Zen als neuer Zugang zur Ethik im Business 
Dienstag, 14. September 2010 - Bücher
Über Ethik gibt es inzwischen Unmengen Bücher am Markt. Sie ergehen sich in Tipps, wie man im Business zu mehr Fairness finden kann, setzen dabei aber vielfach nur auf der strukturellen Ebene an. In seinem Buch "Die Linie im Chaos" geht der Zen-Meister Hinnerk Polenski einen anderen Weg. Er erklärt, wie aus der Philosophie des Zen eine Ethik erwachsen kann, die auf der persönlichen Ebene wirklich verankert ist. Was nutzen uns die schönsten Verhaltensregeln, wenn wir uns nicht im Stande sehen, ihnen zu folgen? Weil tief in unserem Inneren ungelöste Widersprüche gären und uns immer wieder aufs Neue zu destruktiven Handlungen verleiten. Polenski geht mit seinem Buch an die Wurzeln, zeigt, wie wir Einsicht in unsere Handlungsmotivationen gewinnen und uns von häufig unbewussten Reflexen frei machen können. Das Buch glänzt durch seine kraftvolle Verbindung von Innen- und Außenperspektive, denn wer nur eine Seite der Medaille betrachtet, wird zum Scheitern verurteilt sein. Ein absoluter Lesetipp für alle, die nicht nur nach neuen Verhaltensmaßstäben suchen, sondern sich vielleicht auch einfach nur ein bisschen besser kennenlernen möchten!
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Die Wirtschaft braucht einen Bewusstseinswandel 
Montag, 13. September 2010 - Arbeit
"Entspannung ist meiner Meinung nach eine zentrale Voraussetzung dafür, dass sich ein nachhaltiges Bewusstsein entwickeln und etablieren kann", sagt Deutschlands PR-Papst, Zen-Lehrer und Management-Coach Paul J. Kohtes in einem Interview mit dem Info-Portal Nachhaltigkeit.org. Für ihn liegt im Zen der Schlüssel dazu, sich nicht in einstiegen Gewissheiten zu verlieren, sondern mit offenem Blick zu erkennen, welche Herausforderungen vor einem liegen: "Zen führt zu einem andern Bewusstsein, heraus aus dem einseitigen Fokus auf bestimmte Paradigmen oder Wertsysteme. Diese werden damit nicht obsolet, doch man wird sich der Tatsache bewusst, Teil eines Ganzen zu sein. Und in diese ganzheitliche Perspektive kann man jedes Wertsystem selbstverständlich integrieren. Eine solche Adlerperspektive kann in jedes Businessmeeting hineingenommen werden." Laut Kohtes liegt die Wurzel vieler Probleme in der Wirtschaft schlicht in der Angst der Akteure: "Ich glaube, dass viele Wirtschaftsprobleme wesentlich durch tief sitzende Angst in allen Beteiligten vorprogrammiert sind. Das Sicherheitsbedürfnis ist hierbei nicht entscheidend, sondern die Angst. Angst bedeutet immer Enge – und wenn ich eng bin, kann ich nicht weit denken. In diesem engen Denken wird Scheitern mit einer Katastrophe gleichgesetzt. Im Zen hingegen machen Sie die Erfahrung des Scheiterns häufig, Sie lernen damit umzugehen. Wenn Sie sich hinsetzen und still sind, merken sie, dass Sie nicht alles kontrollieren können. Das ist eine frustrierende Erfahrung – furchtbar, gerade für eine Führungskraft. Nun steht sie nicht mehr unter dem Druck des Kontrollierens und Handelns, sondern ist ausgeliefert. Nur wer hiermit vertraut ist, kann die Angst verkleinern."
Entspannt euch!, Nachhaltigkeit.org 1.9.10

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Wir brauchen einen Lebenswandel 
Freitag, 10. September 2010 - Arbeit
In der Wirtschaftswoche spricht der Philosoph Dieter Thomä sehr eindringlich darüber, wie unsere Vorstellungen von der Konsumgesellschaft und unsere Unfähigkeit, herauszufinden, was uns wirklich Glück schenkt, ins Abseits führen. Thomä mahnt zu einem "Lebens-Wandel", in dessen Rahmen wir unsere Wahrnehmungsgepflogenheiten grundsätzlich in Frage stellen. Beim Thema Arbeit etwas rät der Philosoph: "Man muss in der Arbeit leben. Deshalb müssen wir all das stärken, was im Wirtschaftsleben soziale Qualität hat. Wenn man von vornherein in einen Job geht und fragt: Wann habe ich genug Geld verdient? – dann gehen bestimmte Ressourcen von Erfüllung, die in der Arbeit liegen, von vornherein verloren. Wir müssen daher lernen zu trennen zwischen sich abnutzenden und nicht abnutzenden Gütern. Kinder zu haben oder eine glückliche Ehe zu führen – das sind Dinge, die sich nicht abnutzen wie ein Auto oder ein Computer." Eine Falle birgt laut Thomä die Verwirtschaftlichung des Lebens, da wir immer mehr dazu neigen, unser gesamtes Leben im Sinne eines kapitalistischen Konkurrenzdenkens zu bewerten: "Was entsteht, wenn die Wirtschaft alle anderen Sphären infiltriert, ist das, was ich die Wut des Vergleichens nenne. Wir vergleichen uns permanent mit anderen und sehen nur noch Feinde, weil wir uns fragen: Bin ich reicher, glücklicher, schöner? Wer sich auf diese Weise vergleicht, findet keine Ruhe mehr. Der ist immer besser oder schlechter als andere." Thomä hält dieser Konkurrenzspirale die Besinnung auf Beziehungen und soziale Verbundenheiten entgegen und fordert, Unternehmen als soziale Gebilde zu betrachten, die aus den Verbindungen zwischen Menschen bestehen, Politik wieder an einer gemeinsamen Sache auszurichten und nicht als Deal-Making zu praktizieren und den persönlichen Lebensstil an der Frage zu messen, ob er wirklich erfüllend ist.
Ziemlich irrer Lebensstil, WiWo 15.8.10

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Burn-out ist eine Frage der Strukturen 
Donnerstag, 9. September 2010 - Management
Betriebliches Gesundheitsmanagement, Work-Life-Balance, Auszeiten - Ansätze, wie Arbeitende ihre seelische Balance bewahren und im Job nicht ausbrennen, gibt es viele. Sie setzen jedoch häufig auf der falschen Ebene an, meint der Psychologe Markus Väth. Immer mehr Experten weisen in den letzten Monaten darauf hin, dass eine Burn-out-Prophylaxe, die allein auf der persönlichen Ebene ansetzt, also individuelle Maßnahmen und Verhaltensveränderungen empfiehlt, nicht hinreichend ist. "Die meisten Arbeitnehmer leiden nicht unter einem Burn-out-Syndrom, sondern sind einfach überlastet von den Arbeitsprozessen. Das nenne ich einen strukturellen Burn-out. Die eigene Persönlichkeit ist der innerste Kreis in einem System, das von den Bereichen des Unternehmens umschlossen wird. Der präventive Ansatz müsste außen ansetzen. Bevor ich selbst etwas tun kann, muss das Unternehmen aktiv werden und seine Strukturen ändern", so Väth. Der Psychologe rät zu einem konsequenten Abschied von der verbreiteten Multi-Tasking-Kultur und zu einer Wertediskussion in den Unternehmen. "Es gibt viele unausgesprochene Regeln in einem Unternehmen, auch solche, die schädlich sind", sagt Väth. Deshalb helfe es wenig, wenn Mitarbeiter versuchen, zu innerer Balance zu finden, wenn es ihre Umgebung ist, die sie krank macht, beispielsweise weil die Strukturen eines Unternehmens Dinge verlangen, die individuell gar nicht leistbar sind.
Der nächste Burn-out kommt bestimmt, SZ 20.8.10

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Vor der Krise steht der Optimismus 
Mittwoch, 8. September 2010 - Management
Die amerikanische Bestseller-Autorin Barbara Ehrenreich geht in einem Beitrag für die Wirtschaftswoche mit ihren Landsleuten hart ins Gericht. Ihre These: Mit ihrem überbordenden Optimismus übertreiben die Amerikaner nicht nur, sondern eine falsch verstandene positive Grundhaltung kann auch Krisen fördern. Der Wunsch, auch im Negativen noch einen positiven Kern zu sehen, treibt laut Ehrenreich bizarre Blüten: "In der amerikanischen Kultur hat sich jedoch auch die weitaus weniger rationale Theorie verbreitet, dass unsere Gedanken die materielle Welt auf mysteriöse Weise unmittelbar beeinflussen können. Negative Gedanken führen irgendwie zu einem negativen Ergebnis, positive Gedanken hingegen realisieren sich in Form von Gesundheit, Wohlstand und Erfolg." Überspitzt formuliert ist es diese Grundhaltung, die mit zu den Auslösern der Wirtschaftskrise gehört. So glaubt beispielsweise die Mehrheit der Amerikaner, sie werde in Zukunft mehr als das Durchschnittseinkommen zur Verfügung haben, obwohl das mathematisch unmöglich ist. "Gewiss hat zur waghalsigen Akkumulation von nicht rückzahlbaren Schulden und Risikokrediten der nahezu einmütige Optimismus der Experten beigetragen, aber den gleichen Anteil daran hatte auch die ständige überdrehte Euphorie vieler normaler Amerikaner. Unsere Bereitschaft, uns hoch zu verschulden und weiterhin Geld auszugeben, ist aufs Engste mit unserem Optimismus verknüpft. Und die Ideologie des positiven Denkens goss eifrig Öl in das Feuer dieses Optimismus und der dazugehörigen Anspruchshaltung", so Ehrenreich. Die Sozialkritikerin setzt dem überbordenden Optimismus, der positiv mit gut gleichsetzt, einen realistischen Blick entgegen: "Die Alternative zum positiven Denken ist nicht Verzweiflung. Negatives Denken kann genauso realitätsfremd sein wie positives. In beiden Fällen besteht eine Unfähigkeit, Gefühl und Wahrnehmung voneinander zu trennen, und die Einbildung wird zur Realität, wegen des damit verbundenen 'guten Gefühls'. Die Alternative zu beidem besteht darin, dass wir aus uns heraustreten und die Dinge so sehen, 'wie sie sind', also möglichst wenig gefärbt durch unsere Gefühle und Fantasien. Dann erkennen wir, dass die Welt voller Möglichkeiten und voller Gefahren ist, dass wir zugleich die Chance großen Glücks und die Gewissheit des Todes haben."
Die Diktatur des positiven Denkens, WiWo 22.8.10

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Sicherheit und Balance gehen vor 
Dienstag, 7. September 2010 - Studien
Herausforderungen sind schön und gut, aber im Kern sehnen sich die Deutschen vor allem nach Balance und einem sicheren Job, so das Ergebnis einer Umfrage der Beratungsgesellschaft für Employer-Branding Universum Communications unter 20.000 Studierenden. Gefragt nach ihren wichtigsten Karrierezielen, katapultierten die Studierenden "eine ausgewogene Work-Life-Balance" mit 50 Prozent auf Platz ihrer Karriereliste. Intellektuelle Herausforderungen folgten immerhin auf Platz 2 der Rangliste. 37 Prozent der Befragten wollen unbedingt einen sicheren und beständigen Job, immerhin 31 Prozent haben die Vision, einmal zur Führungskraft in leitender Position aufzusteigen. Entrepreneurship gilt vielen hingegen eher als Fremdwort - nur 25 Prozent der Befragten können sich vorstellen, "unternehmerisch oder kreativ/innovativ" zu sein. Selbstständigkeit und Unabhängigkeit kommen gar nur für 20 Prozent der Studierenden in Frage. Abgeschlagen auf dem letzten Platz landet die Option, dem Gemeinwohl zu dienen - das können sich nur zwölf Prozent der Befragten als Karriereziel vorstellen.
Arbeit und Freizeit unter einen Hut bekommen, FTD 12.8.10

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Befreiung aus dem Gefängnis des Lebens 
Montag, 6. September 2010 - Wissenschaft
In den letzten Monaten mehren sich die Berichte darüber, welche positiven Wirkungen von Meditation inzwischen wissenschaftlich belegt sind. Gerade die Arbeiten von WissenschaftlerInnen aus Deutschland, die beispielsweise im November auch bei dem Kongress Meditation & Wissenschaft in Berlin vorgestellt werden, haben großen Anteil an der Gewinnung dieser Erkenntnisse. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung beleuchtet das Thema nun in einem Portrait des Schriftstellers Tim Parks von einer anderen Seite. Parks leidet seit vielen Jahren an sehr schmerzhaften Prostatabeschwerden - ein Umstand, der sein Leben zunehmend unerträglicher werden ließen. Keine Therapie konnte Abhilfe schaffen, kein Medikament die täglichen Schmerzen lindern. Doch Parks gab nicht auf, beschäftigte sich mit alternativen Heilmethoden und stieß schließlich auf eine Methode, die ihn einen Weg finden ließ, mit seinem Leiden konstruktiv umzugehen: Meditation. Zehn Tage Schweigen beim Meditationskurs - ein zunächst befremdliches Erlebnis für den Suchenden, doch schon bald wird der Skeptiker von seinen positiven Erfahrungen eines besseren belehrt. "Es ist möglich, sich diesen Dingen zu nähern, ohne gleich alles glauben zu müssen", sagt Parks in der FAS. Ihm verhilft die regelmäßige Meditation dazu, keine Medikamente mehr zu benötigen. Und er erkennt, dass viele Krankheiten wohl auch mit der Art, wie wir leben, verbunden sind. Bei der Betrachtung seines eigenen Lebens erkennt Parks, wie er größtenteils über Jahre hinweg als Getriebener durchs Leben eilte, sich anstrengte, wo es nur ging, mit übertriebenem Eifer. Seine Krankheit betrachtet er heute als Glücksfall: "Wäre ich nicht ein so großer Skeptiker, würde ich sagen, sie wurde mir vom Himmel geschickt, um mein Leben zu verändern." Parks ist kein Missionar, seine Erfahrungen hat er in einem Buch verarbeitet (Die Kunst stillzusitzen) - frei von Pathos. Ein Beispiel, wie es bereits viele gibt- schön, das sie auch immer öfter ihren Weg in die Medien finden.
Die Befreiung aus dem Gefängnis, FAS 29.8.10

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Stille macht Managern Angst 
Freitag, 3. September 2010 - Management
Mal wirklich Ruhe haben, das bleibt für viele Manager ein Traum. Stellt sich dieses friedliche Szenario dann doch einmal ein, geraten viele in Panik. Octavius Black beschreibt in einem Beitrag für die Financial Times Deutschland, dass Ruhe bei Führungskräften durchaus extreme Reaktionen auslösen kann. So verordnete der Trainer seiner Klientel im Rahmen einer dreitägigen Konferenz eine Stunde Schweigen - sie mussten ihre Blackberrys abgeben und sollten das gemeinsame Mittagessen in Stille verbringen - nicht nur, um die Ruhe zu genießen, sondern auch, um endlich einmal Zeit zum Nachdenken zu haben. Die Reaktionen der Beteiligten fielen höchst unterschiedlich aus. Manche protestierten, schlangen ihr Mittagessen herunter und flüchteten ins Freie, um der Schweigeklausel zu entkommen. Andere entdeckten eine völlig neue Zeitqualität und merkten, dass eine Stunde, die nicht zwanghaft gefüllt wird, sehr lang sein kann. Eine Managerin offenbarte eine für sie "erschreckende" Erkenntnis: "Ich dachte immer, ich habe keine Zeit nachzudenken, aber dann musste ich feststellen, dass ich gar nicht weiß, wie ich nachdenken soll, wenn ich mal die Zeit dazu habe. Das war eine unglaubliche und auch ein wenig erschreckende Erkenntnis."
Sprechverbot zwingt Manager zum Denken, FTD 17.8.10

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