Frauen weniger karriereorientiert als Männer 
Dienstag, 8. März 2011 - Studien
Eine neue Studie der Unternehmensberatung Accenture kommt zu dem Schluss, dass Frauen im Job deutlich weniger ehrgeizig seien als Männer. Befragt wurden 3.400 Angestellte - zur Hälfte Frauen, zur Hälfte Männer. Die Ergebnisse für Deutschland: 80 Prozent der Frauen bezeichneten sich als zufrieden mit der Position, die sie zum Zeitpunkt der Befragung im Unternehmen einnehmen - bei den Männern lediglich 65 Prozent. Wahrscheinlich deshalb gaben 47 Prozent der Männer an, im laufenden Jahr ihre Karriere weiter vorantreiben zu wollen, während es bei den Frauen nur 28 Prozent waren. Im internationalen Durchschnitt waren die weiblichen Angestellten deutlich unzufriedener mit ihren Positionen - hier lag der Anteil nur bei 55 Prozent und 44 Prozent der Befragten gaben an, einen Karriereschritt zu planen. In Deutschland hingegen gibt sich jede vierte Frau skeptisch und glaubt, für den nächsten Karriereschritt nicht über die ausreichende Qualifikation zu verfügen. Die deutschen Frauen sind auch, was den Sprung auf den Chefsessel angeht, zurückhaltender. Nur 30 Prozent streben einen Job in der ersten Führungsebene an, bei den Männern 41 Prozent.
Studie: Frauen weniger ehrgeizig, FAZ 4.3.11

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Neuro-Enhancement: Mehr Schein als Sein 
Montag, 7. März 2011 - Wissenschaft
Die Optimierung kognitiver Leistungen durch die Einnahme von Medikamenten macht seit wenigen Jahren immer mal wieder Schlagzeilen. Unter dem Stichwort Neuro-Enhancement diskutieren Forscher und Ethiker seit längerem darüber, welche gesellschaftlichen Folgen sich daraus ergeben könnten. Die FAZ kritisiert nun, dass hier mit einer Phantomdebatte Marketing gemacht werde. Doch zunächst zu den wissenschaftlichen Diagnosen. "Einen ernüchternden Einwurf macht der Frankfurter Soziologe Torsten Heinemann in dem Band 'Leben mit den Lebenswissenschaften'. Er analysiert die Debatte über den neuen Weg zum klaren Kopf als Anzeichen einer "Medikalisierung", soll heißen: einer Ausweitung des medizinischen Zugriffs in Alltagsbereiche hinein, die bis vor kurzem nicht in ärztliche oder gesundheitspolitische Zuständigkeit fielen. Kognitive Leistungsfähigkeit zu steigern schlüpft unvermerkt in das Gewand einer medizinischen Maßnahme: Wir lernen, dass ein Normalzustand als behandlungsbedürftig gelten kann - und dass nun Ethikexperten eingeschaltet werden müssen, um mit dem 'Neuen' der pharmazeutischen Möglichkeiten verantwortlich umzugehen", so die FAZ. Die FAZ sieht hier weitaus weniger Handlungsbedarf, da es gegenwärtig noch gar keine Beweise gebe, dass Medikamente wie Ritalin, Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder Betablocker, die immer wieder als Neuo-Enhancer ins Spiel gebracht werden, überhaupt leistungssteigernd wirken. "Vor allem, wer übermüdet ist, zeigt nach Einnahme solcher Mittel messbar bessere Leistungen. Wer jedoch wach und ohnehin überdurchschnittlich leistungsfähig ist, dessen Werte sinken nach Einnahme der Medikamente eher ab. Dazu wirken allenfalls geringe Dosierungen positiv. Steigert man die Dosis, werden Leistungen messbar schlechter. Auch einschlägige Umfragen unter amerikanischen Hochschulangehörigen, die jeweils zu zehn bis fünfzehn Prozent (Studierende) oder gar zwanzig Prozent (Wissenschaftler) angaben, sich mit Tabletten mental fitzumachen oder schon fitgemacht zu haben, sagen allenfalls etwas über den Gebrauch der Mittel, nicht aber über den Erfolg", merkt die Zeitung an. Heinemann selbst geht es indes um eine viel grundsätzlichere Frage, denn er stellt einen Zusammenhang her zum Erfolgs- und Leistungsdruck der "wissensbasierten Ökonomie des Neoliberalismus" - wo der Stress immer größer wird, wächst auch die Sehnsucht nach - medizinischen - Lösungen. Stehen wir also tatsächlich vor einer "Medikalisierung" der Gesellschaft? Im Zweifel wird diese Entwicklung, wenn erst einmal wirksame Neuro-Enhancer auf dem Markt sind, sicherlich einsetzen. Hat der Mensch doch häufig einen Hang, jemand sein zu wollen, der er eigentlich nicht ist, bzw. das Bedürfnis, auf möglichst einfachem Weg seine Ziele zu erreichen - die Debatte um den Promotionsbetrug des Bundesverteidigungsminister (wenngleich ein anderes Feld) macht dies wieder einmal augenscheinlich. Auf absehbare Zeit wird nebenwirkungsfreies Hirndoping sicherlich eher Wunsch denn Wirklichkeit sein. Und wer dennoch ein wenig an seinen geistigen Fähigkeiten drehen möchte, ist - wir haben schon mehrfach über dieses Thema berichtet - mit Meditationstechniken weitaus besser bedient, denn sie haben keine Nebenwirkungen und tragen zudem auch zur Entwicklung der Persönlichkeit bei. Eine Form der Optimierung, die man auch manchem Pseudo-Wissenschaftler gerne nahelegen würde.
Wie mit einer Phantomdebatte Marketing gemacht wird, FAZ 28.2.11

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Der IQ ist nicht zwingend ein Leistungsgarant 
Freitag, 4. März 2011 - Studien
Eine Studie der Rotterdam School of Management, Erasmus University (RSM), stellt die in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen propagierten Zusammenhänge zwischen der Höhe des IQ und der beruflichen Leistungsfähigkeit in Frage. Die Untersuchung der RSM brachte weitere Faktoren zutage, die deutlichen Einfluss auf den beruflichen Erfolg haben: Vorbilder während der Ausbildung, die ein hohes Maß an Erfahrungen haben; die Förderung des kritischen Denkvermögens, ein hochmotiviertes Umfeld und die Möglichkeit, bereits während des Studiums Berufstrainings und Praktika zu absolvieren. Da vor allem in Deutschland bei Einstellungsverfahren der IQ immer noch als besonders wichtige Messgröße für das Potential von Bewerbern herangezogen werde, würden "Klügere" von vornherein privilegiert - und erhielten dann auch einen deutlich besseren Zugang zu erfolgsrelevanten Ressourcen. Im Vergleich zeigt sich in Ländern, die den Zugang zu solchen Ressourcen weniger an der rein kognitiven Intelligenz festmachen, auch ein deutlich geringerer Zusammenhang zwischen dem IQ und der Arbeitsleistung.
Hoher IQ ist nicht gleich hohe Leistung, FAZ.net 22.2.11

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Perfektionismus essen Kreativität auf 
Donnerstag, 3. März 2011 - Arbeit
Die Süddeutsche Zeitung geht in einem Interview mit dem Psychologen Stephan Grünewald der Frage nach, warum es in Deutschland keine wirkliche Kultur der Selbstständigkeit gibt. Grünewald, der selbst nach seinem Studium ein Unternehmen gründete, sieht einen nicht zu unterschätzenden Bremsklotz im Bildungssystem: "In Amerika lernen Schüler und Studenten: Wie biete ich mich an, wie verkaufe ich mich gut. In Deutschland ist die Bildung dagegen schon darauf ausgelegt, eine intellektuelle Druckbetankung zu vollziehen. Möglichst viel Bildung effizient vermitteln. Das ist nicht kreativitätsfördernd." Gründer bauchen nach Ansicht des Psychologen Liebe und Besessenheit. Viele Kinder würden jedoch schon von früh auf von ihren Eltern verplant, auch weil es eben typisch deutsch sei, sich nach allen Richtungen mehrfach abzusichern. Die Folge: Nicht zuletzt ein Hang zum Perfektionismus, der in Bürokratiewahn gipfelt und Eigeninitiative lähmt: "Vor allem aber gibt es ein paar Kreativitätskiller in Deutschland, an denen die Unternehmen, der Staat und das Individuum etwas ändern könnten: Der Perfektionswahn - das erstickt die Idee nur. Außerdem müssten wir raus aus diesem Hamsterrad und auch mal innehalten. Wir Deutschen neigen dazu, unser Leben überzuprogrammieren. Damit betrügen wir uns um unsere schöpferischen Kräfte. Und jeder sollte sich die Liebe zu einer Sache zugestehen."
"Wir Deutschen werkeln lieber im Hobbykeller", SZ 23.2.11

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Anthroposophen in der Führungsetage 
Mittwoch, 2. März 2011 - Management
Seit im Zuge des Bio- und Nachhaltigkeitsbooms immer mehr anthroposophisch motivierte Unternehmen ins Licht der Medien rücken - als Beispiele seien die Drogeriemarktkette dm, die Biosupermärkte von Alnatura oder auch der Arznei- und Kosmetikhersteler Weleda genannt - erfährt auch das Menschenbild, dass diese anthroposophischen Unternehmen und ihre Führungskräfte so erfolgreich macht, immer mehr Beachtung. Die Zeit begab sich auf Spurensuche und forschte nach, wo der Geist Rudolf Steiners in der Wirtschaft noch seine Spuren hinterlässt - und brachte manche überraschende Waldorf-Schulkarriere zutage. So war Michael Rogowski, Ex-Präsident des BDI und viele Jahre Chef der Firma Voith, einst Waldorfschüler. Was Rogowski an Steiners Menschenbild schätzt: "Es wird mehr Rücksicht auf Individuen genommen, man presst nicht alles in ein Schema." Der Verfechter der Marktwirtschaft glaubt, durch seine Schulzeit "zu einem kritischen, selbtverantwortlichen Bürger" geworden zu sein. Peter Schnell, Anthroposoph und einer der Gründer der Software AG, spricht von der "heilsamen" Verwendung von Vermögen - er hat seine Anteile an der Software AG in eine Stiftung überführt. Selbst bei Porsche weht zumindest ein Hauch von Anthroposophie, denn einige Nachkommen von Ferry Porsche gingen ebenfalls auf die Waldorfschule. Peter Daniell Porsche ist sogar Waldorfpädagoge geworden und gründete in Österreich eine Schule für "Seelenpflege-bedürftige Kinder".
Steiners "Lernlinge", Die Zeit 21.2.11

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Öko in der Textilwirtschaft 
Dienstag, 1. März 2011 - Management
Die Textilwirtschaft, die konventionell produziert, sieht sich immer wieder mit Herstellungsbedingungen konfrontiert, die vielen Verbrauchern zunehmend ein Dorn im Auge sind. Ob Pestizidbelastung der Baumwolle, niedrige Arbeitslöhne oder Umweltverschmutzung im Zuge der Produktion - Schwachstellen gibt es viele. Die niederländische Stiftung "Made-by", die auch in Deutschland ein Büro unterhält, hat sich zum Ziel gesetzt, Textilfirmen dabei zu unterstützen, ihre Produktionskette langfristig ökologischer zu gestalten. "Made-by" gehört zu Solidaridad, einer Gesellschaft, die 1988 in den Niederlanden sehr erfolgreich damit begann, Fairtrade-Kaffee populär zu machen. Diese Expertise und die bereits aufgebauten Expertenzentren in Lateinamerika, Asien und Afrika sollen nun dabei helfen, auch die Mode fairer und nachhaltiger zu machen. Ziel ist es, den Mainstream zu verändern. Aller Anfang ist klein und so hält Ulrich van Gemmeren, Deutschlandchef der Stiftung, es schon für einen positiven Schritt, wenn ein Hersteller damit beginnt, zwei Prozent seines Baumwollbedarfs von konventionell auf bio umzustellen. Hersteller, die schon länger dabei sind, landen dann mittelfristig vielleicht bei 20 Prozent - je nach Absatzvolumina eine Menge. "Made-by" hat ein "Track&Trace"-System entwickelt, mit dem sich der komplette Herstellungsprozess über verschiedene Verarbeitungsbetriebe abbilden lässt - so können Kunden via Internet sehen, unter welchen Bedingungen die Ware, die sie kaufen, produziert wurde. Klassische Ökoanbieter kritisieren, dass sich Partner von "Made-by" schon nach ersten Schritten mit einem Logo schmücken dürfen, selbst wenn nicht die gesamte Produktionskette nachhaltig ist. Bei "Made-by" sieht man das realistisch: Jeder Schritt in die richtige Richtung ist gut.
Mit Kaffee ging's, mit Mode auch, taz 18.2.11

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Freiheit braucht Verantwortung 
Montag, 28. Februar 2011 - Arbeit
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion nahm bei einer Podiumsdiskussion in Berlin zum Thema "Christliches Menschenbild und Soziale Marktwirtschaft" die Zusammenhänge zwischen Freiheit und Verantwortung ins Visier. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sah im Postulat absoluter Freiheit in grundsätzliches Potential zur Zerstörung angelegt, denn der Mensch brauche Grenzen, "da er fest in der Sünde verankert ist". Der Minister kritisierte den Wettlauf der Deregulierung, der zur Finanzkrise geführt habe, bemängelte aber auch, dass nun, wo die Wirtschaft sich erhole, die Bereitschaft zu weiteren Konsequenzen innerhalb der Bevölkerung nachlasse. Im Hinblick auf die Armutsdebatte und die Rolle des Sozialstaats wies Schäuble darauf hin, dass es hier nicht allein um eine materielle Komponente gehe, sondern auch um Entwurzelung und den Verlust an Teilhabe und Zugehörigkeit. Das Vertrauen in die Soziale Marktwirtschaft ist indes deutlich erschüttert, wenngleich wieder in leichtem Aufwind begriffen. Vertrauten im Jahr 2000 noch 55 Prozent der Bevölkerung dem System, waren es auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 lediglich 31 Prozent - mit der Erholung der Märkte stieg dieser Wert wieder auf 38 Prozent.
Freiheit braucht Regeln, CiW 16.2.11

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Der Bio-Backlash 
Freitag, 25. Februar 2011 - Studien
Kritische Studien haben in der vergangenen Zeit mehrfach attestiert, dass Bio-Lebensmittel nicht gesünder seien als konventionelle Nahrungsmittel - so beispielsweise eine Untersuchung der London School of Hygiene & Tropical Medicine aus dem Jahr 2009 sowie eine Auswertung von Stiftung Warentest aus dem vergangenen Jahr. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse - die von vielen Experten kritisch gesehen werden - zeigen bereits Spuren bei den Verbrauchern. Eine Repräsentativbefragung der GfK und AMI zeigt: nur noch 28 Prozent der 30.000 Befragten meinen heute, "Bio ist gesünder". 2007 waren es noch 41 Prozent. Die "Erosion der Überzeugung" (GfK) hat auch den Genussaspekt erfasst. Meinten 2007 noch 28 Prozent, dass Bio-Lebensmittel besser schmecken, sind es nun nur noch 19 Prozent.
Bio überzeugt immer weniger, taz 17.2.11

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