Zu viel Empathie macht aggressiv 
Donnerstag, 2. Oktober 2014 - Studien
Empathie wird gerne als einhellig positive Eigenschaft gesehen, doch eine Studie der State University of New York in Buffalo bringt nun eine kritischere Perspektive ins Spiel. In verschiedenen Testszenarien wurden die Probanden mit fiktiven Szenen konfrontiert, in denen Menschen schwierige Situationen zu durchleben hatten. Je mehr diese Herausforderungen ihnen zusetzten, umso stärker die Empathie, die die Probanden ihnen gegenüber entwickelten. In einem zweiten Test hatten die Probanden dann die Gelegenheit, in solche Situationen einzugreifen, beispielsweise in dem sie die Kontrahenten, die der Auslöser für die Kalamitäten der Leidenden waren, bestrafen konnten. Dabei zeigte sich: Je stärker die "Opfer" sich betroffen fühlten, umso härter fielen die Interventionen der Testteilnehmer zu deren Gunsten aus. Die Wissenschaftler wollten mit dem Versuch beweisen, dass aggressives Verhalten nicht allein aus Impulsivität oder einem aggressiven Charakter entsteht, sondern auch ein empathischer Impuls zum Auslöser werden kann.
Aggressiv aus Empathie, wissenschaft.de 26.9.14


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Kritik an goldener Rente für Vorstände 
Mittwoch, 1. Oktober 2014 - Studien
Das Einkommen der Vorstände großer Konzerne, das sich meist auf zweistellige Millionenbeträge summiert, hat in den vergangenen Jahren vielfach Kritik ausgelöst. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung wirft nun auch einen Blick auf die Altersversorgung der Top-Manager. Vielfach werden diesen nämlich auch enorme Rentenzahlungen garantiert, so dass die Rückstellungen für die Betriebspensionen in den Firmen längst enorm sind. Für Stada-Chef Hartmut Retzlaff beispielsweise muss das Unternehmen 35 Millionen Euro Rücklagen bilden, um ihm später seine Betriebspension auszahlen zu können. Bei Daimler-Chef Dieter zetsche sind es 29,9 Millionen Euro, und VW muss für Martin Winterkorn 22,1 Millionen Euro zurücklegen. Die Hans-Böckler-Stiftung kritisiert die hohen Rentenzahlungen als nicht mehr zeitgemäß, da Vorstände ohnehin schon sehr hohe Vergütungen hätten. Betriebsrenten hätten einst den Sinn gehabt, den früher weitaus geringer bezahlten Top-Managern einen angemessenen Lebensabend zu ermöglichen.
Vorstände kassieren das 250-fache eines Angestellten, HB 25.9.14


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Zu viel Sitzen schadet dem Hirn 
Dienstag, 30. September 2014 - Studien
Den ganzen Tag am Schreibtisch und abends zum Ausgleich eine Runde joggen gehen? Eine Studie der Universität Illinois legt nahe, dass es so leicht nicht getan ist. Die Wissenschaftler untersuchten, welche Auswirkungen langes Sitzen auf die Verfassung des Gehirns hat und ob und in welcher Form Bewegung hier Abhilfe schaffen kann. Dabei zeigte sich, dass Menschen, die sich regelmäßig körperlich betätigen, weniger unter altersbedingten Schädigungen der Nervenverknüpfungen litten als solche, die nur sporadisch etwas für ihren Körper taten. Ob es dabei um eher moderate oder intensive körperliche Betätigung geht, ist laut der Studie zweitrangig - wichtiger sei die Regelmäßigkeit, die immer wieder lange Sitzphasen unterbreche.
Sitzen beschleunigt den geistigen Abbau, spektrum.de 18.9.14


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Der nächste Shift im Management 
Montag, 29. September 2014 - Management
Führung ist eine Praxis, die sich schon immer im Abgleich mit den Herausforderungen der jeweiligen Zeit entwickelt hat. Lag der Schwerpunkt des klassischen Managements vor allem in der Strukturierung von Arbeitsprozessen und in einem System aus Anweisung und Kontrolle, traten später eher die Fachkompetenzen der Führenden in den Vordergrund, also ihre Fähigkeit, in der Unternehmensentwicklung qualitative Unterschiede zu machen. Unter dem Stichwort Leadership gewannen schließlich auch Aspekte wie Persönlichkeit und emotionale Kompetenzen mehr Bedeutung. In einem Beitrag für den Harvard Business Manager geht die Leadership-Expertin Rita Gunther McGrath noch einen Schritt weiter: "Heute erwarten viele Menschen von einem Unternehmen, dass es ihnen ganzheitliche und sinnvolle Erfahrungen ermöglicht. Ich bin der Ansicht, dass das Management in eine neue Ära eingetreten ist: in das Zeitalter der Empathie." Das bedeute nicht nur eine neue Perspektive gegenüber Kunden zu entwickeln, sondern auch den Umgang mit Mitarbeitern grundlegend zu überdenken. Firmen müssten sich, so die Autorin, Fragen stellen wie der Ungleichheit, die durch wirtschaftliches Tun gefördert werde, einseitigem Profitstreben, das sich hauptsächlich an den Interessen der Shareholder orientiere oder auch, welches Wertversprechen ein Unternehmen seinen Mitarbeitern machen könne. "Aus meiner Sicht bedeutet dies, dass wir herausfinden müssen, wie Management aussehen kann, wenn die Arbeit nicht mehr über Befehlsketten, sondern über Netzwerke abläuft, wenn sie eine emotionale Bedeutung hat und die Manager dafür verantwortlich sind, für ihre Mitarbeiter Communities zu schaffen. Wenn von den heutigen Managern Empathie verlangt wird (und das ist mehr als Exekution und auch mehr als Fachkompetenz), dann müssen wir uns fragen: Was für neue Rollen und Unternehmensstrukturen sind in einem solchen Kontext sinnvoll, und wie soll man das Leistungsmanagement gestalten? Was für Eigenschaften muss eine Führungskraft jetzt mitbringen, um als Säule ihres Unternehmens fungieren zu können, und wie soll die nächste Managergeneration ausgebildet und geschult werden?", so McGrath. Wenn Firmen sich ernsthaft diesen Fragen zuwenden, könnte sich die Unternehmenswelt grundlegend verändern. Die Frage ist lediglich, wie viel Interesse Firmen heute bereits haben, sich diese Fragen zu stellen.
Das Zeitalter der Empathie, HBM 15.9.14


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Religion macht nicht moralischer 
Freitag, 26. September 2014 - Studien
Eine Studie der Universität Köln zu Moral im Alltag zeigt: Menschen mit stärkeren religiösen Bezügen handeln nicht moralischer als jene, die keinen Bezug zur Religion haben. Sie fühlen sich allerdings beschämter und schuldiger, wenn sie sich selbst dabei erwischen, unmoralisch gehandelt zu haben. Die Wissenschaftler hatten in einem Experiment mit mehr als 1.200 Probanden via SMS mehrfach am Tag nachgefragt, ob die Testteilnehmer in der letzten Stunde eine moralische oder unmoralische Handlung ausgeführt hatten - und testeten dann jeweils mit einem Kurzfragebogen die Befindlichkeit der Probanden. Dabei zeigten sich mehrere interessante Zusammenhänge. Begegnet uns selbst jemand mit moralischem Verhalten, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass wir selbst auch moralisch handeln. Umgekehrt funktioniert das aber nicht. Bei Menschen, die früh am Tag eine gute Tat begehen, macht dies im weiteren Tagesverlauf unmoralische Handlungen wahrscheinlicher. Möglicherweise, weil sie bereits "in Vorlage" getreten und deshalb sich selbst gegenüber milder gestimmt sind. Interessant sind auch die Themen, um die die Moral der Befragten kreiste. Liberal eingestellte Probanden berichteten häufiger über Situationen, in denen Fairness oder Unfairness, Freiheit oder Unterdrückung und Ehrlichkeit oder Lügen im Zentrum standen. Bei den Konservativen hingegen ging es eher um Loyalität und Autorität oder Subversion, Recht oder Unrecht.
Moral im Alltag, wissenschaft.de 12.9.14


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Geteiltes Leid ist sozialer Klebstoff 
Donnerstag, 25. September 2014 - Studien
Die gemeinsame Erfahrung von Schmerz kommt der Gruppenbindung zugute und macht Menschen kooperativer, so die Erkenntnis einer Studie der Universität New South Wales. Die Forscher teilten Probanden in zwei Gruppen - eine musste eine unangenehme Aufgabe erledigen, die Mitglieder der anderen sollten Vergleichbares erledigen, allerdings verbunden mit einer Schmerzkomponente (z.B. die Hand in schmerzhaft kaltes Wasser halten). In einer anschließenden Befragung zu ihren Gefühlen zeigten sich die Probanden der "Schmerz-Gruppe" stärker verbunden mit ihren Leidensgenossen. In einem zweiten Test, bei dem die Teilnehmer die Möglichkeit hatten zu kooperieren oder egoistisch auf den eigenen Vorteil hinzuarbeiten, zeigte sich bei den Probanden der Schmerzgruppe ein rücksichtsvollerer Umgang miteinander und mehr Kooperationsbereitschaft als in der Vergleichsgruppe. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das gemeinsam erlebte "Leid" wie eine Art "sozialer Klebstoff" wirke.
Schmerz schweißt zusammen, spektrum.de 11.9.14


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Nett, sicher, gut bezahlt 
Mittwoch, 24. September 2014 - Studien
Fragt man die Deutschen, was ihnen an einem neuen Job besonders wichtig ist, landet man bei den Adjektiven nett, sicher, gut bezahlt. Am wichtigsten ist ihnen laut einer Repräsentativbefragung von Forsa, dass sie angenehme Kollegen haben (97 Prozent), dass der Job sicher ist (96 Prozent) und dass sie Respekt und Anerkennung vom Vorgesetzten bekommen (95 Prozent). Auf den weiteren Rängen folgen ein gutes Gehalt, abwechslungsreiche Tätigkeiten und ein unbefristeter Arbeitsvertrag. 88 Prozent der Befragten legen außerdem ein Augenmerk auf die Moralvorstellungen und das Leitbild ihres neuen Arbeitgebers.
Was Deutsche wollen, HB 12.9.14

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Einfach mal frei sein 
Dienstag, 23. September 2014 - Arbeit
Stress, Hyperaktivität und Konsumwahn - wenn es nach dem Postwachstums-Ökonomie-Vordenker Niko Paech geht, ist ein "weniger von allem" nicht nur absehbar eine wirtschaftlich-ökologische Notwendigkeit, sondern könnte uns auch zu einem viel zufriedeneren Lebensstil verhelfen. "Konsum macht keine Freude, sondern strengt an. Das knappste Gut ist unsere Lebenszeit – die wir damit verschwenden, Waren herzustellen und zu kaufen, die wir nicht benötigen", sagt Paech im Interview mit der taz. Ihm geht es um Befreiung, nicht darum , sich etwas zu versagen: "Verzicht ist das falsche Wort, weil es eine leidvolle Entsagung nahelegt. Dabei kann es den Genuss steigern, weniger zu konsumieren. Man hat mehr Zeit für die Tätigkeiten, die einem wirklich wichtig sind." Paech plädiert beispielsweise für einen "geordneten Rückbau" des Industriekapitalismus, verbunden mit neuen Vorstößen in Sachen Subsistenzwirtschaft: "Wenn jeder Mensch nur noch 20 Stunden pro Woche arbeitet, bleibt genug Zeit, um ergänzende Formen der Selbstversorgung zu praktizieren, etwa Nahrung selbst anzubauen, Güter gemeinschaftlich zu nutzen oder Dinge zu reparieren."
Konsum nervt, taz 1.9.14

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