Virtuelle Scheuklappen 
Freitag, 9. März 2012 - sonstiges
Spiegel online geht in einem Beitrag der Frage nach, welchen Einfluss die Selbstselektionsmechanismen sozialer Netzwerke auf unsere Weltwahrnehmung haben. Wo Shopping-Seiten uns dank Cookies zielsicher Artikel zeigen, die uns aufgrund unserer bisherigen Einkäufe interessieren könnten, wo wir auf Facebook seitenweise Links und Aktivitäten unserer "Freunde", mit denen wir bereits viele Perspektiven teilen, angezeigt bekommen, wo Nachrichten-Aggregatoren die Weltlage gemäß unseren Leseneigungen filtern, da wird der Blick auf die Welt leicht einseitig. Hinzu kommt, dass die Häppchenwelt des Internets rein systemisch vor eher komplexen Themen zurückweicht. Erfahrungsgemäß sind es Nachrichten, die in wenigen Worten auf den Punkt kommen, die wir häufig weiterleiten - um unsere eigene Aufmerksamkeit und die der Empfänger nicht überzustrapazieren. Einerseits wird die Welt für uns immer größer, aber wir schränken den Zugang zu ihr - häufig selbstinduziert - ständig weiter ein. Dieses Paradox lässt sich nur aktiv überwinden: Öfter einmal auch inhaltlich komplexe Beiträge mit Muße lesen, nicht immer nur die gewohnten Blogs konsultieren oder auch einfach mal neugierig in der Buchhandlung nach Titeln fischen, die einen zweiten Blick wert sind ...
Wie Facebooks nette Welt uns entmündigt, Spiegel online 27.2.12

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Kulturelle blinde Flecken hinterfragen 
Donnerstag, 8. März 2012 - Arbeit
Das Online-Magazin Telepolis geht in einem Interview mit der Philosophin Svenja Flaßpöhler der Frage nach, wie sich das gängige Paradigma gesellschaftlicher Hyperaktivität konstruktiv hinterfragen lässt. Für Flaßpöhler ist dabei augenscheinlich, dass die Aktivität als Gegenpol auch eine passive Perspektive braucht, wenn wir uns nicht in eine Sackgasse manövrieren wollen: "Ein hyperaktiver Mensch, der immer nur nach vorne, nie aber nach links und rechts, geschweige denn nach hinten schaut, weil er dafür gar keine Zeit hat, agiert ohne soziale Verantwortung. Ihn interessiert nur das Vorwärtskommen. Jede Ablenkung verursacht Stress. Der faule Mensch, der Sonntags nachmittags auf dem Sofa liegt, schläft, ein bisschen Zeitung liest, zwischendurch auf der Gitarre klimpert, agiert hingegen sozial. Durch seine Passivität, die ja nie reine Passivität ist; die gibt es nur im Tod, wird er wieder offen für die Welt. Hyperaktivität verhärtet den Menschen. Passivität lässt ihn weich werden, empfindsam für Eindrücke, Verlockungen, Kinderfragen." Die Philosophin ist der Ansicht, dass wir ganz grundsätzlich die Systemfrage stellen sollten, da allein eine Symptombehandlung wie beispielsweise die Idee temporärer Unerreichbarkeit, nicht tief genug gehe. Ein in ihren Augen wichtiges Thema ist dabei die Selbstverwirklichung: "Selbstverwirklichung, für mich immer noch eine lohnenswerte Utopie, setzt die Anerkennung der eigenen Grenzen, das Wissen um die eigenen Neigungen voraus: Ohne Selbst keine Selbstverwirklichung. In Zeiten neoliberaler Flexibilisierung sind wir davon weit entfernt. Marx war der Ansicht, dass Selbstverwirklichung im Kapitalismus nicht realisiert werden kann, weil das Arbeitsprodukt nie dem Arbeiter, sondern einem Anderen gehört. Dieser Andere treibt uns an mit dem Versprechen, dass die Mühe sich lohne. Aber lohnt sie sich wirklich? Möglich, dass wir gerade dabei sind, uns auf grandiose Weise selbst zu verfehlen." Diese Selbstverfehlung wird letztlich vor allem durch die Gegenwartskultur geradezu angefeuert, denn das Überschreiten der eigenen Grenzen, das fast schon zwanghafte Genießen in der Konsumgesellschaft stehen häufig Perspektiven wie der der moralischen Integrität oder der gesunden Selbstfürsorge entgegen. Eine Einladung, sich weiterhin auf die Suche nach der bestmöglichen aller Welten zu begeben ...
"Wir kommen um die Systemfrage nicht herum", Telepolis 25.2.12

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Jahrestagung des Integralen Forum im Juni in Berlin 
Mittwoch, 7. März 2012 - Veranstaltungen
Vom 15. bis 17. Juni 2012 findet in Berlin wieder die Jahrestagung des Integralen Forum statt, dieses Mal zum Thema "Entwicklung integral: Menschen, Kulturen, Systeme verstehen und begleiten". Als Business-Themen stehen integrales Coaching und integrale Unternehmensentwicklung auf der Workshop-Agenda sowie Leading-Edge-Führung. Ich selbst werde einen Workshop halten zum Thema "Gute Lösungen für Viele - Innenansichten einer neuen integralen Elite".
Weitere Informationen zur Jahrestagung

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Neue Ausgabe von "WIR - Menschen im Wandel" 
Dienstag, 6. März 2012 - sonstiges
Ab sofort ist die neue Ausgabe von "WIR - Menschen im Wandel", zu dessen Gründern ich gehöre, im Handel erhältlich. In diesem Heft portraitieren wir den Visionär Otto Scharmer, der mit seiner Methode des Presencing einen neuen Zugangsweg zum Thema gesellschaftliche Transformation ebnet. Darüber hinaus stellen wir die Transition-Town-Bewegung vor, die das Thema Nachhaltigkeit ganz konkret in die Regionen trägt. Im WIR-Trialog diskutiere ich mit meinen Redaktionskollegen Jens Heisterkamp und Christoph Quarch über neue Perspektiven der politischen Partizipation und des Wandels. Weitere spannende Themen sind die dritte industrielle Revolution, die Arbeit der NGO Tactical Technology Collective und ein Beitrag von mir über das wachsende Bedürfnis der Deutschen nach mehr Weisheit in der öffentlichen Sphäre. "WIR - Menschen im Wandel" ist ein Magazin-Projekt, das bisher nur durch die größtenteils unentgeltliche Mitarbeit der Gründer und Unterstützer möglich ist, weshalb wir uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit tatkräftig unterstützen - indem Sie WIR abonnieren oder uns sogar mit einem Gründungsbaustein ab 1.000 Euro finanziell unterstützen.
WIR - Menschen im Wandel


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Töchter sorgen für Gehaltserhöhung 
Montag, 5. März 2012 - Studien
Einen erstaunlichen Zusammenhang zwischen Vaterschaft und der Entlohnung von Mitarbeitern haben Wissenschaftlicher aus Dänemark und den USA festgestellt. Wenn der Chef erstmals Vater einer Tochter wird, steigt die Bezahlung von Frauen in dänischen Unternehmen mit 10 bis 50 Mitarbeitern um durchschnittlich 3,2 Prozent. Bei der Geburt eines zweiten Mädchens liegt der Anstieg noch bei einem Prozent. Wurde vor einem Mädchen schon ein Junge geboren, erhöhen die Chefs die Gehälter der Frauen um immerhin noch 1,4 Prozent. Auch männliche Mitarbeiter profitieren von der Geburt einer Chef-Tochter. Die Forscher führen den deutlich erkennbaren Gehaltsanstieg für weibliche Mitarbeiter darauf zurück, dass das Einfühlungsvermögen frisch gebackener Väter steigt und sie ihre Mitarbeiterinnen besser bezahlen, weil sie in ihnen die Rolle, die die eigene Tochter einmal haben könnte, erkennen. Bei Chefinnen hingegen stellten die Forscher keinerlei Zusammenhang zwischen Kindergeburten und Entlohnungsverhalten fest.
Chefs mit Töchtern bezahlen Frauen besser, Spiegel online 23.2.12

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Geld erzeugt Druck 
Freitag, 2. März 2012 - Studien
Es gibt bereits viele Studien, die zeigen, dass Motivation sich nicht durch hohe Gehälter erkaufen lässt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch die Studie der Online-Stellenbörse Stepstone und der Unternehmensberatung Hay Group zu diesem Ergebnis kommt. Von den rund 18.500 befragten Fach- und Führungskräften gaben 56 Prozent an, ihnen sei ein angemessener Verdienst wichtig. Genau die gleiche Zahl der Befragten fühlt sich aber auch ab einem variablen Gehaltsbestandteil von 30 Prozent unter Druck gesetzt. Wichtiger als Geld war den Befragten ein kollegiales Arbeitsumfeld und eine Arbeit, die Freude macht. Ein schlechtes Arbeitsklima hingegen würde 86 Prozent zur Suche nach einem neuen Job veranlassen.
Motivation ist nicht käuflich, WiWo 22.2.12


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Senkrechtstarter Gemeinschaft 
Donnerstag, 1. März 2012 - Studien
In Zeiten der Krise werden Gemeinschaften immer wichtiger, so die Erkenntnis des Werte-Index 2012, der vom Trendbüro und TNS Infratest erhoben wurde. Das Ranking der zehn wichtigsten Werte der Deutschen basiert auf der Analyse von mehr als 500.000 Online-Beiträgen, die 2011 erschienen. Während Gemeinschaft als Wert bei der letzten Untersuchung 2009 noch auf Rang 10 lag, findet er sich 2012 auf Platz 4 wieder. Spitzenreiter der deutschen Werte bleibt die Freiheit, gefolgt von Familie und Gesundheit. Weitere Werte-Favoriten der Deutschen sind Sicherheit, Erfolg, Anerkennung, Gerechtigkeit, Natur und Einfachheit (Ränge 5 bis 10). "Angesichts einer unsicheren Zukunft, in der staatliche Institutionen immer weniger Sicherheit bieten, wird Rückhalt verstärkt in übersichtlichen und gleich gesinnten Gemeinschaften und Netzwerken gesucht - auch ein Ausdruck einer tiefgreifenden Vertrauenskrise in unsere staatlichen Institutionen und Organisationen", so Jens Krüger von TNS Infratest.
Verbünde Dich mit denen, die Deine Werte teilen! FTD 23.2.12

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Nachhaltige Firmen und schwarze Schafe 
Mittwoch, 29. Februar 2012 - Management
In Sachen Nachhaltigkeit bewegt sich in den Unternehmen derzeit einiges, wie der Nachhaltigkeitsindex der Nachhaltigkeitsratingagentur Sustainalytics zeigt. Die Auswertung untersucht das Engagement von Dax-Unternehmen im Hinblick auf Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. Eine Untersuchung der Harvard-Universität zeigt, dass die Nachhaltigkeitsstrategien von Unternehmen auch im Hinblick auf die Performance von Belang sind, denn nachhaltig ausgerichtete Firmen, die im Zeitraum von 1992 bis 2010 getestet wurden, zeigten eine um 2,3 Prozent bessere Performance als solche, denen die Thematik eher gleichgültig ist. Im Sustainalytics-Ranking behaupteten BMW und Henkel sich auf den Plätzen eins und zwei, doch es gab auch einige größere Bewegungen. Die Deutsche Bank stürzte - wegen fragwürdiger Geschäftspraktiken - beispielsweise von Rang 10 auf Platz 24 ab. Gerade dieses Beispiel dokumentiert auch die generelle Aufwärtsbewegung der Nachhaltigkeitsentwicklung, denn die Deutsche Bank erreichte die gleiche Punktzahl wie bei der letzten Erhebung 2009, doch haben sich viele andere Unternehmen seitdem eben deutlich verbessert. Fresenius wurde mit Platz 30 abgestraft aufgrund wachsender Spenden an Parteien. Volkswagen hingegen kletterte auf Platz 13, u.a. weil das Unternehmen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärker auf die Agenda setzte. Mehr Frauen in Führungspositionen und eine gesunkene Mitarbeiterfluktuation brachten Eon einen Aufstieg von Platz 20 auf Rang vier.
Schmuddelkind Deutsche Bank, FTD 23.2.12

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