Stress verstehen 
Montag, 14. Mai 2012 - Arbeit
Die jüngsten Zahlen über stark angestiegene Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen haben in den Medien zu einer neuen Diskussion über das Thema Stress geführt. In einem Interview mit dem Wissenschaftler Bernhard Allmann geht die SZ der Frage nach, woher die wichtigsten Stressquellen kommen und wie man ihnen am besten konstruktiv begegnet. Allmann weist darauf hin, dass persönliche Erwartungen an die Arbeit und die Herausforderungen, die diese an den Einzelnen stellt, in einem engen Wechselverhältnis stehen: "Arbeit dient nicht nur als Einkommensquelle, sondern beeinflusst auch das Selbstwertgefühl und ist damit in unserer Gesellschaft eine wichtige Quelle für Zufriedenheit. Der Beruf kann der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit sowie dem Wunsch nach Anerkennung und Achtung dienen. Außerdem vermittelt die Tätigkeit soziale Kontakte.Doch genau wie im Privatleben existieren auch im Arbeitsleben alltägliche Situationen, die die Menschen körperlich und geistig fordern. Was der eine aber als Herausforderung empfindet, kann für für den anderen wie eine Bedrohung wirken." Eine hohe Verantwortung sowie Zeit- und Leistungsdruck seien vor allem in Gesundheits-, Sozial- und Dienstleistungsberufen häufig stressauslösend. Andererseits könne die Freude an der Arbeit diese Randbedingungen auch kompensieren. Doch branchenübergreifend zeige sich, dass vor allem die allgemeine Angst vor Arbeitslosigkeit viele Menschen in Stress versetze. Auch Menschen, die in niedrigen Positionen arbeiten und häufig nur geringe Handlungsspielräume haben, könnten sich durch diese Begrenzung gestresst fühlen - allerdings am ehesten dann, wenn sie selbst nicht sicher sind, ob sie den Aufgaben gewachsen sind. Allmann weist darauf hin, dass es keine typischen Stressoren gibt, die bei allen Menschen gleich wirken, weshalb es notwendig sei, die eigenen Belastungsgrenzen zu erkennen und sich daran zu orientieren.
Woher der Stress am Arbeitsplatz kommt, SZ 1.5.12


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Weltweite Arbeitsmärkte im Abwärtstrend 
Freitag, 11. Mai 2012 - Arbeit
Während in Deutschland die Arbeitslosenzahlen auf ein Rekordtief gesunken sind und die deutsche Wirtschaft der Krise wacker standzuhalten versucht, spitzt sich international die Lage laut Internationaler Arbeitsorganisation ILO immer weiter zu. So sei die Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit besorgniserregend und in den Industrieländern würden wohl frühestens 2016 wieder die Beschäftigtenzahlen von 2008 erreicht. Die ILO geht davon aus, dass eine arbeitsplatzfördernde Politik einen positiven Effekt auf die Wirtschaft habe, weshalb es nicht ratsam sei, finanzwirtschaftliche Interessen bei der politischen Entscheidungsfindung überzubewerten. Auch warnen die Forscher davor, dass mit einer negativen Arbeitsmarktsituation auch das Risiko sozialer Unruhen steige - konkret sei dies in 57 von 106 untersuchten Ländern der Fall, vor allem in Afrika und dem Nahen Osten.
Hauptsache uns geht's gut, taz 30.4.12


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Wenn die Psyche massenweise schlapp macht 
Donnerstag, 10. Mai 2012 - Studien
Eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linkspartei bringt zutage, dass sich die Auswirkungen der Arbeitsbedingungen auf die Psyche der Arbeitnehmer in den letzten zehn Jahren massiv erhöht haben. Lag die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen 2001 deutschlandweit noch bei 33,6 Millionen, hat sich sich 2010 auf 53,5 Millionen erhöht. Der Anteil an den Arbeitsunfähigkeitstagen insgesamt stieg von 6,6 auf 13,1 Prozent - hat sich also sogar verdoppelt. Als Gründe für den rasanten Anstieg werden wachsende Anforderungen, zunehmende Eigenverantwortung, aber auch starke Flexibilitätsanforderungen sowie eine wachsende Zahl unsicherer Arbeitsverhältnisse genannt. Während die Bundesregierung noch keinen Handlungsbedarf sieht, fordert die Linke u.a. eine Eindämmung von Leiharbeit und befristeten Verträgen sowie eine Anti-Stress-Verordnung.
Fast 54 Millionen Fehltage wegen psychischer Erkrankungen, FTD 30.4.12


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Die große Sinnfrage 
Mittwoch, 9. Mai 2012 - Management
Immer mehr Führungskräfte fühlen sich von den Handlungszwängen im Business überfordert und stellen die Sinnfrage - so das Ergebnis einer Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, der Stiftung Neue Verantwortung und der Unternehmensberatung Egon Zehnder International, für die 30 Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, NGOs, Kirche, Gewerkschaften und dem Militär in eineinhalbstündigen Leitfadeninterviews befragt wurden. In den Gesprächen zeige sich eine große Sehnsucht nach einer an nachhaltigen Werten orientierten Führung, die den globalen Herausforderungen gerecht wird. Doch wie sich eine solche Führung umsetzen lässt, ist für viele Führende ein Rätsel, zumal sie daran leiden, dass im Tagesgeschäft kaum Zeit zur Reflexion und Regeneration bleibe. Wo Führungskräfte an ihre körperlichen und seelischen Belastungsgrenzen stoßen, scheint es schwer, einen Wandel zu initiieren, von dem heute niemand genau sagen kann, wie er denn aussieht. Die Studienautoren jedenfalls sehen mögliche Lösungsansätze darin, Mitarbeiter stärker einzubinden und weniger durch formelle Autorität zu führen; Teams aufzubauen, in denen vielfältige Kompetenzen vertreten sind, so dass diese leichter der Komplexität der bestehenden Aufgaben gerecht werden; und häufiger gemeinsam mit den Mitarbeitern die Sinnfrage zu stellen und dann auch gemeinsam nach Antworten zu suchen.
Entscheider suchen den Sinn, Zeit online 30.4.12


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Reviere wollen verteidigt werden 
Dienstag, 8. Mai 2012 - Management
Die Süddeutsche Zeitung geht in einem Interview mit dem Coach Peter Modler der Frage nach, warum Frauen mit den männlichen Spielregeln in der Führungsetage oft nur schlecht zurechtkommen. In den Augen des Beraters machen Chefinnen nur allzu leicht den Fehler, diese unausgesprochenen Regeln einfach zu ignorieren, anstatt sie für sich zu nutzen: "Viele Frauen glauben nicht an die Bedeutung von Revier und Rangbotschaften, sie finden das lächerlich. Ich halte diese moralische Abwertung für die falsche Kategorie. Sie sollten diese Art der Kommunikation wie eine Fremdsprache ansehen, die sie einsetzen können, wenn sie sich als Führungspersönlichkeit nicht akzeptiert fühlen." In Modlers Augen tendieren Frauen dazu, klare Ansagen zu vermeiden, weil sie nicht schroff sein möchten. Das Problem: Zu viel Freundlichkeit und Entgegenkommen untergraben die Autorität: "Frauen suchen in Gruppen oft den Ausgleich. Sie versuchen zu verstehen, warum sich jemand so und so verhält und wollen mit sachlichen Argumenten überzeugen. Die Rangbotschaften der Männer finden aber auf einer anderen Ebene statt. Frauen nehmen das oft gar nicht wahr, und das ist ihr Dilemma." Ob es wirklich konstruktiv ist, wenn Frauen einfach die Spielregeln der Männerwelt übernehmen, mag fraglich sein. Wenn sich immer mehr Führungsfrauen jedoch bewusst auf diese beziehen, um sie zu verändern, wäre sicherlich viel gewonnen.
Schluss mit freundlich, SZ 29.4.12

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Wer sind die neuen Vorreiter des Wandels? 
Montag, 7. Mai 2012 - Wissenschaft
Immer mehr Studien zeigen, dass die alten Eliten aus Politik und Wirtschaft immer mehr an Glaubwürdigkeit und Handlungskompetenz verlieren. Die gemeinnützige Stiftung für Philosophie Identity Foundation, die in einer eigenen Studie herausfand, dass immer mehr Akteure des Wandels aus der gesellschaftlichen Mitte stammen, hat diese Diagnose zum Anlass genommen, zu eruieren, wer die neuen Eliten sein könnten. Auf der Online-Plattform www.novelite.de stellt sie in kurzen Videos ausgewählte Protagonisten des Wandels vor, die, verglichen mit den alten Eliten, neue Zugangswege zu gesellschaftlicher Gestaltung gefunden haben. Das Projekt stellt vielfältige Hintergrundinformationen zum Elitewandel bereit und ruft die Online-Community dazu auf, weitere Vorreiter des Wandels zu nominieren und über die wichtigsten Persönlichkeiten und gesellschaftlichen Themen abzustimmen.

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Eigennutz statt Forschung 
Freitag, 4. Mai 2012 - Wissenschaft
Unabhängige Forschung wird es bei der Deutschen Bank in Zukunft wohl kaum noch geben, denn die Bank beabsichtigt, die bisher unabhängige Abteilung DB Research, die nicht nur zur typischen Bankenthemen forschte, sondern auch gesellschaftlich relevante Fragestellungen eruierte, mit der für Kundenberatung zuständigen Market Research zusammenzulegen. Die taz sprach mit Norbert Walter, dem früheren Leiter und bis zu seiner Pensionierung 2009 auch Chefvolkswirt der Deutschen Bank, über diesen Schritt. Für Walter ist der beschriebene Schritt mehr als kontraproduktiv: "Die Bank muss fundiert über gesellschaftliche Themen, die unabhängig von den Geschäftsinteressen stehen, kommunizieren können. Außerdem bekommt eine große Bank durch Unabhängigkeit der Forschung das Vertrauen der Kunden. Ein dritter Grund ist, dass eine Bank durch marktunabhängige Analysen Einfluss auf Debatten auf politischer Ebene hat. Dieser Einfluss gerät nun in Gefahr." Eine Forschung, die sich allein auf das eigene Geschäft richte, greife laut Walter zu kurz, da auch übergeordnete politische und wirtschaftliche Themen von Belang seien. Andererseits folge die Deutsche Bank mit dieser Strategie dem, was bei angelsächsischen Investmentbanken schon lange Praxis sei: "Dort gibt es seit 20 Jahren keine unabhängige Forschung mehr, sondern nur noch Vertriebsunterstützung."
"Autonome Forschung nicht möglich", taz 24.4.12


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Lügner kommen im Job weiter 
Donnerstag, 3. Mai 2012 - Studien
Ehrlich wärt am längsten? Mag sein, aber im Job eher nicht - so das Ergebnis einer Studie einer britisch-amerikanischen Forschergruppe, über die die Wirtschaftswoche berichtet. Wer immer sagt, was er denkt, kann sich von Beförderungen verabschieden, so eine Erkenntnis der Forscher. Auch Offenheit über die eigene Befindlichkeit, wenn diese nicht gut ist, sei der Karriere eher abträglich. Die befragten 500 Studenten und Arbeitnehmer fühlten sich zwar prinzipiell sehr gut, wenn sie die Wahrheit sagten, doch galt dies vor allem für Situationen im Privatleben. Wer im beruflichen Umfeld ehrlich sein musste, auch wenn's schmerzhaft war, fühlte sich hingegen deutlich schlechter. Das Fazit der Forscher: "Sei du selbst - solange du nicht bei der Arbeit bist."
Wer erfolgreich sein will, muss lügen, WiWo 25.4.12

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