Arbeitskultur muss demokratischer werden 
Freitag, 6. Februar 2015 - Arbeit
In einem Interview mit der Wirtschaftswoche plädiert der Personalexperte Thomas Sattelberger für eine ausgeprägtere Beteiligungskultur in Unternehmen, da diese die Basis für eine neue Wertschöpfung bilde. Sattelberger möchte, dass aus Mitarbeitern "souveräne Unternehmensbürger" werden. Durch die Digitalisierung sei die Zeit des Herrschaftswissens endgültig vorbei und gleichzeitig seien die Freiheitsräume des Einzelnen durch sie erheblich gewachsen. Dem gelte es Rechnung zu tragen. Sattelberger versteht seinen Vorstoß auch als Überwindung der ewig währenden Work-Life-Balance-Diskussion: "Die Suche nach dem Heil im Privatleben folgt einer falschen Motivation. Es ist nicht die Entscheidung für mehr Privatleben. Sondern eine Entscheidung gegen die vorherrschende Art, zu arbeiten. Ein Kompensat für das Verschwinden des Sinns ihrer Arbeit und damit Ausdruck tiefster Frustration über fehlende Entfaltungsmöglichkeiten im Unternehmen." Ein Weg zu besseren Rahmenbedingungen könne die Schaffung "kreativer Ökologien" in Unternehmen sein, die Mitarbeiter an Entscheidungs- und Führungsprozessen stärker beteiligen.
"Teilhaben ist die neue Wertschöpfung", WiWo 20.1.15


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Ungleichheit kostet Wachstum 
Donnerstag, 5. Februar 2015 - Wissenschaft
Im Interview mit der taz spricht der Ökonom und Politologe Christoph Scherrer über die Auswirkungen, die die wachsende Ungleichheit auf die Bevölkerung hat. Laut OECD sei beispielsweise das Wachstum in Deutschland um rund sechs Prozent geringer als möglich, weil sich der Abstand zwischen Arm und Reich in den letzten 30 Jahren stark vergrößert habe. Da niedrige Einkommen fast gänzlich für Konsum draufgehen, falle die Nachfrage, wenn diese Einkommensgruppen auf einmal weniger verdienen - und dies wiederum bremse das wirtschaftliche Wachstum. Die damit verbundene Prekarisierung führe allerdings noch nicht dazu, dass größere Teile der Bevölkerung die Reichtumsverteilung aktiv infrage stellen. Zwar speisten sich die Pegida-Demonstrationen auch aus sozialen Abstiegsängsten, doch: "Trotzdem ist die breite Mittelschicht, die über die Hälfte der Bevölkerung umfasst, noch relativ stabil. Vielen Bürgern geht es vergleichsweise gut, sie besitzen ein gewisses Vermögen. Deshalb fühlt sich die Mittelschicht den Reichen näher als den Armen. Und den Prekarisierten fehlt eine wirksame politische Vertretung."
"Die Mittelschicht gerät unter Druck", taz 21.1.15


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Zu viel Kontrolle züchtet Schleimer und Saboteure 
Mittwoch, 4. Februar 2015 - Studien
Eine amerikanische Studie ging der Frage nach, wie sich übermäßige Kontrolle am Arbeitsplatz auf Mitarbeiter auswirkt. Für die Untersuchung wurden Angestellte zunächst in zwei Wellen mit Fragebögen befragt, wie sehr sie von Vorgesetzten kontrolliert werden, wie engagiert und selbstbewusst sie am Arbeitsplatz sind und ob sie sich im Job verstellen. Später führten die Angestellten über 21 Tage Tagebücher, die ebenfalls in die Analyse einflossen. Dabei zeigte sich, dass Mitarbeiter, deren Selbstwertgefühl unter der cheflichen Überwachung litt, entweder Aggressionen gegenüber dem Arbeitgeber an den Tag legten oder sich bei ihren Vorgesetzten einschmeichelten.
Überwachung schädigt Selbstbewusstsein, WiWo 19.1.15


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Mitgefühl leidet unter Stress 
Dienstag, 3. Februar 2015 - Studien
Die McGill University in Montreal untersuchte den Zusammenhang zwischen Stress und Mitgefühl und fand dabei heraus, dass das menschliche Einfühlungsvermögen sich anscheinend in stressigen Momenten verringert. Die Probanden sollten ihre Hände in einen Bottich mit Eiswasser tauchen und anschließend die Stärke des empfundenen Schmerzes einschätzen. Einmal absolvierten sie den Versuch zusammen mit Freunden, das andere Mal mit ihnen unbekannten Probanden. Wurde der Versuch mit einem Bekannten durchlaufen, berichteten die Teilnehmer von höheren Schmerzen, als in Anwesenheit der Unbekannten. Die Forscher leiteten daraus ab, dass die Versuchspersonen den Schmerz des Freundes mitspürten, während dies bei Fremden nicht der Fall war - wohl weil der Kontakt zu Unbekannten Stressreaktionen auslöst. Um die These zu prüfen, wurde der Versuch wiederholt und die Teilnehmer bekamen ein Mittel verabreicht, das das Stresshormon Cortisol hemmt. Nun war die Schmerzwahrnehmung sowohl mit Bekannten als auch den Fremden gleich. Ähnlich verhielt es sich, wenn die Studienteilnehmer mit den Fremden zuvor eine Viertelstunde ein Videospiel gespielt hatten, sich also vertrauter geworden waren.
Stress verringert das Mitgefühl, Gehirn & Geist 16.1.15


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Zu viel Arbeit begünstigt den Griff zum Alkohol 
Montag, 2. Februar 2015 - Studien
Ein Glas Bier zum Chillen mit den Kollegen, ein Gläschen Wein daheim auf der Couch, um später besser einzuschlafen - Alkohol ist für viele Menschen ein liebgewonnener Begleiter in den entspannteren Stunden des Tages. Doch gerade Vielarbeiter begeben sich mit solchen Genussstrategien auf Glatteis, wie eine Untersuchung des Finnish Institute of Occupational Health nahelegt. Die Wissenschaftler untersuchten die Daten zu Arbeitszeiten und Lebensgewohnheiten von 330.000 Menschen aus 14 Ländern, darunter die USA, Großbritannien, Australien und Deutschland und fanden heraus, dass Menschen mit hohen Arbeitszeiten besonders Gefahr laufen, zu starken Trinkern zu werden. Bei denjenigen, die länger als 48 Stunden pro Woche arbeiten, erhöhe sich das Risiko um elf Prozent, bei jenen, die mehr als 55 Stunden arbeiten, sogar um zwölf Prozent. Als gesundheitsgefährdend wird der Alkoholkonsum dabei eingestuft, wenn Männer mehr als 21 und Frauen mehr als 14 alkoholische Getränke (kleiner Schnaps, kleines Bier, Achtel Wein) in der Woche zu sich nehmen. Alkohol werde gerne als Gegenmittel zu Stress, Depressionen oder Schlafstörungen verwendet.
Mehr Arbeit, mehr Alkohol, FAZ 16.1.15

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Jeder Dritte findet Meetings unproduktiv 
Freitag, 30. Januar 2015 - Studien
Mit der Meeting-Kultur in deutschen Unternehmen steht es nicht zum Besten. In einer Umfrage der Personalberatung Rochus Mummert gaben 32 Prozent der befragten 1.000 Arbeitnehmer an, dass Besprechungen eindeutig zu lang seien und zudem auch unproduktiv. Die Studie wertet die schlechte Organisation von Meetings nicht nur als Ausdruck von Nachlässigkeit, sondern sieht in ihr eine mangelnde Wertschätzung der Mitarbeiter. Und diese könne die wirtschaftliche Leistung von Firmen negativ beeinflussen. So zeichneten sich ertragsstarke Firmen durch ein Klima der Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern aus, während die Arbeitnehmer in ertragsschwachen Firmen eher als Kostenfaktor behandelt würden.
Zu oft, zu lange, zu unproduktiv, FAZ 21.1.15

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Die emotionale Abwärtsspirale der Arbeitslosigkeit 
Donnerstag, 29. Januar 2015 - Studien
Die Psychologin Maike Luhmann hat in mehreren Studien untersucht, wie sich Arbeitslosigkeit auf das emotionale Befinden der Betroffenen auswirkt. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Arbeit sei ein fundamentales Bedürfnis, da Arbeitende durch den Job in ihrer Kompetenz bestätigt werden, ihre Autonomie aufrechterhalten können und der Job einen Raum für soziale Beziehungen bietet. Der Jobverlust macht nicht nur die Arbeitslosen selbst emotional betroffen, er tangiert auch ihr soziales Umfeld, denn Luhmanns Studien zufolge werden auch die Partner von Arbeitslosen in der Beziehung unzufriedener. Umgekehrt zieht es diejenigen ohne Job noch weiter runter, wenn der Lebenspartner erwerbstätig ist. Die Stärke der emotionalen Auswirkungen hängt vom jeweiligen Kontext ab. Menschen, die im Zuge einer ganzen Entlassungswelle ihre Arbeit verlieren, sind weniger geknickt als solche, die als einzige gefeuert werden. In Regionen mit ohnehin hoher Arbeitslosigkeit wirkt der Jobverlust weniger schwer als in solchen, in denen die Beschäftigungslage gut ist. Besonders betroffen sind Menschen, die mehrfach arbeitslos werden, denn einmal wieder im Job, steigt das emotionale Wohlbefinden nicht wieder auf das frühere Niveau an. Bei erneutem Jobverlust verschlechtert sich die Stimmung aber weiter nach unten.
Arbeitslose deprimieren ihren Partner, WiWo 20.1.15

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Gute Arbeit braucht Solidarität 
Mittwoch, 28. Januar 2015 - Arbeit
In einem Interview mit Zeit online plädiert Günter Wallraff, der in jüngster Zeit wieder verschiedene praktische Untersuchungen zu prekären Arbeitsbedingungen durchgeführt hat, für mehr Mut zu Visionen, um ein angemessenes Leben und Arbeiten für alle möglich werden zu lassen: "Ich glaube, man muss wieder Utopien zulassen, man muss auch ins Unreine denken dürfen, wir brauchen Visionen. Denn das sollten wir nicht vergessen: Die positiven Realitäten von heute, wie beispielsweise die Gleichstellung der Frau, Kinder- und Minderheitenrechte, Arbeitsschutzgesetze und Umweltschutzbestimmungen, waren die häufig verspotteten Visionen und Utopien von einst. Es ist nichts anderes, wenn wir heute die Bewahrung der Natur, Entschleunigung oder eben menschengerechte Arbeitsbedingungen und Arbeitszeitverkürzung fordern. Wir brauchen auch Spinner und Utopisten, wenn wir an der Realität von morgen bauen wollen." Wallraff setzt sich für eine Aufwertung sozialer und pflegerischer Berufe ein, fordert ein Höchsteinkommen und mahnt, dass wir alle unsere Verantwortlichkeiten im System Wirtschaft stärker zur Kenntnis nehmen sollten. "In den Schulen müsste bereits Verbraucherverantwortung gelehrt werden. Das fängt mit dem Umwelt- und Tierschutz an und geht über die Auswirkungen des Online-Handels auf die Arbeitsbedingungen in diesen Branchen bis hin zum persönlichen Umgang mit Smartphones und dem Internet. ... Wir als Verbraucher sind hier gefordert und haben sogar die Hauptverantwortung. Es ist momentan der Trend, sich möglichst schnell das billigste Produkt liefern zu lassen. Konsumsucht und sofortige Bedürfnisbefriedigung. Egal auf wessen Kosten. Es zahlen aber immer welche drauf, wenn dann Produkte auch noch kostenlos zurückgeschickt werden können", so Wallraff.
"Es wird Zeit für einen Höchstlohn", Zeit online 21.1.15

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