Besser alles auf eine Karte setzen 
Montag, 14. Dezember 2015 - Wissenschaft
Alternativen zu haben, erscheint den meisten Menschen als willkommene Absicherung. Wenn Plan A daneben geht, kann man immer noch auf Plan B zurückgreifen. Wissenschaftler der Universität Zürich hingegen kommen zu einem anderen Schluss. Sie haben ein neues Modell entwickelt, mit dem sich die Verwendung und Nützlichkeit von Alternativplänen analysieren lässt. Ihre Kernthese: Alternative Pläne entfalten immer Wirkung, selbst man gar nicht aktiv auf sie zurückgreift und sie umsetzt. Zwar können Alternativen das Selbstvertrauen steigern, doch lenken sie in den Augen der Wissenschaftler auch allzu leicht ab, den eigentlichen Plan mit vollem Engagement zu verfolgen. Je mehr man in die Entwicklung von Alternativen investiert habe, umso stärker könne dies der Fall sein. Das kann bis zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung führen - man scheitert mit den ursprünglichen Ambitionen, weil man in Gedanken bereits beim eingetretenen Fehlschlag ist.
Keine Alternative ist auch eine Alternative, Psychologie heute 4.12.15

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Was im Job am meisten stresst 
Freitag, 11. Dezember 2015 - Studien
Der DGB befragt regelmäßig rund 5.000 Arbeitnehmer, was für sie "Gute Arbeit" ausmacht. Dabei fällt der Blick auch auf Faktoren, die im Job zur Belastung werden. Die größten Stressoren zur Zeit sind Multitasking, das von 65 Prozent als Überbeanspruchung erlebt wird, eine zu geringe Personalausstattung (63 Prozent) und nicht geplante und kurzfristig zu erledigende Arbeit (61 Prozent). Auch eine zu enge Taktung von Terminen und zu enge Zeitvorgaben erweisen sich als Problem (für 54 Prozent) sowie zu hohe Erwartungen an die Angestellten und der daraus resultierende Druck (41 Prozent).
Das sind die fünf größten Stressfaktoren im Job, WiWo 3.12.15

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Elektronische Distanz verleitet zum Lügen 
Donnerstag, 10. Dezember 2015 - Studien
Eine Studie der University of Virginia zeigt, dass elektronische Signaturen anscheinend zum Lügen verleiten. In der Untersuchung sollten Probanden leichte Rechenaufgaben lösen. Je mehr sie davon schafften, umso höher fiel ihre Belohnung aus. Allen Versuchsteilnehmern wurden zuvor Richtlinien vorgelegt, mit denen sie bekunden sollten, dass alle ihre Angaben der Wahrheit entsprechen. Eine Gruppe musste diese Erklärung handschriftlich abgeben, eine andere durch eine elektronische Signatur. Die Teilnehmer der Vergleichsgruppe mussten die Bedingungen nur lesen. In der anschließenden Auswertung zeigte sich, dass diejenigen, die per Hand unterschrieben hatten, die Angaben über ihren Rechenerfolg wahrheitsgemmäß zu machen, stets ehrlich bei der Übermittlung ihrer Ergebnisse waren. Sowohl die Kontrollprobanden, die nichts unterschrieben hatten, als auch die Teilnehmer, die die E-Signatur genutzt hatten, erschummelten sich hingegen ein Teil ihrer Belohnung. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass elektronische Signaturen eine weniger starke Bindung entfalten als die handschriftliche Unterschrift, weil diese weniger als Erweiterung des eigenen Selbst begriffen werden. So fühle man sich nicht so stark an das gebunden, was man unterzeichne.
Elektronische Unterschriften verleiten zu Unehrlichkeit, spektrum.de 3.12.15

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Illusionärer Wohlstand 
Mittwoch, 9. Dezember 2015 - Wissenschaft
Mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Basis zur Messung des Wohlstandes hadern inzwischen viele, unter anderem, weil es einen "illusionären Wohlstand" abbilde, wie es der Ökonom Hans Diefenbacher ausdrückt. Das geschieht dann, wenn gemessenes Wirtschaftswachstum an anderen Stellen zu negativen Folgen führt, die dann unter Aufwendung eines Teils des erreichten Wachstums wieder beseitigt werden müssen. Diefenbacher schlägt deshalb alternative Betrachtungsweisen vor: "Der Nationale Wohlfahrtsindex beruht zunächst auf den Konsumausgaben, die mit der Einkommensverteilung gewichtet werden. Je ungleicher die Einkommen, desto geringer ist der Beitrag des Konsums zur gesamtgesellschaftlichen Wohlfahrt. Anschließend werden eine Reihe von Dingen hinzugerechnet, die wohlfahrtsstiftend, aber nicht im BIP enthalten sind, vor allem Hausarbeit und ehrenamtliche Tätigkeit. Und dann gibt es eine lange Liste an Positionen, die wir abziehen, weil sie sozial-ökologischen Kosten entsprechen, die im BIP nicht oder mit falschem Vorzeichen enthalten sind: Kosten für den Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen, Luftverunreinigungen durch Schadstoffe, Unfälle und Kriminalität etwa." Die Vorteile dieses neuen Indizes liegen darin, dass er Wachstum nicht als Größe für sich betrachtet, sondern in den Kontext gesellschaflticher und ökologischer Fragestellungen stellt. "Er kann nur dann weiter steigen, wenn Sie negative Effekte stark mindern", erklärt Diefenbacher. Er hofft, "dass die Politik einen stärkeren Blick auf Fragen der Einkommensverteilung und auf die ökologische Belastung der Wirtschaft bekommt".
Weg vom BIP-Wachstumswahn, Der Freitag 1.12.15

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Keine Spur von Besinnlichkeit 
Dienstag, 8. Dezember 2015 - Studien
Für Arbeitnehmer sind die Dezember-Wochen meist kein Zuckerschlecken. Statt vorweihnachtlicher Besinnlichkeit ist oft pure Hektik angesagt, um das Wichtigste noch vor den Feiertagen vom Tisch zu bekommen. Dass dies ein Breitenphänomen sein könnte, legt eine Untesuchung der Universität Göttingen nahe. Die Forscher hatten Daten der European Social Survey analysiert, um der Befindlichkeit der Menschen in der Weihnachtszeit auf die Spur zu kommen. Diese Datensätze werden in elf europäischen Ländern erhoben. Die Wissenschaftler verglichen die Datensätze von Menschen, die im Dezember befragt worden waren, mit denen derer, die zu anderen Zeiten im Jahr Auskunft gaben. Dabei zeigte sich, dass die Umfrageteilnehmer in der Weihnachtszeit deutlich schlechter gelaunt waren und weniger zufrieden mit ihrem Leben als jene, die zu anderen Zeiten Auskunft gegeben hatten. Lediglich Christen, die sich selbst als religiös betrachteten, bildeten eine Ausnahme - sie waren positiver eingestellt. Die Wissenschaftler deuten die Unterschiede damit, dass die Weihnachtszeit für viele Menschen mit Trubel und Stress verbunden ist, sei es das Geschenke kaufen, die sozialen Verpflichtungen oder auch finanzielle Sorgen aufgrund der Konsumstimmung rund ums Fest.
Unzufrieden in der Weihnachtszeit, spektrum.de 1.12.15

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Wie Firmen kontinuierlicher Veränderung standhalten 
Montag, 7. Dezember 2015 - Management
Die alltägliche Komplexität wie auch der permanente Veränderungsdruck halten Unternehmen in Atem. Hierarchische Organisationsformen stoßen hier schnell an ihre Grenzen. In einem Interview mit Claudia Dietze, Mitbegründerin der Softwareentwicklungsschmiede freiheit.com, zeigt die Zeit, wie das Führungskonzept Holacracy hier neue Mobilität ins Spiel bringt. Das Managementsystem strukturiert Führung durch Rollenkonzepte. "Holacracy bedeutet, dass Entscheidungen dort gefällt werden, wo die eigentliche Arbeit erbracht wird. Bei diesem Konzept ist die Autorität an die Rolle gebunden. Wer die Rolle letztendlich ausfüllt, kann sich jederzeit ändern. Die Rollen sind sogenannten Circles zugeordnet. Jede Person kann in einem Unternehmen mehrere Rollen ausüben und daher auch zu mehreren Circles gehören. Es gibt keine Abteilungen, Vorgesetzten oder anderen hierarchischen Funktionen mehr", erklärt Dietze. Das bringt notwendige Entscheidungsprozesse näher an das, was getan werden muss, bezieht die Kompetenz der Beteiligten besser ein und macht Führungsaufgaben flexibler und schneller. Permanente Veränderung wird so schrittweise möglich, da die Mitarbeiter die Chance haben, direkt in ihrem Tätigkeitsbereich immer wieder Justierungen vorzunehmen. Holacracy hat aber auch eine weitere Dimension. "Zudem haben sich die Ziele und Vorstellungen der Menschen verändert: Es geht nicht mehr einfach nur darum, eine Arbeit zu finden, mit der man irgendwie Geld verdient und Karriere machen kann. Die jüngere Generation sucht nach einem Sinn, die Jüngeren wollen Verantwortung übernehmen und selbst etwas bewegen. Um dieses Potenzial zu heben, braucht es neue Organisationsformen. Und nur wer diese beherrscht, wird beim Kampf um die Talente in Zukunft mithalten können", so Dietze.
"So kommen Mitarbeiter aus der Hierarchie heraus", Zeit 4.12.15

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Den eigenen Beruf erfinden 
Freitag, 4. Dezember 2015 - Arbeit
Maike Gosch hat schon viele Jobs gemacht - als Juristin, als Drehbuchschreiberin. Und ihre Interessen sind so breit gefächert, dass sie in jedem Beruf einige davon außer acht lassen musste. Eine Selbstbeschneidung, die auf Dauer für sie nicht tragfähig war. In einem Portrait der Zeit erklärt die Kommunikationsexpertin, die heute vor allem im Bereich Storytelling for NGOs tätig ist, wie sie dazu kam, all die Puzzle-Teile ihrer Vorlieben zusammenzusetzen - und wie sich daraus ihr heutiger Traumjob ergab. MIch hat ihre Geschichte berührt, weil sie zeigt, was möglich ist, wenn man die eigenen Vorlieben ernst nimmt. Nur allzu oft versucht man ja eher, den äußeren Verhältnissen gerecht zu werden und sich irgendwie mit ihnen zu arrangieren. Im Berufsleben, das Jahrzehnte unserer Lebenszeit füllt, kann dies jedoch auch ein gefährlicher Weg sein, denn der Grat zwischen Realitätssinn und Selbstaufgabe ist schmal. Mit ihrem heutigen Beruf trägt Maike Gosch zu einem gesellschaftlichen Wandel bei - und hat zunächst sich selbst und ihre Perspektive verändert. Was wäre möglich, wenn dieses Beispiel Schule macht?
Berufswahl: Ein Beruf, den es nicht gibt, Die Zeit 26.11.15

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Wirtschaft in der Tiefe verstehen 
Donnerstag, 3. Dezember 2015 - sonstiges
Christoph Lütge, Ordinarius für Wirtschaftsethik an der TU München und Leiter des von ihm gegründeten Experimental Ethics Lab, geht in einem Gastbeitrag für die Zeit der Frage nach, warum es so wichtig ist, in der Schule grundlegende Wirtschaftskenntnisse zu vermitteln. "Wie sollen Schüler ohne ökonomisches Wissen wirtschaftliche Zusammenhänge im gesellschaftlichen Kontext beurteilen?", fragt Lütge zu recht. Von Kritikern werde immer wieder angemerkt, dass eine zu starke Fokussierung auf das Thema Wirtschaft dazu führen könne, dass ökologische und soziale Kompetenzen vernachlässig würden. Dem hält Lütge entgegen: "Dabei wird angenommen, dass Ökonomie und Ökologie, Ökonomie und Soziales fundamentale Gegensätze darstellen. Das Gegenteil ist der Fall: Nachhaltiges Wirtschaften spielt in Unternehmen eine immer größere Rolle. Aber auch Ökologie muss im Rahmen ökonomischer Mechanismen funktionieren, damit sie nicht nur eine abstrakte Idee bleibt, sondern wirksam umgesetzt wird. Ökologische Probleme lassen sich letztlich nur durch ökonomische Mechanismen lösen. Die Marktwirtschaft hat sich keineswegs abgewirtschaftet. Das Gleiche gilt für die Sozialpolitik. Schülerinnen und Schülern sollte die soziale Marktwirtschaft als Grundlage unserer Gesellschaft nahegebracht werden. Und dazu gehört, wie durch Wettbewerb – im Rahmen der bestehenden Regeln und Gesetze – soziale Belange gefördert werden, indem Arbeitsplätze bereitgestellt werden, indem innovative und kostengünstige Produkte produziert werden, indem Steuern und Abgaben gezahlt werden." Mich fasziniert an dieser Argumentation, wie schmal der Grat ist zwischen der Beschreibung momentaner Realitäten und dem Verfestigen von Grundannahmen, die man auch in Frage stellen könnte. Lütges Argumentation ist klug und durchdacht, und sich dabei kaum bewusst, welche Ausgangsbedingungen sie als unverrückbar einbringt. In einem System, in dem fast alle Lebensvollzüge in der einen oder anderen Weise an wirtschaftliche Zusammenhänge gebunden sind, lassen sich ökologische und soziale Fragen natürlicherweise nur mit wirtschaftlichen Mitteln lösen. Was aber wäre, wenn wir dem Ökologischen und Sozialen die bedeutendste Rolle in unserer Gesellschaft zuweisen? Kämen wir dann automatisch auf die Idee, dass wir ökonomische Wege beschreiten müssen, um diesen Belangen zur Geltung zu verhelfen? Ist das Bereitstellen von Arbeitsplätzen eine soziale Tat, wenn die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht immer wieder durch finanzielle Notwendigkeiten geprägt ist? Wirtschaftliches Wissen scheint in der heutigen Zeit tatsächlich unabdingbar - vor allem, um in der Lage zu sein, den Status quo zu hinterfragen ...
Schulfach Wirtschaft: Schüler brauchen ökonomisches Wissen, Die Zeit 24.11.15

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