Narzisstische Kränkung in der Überflussgesellschaft 
Donnerstag, 6. September 2012 - sonstiges
Seit der französische Soziologe Pierre Bourdieu uns mit seiner Untersuchung über die "feinen Unterschiede" deutlich machte, dass auch Konsum ein wunderbares Mittel zur Statusdistinktion ist, wissen wir, wie viel es über uns aussagt, welche Marken wir kaufen und wie viel wir uns von etwas leisten. In Zeiten der Krise stellt sich jedoch für immer mehr Menschen nicht mehr nur die Frage: Alnatura oder Aldi? Denn wer mit kleinsten Budgets auskommen muss oder gar HartzIV-Leistungen bezieht, für den wird oft schon der Waschmittelkauf zum Problem - weil eine Großpackung, die drei Monate reicht, leicht das Wochenbudget auffrisst. Der Konzern Unilever kündigte nun an, auch in Europa kleinere Packungsgrößen für seine Produkte einzuführen. Ein Schritt, durch den sich die taz an die "Dritte Welt" erinnert fühlt: "Die kleine Packung wird zur Verkörperung der Krise. Diese kleinen Packungen gab es früher nur anderswo. In Afrika. In Asien. Vielleicht auch in Lateinamerika. Aber jetzt kommen sie also auch nach Europa, nach Spanien, Griechenland, Italien. Nach vier Jahren Finanzkrise sind „wir“ also soweit. „Wir“ sind also jetzt auch Afrika. Da klingt die Hintergrundmelodie vom Abstieg Europas an." Ist das der neue Konsum 0.5? Sicher zeigt der Schritt von Unilever, dass nun auch europäische Märkte in Sachen Konsum keine anything goes Arenen mehr sind. Aber letztlich haben kleinere Verpackungsgrößen auch etwas Positives. Die wachsende Zahl der Single-Haushalte wird sich sicherlich ebenfalls über die neuen Angebote freuen, denn wem immer die letzten zwei Scheiben Käse in der Packung verschimmeln, weil er mit dem Essen einfach nicht nachkommt, der ist dankbar, wenn künftig statt 150 Gramm vielleicht nur noch 75 Gramm in der Verpackung stecken.
Eine kleine Packung, bitte, taz 28.8.12


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Gestalten statt Karriere machen 
Mittwoch, 5. September 2012 - Management
Spiegel online beleuchtet in einem umfassenden Artikel einen grundlegenden Einstellungswandel bei jungen High Potentials. Galt noch vor gar nicht allzu langer für viele Absolventen der Top-Eliteschmieden, dass ihr Lebensziel der höchstmögliche Aufstieg in renommierten Konzernen ist, scheint sich diese Perspektive geradezu dramatisch zu wandeln. Neben schon zu Klassikern avancierenden neuen Einstellungen, bei der Arbeit auch Sinn verwirklichen zu wollen und Gestaltungsfreiräume zu wünschen, ist das neue Anti-Karriere-Phänomen indes viel vielschichtiger. Manche Experten sehen eine neue "Scheu vor Verantwortung" bei den jungen Absolventen. Andere Antipathien gegen Hierarchiedenken, Ergebnisdruck und zeitliche Vereinnahmung durch endlos lange Arbeitstage. Wieder andere sehen in der Generation der potentiellen Nachwuchsmanager einen starken Selbstbestimmungsdrang. Studien wiederum zeigen, dass in den letzten Jahren die Stressresistenz der Absolventen zurückgeht. In einer Kienbaum-Umfrage zu den wichtigsten Werten des Führungsnachwuchses landeten Family & Friends mit 71 Prozent auf Platz 1, gefolgt von Selbstverwirklichung (48 Prozent) und Erfolg und Karriere (43 Prozent). Arbeit wird also für immer mehr Menschen zu einem überschaubaren Teil des Lebens, der andere Optionen nicht dominieren sollte. McKinsey-Recruiting-Chef Thomas Fritz bringt den grundlegenden Wandel auf den Punkt: "Die Vorstellung eines erfüllten Lebens ist mehrdimensional geworden." Und dieser Wunsch nach Mehrdimensionalität könnte die Wirtschaft langfristig grundlegend verändern, denn wenn Geldgier und Karrieregeilheit nicht mehr das treibende Moment für High Potentials ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese dennoch ambitionierten Menschen sich entweder neue Tätigkeitsfelder suchen oder aber die Unternehmen sich so verändern, dass sie für den Führungsnachwuchs noch attraktiv sind.
Karriere? Ohne mich! Spiegel online 27.8.12


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Mehr Bewusstsein für Sinn und Prozesse 
Dienstag, 4. September 2012 - Management
In einem Gastbeitrag auf Zeit online erklärt der dm-Gründer Götz Werner, warum Unternehmen ihre Mitarbeiter als Zweck betrachten sollten und nicht als Mittel. Für Werner ist augenscheinlich: "Wer die Frage nach dem Warum und Wozu stellt und die Bedürfnisse der Menschen im Blick hat, erkennt: Ein Unternehmen stellt für jeden Beteiligten einen Lebensschauplatz dar, der ihn dabei unterstützen sollte, sich seiner selbst bewusst zu werden und seine Lebensbiografie zu gestalten." Das Unternehmen als Bewusstseinsraum? Ja - und noch mehr: Für den dm-Gründer ergibt sich die Notwendigkeit, Firmen nicht mehr als hierarchische Systeme zu denken, sondern als Prozesse, die die Folgen des unternehmerischen Handelns stets berücksichtigen. Bewusstsein und Prozessperspektive verbinden sich laut Werner dann wie folgt: "Das gesellschaftliche Bewusstsein muss dem individuellen folgen. Ein Unternehmer oder Manager sollte sich heutzutage stets fragen: Warum und wozu machen wir das? Macht das Unternehmen für Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten Sinn? Denn nur wenn die Stakeholder einen Sinn in dem erkennen, was Unternehmen beabsichtigen und tun, werden diese auch nachhaltig erfolgreich sein. Für die Mitarbeiter wird der Arbeitsplatz dann zu einem Ort, an dem sie sich mit ihren Fähigkeiten einbringen und sich dadurch auch ausdrücken können." Das schöne an dieser Argumentation: Hier wird Sinn nicht als Ziel propagiert, sondern er entsteht im Zuge eines lebendigen Prozesses, der sich entwickeln kann, wenn Menschen sich in ihrer Entwicklungsfähigkeit in Firmen wirklich einbringen können.
Mitarbeiter wollen den Sinn verstehen, Zeit online 24.8.12


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Change braucht Interaktion und Gestaltung 
Montag, 3. September 2012 - Management
Change-Projekte sind heikel, denn nach wie vor scheitern viele Veränderungsbemühungen in Unternehmen - nicht zuletzt deshalb, weil Entscheider sich der notwendigen Prozessqualitäten, die nachhaltiger Wandel braucht, kaum bewusst sind. Als wunder Punkt kristallisiert sich immer wieder heraus, dass Mitarbeiterbeteiligung eine wichtige Basis für das Veränderungsmanagement ist, doch ihre Umsetzung erfolgt oft nur halbherzig. So denken laut einer Kienbaum-Studie zwei Drittel der Top-Manager, die Mitarbeiter im eigenen Unternehmen würden erfolgreich bei Change-Projekten beteiligt. Nur 40 Prozent der entsprechenden Projektleiter sagen jedoch, die Mitarbeiter würden tatsächlich zu Vorschlägen aufgerufen. Bei der Realisierung dieser Vorschläge sieht es ganz ähnlich aus. 57 Prozent der Top-Manager glauben, diese würden auch umgesetzt, während dies lediglich ein Viertel der Projektmanager bestätigen mag. Matthias Meifert von Kienbaum ist der Ansicht, dass Führungskräfte hier eine Holschuld haben: "Sie müssen sich darum bemühen, die Wahrheit zu hören. Sie nutzen zu selten das Instrument des Monitorings, versäumen also, die Mitarbeiter zu befragen." Sicher, Feedbackprozesse sind aufwändig, und bringen bisweilen auch Ergebnisse, die den Entscheidern nicht gefallen. Andererseits zeigt die Statistik knallhart, dass erzwungener Change ohne Beteiligung meist ins Leere läuft ...
"Totschweigen geht daneben", SZ 20.8.12


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Männlich, ambitioniert, aber aussortiert? 
Freitag, 31. August 2012 - Management
In Deutschlands Unternehmen grassiert die Angst vor einer Massendiskriminierung. Die politische Diskussion über eine Frauenquote für Führungspositionen versetzt viele ambitionierte Männer in Alarmstimmung, denn sie können sich inzwischen ausrechnen, dass die Wahrscheinlichkeit, von einer Frau beim beruflichen Aufstieg überholt zu werden, in den nächsten Jahren rasant steigt. Wenn alle Dax-30-Unternehmen ihre Quotenziele umsetzen, müssen sie in den nächsten Jahren 5.500 Frauen ins obere Management bringen - Jobs, auf die viele Männer ein gefühltes Anrecht geltend machen. Personaler fragen sich bereits, wohin sie all die aufstiegswilligen Männer "aussortieren" sollen, Männer suchen bereits nach Arbeitgebern, die sich als Ablehner von mehr Frauen in der Führungsetage positionieren. Es herrscht Aufruhr, weil Männer zu ahnen beginnen, wie ein Berufsleben aussieht, dass für Frauen seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit ist - undifferenziertes Ackern bis maximal zur mittleren Führungsebene ohne Aussicht auf einen Chefsessel oder zumindest eine gehobene Position in der zweiten Reihe. Die Hysterie der Männer, die durch immer neue Umfragen genährt wird, dürfte noch lange nicht abebben. Andererseits könnte dieses Übergangsphänomen (so die Firmen überhaupt genügend qualifizierte und führungswillige Frauen finden) auch bald wieder ausgestanden sein, denn die junge Generation der Arbeitnehmer (siehe unsere Meldung vom 24. August) scheint bereits längst nicht mehr so erpicht auf Chefsessel und Insignien der Macht zu sein.
Die Frauenquote bremst Männer aus, 14.8.12


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Neuer Höchststand bei Stresserkrankungen 
Donnerstag, 30. August 2012 - Studien
Eine Studie der Betriebskrankenkassen zeigt, dass Stresserkrankungen weiter auf dem Vormarsch sind. Im Schnitt waren die Arbeitnehmer im ersten Halbjahr 2012 16 Tage krankgeschrieben - ein Höchststand seit 1999. Die Gesamtzahl der Krankheitstage blieg gegenüber dem Vorjahr vergleichsweise stabil, doch stiegen die Fehlzeiten aufgrund von Stresserkrankungen deutlich an. Insgesamt machen Burn-out, Depressionen und psychische Leiden bereits 13,2 Prozent aller Krankheitstage aus und stehen damit dritter Stelle nach Muskel- und Skelett-Erkrankungen (26,3 Prozent) und Atemwegserkrankungen (14,4 Prozent). Bei Männern verzeichneten die Betriebskrankenkassen einen Zuwachs von 20 Prozent bei psychischen Erkrankungen, bei Frauen einen Anstieg um 18 Prozent. Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist bei diesen Erkrankungen mit 37 Tagen höher als bei Krebsbehandlungen (36 Tage).
Arbeitnehmer fehlen im Durchschnitt acht Tage, Zeit online 13.8.12


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In fünf Dax-Konzernen stellen Frauen die Mehrheit der Mitarbeiter 
Mittwoch, 29. August 2012 - Studien
Der Diskussion um die Frauenquote zum Trotz gibt es bereits einige Konzerne, in denen Frauen besonders gute Karrierechancen haben. Eine Umfrage der WirtschaftsWoche zeigt: In fünf Dax-Konzernen ist bereits die Mehrheit der Beschäftigten weiblich und auch in Führungspositionen sind dort Frauen besser positioniert als in anderen Unternehmen. Das Ranking der Frauen-Domänen: Fresenius (67 Prozent), Metro (55,6 Prozent), Adidas (52 Prozent) Beiersdorf (51,9 Prozent), Munich Re (51 Prozent). Was die Besetzung von Führungspositionen mit Frauen angeht, zeigt sich folgendes Bild: Henkel (29,5 Prozent), Fresenius (27 Prozent), Merck (23 Prozent), Bayer (22,3 Prozent), Munich Re (20,5 Prozent), Beiersdorf (20,5 Prozent).
Fünf Dax-Konzerne beschäftigen mehr Frauen als Männer, WiWo 11.8.12


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Fair Trade wächst, bleibt aber Nische 
Dienstag, 28. August 2012 - Studien
Trotz Krise sind immer mehr Menschen bereit, die vergleichsweise teuren Fair-Trade-Produkte zu kaufen. so stieg der Umsatz im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 477 Millionen Euro, so das Forum Fairer Handel. Fair Trade kommt welt 1,2 Millionen Bauern und Arbeitern in mehr als 60 Ländern zugute. Deren Familien eingerechnet werden so rund sechs Millionen Menschen erreicht. In Deutschland setzen sich etwa 100.000 Menschen ehrenamtlich für den fairen Handel ein. Wichtigstes Fair-Trade-Produkt bleibt der Kaffee, mit dem jeder zweite Euro umgesetzt wird. Der Anteil des fairen Kaffees am Welthandel ist zwar gestiegen, liegt aber dennoch erst bei zwei Prozent. Der Marktanteil bei fair gehandelten Blumen stieg auf etwa acht Prozent.
Blumen zum Kaffee, taz 10.8.12


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