Konfusion im Management 
Freitag, 13. Februar 2015 - Management
Von Führenden erwartet man, dass sie wissen, wo es langgeht. Doch die wachsende Unübersichtlichkeit in der Weltwirtschaft macht auch vor den Führungsetagen nicht halt. In einem Beitrag über die "überforderte Elite" fängt die Welt am Sonntag Stimmungsbilder ein, die zeigen, dass die Top Executives langsam zu erkennen beginnen, wie wenig sie eigentlich im Griff haben. So stellen immer mehr Führungskräfte ernüchtert fest, dass sie nicht nur ein oder zwei Krisenherde im Blick behalten müssen, sondern sich eine Vielzahl sich stetig wandelnder Gefährdungslagen entwickelt hat, deren wechselseitiges Ineinanderwirken so etwas wie Planung oder Kontrolle nahezu unmöglich werden lässt. In Davos habe der Begriff "Disruption", also Verwerfung, sich fast schon zum Schlagwort entwickelt. Berater sprechen bereits davon, dass es immer mehr zur Führungsaufgabe werden, "das Unplanbare zu planen". Manche Top-Manager indes verabschieden sich sogar vom Planen-Wollen und setzen darauf, lieber möglichst schnell auf Veränderungen reagieren zu können. Wo der Einfluss des Individuums sinkt, schlagen manche Führungskräfte sogar einen Kurs des Loslassens ein. In dem Beitrag bekennt sich beispielsweise Klaus Kleinfeld, früher Siemens-Vorstand, heute CEO des Aluminiumherstellers Alcoa, dazu, mindestens drei Mal pro Woche zu meditieren.
Die überforderte Elite, Welt am Sonntag 25.1.15

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Naikan verbindet Meditation und Psychologie 
Donnerstag, 12. Februar 2015 - sonstiges
Das Deutschlandradio Kultur hat in einer Sendung die japanische Meditationsmethode Naikan und deren Anwendung im deutschen Strafvollzug vorgestellt. Naikan ist eine Form der Innenschau, die mit drei Fragen arbeitet. Die Meditierenden betrachten unterschiedliche Phasen ihres Lebens und eruieren, was andere Menschen für sie getan haben, was sie für diese Menschen getan haben und wo sie den anderen Schwierigkeiten bereitet haben. Im Erkennen, was man von anderen im Laufe seines Lebens bekommen hat (eine Fülle, die oft in der eigenen Wahrnehmung von der stärkeren Rezeption der Probleme überlagert wird, stellt sich für viele Praktizierende eine neue Gelassenheit ein. "Sehr einfach gesagt wäre Naikan ein Schweigeseminar, das meditative und psychologische Aspekte vereint. Ein stiller Weg zur Selbsterkenntnis. Naikan ist aber auch Dankbarkeit, Verantwortung, Gelassenheit. Es verändert das Bewusstsein", erklärt Wilfried Geppert, Naikanbegleiter und seit 2011 Naikanbeauftragter des Niedersächsischen Justizministeriums. Gerade die letzte der drei Naikan-Fragen nach den Schwierigkeiten, die man anderen bereitet hat, entfalten im Strafvollzug ihre eigene Bedeutsamkeit, erleichtern sie es doch, die eigenen Taten in einem neuen Licht zu sehen und Verantwortung zu übernehmen. In Japan hat eine etablierte Naikan-Praxis bereits dazu geführt, dass sich die Rückfallquoten von Strafgefangenen um 23 Prozent reduziert haben. In Deutschland laufen verschiedene Langzeituntersuchungen.
Meditation hinter Gefängnismauern, Deutschlandradio Kultur 25.1.15

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Chef sein? Nein danke ... 
Mittwoch, 11. Februar 2015 - Studien
Der deutsche Arbeitnehmer-Nachwuchs gibt sich sehr verhalten, wenn es darum geht, im Job eine Führungsrolle anzustreben. Die Wirtschaftsberatung Deloitte befragte für ihre Millenial Survey 7806 nach 1982 geborenen jungen Erwachsenen in 29 Ländern. In Deutschland streben 29 Prozent der befragten Frauen und 46 Prozent der Männer demzufolge in ihrem Beruf eine führende Position an. In asiatischen Ländern hingegen liegen die Durchschnitswerte bei rund 70 Prozent. Dem Nachwuchs scheinen Werte jenseits der klassischen Business-Denke immer wichtiger zu werden. So kritisieren 62 Prozent der Deutschen (international: 75 Prozent), dass wichtige Firmen vor allem profitgetrieben agieren. 43 Prozent sehen in Deutschland die gesellschaftliche Wirklichkeit stärker von Unternehmen als von der Politik geprägt.
Junge Deutsche wollen nicht Chef werden, WiWo 28.1.15

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Wie depressiv sind wir wirklich? 
Dienstag, 10. Februar 2015 - Wissenschaft
Seit Jahren melden die Krankenkassen stetig steigende Zahlen von Burn-out- und Depressionserkrankungen. In einem Beitrag in der Zeit zeigen die Psychologen Martin Dornes und Martin Altmeyer, dass dies nur eine Seite der Medaille ist. Epidemiologischen Studien zufolge sei zwischen 1947 und 2012 kein Anstieg psychischer Störungen zu verzeichnen. Was sich geändert habe, sei die öffentliche Aufmerksamkeit für verschiedene Krankheitsbilder und die diagnostische Praxis. Als Beispiel führen die beiden an, dass für eine Depressionsdiagnose 1980 verschiedene Symptome ein Jahr lang auftreten mussten, ab 1994 nur noch zwei Monate und heute lediglich zwei Wochen. Ihrer Argumentation nach werden wir also nicht immer depressiver, sondern schlicht früher als depressiv diagnostiziert. Hinzu komme, dass mit den im Außen wahrgenommenen Anforderungen auch unsere Fähigkeiten zur Problembewältigung gestiegen seien. "Selbst wenn in zeitgenössischen Gesellschaften das Leben in mancher Hinsicht anstrengender geworden sein mag und manche soziale 'Stressoren' zunehmen, nehmen auch die individuellen Kompetenzen und sozialen Ressourcen für Stressbewältigung und Problemlösung zu", argumentieren die beiden. Sie beschreiben einen "Strukturwandel der Psyche" von eher zwanghaft zu eher flexibel. Und was ist mit dem vielleicht wahrgenommenen eigenen Unbehagen, das sicherlich jeder Gestresste hin und wieder kennt? Nun, den Psychologen zufolge ist es nicht statistisch signifikant, denn sowohl hätten in den letzten Jahrzehnten die Suizidraten kontinuierlich abgenommen als auch die Lebenszufriedenheit der Bevölkerung zugenommen.
Macht der Kapitalismus depressiv? Die Zeit 24.1.15



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Wege zur fürsorglichen Ökonomie 
Montag, 9. Februar 2015 - Wissenschaft
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos berichtete die Neurowissenschaftlerin Tania Singer über erste Ergebnisse des von ihr initiierten ReSource-Projekts, das die Entwicklung von Mitgefühl bei Erwachsenen untersucht - und animierte die Wirtschaftslenker dazu, aktiver für eine Ökonomie der Fürsorge einzutreten. Singer illustrierte, dass Mitgefühl zu den zentralen menschlichen Eigenschaften zählt und sich durch Achtsamkeitspraktiken gezielt entwickeln lässt. Welche Wirkung die Fähigkeit zum Mitgefühl zeitige, hänge indes auch stark vom sozialen Umfeld ab. Werden Beziehungen beispielsweise als von Unfairness geprägt wahrgenommen, sei Schadenfreude eher die Reaktion als sich in das Gegenüber einzufühlen. "Unsere Tests zeigen, dass Mitgefühls-Training zu mehr Hilfsbereitschaft und Vertrauen führt und selbstbezogene Haltungen in mehr altruistisch und sozial ausgerichtete verändern kann", so Singer. Die Wirkung hänge allerdings auch davon ab, durch welche mentalen Übungen das Mitgefühls-Training begleitet werde, denn sozio-kognitive Fähigkeiten beispielsweise resultieren laut Singer nicht allein aus einer Übung in grundsätzlicher Achtsamkeit, sondern bräuchten auch den entsprechenden geistigen Kontext. Singer plädierte in Davos dafür, bereits in den Schulen Trainingsprogramme zu Ethik und Mitgefühl zu initiieren. Den Wirtschaftslenkern riet sie, Institutionen stärker an kollaborativen Prinzipien auszurichten, die gemeinsame Anstrengung fördern anstatt selbstbezogene Handlungen zu belohnen. "Ein Mangel an Mitgefühl ist die Ursache für die größten Fehlschläge der Menschheitsgeschichte. Wir werden die größten Herausforderungen nicht lösen können, ohne solche Fähigkeiten zu entwickeln", so Singer.
How to build a caring economy, 24.1.15


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Arbeitskultur muss demokratischer werden 
Freitag, 6. Februar 2015 - Arbeit
In einem Interview mit der Wirtschaftswoche plädiert der Personalexperte Thomas Sattelberger für eine ausgeprägtere Beteiligungskultur in Unternehmen, da diese die Basis für eine neue Wertschöpfung bilde. Sattelberger möchte, dass aus Mitarbeitern "souveräne Unternehmensbürger" werden. Durch die Digitalisierung sei die Zeit des Herrschaftswissens endgültig vorbei und gleichzeitig seien die Freiheitsräume des Einzelnen durch sie erheblich gewachsen. Dem gelte es Rechnung zu tragen. Sattelberger versteht seinen Vorstoß auch als Überwindung der ewig währenden Work-Life-Balance-Diskussion: "Die Suche nach dem Heil im Privatleben folgt einer falschen Motivation. Es ist nicht die Entscheidung für mehr Privatleben. Sondern eine Entscheidung gegen die vorherrschende Art, zu arbeiten. Ein Kompensat für das Verschwinden des Sinns ihrer Arbeit und damit Ausdruck tiefster Frustration über fehlende Entfaltungsmöglichkeiten im Unternehmen." Ein Weg zu besseren Rahmenbedingungen könne die Schaffung "kreativer Ökologien" in Unternehmen sein, die Mitarbeiter an Entscheidungs- und Führungsprozessen stärker beteiligen.
"Teilhaben ist die neue Wertschöpfung", WiWo 20.1.15


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Ungleichheit kostet Wachstum 
Donnerstag, 5. Februar 2015 - Wissenschaft
Im Interview mit der taz spricht der Ökonom und Politologe Christoph Scherrer über die Auswirkungen, die die wachsende Ungleichheit auf die Bevölkerung hat. Laut OECD sei beispielsweise das Wachstum in Deutschland um rund sechs Prozent geringer als möglich, weil sich der Abstand zwischen Arm und Reich in den letzten 30 Jahren stark vergrößert habe. Da niedrige Einkommen fast gänzlich für Konsum draufgehen, falle die Nachfrage, wenn diese Einkommensgruppen auf einmal weniger verdienen - und dies wiederum bremse das wirtschaftliche Wachstum. Die damit verbundene Prekarisierung führe allerdings noch nicht dazu, dass größere Teile der Bevölkerung die Reichtumsverteilung aktiv infrage stellen. Zwar speisten sich die Pegida-Demonstrationen auch aus sozialen Abstiegsängsten, doch: "Trotzdem ist die breite Mittelschicht, die über die Hälfte der Bevölkerung umfasst, noch relativ stabil. Vielen Bürgern geht es vergleichsweise gut, sie besitzen ein gewisses Vermögen. Deshalb fühlt sich die Mittelschicht den Reichen näher als den Armen. Und den Prekarisierten fehlt eine wirksame politische Vertretung."
"Die Mittelschicht gerät unter Druck", taz 21.1.15


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Zu viel Kontrolle züchtet Schleimer und Saboteure 
Mittwoch, 4. Februar 2015 - Studien
Eine amerikanische Studie ging der Frage nach, wie sich übermäßige Kontrolle am Arbeitsplatz auf Mitarbeiter auswirkt. Für die Untersuchung wurden Angestellte zunächst in zwei Wellen mit Fragebögen befragt, wie sehr sie von Vorgesetzten kontrolliert werden, wie engagiert und selbstbewusst sie am Arbeitsplatz sind und ob sie sich im Job verstellen. Später führten die Angestellten über 21 Tage Tagebücher, die ebenfalls in die Analyse einflossen. Dabei zeigte sich, dass Mitarbeiter, deren Selbstwertgefühl unter der cheflichen Überwachung litt, entweder Aggressionen gegenüber dem Arbeitgeber an den Tag legten oder sich bei ihren Vorgesetzten einschmeichelten.
Überwachung schädigt Selbstbewusstsein, WiWo 19.1.15


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