Vermögen ist nur eine Illusion 
Dienstag, 25. Mai 2010 - sonstiges
Der Finanzanalytiker Volker Looman nimmt in einer Kolumne für die FAZ unsere Vorstellungen zum Thema Vermögen unter die Lupe. Wo der Finanzexperte sonst immer praktische Tipps für die Geldanlage gibt, spricht er dieses Mal auf der grundsätzliche Weise Klartext. Die Angst der Anleger vor Inflation und Verlust und ihre Suche nach sicheren Anlagen stoße an ihre Grenzen, denn: "Alle müssen erkennen, dass es keine Sicherheit gibt." Looman wägt verschiedene, auch von ihm selbst immer wieder empfohlenen Diversifikationsstrategien ab, kommt aber zu einem sehr deutlichen Ergebnis: "Die nüchterne Schilderung der Werthaltigkeit oder Wertlosigkeit der klassischen Geldanlagen ist kein Abgesang auf Besitz. Nur soll sie belegen, dass Geld eben eine Illusion ist. ... Es gibt keine Garantie, dass die Anlagen morgen noch vorhanden sein werden, und es gibt keine Sicherheit, dass die Güter übermorgen noch etwas wert sein werden." Sehr interessant auch die Schlussfolgerung, die Looman aus dieser Einschätzung zieht: "Vor diesem Hintergrund sollten sich die Menschen weniger auf Besitz, sondern auf das Leben besinnen. Sie brauchen - so banal das klingt - jeden Tag zu essen und zu trinken und ein Dach über dem Kopf. Freude und Liebe verschönern das Leben, Angst und Gier vermiesen das Leben. ... Die schlichten Weisheiten sind vielen Menschen nicht zu vermitteln, weil sie glauben, dass es anders gehe. Das ist freilich Selbstbetrug." Nun, das sind klare Worte ...
Angst vor Inflation und Verlust treibt die Anleger zur Verzweiflung, FAZ 15.5.10

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Die subtile Diktatur des Machbaren 
Freitag, 21. Mai 2010 - Arbeit
In einem Beitrag für das Manager Magazin geht Klaus Werle dem in den letzten Jahren immer stärker werdenden Selbstoptimierungswahn nach. Kritisch beschreibt er zahlreiche Angebote zur kindlichen Frühförderung, die schon für die Kleinsten nicht mehr das sinnfreie Spielen und die Welt Erkunden vorsehen, sondern sie schon in frühen Jahren auf Leistung trimmen. Die Eltern treibt meist der Wunsch an, dass aus ihren Kindern einmal "etwas wird" - und genau diese Zielperspektive zeigt, wie extrem sich unser Menschenbild in den letzten Jahren gewandelt hat. Werle nennt dies die "subtile Diktatur des Machbaren": "Diese Hoffnung folgt einem zentralen marktwirtschaftlichen Prinzip: Jeder kann alles schaffen, wenn er nur will. Das ist natürlich eine Illusion - aber eine mächtige. Das neue Leitbild ist der Mensch als Unternehmer seiner selbst, der unentwegt nach Möglichkeiten sucht, sein Potential noch besser auszuschöpfen. Längst zieht sich dieses Streben nach Perfektion durch alle Bereiche. Bessere Jobs, mehr Gehalt, attraktivere Körper, schlauere Kinder - Tausende Ratgeber wiederholen das immergleiche Mantra: Du bist nicht so glücklich, wie du sein könntest. Und das ist deine eigene Schuld. Denn das perfekte Leben ist machbar." Bildungsforscher und Neurobiologen schlagen bereits Alarm, weil die Kinder viel zu früh einer unangemessenen Reizüberflutung ausgesetzt werden. Und die Langzeitfolgen dieses Optimierungswahns sind noch längst nicht abzusehen. Wenn das Motto "Du bist, was du leistest und kannst" zum neuen Paradigma der Gesellschaft wird, ist bereits absehbar, dass es dabei viele Verlierer geben wird.
Very Important Babys, Manager Magazin 7.5.10

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Emotionalität und Rationalität verzahnen 
Donnerstag, 20. Mai 2010 - Arbeit
Angst kostet die deutsche Wirtschaft jährlich 100 Milliarden Euro, behauptet der Professor für Volkswirtschaft Winfried Panse. Er geht davon aus, dass Emotionen den Grad der Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern entscheidend bestimmen und rät deshalb dazu, Emotionalität und Rationalität im Businessalltag enger zu verzahnen: "Führung als Fokus im Management ist eine persönliche Beziehung zwischen zwei oder mehreren Menschen auf ein Leistungsziel hin. Es ist die Verknüpfung von rationalen und emotionalen Faktoren, die einen nachhaltigen Erfolg in der Führung und Entwicklung von Mitarbeitern in unserer heutigen Arbeitswelt ausmacht. Motivation ist ein emotionaler Prozess." Pansen weist darauf hin, dass viele Change-Prozesse scheitern, weil sich alleine auf einer funktionalistischen Ebene angegangen werden und die Gefühlslage der Mitarbeiter nicht berücksichtigen. Dem hält er seine Methode der Entwicklung emotionaler Qualität entgegen: "In der Methode EQu Emotionale Qualität werden emotionale menschliche Handlungsmaxime mit ökonomisch sachlichen Faktoren vernetzt. Acht von zehn Veränderungsprozessen scheitern, weil diese Prozesse viel zu stark auf Ziele, wie rasches Umsatzwachstum und höheren Ertrag konzipiert wurden. Zunächst ist es wichtig die Veränderungen in die Köpfe der Beschäftigen zu bringen und in deren Emotionen positiv zu verankern. Auch Konsumenten durchleben diesen Veränderungsprozess nicht nur rational und suchen nach positiven Kundenerlebnissen."
"Angst kostet der deutschen Wirtschaft 100 Milliarden im Jahr", HB 12.5.10

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Von der Natur lernen 
Mittwoch, 19. Mai 2010 - Management
Die Wirtschaftsbionik gehört zu den neuen Aufsteigern im Bereich der Management-Methoden und immer mehr Weiterbildungsinstitute setzen auf die Weisheit der Natur, um Führungskräften beizubringen, wie sie auch in komplexen Situationen effektiv handeln können. Ein Artikel in der Zeit stellt sechs Krisenstrategien aus der Natur vor. Tipp Nr. 1: Krisen als etwas Normales betrachten - Die Natur könne deshalb so schnell auf Unvorhergesehenes reagieren, weil sie immer mit Schwierigkeiten rechne. Tipp Nr. 2: Langfristig denken - Organismen konzentrieren sich nicht nur auf ihr kurzfristiges überleben, sondern ihre evolutionären Entwicklungsstrategien sind auf Generationen ausgelegt. Tipp Nr. 3: An Veränderungen zügig anpassen - Organismen passen sich kontinuierlich an sich verändernde Umweltbedingungen an und nicht, wie viele Unternehmen, wenn die Herausforderungen bereits bedrohlich werden. Tipp Nr. 4: Stärken und Besonderheiten ausbauen - Organismen konzentrieren sich auf ihre Stärken und versuchen nicht, wie andere Arten zu werden, Unternehmen sollten sich also auf ihre spezifische Kompetenz besinnen und daraus ureigene Lösungen entwickeln. Tipp Nr. 5: Gemeinsam reagieren - In der Natur lässt sich beobachten, dass benachbarte Pflanzen gemeinsam auf Herausforderungen, z.B. Schadstoffe reagieren - jede Pflanze erfüllt den Part, für den sie am besten ausgerüstet ist. Tipp Nr. 6: Steuerungsmechanismen etablieren - Insekten machen im Krisenfall keinen Plan, sie haben ihn bereits und können deshalb im Ernstfall automatisch und schnell reagieren. Klingt alles einfach und manche Berater kritisieren die neue Liebe zur Bionik im Management deshalb auch als Allerweltsweisheiten. Andererseits: Ob man diese Prinzipien nun als Ratschläge der Natur glorifiziert oder sie einfach rational als sinnvoll erkennt - hilfreich sind sie allemal. Der große Vorteil der Natur gegenüber einem Unternehmen: Gerade Pflanzen fehlt eine zentrale Eigenschaft, die das gemeinsame und zielgerichtete Agieren von Menschen immer erschwert - der Egoismus.
Manager sind wie Ameisen, Die Zeit 6.5.10

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Moral ist kein Luxusgut 
Dienstag, 18. Mai 2010 - Arbeit
Der FAZ-Hochschulanzeiger widmet seine aktuelle Ausgabe dem herausfordernden Thema Arbeit und Moral. Eberhard Schockenhoff, katholischer Moraltheologe und Mitglied des Deutschen Ethikrats, warnt davor, bei der Berufswahl allein kurzfristige und vor allem finanzielle Erwägungen einzubeziehen. "Die Moral ist kein Luxusgut, sondern ein ganz wesentlicher Faktor dafür, ob ich in meinem Beruf glücklich werde oder nicht" argumentiert er. Schockenhoff erklärt im Gespräch, dass zwar die meisten Berufe im wirtschaftlich-technischen Bereich ethisch betrachtet neutral sind (Branchen wie die Waffenindustrie nimmt er davon explizit aus), verweist jedoch auf die ethisch-moralischen Dilemmata, innerhalb derer heute viele Firmen navigieren. Seine Haltung zum Thema Gewinn: "Gewinn zu erzielen ist ein legitimes Ziel jedes Unternehmens. Es darf aber nicht das einzige Ziel sein. Der Gewinn soll vielmehr die anderen Ziele ermöglichen, und dazu gehören die langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen, der Aufbau einer wertebasierten Unternehmenskultur, Forschung und die Entwicklung neuer Produkte. In mo¬ra¬lischer Hinsicht problematisch ist es, wenn Manager mit ihren strategischen Entscheidungen allein auf die Steigerung des Börsen¬wertes abzielen. Bei börsennotierten Unternehmen kommt das leider häufig vor."
"Moral ist kein Luxusgut", FAZ-Hochschulanzeiger 6.5.10

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Absolventen legen Wert auf Entfaltung 
Montag, 17. Mai 2010 - Studien
Eine Studie von Kienbaum zeigt: Absolventen legen immer mehr Wert auf ihre Selbstentfaltung im Beruf, während das Gehalt an Wichtigkeit verliert. So stehen für 68 Prozent die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten, die ihnen ein Arbeitgeber bietet, bei der Jobwahl im Vordergrund. 51 Prozent ist eine kollegiale Arbeitsatmosphäre wichtig und 43 Prozent wünschen sich ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit. Das Thema Vergütung folgt für die Absolventen erst auf Rang 4 - sie spielt für 31 Prozent eine wichtige Rolle.
business-on.de 23.2.10

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Auch Verlieren kurbelt die Glückshormone an 
Freitag, 14. Mai 2010 - Wissenschaft
Eine aktuelle Studie aus England wirft ein ganz neues Licht auf die Finanzkrise und den Umgang damit. Wissenschaftler der University of Cambridge haben die Gehirnströme von Glücksspielern gemessen und dabei festgestellt, dass auch in nur "fast erfolgreichen" Spielsituationen das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet wird. Von Menschen, die nicht spielbegeistert sind, werden knappe Misserfolge hingegen als Niederlage gewertet, so dass bei ihnen die Glückshormone nicht fließen. Für die Wissenschaftler erklären diese Zusammenhänge, warum süchtige Spieler so schwer vom Glücksspiel loskommen und gehen davon aus, dass der erhöhte Dopamin-Spiegel die Betroffenen in ihrem Glauben unterstütze, das Glücksspiel sei durch ihre eigenen Fähigkeiten steuerbar. Vergleicht man das Glücksspiel mit dem Verhalten von Börsianern und Investmentbankern, kommt man dann doch ins Grübeln. Überraschen würde es mich jedenfalls nicht, wenn Gehirnstrommessungen hier Analogien ergeben würden. Ein Deal geht in die Hose? Der Markt reagiert anders, als erwartet? Macht ja nichts, das nächste Mal gewinnen wir bestimmt, denn wir haben ja alles im Griff ...
Pech mit dem Glückshormon, wissenschaft.de 5.5.10

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Mozart macht nicht intelligent 
Mittwoch, 12. Mai 2010 - Wissenschaft
Bye, bye Mozart-Effekt. Seit die US-Psychologin in den 1990-er Jahren im Fachmagazin Nature über verbesserte Leistungen nach dem Hören von Mozart-Musik berichtete, riss der Hype um die Intelligenzsteigernde Wirkung der Kompositionen nicht mehr ab. Besseres räumliches Wahrnehmungsvermögen, ein höherer IQ - die segensreichen Wirkungen sind Legende. Wissenschaftler der Universität Wien haben nun 39 Studien mit mehr als 3.000 Testpersonen ausgewertet und kamen zu dem ernüchternden Ergebnis, dass Mozarts Werke keinerlei Einfluss auf kognitive Fähigkeiten haben.
Wissenschaftler entlarven Mozart-Mythos, Die Zeit 4.5.10

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