Energiewende - alles eine Frage der Perspektive 
Mittwoch, 24. Oktober 2012 - sonstiges
Die Wogen schlagen gegenwärtig hoch, denn die absehbare Erhöhung der Abgabe im Zuge des Gesetzes für Erneuerbare Energien (EEG) trifft natürlich viele Verbraucher hart. Interessant zu beobachten ist, wie einseitig die politische Diskussion über den Sachverhalt geführt wird. Wo Politiker mit Blick auf die nächste Bundestagswahl schon einmal Stimmung machen, indem sie behaupten, der Öko-Strom werde wettbewerbsverzerrend subventioniert, hilft ein Blick auf die Zahlen. So gibt der Ökostrom-Anbieter EWS in einer Pressemitteilung an, dass die fossil-atomare Energieerzeugung seit 1970 jährlich mit durchschnittlich 14,5 Milliarden Euro aus Steuermitteln subventioniert wurden. Bei den Erneuerbaren liegt dieser Wert bei durchschnittlich 5,6 Milliarden Euro im Jahr. Und während die Milliarden für Atomstrom und Co. den großen Konzernen zugute kamen, profitieren vom EEG vor allem kleine und mittlere Unternehmen, da 60 Prozent der Anlagen, die erneuerbare Energie produzieren, von ihnen betrieben werden. Laut EWS haben die Konzerne bisher nur mit 6,5 Prozent zur Energiewende beigetragen. Ein weiterer bizarrer Faktor sorgt gerne für Verwirrung. Da die künftige Knappheit fossiler Energieträger sich gegenwärtig noch nicht sonderlich stark in der Preisbildung für Strom niederschlägt, "kostet" Ökostrom gegenwärtig tatsächlich deutlich mehr als Atomstrom, woraus gerne der Vorwurf abgeleitet wird, dass die Subventionierung von Ökostrom ineffizient sei. Nun ja, wenn wir warten, bis der letzte Tropfen Öl oder Erdgas verbraucht ist, sitzen wir halt alle im Dunkel und klappern mit den Zähnen... Übergangsstadien wie das jetzige sind nicht einfach - weder in der Darstellung, noch in der Bewältigung. Und da hilft es wenig, die Interessen aller Beteiligten gegeneinander auszuspielen. Der jüngste Vorstoß der Wirtschaft, über weitere Abgaben die Stromkunden an Ausfallrisiken und den Kosten des Stromnetzausbaus zu beteiligen, ist da nur ein Punkt unter vielen. Ich wüsste zu gerne, in welchem Maße mich die Konzerne im Gegenzug an den zu erwartenden Gewinnen beteiligen werden, die, wenn sich die Knappheit fossiler Energieträger erst in den Marktpreisen niederschlägt, sicherlich immens sein werden. Da lobe ich mir Anbieter wie die EWS. Die geben auf ihrer Webseite an, dass 5,49 Prozent ihres Strompreises in die Deckung der Verwaltungskosten und den Gewinn fließen. Das klingt doch fair.
EWS-Pressemitteilung


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Arbeit stresst mehr als private Sorgen 
Dienstag, 23. Oktober 2012 - Studien
Für 61 Prozent der Deutschen ist ihre Arbeit der größte Stressfaktor in ihrem Leben, so das Ergebnis einer Umfrage des Bürodienstleisters Regus. 58 Prozent meinen, dass ihre Anspannung durch den Job im Vergleich zum letzten Jahr gestiegen sei - im weltweiten Durchschnitt ist das bei 48 Prozent der Befragten der Fall. Finanzielle Sorgen plagen hingegen lediglich 25 Prozent der Deutschen - weltweit sind es dagegen 44 Prozent.
Arbeitsalltag stresst Menschen mehr als private Sorgen, Focus.de 13.10.12


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Krise vernichtet in großem Stil Arbeitsplätze 
Montag, 22. Oktober 2012 - Studien
Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise hinterlässt auf den internationalen Arbeitsmärkten eine Schneise der Zerstörung. Laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) sind in den letzten vier Jahren bereits 30 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen, und inzwischen rechnen die UN-Experten damit, dass es im kommenden Jahr weitere sieben Millionen sein werden. Weltweit wären damit 207 Millionen Menschen ohne Job. Doch auch die, die einen haben, haben zum Teil zu kämpfen, denn etwa 900 Millionen Menschen leben in Elend und Armut, obwohl sie einer Arbeit nachgehen. Außerdem ist etwa ein Drittel aller Arbeitslosen jünger als 25 Jahre - und dies längst nicht mehr nur in den weniger entwickelten Ländern, sondern auch in Industrienationen, so dass hier eine ganze Generation zu den großen Verlierern des Arbeitsmarktes wird.
7 Millionen werden 2013 arbeitslos, taz 12.10.12


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Beamte: Weithin anerkannt und guter Stimmung 
Freitag, 19. Oktober 2012 - Studien
Eine Umfrage des Beamtenbundes unter 3.000 Deutschen zeigt: Die Staatsbediensteten sind trotz mancher Kritikpunkte am öffentlichen Dienst guter Stimmung und werden von der Bevölkerung größtenteils wertgeschätzt - wenngleich sich letzteres erst bei der Betrachtung von Details zeigt. Nur 36 Prozent haben vom Beamten im Allgemeinen ein positives Bild, doch fragt man nach konkreten Berufsgruppen wie Feuerwehrmann, Polizei oder Richter, fällt die Zustimmung weit höher aus, denn hier wird für die Deutschen der unmittelbare Nutzen, den die Beamten stiften, klar ersichtlich. Auch bei den Beamten selbst ist die Zufriedenheit mit dem eigenen Job vergleichsweise groß. Zwar sind 82 Prozent nicht so richtig mit ihrem Einkommen zufrieden, weil sie meinen, dass es in den kommenden Jahren weniger steigen werde als in der Privatwirtschaft, doch 71 Prozent schätzen ihre Arbeitsbedingungen, und lediglich 19 Prozent können sich einen Wechsel in die Privatwirtschaft vorstellen. Allerdings halten nur noch 57 Prozent den öffentlichen Dienst für attraktiv. Doch die Sicherheit des Jobs (79 Prozent) scheint für die große Mehrheit Grund genug, dem Staat die Treue zu halten.
Warum Beamte ein gutes Ansehen haben, SZ 11.10.12


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Die große Transformation steht bevor 
Donnerstag, 18. Oktober 2012 - Management
Esoteriker propagieren schon lange eine große Wende, die sie aus dem Ende des Maya-Kalenders, das uns am 21. Dezember 2012 bevorsteht, ableiten. Nun schlägt einer der renommiertesten Management-Berater, Fredmund Malik, in eine ähnliche Kerbe. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er von einer großen "Transformation 21": "Das Finanzsystem in seiner heutigen Form wird verschwinden. So gut wie alle öffentlichen Systeme werden grundlegend um- und neugebaut werden müssen, seien es Bildungs- und Gesundheitswesen, die Sozialsysteme oder Verwaltung und Regierung. Besonders tiefgreifend müssen sich unsere Verfahren des Problemlösens, Entscheidens und Umsetzens auf allen Gesellschaftsebenen verändern, weil diese so wichtigen Systeme durch die heutige Komplexität am meisten gefordert und überfordert sind. Die herkömmlichen Methoden haben ihre Problemlösungskraft weitgehend verloren. Wir müssen die Demokratie neu erfinden. Die Lösungen für all das gibt es bereits, aber sie sind den meisten Entscheidern noch nicht bekannt." Malik erklärt fachkundig die Schwächen des gegenwärtigen Systems und zeigt auf, wie sich Denken und Handeln in Wirtschaft und Politik verändern müssen, um der wachsenden Komplexität besser gerecht zu werden und die Fallstricke von früheren Perspektiven, die in die Sackgasse geführt haben, zu überwinden. Ein wichtiger Ansatzpunkt dabei ist in seinen Augen die Überwindung des linearen Denkens im Management: "Management ist ein kybernetisch-evolutionärer Kreislauf-Prozess der kontrollierten Selbstorganisation und Selbstregulierung. Damit kann auch höchste Komplexität und Dynamik zuverlässig gemeistert werden."
"Der Gewinn hat als Steuerungsgröße ausgedient"", HB 9.10.12



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Moral lässt sich im Job nicht immer durchhalten 
Mittwoch, 17. Oktober 2012 - Studien
Eine Studie der Akademie für Führungskräfte, für die 443 Manager befragt wurden, zeigt: Moralische Vorstellungen lassen sich im Job nicht immer durchhalten. So gaben 82,1 Prozent an, zumindest manchmal gegen ihre Überzeugungen zu handeln. Dennoch glaubt die große Mehrheit (98,9 Prozent), dass man als Führungskraft den Mitarbeitern ein Vorbild sein müsse. Dem Selbstbild nach gelingt dies 83 Prozent der Befragten in "menschlicher Hinsicht" und 75 Prozent im Hinblick auf ihre Arbeitsweise. 44 Prozent sind davon überzeugt, ihre Verantwortung ernster zu nehmen als andere Manager in vergleichbarer Position.
Manager handeln gegen ihre Überzeugungen, WiWo 27.9.12


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Zwischen Stillstand und Verfall 
Dienstag, 16. Oktober 2012 - Studien
Das Rheingold Institut hat in einer Studie die Befindlichkeit der Deutschen untersucht. Dabei scheint die Nation in ihrer Selbsteinschätzung zwischen der Wahrnehmung eines Zerfalls im Außen und dem Rückzug ins private Glück zu pendeln. Drei Viertel der Deutschen finden, dass das Land hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibe. 88 Prozent bemängeln zu viel Bürokratie, 70 Prozent glauben, dass Deutschland immer mehr "den Bach runter" gehe. 80 Prozent empfinden die Politiker als zu zaghaft und wankelmütig, 83 Prozent vermissen eine Ergebnisorientierung in der Politik. Als Gegenpol zu diesen als desolat wahrgenommenen äußeren Randbedingungen propagieren viele Deutsche den Rückzug in individuelle Lebenswelten. 82 Prozent finden, dass jeder nach seinen eigenen Vorstellungen leben solle, und 79 Prozent sagen, dass ihnen ihre individuelle Freiheit am wichtigsten sei. Doch dieser gewollte Rückzug sucht auch Sicherheiten in überindividuellen Bezügen, denn 96 Prozent ist es wichtig, "Menschen zu haben, auf die sie sich verlassen können".
Rheingold-Studie 25.9.12


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Globale Probleme nachhaltig lösen 
Montag, 15. Oktober 2012 - sonstiges
Die internationale Politik krankt daran, dass nachhaltige Lösungen, die im Interesse aller Menschen wären, sich gegenwärtig kaum durchsetzen lassen. Einer der Gründe: Preschen einzelne Länder beispielsweise durch Gesetzesnovellen, die eine stärkere Regulierung des Finanzsystems zum Ziel haben vor, entsteht eine Konkurrenzsituation zu den Ländern, die dies nicht tun. Geschäfte würden sich dann der Wettbewerbslogik folgend in diese Länder verlagern, was nicht nur einen Nachteil für die innovativen Länder darstellen würde, sondern auch in der Sache selbst - hier die Regulierung das Finanzsystems - keine wirklichen Fortschritte mit sich bringen würde. Der Engländer John Bunzl möchte mit seiner Simultanpolitikkampagne Simpol hier einen Ausweg aus diesem ewigen Dilemma schaffen. Seine Idee: Wenn Politiker und ganze Regierungen sich einem nachhaltigen Engagement verpflichten und die Wähler ankündigen, nur noch Politiker zu wählen, die dies tun, entsteht ein neuer konstruktiver Wettbewerb. Der Clou der Simpol-Idee: Konkrete Maßnahmen, beispielsweise die Selbstverpflichtung zur nationalen Regulierung des Finanzwesens, werden erst dann umgesetzt, wenn alle von einer Maßnahme grundsätzlich betroffenen Länder mitmachen. Eine bekundete Selbstverpflichtung wird also erst eingelöst, wenn eine realistische Chance auf globale Umsetzung besteht, so dass Vorreiter keine Nachteile befürchten müssen. Simpol wirkt also zunächst auf eine grundsätzliche Einstellungsveränderung im politischen System, der nachgeschaltet dann konkrete politische Maßnahmen folgen können. In Deutschland wird die Simpol-Kampagne von Dirk Weller geleitet, und es gibt bereits Regionalgruppen in Berlin und Hannover. Als Reaktion auf den Brandbrief der chemischen Industrie an Kanzlerin Merkel, in dem die Unternehmen ihren Befürchtungen über steigende Energiepreise im Zuge der Energiewende, die ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit schwäche, Ausdruck verliehen, haben die deutschen Simpol-Aktivisten alle Mitglieder des Deutschen Bundestages angeschrieben, um sie zu einer Beteiligung an Simpol zu animieren.
Simpol in Deutschland

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