände im Schnitt 22,7 Millionen Dollar - jeder Dollar Vorstandssalär brachten den Anlegern also 100 Dollar Verlust ein. Die Harvard Universität arbeitete einen anderen interessanten statistischen Zusammenhang heraus. Je höher die Vergütung des Vorstandschefs anteilig an der Gesamtvergütung der fünf Top-Manager eines Unternehmens ausfällt, desto niedriger sind die zukünftigen Gewinne und Marktbewertung der Firma. Untersucht wurden hier 2.000 Unternehmen. Unter dem Strich scheinen die hohen Managementgehältern also lediglich denen zu nutzen, die sie gezahlt bekommen.
Hohe Managergehälter sind schlecht für Aktionäre, FAZ 8.1.2010

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Müßiggang ist aller Kreativität Anfang 
Freitag, 15. Januar 2010 - sonstiges
Ohne die Kunst des Müßiggangs wären der Menschheit viele geistigen Durchbrüche versagt geblieben. Von Isaac Newton sagt man, dass ihm die wichtigsten Erkenntnisse zu seiner Gravitationstheorie beim versonnenen Aufenthalt im Obstgarten zuflogen und dem Chemiker Friedrich Kekulé erschloss sich die von ihm gesuchte Struktur des Benzolrings im Traum. Auch René Descartes, Begründer des modernen Rationalismus, war eher ein Müßiggänger, der mit Vorliebe morgens im Bett seinen klugen Gedanken nachhing. Doch in der heutigen Beschleunigungsgesellschaft scheint uns die Fähigkeit zur bewusst gelebten Eigenzeit jenseits äußerer Zwänge abhanden gekommen zu sein. In seinem Artikel listet der Zeit-Redakteur Ulrich Schnabel vier Hürden auf, die es zu überwinden gilt, um den Müßiggang wieder für sich zu entdecken. Wer mit Zeitmanagement versuche, freie Zeit für Mußestunden zu gewinnen, verkenne beispielsweise, dass ständiges Gehetztsein längst ein gesellschaftliches Problem sei. "Wer von lauter gehetzten Menschen umgeben ist, kann sich selbst davon nicht plötzlich ausnehmen und zum entspannten Müßiggänger werden", so Schnabel. Fehler Nummer zwei: Muße mit Wellness zu verwechseln und einem Nützlichkeitsdenken zu unterwerfen. Wer glaubt, mit Mußestunden seine Schaffenskraft wiederherstellen zu können, verkenne, dass diese Verwertungslogik der Zielfreiheit von Muße diametral entgegengesetzt ist. Die Wissenschaft zeigt hingegen, dass das Gehirn sogar Phasen des Nichtstuns braucht, um sich wieder sortieren zu können. Haben wir dann einmal freie Zeit, unterstellen wir diese einem hohen Erwartungsdruck. Wir erwarten Genuss, Ruhe oder Freude und sind enttäuscht, wenn bei unseren Mußestunden nichts herauskommt. Hemmnis Nummer vier: Die schier unendlichen Möglichkeiten des Konsums oder der Freizeitgestaltung, die uns zur Verfügung stehen, machen uns unruhig, da wir ständig am Abwägen und Wählen sind, was für uns wohl das Beste sein könnte. Und jede Wahl schließt andere Optionen aus, was unsere Unzufriedenheit nährt. Der Weg aus diesen Dilemmata führt laut Schnabel schlicht über eine selbst geschaffene Souveränität: "Die wahre Kunst des Müßiggangs steht also nicht in entsprechenden Muße-Angeboten. Vielmehr gilt es, mit der fatalen Logik des Immer-mehr zu brechen und das trügerische Freiheitsversprechen der Multioptionsgesellschaft zu durchschauen. Wem es gelingt, sich diese Form der Selbstbestimmung zu bewahren, der dürfte am ehesten auch jene innere Ruhe finden, nach der wir uns alle so sehnen."
Die Wiederentdeckung der Muße, Die ZEIT 30.12.09

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Viel Geld lässt Sorgen wachsen 
Donnerstag, 14. Januar 2010 - Wissenschaft
Geld allein macht nicht glücklich - das belegen immer mehr Studien. Andererseits kann viel Geld sogar zu mehr Sorgen führen, so Jürgen Schupp, Forscher am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Zwar sei für Reiche die Chance, noch reicher zu werden, größer geworden, doch zeigt sich, dass Personen, die das Doppelte des Durchschnitts verdienen, sich gegenwärtig sogar mehr Sorgen machen, denn die Angst vor dem Absturz wächst. "Wer oben angekommen ist, orientiert sich nicht mehr nach unten - sondern an anderen Reichen. Gerade jetzt in der Krise wird da schnell klar, dass man auch wieder abstürzen kann. Darum sieht man die Zukunft mit mehr Sorge. Die Unbekümmertheit ist dahin, weil man versteht, dass man alles verlieren kann. Das ist der sogenannte Schickedanz-Effekt, benannt nach Madeleine Schickedanz, der Quelle-Erbin, die im vergangenen Jahr ein Vermögen verlor...", so Schupp. Dass es gerade die Vergleiche, die jeder für sich persönlich zieht, sind, die letztlich unglücklich machen, belegt auch eine andere Entwicklung. Freut man sich eben noch über die Gehaltserhöhung und erfährt kurz darauf, dass ein Kollege für die gleiche Arbeit deutlich mehr verdient, ist das Glücksgefühl mit einem Schlag dahin, denn das eigene Glück ist immer auch Ergebnis eines Vergleichs mit anderen. Umgekehrt könnte man auch schließen: Wer sich für das eigene Glücksempfinden hilfreichere Vergleichsfelder sucht, wird leichter und öfter glücklich sein.
Warum sich reiche Menschen mehr Sorgen machen, Spiegel online 1.1.2010

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Produktivitätskiller Rundumverfügbarkeit 
Mittwoch, 13. Januar 2010 - Studien
FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher sieht im Multitasking eine Körperverletzung, vom Geist ganz zu schweigen. Immer mehr Studien belegen, dass die Rundumverfügbarkeit von Beschäftigten via elektronische Kommunikation ein wahrer Produktivitätskiller ist. Eine Untersuchung des Henley Management College in Großbritannien zeigt beispielsweise, dass Manager dreieinhalb Jahre ihrer Lebenszeit mit irrelevanten Mails verschwenden. Und laut der Unternehmensberatung Basex gehen der US-Wirtschaft jedes Jahr 900 Milliarden Dollar verloren, weil Mitarbeiter ihre Zeit mit Outlook oder sozialen Netzwerken verschwenden. Das Problem: Die Always-On-Mentalität hat sich in den Köpfen vieler Arbeitnehmer so tief verankert, dass selbst von Firmen als Entlastung gedachte, gezielte Offline-Zeiten häufig ins Leere greifen. So stellte Intel fest, dass die Angestellten im Schnitt 20 Stunden pro Woche mit der Beantwortung von Mails beschäftigt sind, von denen 30 Prozent für ihre Arbeit unwichtig sind. Ein testweiser Mail-freier Tag pro Woche und die Verordnung, eingegangene Mails erst nach 24 Stunden zu beantworten, halfen wenig, denn die Mehrheit der Angestellten las ihre Mails weiterhin sofort und viele nutzten den eigentlich Mail-freien Tag, um Mails vorzuschreiben und einfach später abzuschicken. In einer Kultur der Hochverfügbarkeit fällt es eben trotz expliziter Erlaubnis schwer, sich einfach einmal auszuklinken.
Einfach mal abschalten, Die ZEIT 3.1.2010

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter