Wenn Institutionen die Menschenrechte verletzen 
Freitag, 24. April 2015 - sonstiges
Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass zahlreiche Projekte der Weltbank zum Teil massiv die Menschenrechte der betroffenen Bevölkerung verletzen. Einer Analyse von 6.600 Dokumenten des Internationalen Konsortiums für Investigative Journalisten zufolge sollen im vergangenen Jahrzehnt durch mehr als 900 Weltbank-Projekte 3,4 Millionen Menschen ihr Land oder einen Teil ihrer Lebensgrundlage verloren. Im Jahr 2014 flossen mehr als 65 Milliarden Dollar in die Projekte der Weltbank. Die Institution ging der Kritik nach und räumte ein, die Wirkung ihrer Projekte bisher nicht sorgfältig genug geprüft zu haben.
Weltbank verletzt Menschenrechte weltweit, Zeit online 16.4.15

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Chef setzt sich auf Mindestlohn 
Donnerstag, 23. April 2015 - Management
Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns von 9,47 auf 15 Dollar pro Stunde im US-Staat Washington hat Dan Price, Gründer des Bezahldienstes Gravity Payments" zu einem ungewöhnlichen Schritt veranlasst. Um seinen 120 Angestellten künftig ein Jahresgehalt von 70.000 Dollar zahlen zu können, kürzt er sein eigenes auf den gleichen Betrag - und verzichtet damit künftig um jährlich 930.000 Dollar. Price ist ohnehin als eher sparsamer Typ bekannt, fährt laut Medienberichten einen alten Audi und lebt in einer Dreizimmerwohnung. Gegenüber dem Fernsehen äußerte er, mit dem Schritt wolle er seine Mitarbeiter glücklich machen und loyal stimmen.
Sozialismus made in USA, HB 16.4.15

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Einfach mal schlafen 
Mittwoch, 22. April 2015 - Studien
Wenn Sie jede Nacht acht Stunden schlafen, können Sie sich glücklich schätzen, denn dann zählen Sie wahrscheinlich zu den zufriedensten Menschen. Zu dieser Einschätzung kommt jedenfalls eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Der durchschnittliche Angestellte kommt pro Nacht auf 6:53 Stunden Schlaf, Selbstständige ruhen drei Minuten länger. Beamte hingegen zieht es im Schnitt bereits nach 6:48 Stunden aus dem Bett. Am wenigsten schlafen 40- bis 50-Jährige - nämlich nur gut 6:30 Stunden.
Und wie lange schlafen Sie? WiWo 13.4.15

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Management by Meditation 
Dienstag, 21. April 2015 - Arbeit
Glaubt man den Analysen des Zukunftsinstituts, ist Meditation nicht nur das neue Joggen, sondern - in Schlussfolgerung aus nicht näher genannten Harvard- und INSEAD-Studien - auch neben Intuition eines der "effektivsten Mittel zur Unternehmensführung im 21. Jahrhundert". "Während in den letzten Jahren auf die Sehnsucht nach Kontrast zum Work-Life-Balance-Stress vor allem mit einem Running-Boom reagiert wurde, zeichnet sich jetzt ab, dass Stillsein, Stillstehen, Stillsitzen zum neuen Laufen wird. Im Wunsch, das Stresslevel nicht noch weiter zu erhöhen, tauschen Manager den Marathon gegen das Meditationskissen. Auf diesem sitzend oder kniend geht es nicht um Bestzeiten und Performance, sondern um Anfängergeist an jedem neuen Tag. Hier müssen keine Wettkämpfe gewonnen werden, es geht nicht ums Messen mit den Arbeitskollegen oder um einen Firmenlauf. Es geht um das individuelle Finden von Klarheit, Orientierung und dem persönlichen Weg. Denn ein starker Wille alleine reicht heute nicht mehr aus, um Unternehmen und Mitarbeiter zu führen", so Anja Kirig in ihrer Trendanalyse. Interessant ist ihre Schlussfolgerung im Hinblick auf die Wirkung von Meditation über das Aufräumen in der persönlichen Innenwelt hinaus: "Meditation verändert Märkte. Ein anderes Denken wird in die Wirtschaftsordnung implementiert, das zu anderem Handeln führen kann: achtsamer, besonnener, empathischer, ausgeglichener, mehr auf Miteinander denn Gegeneinander gerichtet. Zusätzlich entsteht ein neuer Markt, der partiell andere überflüssig werden lässt. Der neue Markt basiert primär auf Dienstleistungen und dem Verkauf immaterieller Werte, weniger auf Konsumartikeln und materiellen Gütern. Potenzial ist da, bereits 2008 hatten laut Institut für Freizeitwirtschaft 29 Prozent der Befragten Erfahrung mit Meditation, jeder vierte gab an, es gerne mal ausprobieren zu wollen. Die Zahlen würden heute wesentlich höher ausfallen, insbesondere wenn Yoga, Tai-Chi, Mindfulness-Based Stress Reduction und andere stressreduzierende Praktiken mit berücksichtigt werden. Unsere 24/7-Gesellschaft, in der Multitasking selbst in der Freizeit mit First und Second Screen präsent ist, hungert nach Angeboten, die Ruhe, Entschleunigung, Authentizität bieten. Und da der Erfolg von und der Zugang zur Meditation keine Unterschiede zwischen Bildungsgrad, Herkunft, Geschlecht oder Alter macht, kann die Technik über das Dasein als Nischenprodukt definitiv hinauswachsen.."
Meditation: das neue Joggen, Zukunftsinstitut

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Wirksam sein statt oben stehen 
Montag, 20. April 2015 - Arbeit
Ein Beitrag der SZ beleuchtet das Dilemma aufstiegswilliger Führungskräfte, die in der Mitte ihres Berufslebens häufig feststellen müssen, dass es auf dem Weg nach oben nicht mehr weiter geht. Wenngleich alle vom Teamwork sprechen: Unternehmen funktionieren nach wie vor nach dem Pyramidenmodell - und an der Spitze kann eben nur einer stehen, so dass das vermeintliche Steckenbleiben im Mittelbau eher die Regel denn die Ausnahme darstellt. Der Psychologe Michael Ziegelmayer rät deshalb zum Umdenken: "Wir orientieren uns immer noch an einem Organisationsmodell, bei dem nur der Anführer der Gruppe zählt. Der Kopf der Pyramide eben. Dabei ist dieses Modell total archaisch, überholt, von vorgestern. Fast alle arbeiten heute in Teams, selbst die Leute ganz oben fallen ohne die von unten wieder runter. Das zeitgemäße Modell ist der Kreis." Für wen vor allem das mit dem Aufstieg verbundene höhere Gehalt im Vordergrund steht, dem rät der Psychologe, doch im Falle eines Karrierestaus einfach an der Börse zu spekulieren. Anerkennung wiederum könne man auch in anderen Kontexten finden: "In einem Ehrenamt kann fast jeder sein Feld finden, wenn er den Blick vom Beruf löst und nachdenkt, wo er sich nützlich machen kann." Ja, die Wirksamkeit scheint sich deutlich leichter erreichen zu lassen als der Chef-Sessel. Eine Bezugsgröße für die, die dennoch dem Aufstiegswillen des Egos lieber folgen: Von 500 Erstsemestern landet höchstens einer einmal im Vorstand.
Auf halber Strecke, SZ 10.4.15

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Meditation im Dienste des Kapitalismus 
Freitag, 17. April 2015 - Arbeit
Die FAS hat in einem sehr kritischen Beitrag die Meditations-Euphorie des Silicon Valley unter die Lupe genommen und kommt zu dem Schluss, dass der gegenwärtige Achtsamkeits-Hype eine beinahe schon perfekte Instrumentalisierung spiritueller Praktiken im Dienste des Kapitalismus darstelle. Autor Mark Siemons zitiert beispielsweise den Philosophen Slavo Zizek, der sagte: "Die westlich buddhistische Haltung ist vermutlich der effizienteste Weg, voll an der kapitalistischen Dynamik teilzuhaben und zugleich den Anschein geistiger Gesundheit zu behalten." Dieses Kalkül könnte indes, wenn Meditierende wirklich meditieren, also, wie es in einer Vipassana-Anleitung heißt, die Siemons zitiert, "tief in das Objekt hineingehen, um es zu beobachten", sich in sein Gegenteil verkehren: "Wenn man einen solch illusionslosen Realismus beim Wort nimmt, ahnt man, dass sein Potential über die Stabilisierung von Psychen und Systemen hinausgeht. Er braucht ja nicht bei der Vereinzelung der Introspektion stehenzubleiben, sondern kann seine Ungerührtheit auch auf den weiteren Kontext übertragen, auf den wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Zusammenhang, in dem das meditierende Ich steht."
Der erleuchtete Angestellte, FAS 12.4.15

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Boni können Selbstausbeutung steigern 
Donnerstag, 16. April 2015 - Studien
Eine Studie aus Indien zeigt, dass - unter den dortigen Verhältnissen, die im Zweifel nicht direkt auf Deutschland übertragbar sind - Boni unterschwellig dazu führen können, dass Menschen sich stärker im Job verausgaben als ihnen gut tut. Befragt wurden von einem Industrieverband 1.250 Angestellte aus 150 Unternehmen verschiedener Branchen, darunter Medien, Telekommunikation, Finanz- und IT-Dienstleistungen. Viele Angestellte versuchen laut der Studie, die ihnen gesetzten Ziele mit allen Mitteln zu erreichen. Mehr als ein Drittel gab an, Überstunden zu machen und weniger als sechs Stunden pro Nacht zu schlafen. Nicht zwingend, um in den Genuss des Bonus zu kommen, sondern weil der Chef das Ziel setzt, aber keine Ansage macht, wie es zu erreichen ist. Nicht bedachter Aufwand wird so von den Angestellten durch höhere Leistung kompensiert.
Gewinnbeteiligungen erhöhen den Leistungsdruck, WiWo 9.4.15

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Unendliche Stressspirale 
Mittwoch, 15. April 2015 - Management
In einem Interview mit Zeit online geht der Arbeitspsychologe Andreas Krause der Frage nach, warum sich in Unternehmen zunehmend Dauerstress ausbreitet. Für den Experten liegt die Tücke im Detail, denn seiner Erfahrung nach sind es vor allem vorgebliche neue Freiheiten in der Arbeitswelt, die längerfristig zur oft unbewussten Selbstausbeutung von Mitarbeitern führen. Vertrauensarbeitszeit, Zielvereinbarungen, Gestaltungsfreiheiten - immer seltener wird den Arbeitnehmern vorgeschrieben, wann und wie sie ihre Aufgaben zu erledigen haben. Werden die Ziele erreicht, nicht selten durch Mehrarbeit oder besonderes Engagement, geschehe es häufig, dass in der nächsten Vereinbarungsrunde die Latte einfach höher gelegt werde. "Von Jahr zu Jahr werden die Ziele automatisch angehoben. In den ersten Jahren erreicht man die immer höheren Ziele vielleicht noch. Doch das Erreichen bedeutet für das Folgejahr immer eine Zielsteigerung. Also bekommen die Mitarbeiter irgendwann Angst vor dem eigenen Erfolg – weil sie nicht mehr wissen, wie sie diesen im Jahr darauf noch steigern sollen. Dann haben auch absolute Leistungsträger das Gefühl, den Anforderungen kaum noch gerecht werden zu können", so Krause. In seinen Augen wird das Reflektieren über diese Zusammenhänge für Arbeitnehmer immer wichtiger - bis dahin, aus den gewonnenen Einsichten auch aktiv Konsequenzen zu ziehen: "Der einzelne Betroffene kann versuchen, seinen Handlungsspielraum radikaler auszuloten, möglichst zusammen im Team. Was passiert, wenn ich vorgegebene Ziele infrage stelle oder Erwartungen an allzu kurze Reaktionszeiten und an eine Erreichbarkeit am späten Abend ablehne, wenn ich Erholung und Sport in meinen Arbeitsalltag integriere und dafür an einzelnen Besprechungen fehle?" Das erfordert natürlich - andererseits rotiert die Stressspirale ohne Widerspruch unendlich weiter ...
"Irgendwann stresst sogar der eigene Erfolg", Zeit online 7.4.15


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