Globale Probleme nachhaltig lösen 
Montag, 15. Oktober 2012 - sonstiges
Die internationale Politik krankt daran, dass nachhaltige Lösungen, die im Interesse aller Menschen wären, sich gegenwärtig kaum durchsetzen lassen. Einer der Gründe: Preschen einzelne Länder beispielsweise durch Gesetzesnovellen, die eine stärkere Regulierung des Finanzsystems zum Ziel haben vor, entsteht eine Konkurrenzsituation zu den Ländern, die dies nicht tun. Geschäfte würden sich dann der Wettbewerbslogik folgend in diese Länder verlagern, was nicht nur einen Nachteil für die innovativen Länder darstellen würde, sondern auch in der Sache selbst - hier die Regulierung das Finanzsystems - keine wirklichen Fortschritte mit sich bringen würde. Der Engländer John Bunzl möchte mit seiner Simultanpolitikkampagne Simpol hier einen Ausweg aus diesem ewigen Dilemma schaffen. Seine Idee: Wenn Politiker und ganze Regierungen sich einem nachhaltigen Engagement verpflichten und die Wähler ankündigen, nur noch Politiker zu wählen, die dies tun, entsteht ein neuer konstruktiver Wettbewerb. Der Clou der Simpol-Idee: Konkrete Maßnahmen, beispielsweise die Selbstverpflichtung zur nationalen Regulierung des Finanzwesens, werden erst dann umgesetzt, wenn alle von einer Maßnahme grundsätzlich betroffenen Länder mitmachen. Eine bekundete Selbstverpflichtung wird also erst eingelöst, wenn eine realistische Chance auf globale Umsetzung besteht, so dass Vorreiter keine Nachteile befürchten müssen. Simpol wirkt also zunächst auf eine grundsätzliche Einstellungsveränderung im politischen System, der nachgeschaltet dann konkrete politische Maßnahmen folgen können. In Deutschland wird die Simpol-Kampagne von Dirk Weller geleitet, und es gibt bereits Regionalgruppen in Berlin und Hannover. Als Reaktion auf den Brandbrief der chemischen Industrie an Kanzlerin Merkel, in dem die Unternehmen ihren Befürchtungen über steigende Energiepreise im Zuge der Energiewende, die ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit schwäche, Ausdruck verliehen, haben die deutschen Simpol-Aktivisten alle Mitglieder des Deutschen Bundestages angeschrieben, um sie zu einer Beteiligung an Simpol zu animieren.
Simpol in Deutschland

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Hochqualifizierte Frauen leiden besonders unter schlechterer Bezahlung 
Freitag, 12. Oktober 2012 - Studien
Die neue Erhebung des Statistischen Bundesamtes zeigt: An der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen hat sich in den letzten Jahren wenig geändert. Im Schnitt verdienen Frauen 22 Prozent weniger als Männer - was einen Rückgang der Ungleichheit um einen Prozentpunkt seit 2006 bedeutet. Je höher die Qualifikation von Frauen, umso größer klafft die Lohnschere auseinander. Frauen mit Haupt- oder Realschulabschluss verdienen 11 Prozent weniger, mit Abitur 19 Prozent weniger und mit einem Hochschulstudium sogar 27 Prozent weniger. Auch zeigt sich eine Altersprogression, denn bei den unter 24-Jährigen lagen die Gehaltsunterschiede bei lediglich zwei Prozent, bei den 25- bis 34-Jährigen bei elf Prozent, bei den 35- bis 44-Jährigen bei 24 Prozent und bei den 55- bis 64-Jährigen sogar bei 28 Prozent. Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese deutlichen Unterschiede nicht allein einer Diskriminierung von Frauen geschuldet sind, sondern auch darauf zurückzuführen sind, dass Frauen sich häufig für Ausbildungen, Studienfächer und Berufe entscheiden, in denen das Gehaltsniveau generell niedriger liegt.
Warum Frauen weniger verdienen als Männer, WiWo 4.10.12.



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Depressionen kosten Milliarden 
Donnerstag, 11. Oktober 2012 - Studien
Eine Umfrage der European Depression Association (EDA) unter 7.000 europäischen Arbeitnehmern zeigt: Jeder fünfte Beschäftigte war schon einmal mit der Diagnose Depression konfrontiert. Am häufigsten sind die Briten betroffen (26 Prozent), als seltensten die Italiener (12 Prozent). Dadurch gehen pro Jahr mehr als 21.000 Arbeitstage verloren. Die EDA geht davon aus, dass die volkswirtschaftlichen Kosten in der Europäischen Union im Jahr 2010 92 Milliarden Euro betrugen, auch, weil die Betroffenen, die sich trotz Erkrankung zur Arbeit schleppen, schlechtere Leistungen erbringen. Als Symptome nennen die Befragten Vergesslichkeit (33 Prozent), Unentschlossenheit (44 Prozent) und Konzentrationsschwierigkeiten (57 Prozent). Deutsche Arbeitnehmer bleiben der Arbeit am häufigsten (61 Prozent) bei einem Krankheitsschub fern und sind mit 41 Tagen im Durchschnitt auch am längsten krankgeschrieben.
Pressemitteilung der EDA, 1.10.12


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Neuer Besitzer greift bei Hess-Natur durch 
Mittwoch, 10. Oktober 2012 - Management
Die Investorengesellschaft Capvis, die in diesem Jahr den Ökomode-Hersteller Hess-Natur übernommen hat, setzt sich gegen Kritik zur Wehr. Lange hatten Mitarbeiter und Kunden darum gekämpft, dass das Unternehmen vom vorherigen Besitzer Karstadt-Quelle in die Freiheit einer Genossenschaft überführt wird. Als diese Option scheiterte und Capvis, eine Gesellschaft, die auch in Rüstungsgeschäfte investiert, die Übernahme abschloss, schwollen die Kundenproteste an. Nun berichtet die taz, dass der Private Equity Fonds gegen die Attac AG Solidarische Ökonomie mit rechtlichen Mitteln vorgehen wolle und sogar mit einer Schadenersatzklage drohe, weil auf der Webseite kritische Kundenstatements veröffentlicht worden seien, deren Urheberschaft nicht nachweisbar sei. Ob sich ärgerliche Kunden, die bisher vom ökologischen und gesellschaftlichen Engagement von Hess-Natur überzeugt waren, durch solche Schritte besänftigen lassen, sei dahingestellt.
Kritik unerwünscht, taz 3.10.12


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Beförderungen drücken das Wohlbefinden 
Dienstag, 9. Oktober 2012 - Studien
Ein höherer Job, mehr Geld - eigentlich sollte man meinen, Beförderungen machen zufrieden, doch eine Studie aus Australien zeigt: Berufsaufsteiger werden mit der Zeit sogar unglücklich. Analysiert wurden 2.000 Beförderungen sowie die Befindlichkeit der Arbeitnehmer in einem Zeitraum von zehn Jahren. Glauben die Aufsteiger zunächst noch, sie hätten nun einen sicheren Arbeitsplatz, würden fairer bezahlt, freuen sich über die neue Macht und den damit verbundenen sozialen Status und sind insgesamt zufrieden, verkehrt sich dieses Wohlbefinden längstens drei Jahre nach dem Aufstieg ins Gegenteil. Mehr Stress und längere Arbeitstage führen zu einem Absinken der mentalen Gesundheit, das einstige Sicherheitsgefühl ist genau so dahin wie der Eindruck einer guten Bezahlung, und die Zufriedenheit mit dem Job sinkt auf das Niveau vor der Beförderung.
Chefsein macht unglücklich, Zeit online 2.10.12


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Ausgebremst und gelangweilt 
Montag, 8. Oktober 2012 - Studien
Das trendence Young Professionals Barometer 2012 zeigt: Viele Berufsanfänger sind mit ihrer Arbeitssituation unzufrieden.Ein Viertel der 6.300 befragten jungen Berufstätigen fühlt sich unterfordert, 35 Prozent fühlen sich durch starre Hierarchien ausgebremst. Ein Viertel der Frauen sagen sogar, sie langweilen sich im Job. Jede vierte Frau und jeder fünfte Mann klagen zudem über fehlende Anerkennung. Jeder sechste Befragte findet die eigenen Arbeitsaufgaben uninteressant und jeder siebte hält sie zudem für wenig sinnvoll. Etwa ein Drittel der Befragten stört sich daran, dass die eigenen Potentiale vom Arbeitgeber kaum genutzt werden. Vor diesem Hintergrund geben mehr als 30 Prozent an, in den kommenden zwei Jahren nach einem neuen Job Ausschau zu halten.
Studie: Berufsanfänger - unzufrieden und unterfordert, FTD 28.9.12


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Gesundheit beginnt bei der Selbstwirksamkeit 
Freitag, 5. Oktober 2012 - Management
Im Kontext der gerade wieder einmal aufflammenden Burn-out-Diskussion hat die Unternehmensberatung Saaman AG gemeinsam mit der Universität Freiburg untersucht, wie eine ganzheitliche Burn-out-Prävention aussehen könnte. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es zu kurz greife, allein äußere Arbeitsbedingungen zu betrachten, denn letztlich entscheiden auch die persönlichen Ressourcen des Einzelnen darüber, wie gut oder schlecht er mit Stress zurecht kommt. Wirkungsvolle Prävention müsse deshalb sowohl die organisationalen als auch die personalen Ressourcen stärken. Zentrale Faktoren auf der Organisationsebene sind laut Untersuchung regelmäßige, konstruktive Rückmeldungen durch Führungskräfte, Rollenklarheit, zeitliche und räumliche Flexibilität, Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte, eine ausreichende Qualifizierung der Mitarbeiter und Zuverlässigkeit im Hinblick auf getroffene Absprachen. Auf der persönlichen Seite sind es die Selbstwirksamkeit der Mitarbeiter, die Fähigkeit zu effizientem Handeln, der bewusste Umgang mit der eigenen Gesundheit, die Fähigkeit zur Distanz von der Arbeit als Basis für Erholung und eine klare Kommunikation, die es erlaube, auch einmal nein zu sagen. Die Studie geht davon aus, dass wirksame Prävention Optimierungen in beiden Feldern erfordert.
Gefahr Burn-out: Wie Unternehmen gezielt gegensteuern können


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In der Nachhaltigkeitsfalle 
Donnerstag, 4. Oktober 2012 - Arbeit
In einem Interview mit dem Freitag spricht Ulrich Brand, Mitglied der Enquete-Kommission zu Wachstum und Wohlstand, über das Dilemma der Nachhaltigkeit. Obwohl Themen wie die Schonung der natürlichen Ressourcen, Energieeffizienz und Recycling längst Hochkonjunktur haben, entfalten sie in den Augen von Brand nicht die wünschenswerte Wirkung, weil letztlich so genannte Rebound-Effekte die eigentlichen Erfolge aufzehren. Wo ein alter Kühlschrank durch einen neuen, energieeffizienteren ersetzt werde, verpuffe der Einspareffekt, wenn der neue Kühlschrank dafür umso größer sei und letztlich genau so viel Energie wie vorher verbrauche, so Brand. Der Sachverständige fordert von der Politik mehr Konsequenz, notfalls auch gegen die Interessen von Unternehmen und Verbrauchern. Brands Credo: "Der Staat ist darauf getrimmt, dass die kapitalistische Ökonomie wächst, dass sie wettbewerbsfähig bleibt, dass sie Steuern abwirft und Arbeitsplätze schafft. Was aber ausgeblendet wird: Wohlstand entsteht auch durch gesellschaftliche Tätigkeiten, die nicht marktförmig sind: Sorgearbeit, Freiwilligenarbeit, Erziehungsarbeit. ... Wachstum hat einen herrschaftlichen Charakter. Wachstum bedeutet, dass die Mehrheit der Bevölkerung in die kapitalistische Modernisierung reingerissen wird, etwa der Arbeiter in der Weltmarktfabrik in China. ... Die gesamte Stimmung unserer Gesellschaft hängt an der Wachstumsfrage. ... Wir müssen uns sowieso auf abnehmende Wachstumsraten einstellen, Wohlstand anders verstehen. Aber das muss man gegen den Willen der Vermögensbesitzer durchkämpfen, die Rendite wollen. Auch der Staat muss eine andere Steuer- und Sozialversicherungspolitik betreiben und weg von der Wachstumsnadel kommen." Brand kritisiert, dass es derzeit keinen erkennbaren politischen Willen gebe, etwas an den Rahmenbedingungen zu verändern. Seine Vision: Bessere Recyclingsysteme, ein Arbeitsverständnis, das sich nicht nur auf Lohnarbeit beruft, aber auch eine Selbstbeschränkung der Bevölkerung, die abwägt, welche Folgen ihr eigenes (Konsum-)Verhalten haben wird.
"Wohlstand geht bald anders", Der Freitag 25.9.12


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