Die eigenen Werte bewahren 
Mittwoch, 16. Juni 2010 - Arbeit
Burn-out ist in vielerlei Hinsicht auch eine Kopfsache, meint die Gesundheitsexpertin Elke Engels in einem Interview mit der Zeit. "Es ist gut untersucht, dass die innere Einstellung eines Mitarbeiters ein entscheidender Faktor dafür ist, ob er an Burn-Out erkrankt oder nicht. Es geht darum, seine eigenen Werte zu bewahren – Werte wie Familie, Freizeit, Freunde, die viel zitierte Work-Life-Balance. Der Mensch braucht unverplante Zeit, um sich entspannen zu können", so Engels. Die Expertin stellt immer wieder fest, dass von Burn-out Betroffene häufig eher problemorientiert an ihre Arbeit herangehen, während eine eher zielorientierte Haltung es hingegen erleichtert, auch mit großen Herausforderungen konstruktiv umzugehen: "Viele Menschen neigen dazu, problemorientiert statt zielorientiert zu arbeiten. Arbeit nimmt in ihrem Leben den zentralen Raum ein, ein Privatleben findet kaum noch statt. Freizeit, Entspannung und soziale Kontakte sind aber für die Gesundheit sehr wichtig. Menschen brauchen Spiel und Spaß in ihrem Leben, sonst werden sie krank." Wer dann nur die Probleme im Arbeitsleben wahrnehme und krampfhaft versuche, diese zu lösen, feuere die so entstehende Stressspirale noch zusätzlich an. Konzentriere man sich hingegen positiv auf seine Ziele, tue man sich leichter, die entsprechenden Kräfte zu mobilisieren, ohne sich zu verausgaben.
"Der Mensch braucht unverplante Zeit", Die Zeit 8.6.10

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Empathie ist auf dem Rückzug 
Dienstag, 15. Juni 2010 - Studien
Gerade erst hat der bekannte Soziologe Jeremy Rifkin sein großes Buch über die Evolution der Empathie vorgelegt und schon zeichnet sich ein Backlash ab. Während Rifkin in der von ihm gewohnten Akribie aufzeigt, dass der Mensch historisch betrachtet noch nie zu mehr Empathie fähig war als heute, konstatieren Wissenschaftler für die jüngere Zeit eher das Gegenteil. Psychologen der University of Michigan haben 72 verschiedene Studien zum Thema Empathie unter die Lupe genommen, bei denen insgesamt 14.000 Studentinnen und Studenten (Frauenanteil 63 Prozent) zwischen 1979 und 2009 zu ihrer Empathiefähigkeit befragt wurden. Der zugrunde gelegte standardisierten Empathietest Interpersonal Reactivity Index (IRI) misst, inwiefern Menschen fähig und bereit sind, sich in andere hineinzuversetzen und deren Motivationen zu verstehen, Mitgefühl mit anderen zu empfinden und beispielsweise auch sich in Figuren aus Filmen oder Büchern hineinzuversetzen. Bei der Meta-Analyse fiel den Forschern auf, dass die durchschnittlichen Empathiewerte der Studenten heute um etwa 40 Prozent niedriger liegen als bei den Studenten vor zehn oder zwanzig Jahren. Als mögliche Auslöser für das stark rückläufige Einfühlungsvermögen erwägen die Psychologen das generell rauer gewordene Wirtschaftsklima, die Ellbogenmentalität, die durch die Bush-Ära gefordert wurde, aber auch den zunehmenden Medienkonsum und gewaltdarstellende Computerspiele.
Empathie trocknet bei der Generation "Ich" aus, Telepolis 2.6.10

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Skepsis gegenüber Wachstumsprämissen wächst 
Montag, 14. Juni 2010 - Management
Stillstand bedeutet Rückschritt, so die These vieler Wachstumsverfechter, die wirtschaftliche Prosperität allein an steigendem Konsum, höherem BIP oder höheren Umsätzen festmachen. Schon 1972 wies der Club of Rome darauf hin, dass permanentes Wachstum womöglich seine Grenzen haben könnte. Im wirtschaftskritischen Lager ist diese These seit Jahrzehnten ein Gemeingut. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zeigt nun in einem Übersichtsbeitrag, dass die Zahl der Wachstumskritiker aus dem bürgerlich-akademischen Lager wächst und nicht nur Attac-Sympathisanten oder Vertreter des linken Lagers ähnliche Befürchtungen hegen. Der frühere bayerische Landtagspräsident Alois Glück (CSU) beispielsweise lieferte mit seinem Buch "Warum wir uns ändern müssen" einen Entwurf für eine qualitativ ausgerichtete ökosoziale Marktwirtschaft. Die Duisburger Politologin Ute Klammer mahnt an, gesellschaftliche Perspektiven zu entwickeln, die sich nicht auf Wachstum berufen. Und der ehemalige CDU-Generalsekretär und sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf wirft die Frage auf, wie sich die Demokratie ohne Wachstumsversprechen in Zukunft ausgestalten lässt. In der Wissenschaft und auf dem Buchmarkt gärt es also, doch finden diese Impulse in der aktuellen Politik noch wenig Resonanz. Hier wird eher so getan, als ginge nach der Krise (wann immer das sein wird) alles weiter wie bisher.
Die Zweifel am Wachstum wachsen, FAZ 7.6.10

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Meditation zähmt die Gefühle 
Freitag, 11. Juni 2010 - Wissenschaft
Der Tagesspiegel stellt in einem Beitrag neueste Forschungsergebnisse zum Thema Meditation vor. So kommt darin der Psychologe Dr. Ulrich Ott zu Wort, der am Bender Institute of Neuroimaging an der Universität Gießen die Auswirkungen von Meditation auf das Gehirn erforscht. Ott betrachtet Meditation als Geistesschulung, die es ermöglicht, den eigenen Körper besser wahrzunehmen, seine Konzentration zu schärfen und gelassener auf Empfindungen zu reagieren. Seine Studien zeigen: "Parallel zu dem psychischen Erleben gibt es Veränderungen im Gehirn." Die mit der Meditation verbundene bessere Fokussierung der Aufmerksamkeit zeigt an deutlich höherer Aktivität im anterioren cingulären Cortex, dem Hirnareal, dem eine wichtige Rolle bei der Aufmerksamkeitssteuerung zugeschrieben wird. Auch die Struktur des Gehirns, das Volumen und die Dichte verändern sich durch Meditation. "Ott konnte bei erfahrenen Meditierenden einen vergrößerten Inselcortex feststellen. In diesem Bereich der Großhirnrinde werden chemische oder physische Signale aus unserem Körper empfangen und in Emotionen wie Liebe, Hass, Verlangen, Abneigung oder Schmerz umgesetzt. Wenn wir den Inselcortex trainieren, sollten wir also auch Kontrolle über unsere Emotionen gewinnen", so der Tagesspiegel. Unter dem Strich: Meditieren lohnt sich.
Die Bändigung der Gefühle, Tagesspiegel 30.5.10

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Entscheider mit Entscheidungsschwächen 
Donnerstag, 10. Juni 2010 - Studien
Das Beratungsunternehmen ComTeam untersuchte in einer Umfrage mit 233 Unternehmensangehörigen - darunter überwiegend Führungskräfte - die Entscheidungskultur in Unternehmen. Ernüchterndes Ergebnis: Nur 30 Prozent der Befragten sind mit dieser zufrieden, 45 Prozent hingegen unzufrieden bis sehr unzufrieden. Die Probleme sind augenscheinlich. So finden zwei Drittel der Befragten, dass ihre Vorgesetzten meist schon eine Lösung im Kopf haben und diese schlicht durchdrücken wollen. Immerhin stehen 50 Prozent der Chefs dann auch voll hinter den von ihnen getroffenen Entscheidungen und treiben deren Umsetzung persönlich voran. Knapp 40 Prozent erleben eine Mitarbeiterbeteiligung im Entscheidungsfindungsprozess eher als Farce, da das Ergebnis ohnehin schon feststehe. Die Kompetenzen der Entscheider kommen in der Umfrage denkbar schlecht weg. So glauben jeweils nur gut fünf Prozent der Befragten, dass ihre Vorgesetzten sehr gut die Komplexität zu lösender Probleme richtig einschätzen und daraus passende Schlüsse für das weitere Vorgehen ziehen sowie die richtigen Stakeholder in sinnvoller Weise einbinden. Nimmt man die Befragten hinzu, die hier ein "gut" vergeben, erreichen die Werte knapp 40 Prozent.
ComTeam-Studie zur Entscheidungskultur

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Meditation - weniger Stress, bessere Denkfähigkeit 
Mittwoch, 9. Juni 2010 - Wissenschaft
Meditation ist gut fürs Gehirn - stellt die Welt in einem Beitrag fest, der aktuelle Forschungsprojekte zum Thema vorstellt. Dass Achtsamkeitsübungen beispielsweise den Blutdruck stabilisieren können, ist bereits länger klar, doch die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung legen noch eins drauf. So zeigen verschiedene Studien, das Meditierer sich besser konzentrieren können und regelmäßige Praxis einer altersbedingten Ausdünnung der Hirnrinde entgegenwirkt. "Meditation ist ein physiologisches Herunterfahren des Körpers. Sie funktioniert wie eine Reset-Taste am Computer in Richtung Lebensstilveränderung und Gesundheit", sagt etwas Andreas Michalsen, Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité in Berlin. Die mit der Achtsamkeitsübung verbundene Stärkung der Konzentrationsfähigkeit ist nicht nur unter Leistungsgesichtspunkten interessant - in der Therapie von Patienten mit Depressionen hat sich gezeigt, dass Meditieren die Rückfallquote um bis zu 50 Prozent reduziert - weil es hilft, das negative Gedankenfeuerwerk, unter dem viele Depressive leiden, in Zaum zu halten.
Meditieren verändert das Gehirn, Die Welt 16.5.10

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Warum Männer und Frauen im Job ganz unterschiedlich ticken 
Dienstag, 8. Juni 2010 - Wissenschaft
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung geht in einem Interview mit der amerikanischen Professorin für Neuropsychiatrie Louann Brizendine der Frage nach, warum Frauen und Männer ein völlig unterschiedliches Verständnis von Karriere haben und Frauen deshalb kaum in Führungspositionen gelangen. "Ein wichtiger Grund findet sich in der Struktur der Arbeitswelt. Sie ist von der Funktionsweise männlicher Gehirne geprägt und spiegelt diese. Frauen, die ganz anders denken, passen dort nicht hinein. Das spüren sie intuitiv und fühlen sich dann permanent entmutigt", sagt Brizendine und geht auch gleich auf das Thema Political Correctness im Kontext der Genderfrage ein: "Es ist tatsächlich bis heute politisch nicht korrekt, zu behaupten, dass sich männliche und weibliche Gehirne in ihrer Funktionsweise dramatisch unterscheiden. Obwohl es wissenschaftlich längst erwiesen ist. Es ist wichtig, das endlich zu akzeptieren, um das Potential der Frauen, ihre Intelligenz und Kreativität auch in der Wirtschaft zu nutzen." Korrekt oder nicht, Brizendine weist darauf hin, dass im Gehirn zwei Gefühlssysteme parallel arbeiten und diese von Männern und Frauen ganz unterschiedlich genutzt werden: "Wenn zwei Menschen über ein Problem kommunizieren, wird zunächst bei beiden Geschlechtern das Gefühlssystem aktiv, das uns dazu befähigt, uns in die Gefühlslage des jeweiligen Gegenübers zu versetzen. Bei Männern allerdings nur für kürzere Zeit. Dann schalten ihre Gehirne auf die Problem-Analyse und die Suche nach Lösungen um. Dabei sorgt das männliche Fortpflanzungshormon, also das Testosteron, dafür, dass männliche Gehirne auf diese kognitive Schiene wechseln." Das führt zur von vielen Frauen wahrgenommenen Kaltschnäuzigkeit im Business. Darüber hinaus arbeiten Männerhirne fokussierter, während Frauen eher mehrere Aspekte in den Denkprozess einbeziehen. Für Brizendine läuft es nicht darauf hinaus, dass das eine besser wäre als das andere - für die Wirtschaft liegt ihrer Meinung die große Chance darin, endlich verstärkt beide Perspektiven zu berücksichtigen. Die Neuropsychiaterin gibt jedoch auch zu bedenken, dass sie erst möglich wird, wenn die Führungspositionen selbst auch mehr auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten werden.
Das Gehirn der Männer. Und die Karriere der Frauen. FAS 30.5.10

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GLS Bank wird Bank des Jahres 2010 
Montag, 7. Juni 2010 - sonstiges
Die Bankenkrise scheint zumindest in Teilen der Bevölkerung zu einem Aufwachen geführt zu haben. Bei der Wahl zur beliebtesten Hausbank der Deutschen, zu der der Nachrichtensender n-tv und das Magazin Börse online von März bis Mai aufriefen, beteiligten sich mehr als 33.700 Teilnehmer und kürten die GLS Bank zum Sieger. Die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Bank mit den anthroposophischen Wurzeln ließ dabei die etablierte Konkurrenz weit hinter sich - so landete die Deutsche Bank beispielsweise nur auf Platz 21. Zwar ist die GLS mit ihren 80.000 KundInnen noch ein kleiner Fisch - die Deutsche Bank hat mehr als hundertmal mehr Kunden -, doch mit ihrer Ausrichtung punktet sie mächtig. Laut Umfragen möchten bereits mehr als zehn Prozent aller Deutschen, dass ihr Geld "Gutes tut" und nicht zu fragwürdigen Spekulationen verwendet wird. Bei der GLS haben sie die Sicherheit, dass dem so ist - und können sich sogar aussuchen, für welche Projekte ihre Anlage als Kredit ausgezahlt werden soll. Was die Konditionen angeht, rangiert die GLS im Mittelfeld - doch ist das ihren Kunden dennoch die Bestnote wert. So kostet das Girokonto mit Service-Karte und Mastercard pro Jahr 64 Euro - bei der Deutschen Bank sind es sogar knapp 20 Euro mehr. Auf Tagesgeld gibt die GLS gegenwärtig 1,1 Prozent, aufs Sparbuch 1,3 Prozent - das ist Durchschnitt. Die Wahl zeigt: Zwar spielt die GLS gegenwärtig noch in einem Nischenmarkt, doch ihre Fans sind treu.
Die Kleinen triumphieren, n-tv 2.6.10

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