Wirksam sein statt oben stehen 
Montag, 20. April 2015 - Arbeit
Ein Beitrag der SZ beleuchtet das Dilemma aufstiegswilliger Führungskräfte, die in der Mitte ihres Berufslebens häufig feststellen müssen, dass es auf dem Weg nach oben nicht mehr weiter geht. Wenngleich alle vom Teamwork sprechen: Unternehmen funktionieren nach wie vor nach dem Pyramidenmodell - und an der Spitze kann eben nur einer stehen, so dass das vermeintliche Steckenbleiben im Mittelbau eher die Regel denn die Ausnahme darstellt. Der Psychologe Michael Ziegelmayer rät deshalb zum Umdenken: "Wir orientieren uns immer noch an einem Organisationsmodell, bei dem nur der Anführer der Gruppe zählt. Der Kopf der Pyramide eben. Dabei ist dieses Modell total archaisch, überholt, von vorgestern. Fast alle arbeiten heute in Teams, selbst die Leute ganz oben fallen ohne die von unten wieder runter. Das zeitgemäße Modell ist der Kreis." Für wen vor allem das mit dem Aufstieg verbundene höhere Gehalt im Vordergrund steht, dem rät der Psychologe, doch im Falle eines Karrierestaus einfach an der Börse zu spekulieren. Anerkennung wiederum könne man auch in anderen Kontexten finden: "In einem Ehrenamt kann fast jeder sein Feld finden, wenn er den Blick vom Beruf löst und nachdenkt, wo er sich nützlich machen kann." Ja, die Wirksamkeit scheint sich deutlich leichter erreichen zu lassen als der Chef-Sessel. Eine Bezugsgröße für die, die dennoch dem Aufstiegswillen des Egos lieber folgen: Von 500 Erstsemestern landet höchstens einer einmal im Vorstand.
Auf halber Strecke, SZ 10.4.15

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Meditation im Dienste des Kapitalismus 
Freitag, 17. April 2015 - Arbeit
Die FAS hat in einem sehr kritischen Beitrag die Meditations-Euphorie des Silicon Valley unter die Lupe genommen und kommt zu dem Schluss, dass der gegenwärtige Achtsamkeits-Hype eine beinahe schon perfekte Instrumentalisierung spiritueller Praktiken im Dienste des Kapitalismus darstelle. Autor Mark Siemons zitiert beispielsweise den Philosophen Slavo Zizek, der sagte: "Die westlich buddhistische Haltung ist vermutlich der effizienteste Weg, voll an der kapitalistischen Dynamik teilzuhaben und zugleich den Anschein geistiger Gesundheit zu behalten." Dieses Kalkül könnte indes, wenn Meditierende wirklich meditieren, also, wie es in einer Vipassana-Anleitung heißt, die Siemons zitiert, "tief in das Objekt hineingehen, um es zu beobachten", sich in sein Gegenteil verkehren: "Wenn man einen solch illusionslosen Realismus beim Wort nimmt, ahnt man, dass sein Potential über die Stabilisierung von Psychen und Systemen hinausgeht. Er braucht ja nicht bei der Vereinzelung der Introspektion stehenzubleiben, sondern kann seine Ungerührtheit auch auf den weiteren Kontext übertragen, auf den wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Zusammenhang, in dem das meditierende Ich steht."
Der erleuchtete Angestellte, FAS 12.4.15

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Boni können Selbstausbeutung steigern 
Donnerstag, 16. April 2015 - Studien
Eine Studie aus Indien zeigt, dass - unter den dortigen Verhältnissen, die im Zweifel nicht direkt auf Deutschland übertragbar sind - Boni unterschwellig dazu führen können, dass Menschen sich stärker im Job verausgaben als ihnen gut tut. Befragt wurden von einem Industrieverband 1.250 Angestellte aus 150 Unternehmen verschiedener Branchen, darunter Medien, Telekommunikation, Finanz- und IT-Dienstleistungen. Viele Angestellte versuchen laut der Studie, die ihnen gesetzten Ziele mit allen Mitteln zu erreichen. Mehr als ein Drittel gab an, Überstunden zu machen und weniger als sechs Stunden pro Nacht zu schlafen. Nicht zwingend, um in den Genuss des Bonus zu kommen, sondern weil der Chef das Ziel setzt, aber keine Ansage macht, wie es zu erreichen ist. Nicht bedachter Aufwand wird so von den Angestellten durch höhere Leistung kompensiert.
Gewinnbeteiligungen erhöhen den Leistungsdruck, WiWo 9.4.15

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Unendliche Stressspirale 
Mittwoch, 15. April 2015 - Management
In einem Interview mit Zeit online geht der Arbeitspsychologe Andreas Krause der Frage nach, warum sich in Unternehmen zunehmend Dauerstress ausbreitet. Für den Experten liegt die Tücke im Detail, denn seiner Erfahrung nach sind es vor allem vorgebliche neue Freiheiten in der Arbeitswelt, die längerfristig zur oft unbewussten Selbstausbeutung von Mitarbeitern führen. Vertrauensarbeitszeit, Zielvereinbarungen, Gestaltungsfreiheiten - immer seltener wird den Arbeitnehmern vorgeschrieben, wann und wie sie ihre Aufgaben zu erledigen haben. Werden die Ziele erreicht, nicht selten durch Mehrarbeit oder besonderes Engagement, geschehe es häufig, dass in der nächsten Vereinbarungsrunde die Latte einfach höher gelegt werde. "Von Jahr zu Jahr werden die Ziele automatisch angehoben. In den ersten Jahren erreicht man die immer höheren Ziele vielleicht noch. Doch das Erreichen bedeutet für das Folgejahr immer eine Zielsteigerung. Also bekommen die Mitarbeiter irgendwann Angst vor dem eigenen Erfolg – weil sie nicht mehr wissen, wie sie diesen im Jahr darauf noch steigern sollen. Dann haben auch absolute Leistungsträger das Gefühl, den Anforderungen kaum noch gerecht werden zu können", so Krause. In seinen Augen wird das Reflektieren über diese Zusammenhänge für Arbeitnehmer immer wichtiger - bis dahin, aus den gewonnenen Einsichten auch aktiv Konsequenzen zu ziehen: "Der einzelne Betroffene kann versuchen, seinen Handlungsspielraum radikaler auszuloten, möglichst zusammen im Team. Was passiert, wenn ich vorgegebene Ziele infrage stelle oder Erwartungen an allzu kurze Reaktionszeiten und an eine Erreichbarkeit am späten Abend ablehne, wenn ich Erholung und Sport in meinen Arbeitsalltag integriere und dafür an einzelnen Besprechungen fehle?" Das erfordert natürlich - andererseits rotiert die Stressspirale ohne Widerspruch unendlich weiter ...
"Irgendwann stresst sogar der eigene Erfolg", Zeit online 7.4.15


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Fehlinterpretationen von Authentizität 
Dienstag, 14. April 2015 - Management
Herminia Ibarra, Professorin für Organizational Behaviour an der französischen Business School Insead, geht in einem Beitrag für den Harvard Business Manager von ihr wahrgenommenen Fehlinterpretationen von Authentizität auf den Grund. Auf das typische Statement "Es ist wichtig, sich selbst treu zu bleiben" antwortet sie: "Welchem Selbst? Jeder Mensch hat verschiedene Persönlichkeiten, die davon abhängen, welche Rolle er gerade spielt. Mit jeder neuen Erfahrung entwickeln wir uns weiter. Wie können Sie also einem zukünftigen Ich treu bleiben, von dem Sie noch nicht einmal genau wissen, wie es aussehen wird?" Klingt eher wie ein rhetorisches Manöver, denn das, was Menschen als ihr authentisch Sein empfinden, dürfte sich schlicht mit der Entwicklung ihres Selbst verändern... Weiter rät Ibarra dazu, nicht immer das zu sagen und zu tun, was den eigenen Gefühlen entspricht: "Eine Führungskraft, die ihren Mitarbeitern gegenüber permanent ihr Innerstes offenbart, verliert schnell an Respekt und Glaubwürdigkeit. Das gilt insbesondere dann, wenn sie sich in ihrer neuen Rolle noch nicht bewähren konnte." Die Strategie ist augenscheinlich: anpassen, sich einfügen, bloß nichts wagen, was andere aus der Routine reißen könnte. Hier zeigt sich einmal mehr, wie stark verbreitet an den Business Schools noch eine Persönlichkeitsauffassung ist, die Menschen im Arbeitsleben eher als Container betrachtet, in das man einfach das hineinfüllt, was gerade gebraucht wird. Originalität, aber auch Menschlichkeit könne so wohl eher nicht gedeihen ... Vielleicht sollten wir die Frage nach der Authentizität einfach noch viel öfter stellen, anstatt sie immer gleich mit Verweisen auf das Übliche oder die äußeren Notwendigkeiten zu negieren.
Was ist Authentizität? HBM 1.4.15

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Sind Machiavellisten ein Auslaufmodell? 
Montag, 13. April 2015 - Management
Christian Montag, Professor für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm, hat untersucht, wie sich typische Machiavellisten, also besonders herschsüchtige und machthungrige Typen, in der heutigen Unternehmenswelt schlagen. Vor der Finanzkrise, aber beispielsweise auch im Kontext von Umstrukturierungen, seinen machtbewusste Alleinentscheider häufig gefragt, doch die zunehmende Ethisierung im Business führe zu neuen Rahmenbedingungen. In Unternehmen mit flachen Hierarchien hätten es die Macht-Typen ebenfalls schwer - und diese werden sich laut Montag in den nächsten Jahren noch ausweiten. Für Montag ist augenscheinlich, dass es ein gesundes Maß des Eigeninteresses brauche, damit man im Job nicht untergebuttert werden. Aber: "Man muss seine Ziele nicht auf Kosten anderer durchboxen – so wie es der Machiavellist in jedem Fall tun würde. Besser ist es nach Lösungen zu suchen, in denen beide Parteien am Ende besser dastehen also vorher."
"Wenn der Chef ausrastet, immer freundlich bleiben", Zeit online 31.3.15

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Mehr Mut im Umgang mit Depression kann helfen 
Freitag, 10. April 2015 - Arbeit
Im Interview mit dem KarriereSpiegel plädiert der Psychiater Ulrich Hegerl dafür, dass sich in der Arbeitswelt ein offenerer Umgang mit Depressionen etablieren sollte. "Depressionen gehören zu den häufigsten und am meisten unterschätzten Erkrankungen. Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt daran mindestens einmal im Leben. Insgesamt leiden derzeit etwa vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression", so Hegerl. Er geht nicht davon aus, dass Depressionen in den letzten Jahren zugenommen haben, sondern eher, dass einerseits die Diagnosen besser geworden seien und andererseits depressiv Veranlagte heute durch die stark gestiegene Arbeitsbelastung früher in Schwierigkeiten gerieten. Um eine Stigmatisierung der Betroffenen zu vermeiden, gelte es, in Unternehmen die Sensibilität für die Thematik zu verbessern. "Führungskräfte können dazu beitragen, dass im Unternehmen eine Kultur vorhanden ist, in der sich kein Betroffener verstecken muss und jeder möglichst schnell professionelle Hilfe bekommt", so Hegerl.
"Depressionen werden oft geheim gehalten", KarriereSpiegel 30.3.15

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Authentisch sein oder eine Rolle spielen? 
Donnerstag, 9. April 2015 - Management
Wie kann ich im Job authentisch sein? Diese Frage beschäftigt wohl viele Arbeitnehmer. Coach Peter Modler neigt zu pragmatischen Antworten, zu weniger Gefühl und mehr Reflektion. "Arbeit ist ein Geschäft, keine Selbsterfahrungsgruppe", so seine Meinung. Er rät Führungskräften dazu, den "reflektierten Einsatz der beruflichen Rolle" zu einem "wesentlichen Faktor für das innere Energiemanagement" zu machen. "Führungskräfte sollten erst einmal den Job machen, für den sie bezahlt werden. Und den machen sie selbstverständlich immer nur mit einem Ausschnitt ihrer Persönlichkeit. Sie werden auch nur für diesen Ausschnitt bezahlt. Ob sie dann immer mit dieser Selbstbeschränkung leben möchten, ist eine ganz andere Frage", so Modler. Die eigenen Eigenheiten komplett im Beruf abbilden zu wollen, hält er hingegen für eher illusorisch. Sicher entspricht diese Einschätzung den heute vorherrschenden funktionalistischen Gepflogenheiten im Business. Was getan werden soll und wie, hat sich oft über Jahrzehnte etabliert. Doch die Welt verändert sich und mit ihr die Menschen. Vielleicht stehen wir ja gerade wieder einmal an einem solchen Wendepunkt, denn die immer öfter gestellte Frage nach der Authentizität deutet ja auf konkrete Bedürfnisse hin. Vielleicht wäre es also interessanter, anstatt immer nur den Abgleich mit dem, was gerade möglich ist, zu versuchen, viel öfter die Frage zu stellen, was darüber hinaus möglich werden kann, wenn ich einfach authentisch bin ...
Echt ist recht, SZ 27.3.15

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