Das gesellschaftliche Klima wird eisiger 
Montag, 13. Dezember 2010 - Studien
Die Langzeitstudie "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit", die mit 10-jähriger Laufzeit Ursachen und Entwicklungen von Vorurteilen im Rahmen einer Forschungsgruppe unter Leitung von Wilhelm Heitmeyer vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung in Bielefeld untersucht, legt zum Jahresende bedrückende Befunde vor. In einer wirtschaftlich geprägten Gesellschaft werden "wirtschaftlich Nutzlose" zum neuen Feindbild, warnen die Forscher. Tagesschau.de umreißt das zentrale Ergebnis der aktuellen Erhebung aus dem Mai/Juni 2010 mit 2.000 Personen wie folgt: "Angefeuert von politischen, medialen und wissenschaftlichen Eliten sind in höheren Einkommensgruppen deutliche Anstiege hinsichtlich abwertender, menschenfeindlicher Einstellungen gegenüber verschiedenen schwachen Gruppen vorzufinden. Dies müsse als eine deutliche Vereisung des sozialen Klimas interpretiert werden, meinen die Forscher." Die Wissenschaftler sprechen von einer "rohen Bürgerlichkeit" - infolge ökonomischer und gesellschaftlicher Kriseneffekte gebe es deutliche Hinweise auf eine "entsicherte wie entkultivierte Bürgerlichkeit". "Die neue Formel des Abbaus von sozialstaatlichem Anrecht auf Unterstützung laute: Gnade durch Wohlhabende und Selbstverantwortung der sozial Schwachen. Die Forscher betonen, dass der gepflegte Konservatismus abgestreift werde: Zivilisierte, tolerante, differenzierte Einstellungen in höheren Einkommensgruppen scheinen sich in unzivilisierte, intolerante Einstellungen zu wandeln. ", so tagesschau.de. In den höheren Einkommensgruppen ab 2.500 Euro netto pro Kopf) nehme die Zustimmung zu Etabliertenvorrechten zu. Wohlhabende fühlten sich trotz nachgewiesener Umverteilung von unten nach oben ungerecht behandelt und werten beispielsweise Langzeitarbeitslose deutlich stärker ab als die Befragten in niedrigen Einkommensgruppen dies tun. "Der semantische Klassenkampf von oben wird ungeniert offenbart", so die Wissenschaftler.
"Rohe Bürgerlichkeit und soziale Vereisung", tagesschau.de 3.12.10


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Von Gutmenschen und Menschenentwicklern 
Freitag, 10. Dezember 2010 - Management
In einem Interview mit der Zeit warnt der Coach Boris Grundl dafür, dass typische Gutmenschen in Führungsverantwortung lähmend fürs Business sind. "Diese Spezies kann Ihnen überall begegnen, im Privatleben und im Beruf. Es sind Leute, die es vordergründig gut meinen und die denken, dass ihre Absichten den Mitmenschen helfen. Die tatsächliche Wirkung ist aber eine andere: Gutmenschen wollen in erster Linie vor anderen gut dastehen. Sie sind harmoniesüchtig, wollen anerkannt und gebraucht werden. Unter einem Chef, der Gutmensch ist, entwickeln sich die Mitarbeiter nicht weiter. Sie erstarren in einem Abhängigkeitsverhältnis und werden unselbstständig", so seine Kritik. Grundl hält dem das konstruktive Bild des Menschenentwicklers entgegen: "Ihm geht es nicht um Status, er liebt stattdessen die Wirkungen und Ergebnisse. Er führt seine Mitarbeiter zu Unabhängigkeit und Stärke, gibt ihnen Verantwortung und lässt sie sich entwickeln. Gute Chefs behandeln ihre Mitarbeiter auch nicht gleich. Es muss Unterschiede geben, denn die Leute entwickeln sich auch unterschiedlich. Nur der Gutmensch schert alle über einen Kamm. Wer das Potenzial als Menschenentwickler hat, kommt in eine Abteilung, nutzt die Verantwortung und sorgt dafür, dass es auch ohne ihn läuft und die Ergebnisse besser werden. Er macht sich im besten Fall überflüssig."
"Der Gutmensch-Chef bremst die Mitarbeiter", Die Zeit 9.11.10

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Gute Laune macht rundum fit fürs Business 
Donnerstag, 9. Dezember 2010 - Arbeit
Gute Laune kann ein starker Leistungsfaktor sein, wie die Wirtschaftswoche in einem Beitrag darlegt. Auf der Basis verschiedener Studien kommt das Magazin zu dem Schluss: "Gute Laune, also jener Zustand, in dem man laut Definition die Umwelt mit durchweg positiven Gefühlen wahrnimmt, wird in der Wissenschaft schon länger erforscht. Die bisherigen Ergebnisse lassen sich so zusammenfassen: Heiterkeit macht aufmerksamer und aktiver. Gutgelaunte sind stressresistenter, ertragen Rückschläge leichter, können besser mit Niederlagen umgehen und lernen daraus mehr. Und natürlich macht Frohsinn kreativ." So zeigte eine Studie, dass Probanden, die mit Musik in eine positive Stimmung versetzt wurden, eine erhöhte Aufnahme- und Analysefähigkeit an den Tag legen. Darüber hinaus fördert Lebenszufriedenheit die Empathie. Fröhliche Mitarbeiter können ihr Ansehen im Unternehmen erhöhen und werden häufiger weiterempfohlen. Auch schätzen Mitarbeiter eine entspannt-fröhliche Atmosphäre am Arbeitsplatz und sind dadurch produktiver.
Wie gute Laune die Leistung steigert, WiWo 2.12.10

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Leistungsbereit, aber die Motivation wird nicht ausgeschöpft 
Mittwoch, 8. Dezember 2010 - Studien
Eine Studie der Hay Group zeigt: Im internationalen Vergleich sind Deutschlands Manager überdurchschnittlich leistungsbereit. 67 Prozent von ihnen zeigen sich motiviert und in der Lage, ihr Engagement im Unternehmen einzubringen - im internationalen Durchschnitt trifft dies nur auf 57 Prozent der Führungskräfte zu. Knapp ein Fünftel der deutschen Führungsriege ist sogar bereit, überdurchschnittlich viel zu leisten, fühlt sich jedoch vom Arbeitgeber daran gehindert. Andererseits: Ein Drittel aller deutschen Manager ist frustriert, unmotiviert oder gar beides. 87 Prozent der befragten Vorstände und Top-Frühungskräfte sind sich zwar der Bedeutung von Motivation bewusst, doch in knapp 70 Prozent aller Unternehmen steht dieses selten auf der Agenda von Vorstandssitzungen. 40 Prozent der Top-Manager gehen davon aus, dass sie selbst wesentlich für das Engagement ihrer Mitarbeiter verantwortlich sind, aber nur neun Prozent der Mitarbeiter im mittleren und unteren Management empfinden die Top-Führungsriege auch als Motivatoren. Immerhin ein Drittel hingegen findet durch direkte Vorgesetzte Motivation. Befragt wurden für die Studie 3.000 Angehörige des unteren und mittleren Managements sowie 300 CEOs aus insgesamt sechs Ländern.
Pressemitteilung Hay Group 1.12.10

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Immer mehr Manager meditieren 
Dienstag, 7. Dezember 2010 - Management
Der Meditationstrend (siehe News von gestern) breitet sich auch immer mehr im Business aus. So berichtet Spiegel online in einem langen Beitrag wieder einmal über Manager, für die Meditation ein wichtiger Faktor bei der Stärkung der eigenen Resilienz ist. Die Erfahrungsberichte zeigen: Für manche Führungskräfte kommt in Zeiten der persönlichen und beruflichen Krise der Moment, in dem sie nach einer Lösung für ihre Probleme auf höherer Ebene suchen. Andere empfinden auf dem Höhepunkt ihrer beruflichen Karriere auf einmal eine Leere, die auf der materiellen Ebene nicht mehr gefüllt werden kann, und suchen so nach einem neuen Sinn. Meditation ist sicherlich kein Allheilmittel, doch die Einblicke in das Leben meditierender Manager zeigen, dass sie auf jeden Fall den Blick für das Wesentliche schärfen kann - wenn man bereit ist, hinzuschauen.
Buddha für Schlipsträger, Spiegel online 1.12.10

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Erster Kongress zur Meditationsforschung 
Montag, 6. Dezember 2010 - Wissenschaft
Vor einer Woche fand in Berlin der Kongress "Meditation & Wissenschaft 2010" statt, den ich für die Identity Foundation, Düsseldorf, und die Oberberg Stiftung, Berlin, organisiert habe. Das besondere: In wirklich einzigartiger und umfassender Weise wurden hier die wichtigsten Ergebnisse der Grundlagenforschung in diesem Feld vorgestellt. Die renommiertesten Wissenschaftler aus Neurowissenschaft, Medizin, Psychologie, Philosophie und Religionswissenschaft entwickelten ein Gesamtbild auf das Thema, wie es in dieser Form noch nicht öffentlich vorgestellt wurde. Dabei wurden vor allem eindrucksvolle Belege geliefert, welche Spuren Meditation im Gehirn hinterlässt, welche positiven Wirkungen in der Medizin zu verzeichnen sind und wie Meditation bei Stressmanagement helfen kann. Auf der Kongresswebseite gibt es inzwischen zahlreiche Materialien zu den Präsentationen. Im Pressebereich finden sich außerdem Pressemitteilungen, die unter anderem auf die Wirkung von Meditation in Beruf und Alltag eingehen.
Zähneputzen für das Gehirn, SZ 30.11.10

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Viele wollen weitermachen wie bisher 
Freitag, 3. Dezember 2010 - Management
Wie diese Woche bereits vermeldet, zeigt sich in den Führungsetagen kaum ein Umdenken, was das Lernen aus den Folgen der Finanzkrise angeht. In einem Interview mit der Wirtschaftswoche erklärt der Management-Professor Julian Birkinshaw: "Viele wollen weitermachen wie bisher." Der Experte mahnt, dass Managementmethoden, die in den Hochzeiten des industriellen Kapitalismus entwickelt wurden, heute nicht mehr greifen. "Wir brauchen ein grundlegend neues Verständnis von Unternehmensführung", so Birkinshaw, der kritisiert, dass es vielen Unternehmen an Wertegerüsten fehle, die über das bloße Geldverdienen hinaus wiesen. Und nicht nur das: Auch auf der strukturellen Ebene müssten sich viele Firmen neu erfinden. Mehr Verantwortung für Mitarbeiter aller Ebenen, flexiblere Job-Beschreibungen, kurzlebigere Hierarchien - Birkinshaw rät Unternehmen, die Strukturen der Flexibilität, die im Internet entstanden sind, auf ihre Unternehmensorganisation zu übertragen. Vor allem Transparenz, beispielsweise bei Sparprogrammen, könne hilfreich sein, denn wenn Abteilungen vor aller Augen miteinander konkurrieren, wer die besten Lösungen entwickelt, stelle sich ein konstruktiver Wettbewerb ein.
"Manager sollten offener sein für schräge Ideen", WiWo 17.11.10

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Wer schön ist, hat es bisweilen schwerer 
Donnerstag, 2. Dezember 2010 - Studien
Wer schön ist, macht leichter Karriere - diese Schlussfolgerung erweist sich in bestimmten Konstellationen als Trugschluss. Eine Studie der Florida State University zeigt nämlich, dass gutes Aussehen im Job auch zur Falle werden kann. Bei Versuchsreihen mit 2.693 Studenten zeigt sich, dass Schönheit für Bewerber auch zum K.o.-Kriterium werden kann. Während männliche Personalverantwortliche attraktive Bewerberinnen bevorzugten, bissen diese bei weiblichen Personalchefs eher auf Granit - vor allem, wenn die Bewerberinnen eher jünger waren und die Personalerin weniger attraktiv. So entschieden sich Männer in 49,9 Prozent der Fälle für eine attraktive Bewerberin, die Frauen nur in 11,7 Prozent. Je attraktiver die Entscheider selbst, umso weniger spielte das Aussehen der Bewerber für sie eine Rolle. Die Abwertung der "Schönen" ist dabei kein Frauen-Phänomen: Durchschnittlich attraktive Männer beurteilten überdurchschnittlich attraktive männliche Bewerber schlechter.
Zu schön, um gut zu sein, SZ 16.11.10

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