Auslaufmodell Demokratie? 
Donnerstag, 6. Oktober 2011 - Bücher
Bürgerproteste, geringe Wahlbeteiligungen und eine in täglichen Umfragen dokumentierte wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung zeigen: Mit unserem System scheint einiges nicht zu stimmen. Doch woran es in der Gesellschaft hakt, darüber scheiden sich die Geister. FAZ-Redakteur Laslo Trankovits beispielsweise prescht mit seinem Buch "Weniger Demokratie wagen!" vor und vertritt die Ansicht, dass zu viel Bürgerbeteiligung das Staatswesen lähmt. Er fordert laut einem Bericht von German-Foreign-Policy.com mehr Zentralisierung, Machtkonzentration und Kontrolle, denn Mitbestimmung untergrabe die Effizienz von Staat und Wirtschaft. Trankovits meint, die Eliten sollten sich klar zu Kapitalismus und Profit bekennen und die Vermittlung politischer Maßnahmen gegenüber der Bevölkerung bedürfe intelligenter Formen der PR. Kein Wunder, dass China da zum positiven Beispiel mutiert, wenn demokratische Teilhabe plötzlich ein Hindernis sein soll.
Weniger Demokratie wagen, German-Foreign-Policy.com 20.9.11

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Es muss nicht alles perfekt sein 
Mittwoch, 5. Oktober 2011 - Management
Das Pareto-Prinzip erklärt uns, warum Perfektionismus oft nicht nur ein beschwerlicher Weg ist, sondern uns sogar unnötige Ressourcen kostet. Meist erreichen wir mit 20 Prozent Aufwand 80 Prozent eines gewünschten Ergebnisses - die restlichen 20 Prozent auf dem Weg zur Vollkommenheit kosten uns dann hingegen 80 Prozent Energie. Allein deshalb ist es häufig strategisch unklug, immer die 100 Prozent vollmachen zu wollen. In einem Artikel über die Perfektionismusfalle geht Jochen Mai von der Wirtschaftswoche unserem Perfektionismuswahn auf den Grund. Er ist - natürlich - nicht zuletzt auch ein typisch deutsches Phänomen. Wo Amerikaner sich über 80 Prozent freuen, fragt sich der Deutsche bei 98 Prozent, warum es mit den fehlenden zwei Prozent nicht geklappt hat. Diese Kompromisslosigkeit führt im Tagesgeschäft dann leicht zu Verbissenheit, Kontrollwut und Rechthaberei, denn auf der Suche nach dem, was noch fehlt, verfallen wir in einen Tunnelblick. Wer ständig auf dem, was noch nicht perfekt ist, rumreitet, düpiert Kollegen und Mitarbeiter, macht sich selbst unbeliebt und andere unzufrieden und lähmt letztlich das Unternehmen. 80 Prozent als Ziel in Erwägung zu ziehen, bedeutet nicht, sich mit Halbheiten zufrieden zu geben, denn die gebotenen 80 Prozent müssen am Markt natürlich als echter Mehrwert wahrgenommen werden. Wer hingegen auf Biegen und Brechen an den 20 Prozent feilt, wird nur allzu leicht von der Konkurrenz, die sich schneller traut, abgehängt. Unter dem Strich könnte ein bisschen mehr Entspanntheit also ganz gut tun - vielleicht auch deshalb, weil jenseits der Verbissenheit meist die besseren Ideen keimen und so die 100 Prozent vielleicht fast von allein greifbar werden.
Raus aus der Perfektionismusfalle, WiWo 16.9.11

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Zwischen Burn-out und Bore-out 
Dienstag, 4. Oktober 2011 - Studien
Viele Unternehmen tun sich schwer damit, ihre Mitarbeiter mit den für sie richtigen Aufgaben zu betrauen. So zeigt eine Erhebung der Deutschen Universität für Weiterbildung zum Kompetenz- und Talentmanagement, für die 1.000 Erwerbstätige befragt wurden, dass die Diskrepanzen groß sind. Elf Prozent der Befragten fühlen sich im Job unterfordert, weitere elf Prozent überfordert. Unter den Unterforderten wünschen sich fast 50 Prozent mehr Verantwortung und 37 Prozent mehr Abwechslung. Jeder dritte Überforderte hingegen wünscht sich mehr Routine, ein weiteres Drittel würde gerne Verantwortung abgeben. 73 Prozent der Überforderten leiden unter einem zu hohen Arbeitspensum.
Jeder fünfte Mitarbeiter fühlt sich fehl am Platz, Spiegel online 15.9.11

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Ungleiche Bezahlung auch Resultat von Diskriminierung 
Freitag, 30. September 2011 - Studien
Frauen verdienen in Deutschland etwa 23 Prozent weniger als Männer. In verschiedenen Studien wird diese Diskrepanz auf die häufig schlechter zahlenden Branchen, in denen Frauen beschäftigt sind, auf ihre geringere Arbeitszeit oder auch auf Erwerbsbiographien mit Lücken zurückgeführt. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut hat diese Faktoren nun herausgerechnet und kommt zu dem Schluss, dass bei gleicher Ausbildung, gleichem Alter und Beruf immer noch eine Gehaltslücke von etwa zwölf Prozent bleibe, die auf Diskriminierung zurückgeführt werde. Um diesen "Gender Pay Gap" zu überwinden, hat das Bundesfamilienministerium nun ein Programm für Lohngleichheit im Betrieb entwickelt, mit dem sich Lohnstrukturen in Unternehmen analysieren lassen, um Entgeltunterschiede transparent zu machen. Bei den ersten Unternehmen, die die Software getestet haben, traten Gehaltsunterschiede von zwei bis neun Prozent zutage. In der Schweiz wird das Verfahren bereits seit 2006 genutzt und Firmen müssen bei der Bewerbung um öffentliche Aufträge nachweisen, dass es bei ihnen keine Ungleichheit bei der Bezahlung gibt.
Kampf der Lohnlücke, SZ 16.9.11

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Industrienationen im Motivationsloch 
Donnerstag, 29. September 2011 - Studien
Im weltweiten Motivationsvergleich bleiben die klassischen Industrienationen deutlich hinter den aufstrebenden Volkswirtschaften zurück. Die Management-Beratung Kienbaum erstellte gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen ORC International einen Mitarbeiter-Engagement-Index. Am höchsten motiviert sind demzufolge die Inder mit 74 Punkten, gefolgt von China mit 67 und Brasilien mit 64 Punkten. Die Deutschen liegen mit einem Wert von 57 auf Platz 9 und damit im Mittelfeld. Schlusslicht bildet Japan mit lediglich 41 Punkten. Wichtige Kritikpunkte der Deutschen: ein zu geringes Gehalt, fehlende Anerkennung und Unterstützung vom Chef und zu wenig Fairness und Respekt.
Fleißige Inder, faule Japaner, WiWo 16.9.11

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Null Bock 
Mittwoch, 28. September 2011 - Studien
Wenn die Tage kürzer werden, scheint ein nicht unerheblicher Teil der Deutschen in eine Null-Bock-Haltung zu verfallen. Dies suggeriert zumindest eine Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag des Portals boersennews.de. Rund drei Prozent der Befragten, hochgerechnet entspräche dies etwa einer Million Arbeitnehmern, haben laut der Erhebung den festen Vorsatz, sich krank schreiben zu lassen. Weitere zwei Prozent sind noch im Erwägungsstadium. Gründe gibt es für die Krankfeierer zur Genüge. Ein Drittel will dadurch Konflikten am Arbeitsplatz aus dem Weg gehen, etwa ebenso viele Umfrageteilnehmer wollen "Depressionen vorbeugen" und ein Fünftel will im Fahrwasser des für die Jahreszeit üblicherweise höheren Krankenstandes unbemerkt eine Auszeit nehmen. Etwa jeder Zehnte gab an, dem Arbeitgeber "eins auswischen" zu wollen. Statistisch betrachtet könnte das massenhafte Blaumachen zu einem volkswirtschaftlichen Schaden in Höhe von bis zu 1,24 Milliarden Euro führen.
Im Herbst erst mal krank feiern, FTD 16.9.11

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Stress essen Arbeitskraft auf 
Dienstag, 27. September 2011 - Studien
Erwerbsunfähigkeit wird immer mehr zum Thema und nicht zuletzt verschiedene Stressfaktoren sind es, die zu einem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Arbeitsleben führen. Vor allem gering Qualifizierte sind besonders betroffen. Jede fünfte Verrentung ist heute bereits einer Berufsunfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen geschuldet, so eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts. Häufige Ursachen sind Muskel-Skelett-Erkrankungen aufgrund schwerer körperlicher Arbeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Leiden, die durch Arbeitsverdichtung ausgelöst werden. Wie stark sich die Qualifikation auf die Gefahr einer Berufsunfähigkeit auswirkt, zeigt folgendes Beispiel: Das Risiko ostdeutscher Männer ohne Berufsausbildung liegt hier gut zehn Mal so hoch wie bei einem männlichen Akademiker aus den alten Bundesländern. Dass Arbeitsbedingungen krank machen können, ist längst augenscheinlich. Die Folgen werden nach wie vor - zum Teil über das Krankenversicherungs- und Rentensystem - sozialisiert.
Fast jeder Fünfte wird berufsunfähig, Zeit online 13.9.11

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Zu wenig Bildung? 
Montag, 26. September 2011 - Studien
Eine neue OECD-Studie legt nahe, dass Deutschland in Sachen Bildung immer mehr im internationalen Vergleich hinterher hinkt. Nur 26 Prozent der jungen Erwachsenen erreichen hierzulande einen Hochschulabschluss oder Meisterbrief, während der OECD-Schnitt bei 37 Prozent liegt. Zwar liegt die Studienanfängerquote inzwischen bei 46 Prozent, doch auch hier liegt der OECD-Schnitt mit 59 Prozent deutlich höher. Die Qualifikation ist in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung. so liegt die Arbeitslosenquote unter Hochqualifizierten mit 3,4 Prozent vergleichsweise niedrig. Akademiker verdienen zudem bis zu 68 Prozent mehr als Absolventen mit Hochschulreife oder Berufsausbildung ohne Studium. Ein höherer Bildungsabschluss soll auch glücklicher machen - jedenfalls bezeichnen sich 77 Prozent der Akademiker als mit ihrem Leben zufrieden, verglichen mit etwa der Hälfte bei denen, die weder Hochschulreife noch Berufsausbildung haben. Auch die gesellschaftliche Partizipation erhöht sich mit dem Bildungsgrad. So liegt die Wahlbeteiligung bei Hochqualifizierten bei 95 Prozent, bei Menschen ohne Hochschulreife oder Ausbildung hingegen bei 77 Prozent.
Zu kleine Elite, SZ 13.9.11

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