Unendliche Stressspirale 
Mittwoch, 15. April 2015 - Management
In einem Interview mit Zeit online geht der Arbeitspsychologe Andreas Krause der Frage nach, warum sich in Unternehmen zunehmend Dauerstress ausbreitet. Für den Experten liegt die Tücke im Detail, denn seiner Erfahrung nach sind es vor allem vorgebliche neue Freiheiten in der Arbeitswelt, die längerfristig zur oft unbewussten Selbstausbeutung von Mitarbeitern führen. Vertrauensarbeitszeit, Zielvereinbarungen, Gestaltungsfreiheiten - immer seltener wird den Arbeitnehmern vorgeschrieben, wann und wie sie ihre Aufgaben zu erledigen haben. Werden die Ziele erreicht, nicht selten durch Mehrarbeit oder besonderes Engagement, geschehe es häufig, dass in der nächsten Vereinbarungsrunde die Latte einfach höher gelegt werde. "Von Jahr zu Jahr werden die Ziele automatisch angehoben. In den ersten Jahren erreicht man die immer höheren Ziele vielleicht noch. Doch das Erreichen bedeutet für das Folgejahr immer eine Zielsteigerung. Also bekommen die Mitarbeiter irgendwann Angst vor dem eigenen Erfolg – weil sie nicht mehr wissen, wie sie diesen im Jahr darauf noch steigern sollen. Dann haben auch absolute Leistungsträger das Gefühl, den Anforderungen kaum noch gerecht werden zu können", so Krause. In seinen Augen wird das Reflektieren über diese Zusammenhänge für Arbeitnehmer immer wichtiger - bis dahin, aus den gewonnenen Einsichten auch aktiv Konsequenzen zu ziehen: "Der einzelne Betroffene kann versuchen, seinen Handlungsspielraum radikaler auszuloten, möglichst zusammen im Team. Was passiert, wenn ich vorgegebene Ziele infrage stelle oder Erwartungen an allzu kurze Reaktionszeiten und an eine Erreichbarkeit am späten Abend ablehne, wenn ich Erholung und Sport in meinen Arbeitsalltag integriere und dafür an einzelnen Besprechungen fehle?" Das erfordert natürlich - andererseits rotiert die Stressspirale ohne Widerspruch unendlich weiter ...
"Irgendwann stresst sogar der eigene Erfolg", Zeit online 7.4.15


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Fehlinterpretationen von Authentizität 
Dienstag, 14. April 2015 - Management
Herminia Ibarra, Professorin für Organizational Behaviour an der französischen Business School Insead, geht in einem Beitrag für den Harvard Business Manager von ihr wahrgenommenen Fehlinterpretationen von Authentizität auf den Grund. Auf das typische Statement "Es ist wichtig, sich selbst treu zu bleiben" antwortet sie: "Welchem Selbst? Jeder Mensch hat verschiedene Persönlichkeiten, die davon abhängen, welche Rolle er gerade spielt. Mit jeder neuen Erfahrung entwickeln wir uns weiter. Wie können Sie also einem zukünftigen Ich treu bleiben, von dem Sie noch nicht einmal genau wissen, wie es aussehen wird?" Klingt eher wie ein rhetorisches Manöver, denn das, was Menschen als ihr authentisch Sein empfinden, dürfte sich schlicht mit der Entwicklung ihres Selbst verändern... Weiter rät Ibarra dazu, nicht immer das zu sagen und zu tun, was den eigenen Gefühlen entspricht: "Eine Führungskraft, die ihren Mitarbeitern gegenüber permanent ihr Innerstes offenbart, verliert schnell an Respekt und Glaubwürdigkeit. Das gilt insbesondere dann, wenn sie sich in ihrer neuen Rolle noch nicht bewähren konnte." Die Strategie ist augenscheinlich: anpassen, sich einfügen, bloß nichts wagen, was andere aus der Routine reißen könnte. Hier zeigt sich einmal mehr, wie stark verbreitet an den Business Schools noch eine Persönlichkeitsauffassung ist, die Menschen im Arbeitsleben eher als Container betrachtet, in das man einfach das hineinfüllt, was gerade gebraucht wird. Originalität, aber auch Menschlichkeit könne so wohl eher nicht gedeihen ... Vielleicht sollten wir die Frage nach der Authentizität einfach noch viel öfter stellen, anstatt sie immer gleich mit Verweisen auf das Übliche oder die äußeren Notwendigkeiten zu negieren.
Was ist Authentizität? HBM 1.4.15

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Sind Machiavellisten ein Auslaufmodell? 
Montag, 13. April 2015 - Management
Christian Montag, Professor für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm, hat untersucht, wie sich typische Machiavellisten, also besonders herschsüchtige und machthungrige Typen, in der heutigen Unternehmenswelt schlagen. Vor der Finanzkrise, aber beispielsweise auch im Kontext von Umstrukturierungen, seinen machtbewusste Alleinentscheider häufig gefragt, doch die zunehmende Ethisierung im Business führe zu neuen Rahmenbedingungen. In Unternehmen mit flachen Hierarchien hätten es die Macht-Typen ebenfalls schwer - und diese werden sich laut Montag in den nächsten Jahren noch ausweiten. Für Montag ist augenscheinlich, dass es ein gesundes Maß des Eigeninteresses brauche, damit man im Job nicht untergebuttert werden. Aber: "Man muss seine Ziele nicht auf Kosten anderer durchboxen – so wie es der Machiavellist in jedem Fall tun würde. Besser ist es nach Lösungen zu suchen, in denen beide Parteien am Ende besser dastehen also vorher."
"Wenn der Chef ausrastet, immer freundlich bleiben", Zeit online 31.3.15

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Mehr Mut im Umgang mit Depression kann helfen 
Freitag, 10. April 2015 - Arbeit
Im Interview mit dem KarriereSpiegel plädiert der Psychiater Ulrich Hegerl dafür, dass sich in der Arbeitswelt ein offenerer Umgang mit Depressionen etablieren sollte. "Depressionen gehören zu den häufigsten und am meisten unterschätzten Erkrankungen. Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt daran mindestens einmal im Leben. Insgesamt leiden derzeit etwa vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression", so Hegerl. Er geht nicht davon aus, dass Depressionen in den letzten Jahren zugenommen haben, sondern eher, dass einerseits die Diagnosen besser geworden seien und andererseits depressiv Veranlagte heute durch die stark gestiegene Arbeitsbelastung früher in Schwierigkeiten gerieten. Um eine Stigmatisierung der Betroffenen zu vermeiden, gelte es, in Unternehmen die Sensibilität für die Thematik zu verbessern. "Führungskräfte können dazu beitragen, dass im Unternehmen eine Kultur vorhanden ist, in der sich kein Betroffener verstecken muss und jeder möglichst schnell professionelle Hilfe bekommt", so Hegerl.
"Depressionen werden oft geheim gehalten", KarriereSpiegel 30.3.15

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Authentisch sein oder eine Rolle spielen? 
Donnerstag, 9. April 2015 - Management
Wie kann ich im Job authentisch sein? Diese Frage beschäftigt wohl viele Arbeitnehmer. Coach Peter Modler neigt zu pragmatischen Antworten, zu weniger Gefühl und mehr Reflektion. "Arbeit ist ein Geschäft, keine Selbsterfahrungsgruppe", so seine Meinung. Er rät Führungskräften dazu, den "reflektierten Einsatz der beruflichen Rolle" zu einem "wesentlichen Faktor für das innere Energiemanagement" zu machen. "Führungskräfte sollten erst einmal den Job machen, für den sie bezahlt werden. Und den machen sie selbstverständlich immer nur mit einem Ausschnitt ihrer Persönlichkeit. Sie werden auch nur für diesen Ausschnitt bezahlt. Ob sie dann immer mit dieser Selbstbeschränkung leben möchten, ist eine ganz andere Frage", so Modler. Die eigenen Eigenheiten komplett im Beruf abbilden zu wollen, hält er hingegen für eher illusorisch. Sicher entspricht diese Einschätzung den heute vorherrschenden funktionalistischen Gepflogenheiten im Business. Was getan werden soll und wie, hat sich oft über Jahrzehnte etabliert. Doch die Welt verändert sich und mit ihr die Menschen. Vielleicht stehen wir ja gerade wieder einmal an einem solchen Wendepunkt, denn die immer öfter gestellte Frage nach der Authentizität deutet ja auf konkrete Bedürfnisse hin. Vielleicht wäre es also interessanter, anstatt immer nur den Abgleich mit dem, was gerade möglich ist, zu versuchen, viel öfter die Frage zu stellen, was darüber hinaus möglich werden kann, wenn ich einfach authentisch bin ...
Echt ist recht, SZ 27.3.15

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Jeder sechste Arbeitnehmer an der Belastungsgrenze 
Mittwoch, 8. April 2015 - Studien
Eine Befragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt: Im Schnitt sind bereits 16,5 Prozent der Arbeitnehmer, also ungefähr jeder sechste, bei der Arbeit an der eigenen Belastungsgrenze angelangt. Besonders hoch ist der Stresspegel bei Menschen, die in der Kinderbetreuung oder Kindererziehung tätig sind. Hier klagen 21,6 Prozent darüber, an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit zu arbeiten. Die Beeinträchtigung falle dabei umso höher aus, je schlechter die Rahmenbedingungen wie Gruppengrößen oder Personalschlüssel seien.
Erzieher empfinden ihre Arbeit als besonders stressig, SZ 26.3.15

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Bewusster als gedacht 
Dienstag, 7. April 2015 - Studien
Unser Bewusstsein scheint unseren Geist stärker zu steuern als die gängige Lehrmeinung der Psychologie annimmt. Dies zeigt zumindest eine Untersuchung von Markus Kiefer, Professor für Psychologie an der Universität Ulm. Seiner Erfahrung nach verstärkt das Bewusstsein die zu den einmal gefassten Absichten passenden unbewussten Vorgänge im Gehirn und schwächt nicht passende ab. Kiefer machte mit Probanden verschiedene Wort-basierte Wahrnehmungstests, bei denen sie vorab Impulsen ausgesetzt waren, die die Intention der Testaufgabe unbewusst unterstützten oder ihr zuwiderliefen. Die unbewusst unterstützenden Impulse führten dazu, dass die Probanden die Aufgaben schneller lösten als Vergleichspersonen. Die nicht unterstützenden Reize hingegen hatten keinerlei Auswirkungen auf die Schnelligkeit. Kiefer deutet den Unterschied dahingehend, dass im letzteren Fall die bewusst gesetzte Aufgabe vom Bewusstsein verfolgt werde und gleichzeitig der störende unbewusste Vorab-Impuls ausgeblendet wird. Eine zusätzliche Überwachung der Gehirnaktivitäten der Testpersonen brachte die gleichen Ergebnisse. Für Kiefer ist damit klar, dass die bewussten Absichten und Einstellungen darüber entscheiden, ob unbewusste Prozesse überhaupt im Gehirn ablaufen.
Unser Wille ist freier als gedacht, Psychologie heute 19.3.15

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20 Prozent finden ihren Job mies 
Donnerstag, 2. April 2015 - Studien
Eine Umfrage des DGB unter 3.400 Arbeitnehmern in Nordrhein-Westfalen zeigt, dass in der gegenwärtigen Arbeitswelt Licht und Schatten sehr nahe beieinander liegen. Zwar bewerten 45 Prozent der Befragten ihren Arbeitsplatz als mehr oder weniger gut, doch vergeben die restlichen 55 Prozent eine negative Bewertung. Sogar 20 Prozent bezeichnen ihren Arbeitsplatz als dezidiert schlecht. Häufige Kritikpunkte sind ein zu geringes Einkommen und fehlende Sicherheit im Hinblick auf die spätere Rente. 71 Prozent der Arbeitenden bewerten die Arbeitsintensität im Job als deutlich zu hoch. Von der eigenen Arbeit gut leben zu können, ist längst keine Selbstverständlichkeit - es ist nur 53 Prozent der befragten Frauen und 63 Prozent der Männer möglich.
Jeder fünfte gibt seinem Job die Note 5, WiWo 24.3.15


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