BWL braucht mehr Praxis 
Montag, 7. Oktober 2013 - Wissenschaft
Acht Wirtschaftsprofessoren der Universität Saarbrücken haben mit einem öffentlichen "Plädoyer für eine normative theorie- und praxisbezogene Betriebswirtschaftslehre" einen Vorstoß unternommen um darauf aufmerksam zu machen, dass die BWL immer stärker von reinem Zahlendenken und Statistik beherrscht werde, was zu Lasten einer auch praxisbezogenen Betrachtung wirtschaftlicher Zusammenhänge gehe. Als Gründe für diese stetige Verengung der Perspektive nennen die Unterzeichner eine Amerikanisierung des Faches. Da amerikanische Fachzeitschriften unter den Wissenschaftlern höhere Relevanz entfalten als beispielsweise deutsche und in der amerikanischen Forschung die Empirie einen besonders hohen Stellenwert habe, führe dies zu einer Fokussierung der Forschung auf eher statistische Betrachtungen. Anwendungsbezogene Forschung finde hingegen eher in deutschen Publikationen statt - diese werden in internationalen Rankings aber häufig gar nicht oder nur mit vergleichsweise geringer Punktzahl berücksichtigt. Die Saarbrücker Professoren fordern in ihrem Plädoyer, sich dieser Rahmenbedingungen nicht nur bewusst zu werden, sondern ihnen gezielt durch eine Lehre mit mehr Praxisnähe, unterfüttert durch entsprechende Forschung, zu begegnen. Es gehe um nicht weniger als das Verständnis der betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge - man könnte auch sagen um das Verstehen der Welt vor und hinter den Zahlen.
Wirtschaftsprofessoren kritisieren praxisferne Forschung und Lehre an deutschen Universitäten, wirtschaft.com 20.9.13


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Nette Kollegen, mieses Betriebsklima - oder umgekehrt 
Freitag, 4. Oktober 2013 - Studien
Eine Repräsentativ-Umfrage des Büroausstatters Sedus Stoll zeigt, dass die meisten Arbeitnehmer sich eines sehr guten Verhältnisses zu ihren Arbeitskollegen erfreuen, während das Betriebsklima insgesamt dahinter in den meisten Fällen zurückbleibt. 85 Prozent kommen gut bis sehr gut mit ihren Kollegen zurecht, während nur 1 Prozent dieses Verhältnis als schlecht bewertet. Das beste Verhältnis zu den Kollegen haben Angestellte im Rechtswesen, denn 84 Prozent betrachten es als sehr gut. In den Branchen Versicherung, Kommunikation/Medien und Gesundheit hingegen haben weniger als 50 Protest ein sehr gutes Verhältnis zu ihren Kollegen. Kommunikations- und Medienmitarbeiter erfreuen sich dafür zu 85 Prozent eines guten bis sehr guten Betriebsklimas, in den Bereichen Bildung/Wissenschaft und Handel sind es sogar 87 Prozent. Schlechtere Stimmung herrscht hingegen in der Gesundheitsbranche (59 Prozent positiv), der IT (59 Prozent) und der öffentlichen Verwaltung (63 Prozent).
Büroklima-Index 18.9.13


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Veggie Day oder wenn Politik persönlich wird 
Mittwoch, 2. Oktober 2013 - Studien
Der Vorstoß der Grünen zur Einführung eines Veggie Days stieß in der Bevölkerung auf deutliche Kritik und dürfte die Partei bei der Bundestagswahl so manchen Prozentpunkt gekostet haben. Ein Grund für den von den Politikern wohl nicht erwarteten Gegenwind könnte sein, dass vermeintlich politische Fragen wie die ökologischen Auswirkungen des Fleischkonsums eben eine sehr persönliche Note haben. Das Institut für Demoskopie Allensbach eruierte die Haltungen der Deutschen zum Fleischverzehr, und die Zahlen legen nahe, dass vor allem ältere, männliche Fleischesser sich nicht gerne diktieren lassen, was auf den Teller kommt. In der Gesamtbevölkerung halten 46 Prozent den Veggie Day für eine gute Idee - 41 Prozent sind vom Gegenteil überzeugt. 55 Prozent der Frauen zählen zu den Befürwortern, aber nur 35 Prozent der Männer. Vor allem die jungen Deutschen mit hoher Schulbildung sehen den Vorstoß der Grünen positiv. Zustimmung und Ablehnung stehen in direktem Verhältnis zu den persönlichen Essgewohnheiten. So sind nur 22 Prozent derjenigen, die täglich Fleisch essen, für einen vegetarischen Tag pro Woche. Bei den Befragten, die mehrmals in der Woche Tier auf den Teller bringen, steigt die Zustimmung zum fleischfreien Tag auf 38 Prozent, unter denen, die gar nur einmal in der Woche Fleisch konsumieren auf 59 Prozent. Die Selten-Fleischesser hingegen befürworten einen Veggie Day zu 71 Prozent.
Allensbach-Bericht 19.9.13


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Zwei Drittel der jungen Arbeitnehmer sind erschöpft 
Dienstag, 1. Oktober 2013 - Studien
Erschöpfung durch Stress im Job betrifft längst nicht mehr nur altgediente Mitarbeiter, sondern wird auch bei Jüngeren immer mehr zum Normalfall. Die Schwenninger Krankenkasse befragte 1.000 Erwachsene im Alter zwischen 18 und 34 Jahren nach ihrer Befindlichkeit. Jeder Dritte junge Arbeitnehmer fühlte sich an vier bis fünf Tagen in der Woche müde, jeder zweite gab an, sich oft gestresst zu fühlen. Für die Krankenkasse sind diese Einschätzungen ein Alarmzeichen. Sie fordert die Entwicklung gemeinsamer Strategien zwischen den Akteuren des Gesundheitswesens und den Betrieben, denn je nach beruflicher Position ziehe ein Burn-out-Fall Kosten in Höhe von 50.000 bis 100.000 Euro nach sich. 83 Prozent der jungen Arbeitnehmer wünschen sich von den Krankenkassen Unterstützung bei der Gesundheitsvorsorge.
Junge Arbeitnehmer können nicht mehr, WiWo 18.9.13


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Kritisch diskutieren beflügelt die Ideenfindung 
Montag, 30. September 2013 - Management
Es scheint ein klassischer Business-Irrtum zu sein, dass Menschen vor allem dann die besten und meisten Ideen entwickeln, wenn sie sich in einem kritikfreien Raum bewegen. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine Studie zum Thema Konflikte und Entscheidungsfindung, die der Harvard Business Manager vorstellt. Untersucht wurden drei Gruppen, die zu einer Fragestellung Lösungsideen entwickeln sollten, unter zwar unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Die Brainstormer sollten im Ideenfindungsprozess nicht urteilen, die Ideen anderer nicht kritisieren und auch nicht diskutieren. Die Diskussionsteams hingegen bekamen die Maßgabe mit auf den Weg, alle Vorschläge auch kritisch zu besprechen. Den Kontrollgruppenteams wurden gar keine Arbeitsanweisungen für den gemeinsamen Prozess gegeben. Die Brainstorming-Teams generierten erwartungsgemäß deutlich mehr Vorschläge als die Teams ohne besondere Vorgaben. Überraschenderweise lieferten die Teams mit expliziter Kritikkultur im Schnitt im gleichen Zeitraum 25 Prozent mehr Ideen. Dieser positive Effekt setzte sich auch nach Abschluss der Gruppenarbeit fort. Während die Mitglieder der Brainstorming-Teams und der Teams ohne Vorgaben im Nachgang pro Person noch ein bis zwei weitere Ideen einbrachten, lieferten die Teilnehmer der Diskussions-Teams im Anschluss im Schnitte pro Person sieben weitere Vorschläge. Damit zeigt sich, dass eine funktionierende Kritikkultur sehr stimulierend auf die Ideenfindung wirken kann.
Inspirierende Kritik, HBM 18.9.13


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Mächtige Finanzmanager meditieren 
Freitag, 27. September 2013 - Management
Wer hätte das gedacht: Einige der mächtigsten Manager an den Weltfinanzmärkten schöpfen Kraft und Stärke aus der Sille. So stellt die Financial Times in einem Beitrag bekannte Männer aus dem Finanzwesen vor, die zum Teil seit Jahrzehnten regelmäßig meditieren. "Meditation ist mehr als alles andere für all die Erfolge, die ich hatte, verantwortlich. Wenn ich meditiere, habe ich Zugang zu einer Gelassenheit, die es mir ermöglicht, eine höhere Perspektive einzunehmen und bewusste Entscheidungen zu treffen", sagt etwa Ray Dalio, der Gründer des Hedgefonds Bridgewater. Lord Myners, früherer Chairman von Marks und Spencer sieht das ähnlich: "Meditation lässt mich das größere Bild erkennen. Ich bin dadurch wahrscheinlich effektiver, aber damit will ich nicht sagen, dass ich ein besserer Mensch bin." Sean Hagan, Chef der juristischen Abteilung des Internationalen Währungsfonds, sitzt seit 30 Jahren regelmäßig in der Stille. Er schätzt an der Innenschau die Fokussierung des Geistes, die es erleichtert, im Chaos des Tagesgeschäfts einen klaren Kopf zu behalten. Auf eine gewisse Weise berührt es zu lesen, dass Meditation in den Machtzentren des Finanzbusiness angekommen zu sein scheint. Und sicherlich verhilft sie vielen der praktizierenden High Professionals zu einem klareren Kopf, der bessere Entscheidungen trifft als all diejenigen, die sich allein von den vermeintlichen Erfordernissen der Märkte getrieben fühlen. Und dennoch bleibt auch ein leichtes Unbehagen, denn die Lobeshymnen, die die Finanz-Ikonen auf ihre Meditationspraxis singen, beziehen sich vordergründig vor allem auf ihr persönliches Wohlergehen oder die Verbesserung ihrer individuellen Fähigkeiten. Man könnte auch sagen, meditieren hilft ihnen, besser im System zu funktionieren. Was aber wäre damit, das System selbst - oder zumindest Teile davon - auch offensiv zu hinterfragen oder gar konstruktiv zu verändern?
Zen and the art of management, Financial Times 16.9.13


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Harter Hund oder weise Führungskraft? 
Donnerstag, 26. September 2013 - Studien
Die Berliner Management-Beraterin Ursula Wagner hat in einer Dissertation untersucht, im Rahmen welcher Wertekontexte sich Führungskräfte positionieren. Dazu befragte sie 267 Manager aus verschiedenen Branchen im Mittelstand und in Großunternehmen. Der mögliche Radius der Selbstverortung dieser Leader wird von zwei Polen eingerahmt. Auf der einen Seite sind die "harten Hunde", die etwa auf 33 Prozent der Chefsessel sitzen. Sie ziehen meist eine Grenze zwischen den Werten, die sie im Berufsleben für angemessen halten, und persönlichen Wertvorstellungen, die in ihren Augen reine Privatsache sind. Achtsamkeit gehört eher nicht zu ihren Stärken und auch eine Balance zwischen "weiblichen" und "männlichen" Anteilen ist ihrem Führungsstil eher fremd. Vor allem unter den Aufsteigern unter 44 Jahren ist dieser Typus sehr verbreitet. Ein für ihn typisches Statement: "Die Diskussion um ethische Richtlinien im globalen Wettbewerb ist unrealistisch." Den anderen Pol bilden die Führungskräfte mit integrierendem Führungsstil, die etwa 35 Prozent der deutschen Chefs stellen. Sie sind achtsam, emotional intelligent, am langfristigen Erfolg des Unternehmens ausgerichtet und leben ihre Werte sowohl im persönlichen als auch im beruflichen Bereich ungeteilt. Sie reflektieren über sich selbst und das Leben und schöpfen aus Sinnquellen wie Religion oder Philosophie", so Ursula Wagner. Diese weise Form der Leadership führe auch zufriedeneren Mitarbeitern.
Jeder dritte Chef ist ein harter Hund, Die Welt 7.9.13


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Persönlichkeit schützt vor existenziellen Frontalangriffen 
Mittwoch, 25. September 2013 - Management
Zwei Selbstmorde von Schweizer Top-Managern haben in den vergangenen Wochen zu einer verstärkten öffentlichen Diskussion über die zum Teil enormen Zwänge angestoßen, denen Top-Führungskräfte bisweilen ausgesetzt zu sein scheinen. In einem Interview mit Focus Money spricht der Kölner Personalberater Maik Lehmann über die Fallstricke, die ein hauptsächlich auf den Beruf ausgerichtetes Selbstverständnis mit sich bringen kann. "Ausgangspunkt ist die mitunter starke Verknüpfung des Berufes oder besser der beruflichen Stellung mit dem eigenen Selbstwert, bis hin zur Identifikation. 'Wenn ich mein Beruf bin', wird jede Bedrohung meines beruflichen Status als ein emotional stark belastender Frontalangriff wahrgenommen. Dramatisch wird es dann, wenn der Konflikt im Unternehmen als Existenz bedrohend erlebt wird. In der Regel geht es bei den Managern nicht um eine finanzielle Notlage, wohl aber um ihr Selbstwertgefühl, das fast ausschließlich mit der beruflichen Position verbunden ist. Dass dann eine als dramatisch empfundene Situation mit etwas Abstand ganz anders bewertet würde und vielleicht sogar als Wendepunkt verstanden werden könnte, ist dem Betroffen in der aktuellen Lage nicht bewusst", erklärt Lehmann. Genau diese Verengung, die Wahrnehmung, dass die Berufsrolle die einzige Basis der persönlichen Selbstverortung bildet, kann berufliche Konflikte dramatisch werden lassen, denn dann schöpfen Führungskräfte nicht mehr aus ihrem inneren Feuer, können nicht mehr authentisch ihrer eigenen Sinnperspektive Ausdruck verleihen, sondern erleben eine Bedrohung, die die gesamte eigene Existenz in Frage stellt. Lehmann rät dazu, die nur allzu verbreiteten Stereotype, die das Top-Management leider immer stärker zu prägen scheinen, konstruktiv zu hinterfragen: "Ich wünsche uns allen mehr Mut, uns in allen Facette zu zeigen. Dazu gehören natürlich die individuellen Stärken, aber man muss auch einmal Schwächen zulassen können. Es braucht Mut, im Zweifel unkonventionell zu sein und sich von überholten Rollen-Klischees für Manager zu lösen. Je mehr Persönlichkeit ich einbringe, desto mehr hat mein Tun mit mir zu tun und nährt mein inneres Feuer. Wer in einem guten Sinne an sich glaubt, ist weniger abhängig von beruflichen Positionen oder den vermeintlichen Angriffen anderer. Führungspersönlichkeiten aus diesem Holz finden Akzeptanz, sind echte Leader und führen ein erfüllteres Leben."
"Manager stehen unter enormen Zwängen", Focus Money 31.8.13

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