Kulturelle Intelligenz im Business bewahren 
Mittwoch, 13. Januar 2016 - Arbeit
In einem Interview mit der FAZ wirft der Soziologe Andreas Boes einen Blick auf die immer mehr um sich greifende Silicon-Valley-Arbeitskultur und plädiert dafür, sich wieder stärker der kulturellen Intelligenz Europas bewusst zu werden. Boes beschreibt, wie stark sich der einst relaxte Habitus in der Bay Area sich in den letzten Jahren verändert und vor allem beschleunigt hat. Das Herausfordernde daran: "Man hat dort einen Modus gefunden, extrem schnell und viel zu arbeiten und gleichzeitig extrem motiviert zu sein. Diese Arbeit hat nämlich auch gesundheitsförderliche Potentiale. Die Menschen erkennen einen Sinn in ihrer Aufgabe, sie können etwas gestalten und bewirken. Dieses Sich-größer-Denken prägt das Selbstbewusstsein und lässt die Menschen mit dem Stress besser umgehen." Dem hält Boes entgegen: "Ich glaube, dass dieses System nur dort funktioniert. Wir müssen in Europa auch aufpassen, dass wir uns mit unserer kulturellen Intelligenz nicht in die altmodische Ecke stellen lassen. Eine Gesellschaft muss Sicherheit bieten, damit Menschen ihr Leben planen können. Dieses Wissen haben wir uns in einer langen geistesgeschichtlichen Tradition entwickelt und seit den 1950er Jahren verallgemeinert. Denn eine Ökonomie, die diese Sicherheit untergräbt, ruft irgendwann auch Gegenreaktionen hervor."
"Im Silicon Valley ist niemand ausgeschlafen", FAZ 22.12.15

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Übergriffige Businesssekten 
Dienstag, 12. Januar 2016 - Management
In einem Interview mit der Welt kritisiert der Management-Guru Reinhard Sprenger, dass Mitarbeiter in Unternehmen immer mehr zu Marionetten werden. Vor dem Hintergrund der jüngsten Unternehmensskandale betrachtet er eine wahrnehmbare zunehmende Vereinnahmung der Mitarbeiter mit Sorge: "Man versteht das moderne Unternehmen in moralphilosophischer Hinsicht nur, wenn man seine institutionelle Distanzlosigkeit begreift. Wenn man sieht, wie Unternehmen die Menschen vereinnahmen, überwachen und bevormunden. Viele Institutionen klingen dabei vernünftig, fast menschenfreundlich. Denken Sie z. B. an Mitarbeiterbefragungen, Ethikseminare oder die Gesundheitsförderung. Aber in ihren Konsequenzen sind sie übergriffig, sie infantilisieren, therapeutisieren. Oft denke ich an 'betreutes Arbeiten'. Jedenfalls sind in den letzten Jahrzehnten mehr Distanzen und Freiräume verschüttet worden, als sich mit menschlichem Anstand vereinbaren lässt. Vor allem in Silicon-Valley-Firmen gehe es längst um eine "Totalinklusion" der Beschäftigten. "Es sind Businesssekten. Sie wollen den ganzen Menschen, sie wollen Hand, Hirn und Herz. Und das 24/7, ohne Trennung von Privat- und Berufsleben. Darunter wird man eindimensional, ist umgeben von ähnlichen Menschen, die die eigene Wirklichkeitskonstruktion bestätigen. Außerdem verkümmern unsere selbsthelferischen Kräfte bei so viel Fürsorge, die Überzeugung unserer Selbstwirksamkeit. Und das spiegelt durchaus gesamtgesellschaftliche Tendenzen. Wir sind gerade dabei, unsere Freiheit einem Optimierungstraum zu opfern, aus dem wir vielleicht nicht mehr erwachen werden", so Sprenger. Der Management-Vordenker plädiert dafür, Begriffe wie "Erwachsensein" wieder ernst zu nehmen und Eigenverantwortung zu fördern. Dies setze voraus, dass Schulen weniger "neugierfeindlich" seien und sich nicht darauf beschränken, Humankapital zu produzieren.
Wir sind alles Marionetten des Managerschnickschnacks, Welt 19.12.15

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Yoga im Masterstudium 
Montag, 11. Januar 2016 - Arbeit
Der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY) hat einen Vorstoß in Sachen akademischer Yoga-Ausbildung angekündigt. Gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe wurde ein Masterstudiengang entwickelt, der Studierende dazu befähigen soll, Yoga als ganzheitlichen Weg der Gesundheitsförderung zu vermitteln. Der Studiengang "Körperbildung,
Stressbewältigung und Entspannung" richtet sich an Menschen mit unterschiedlicher Bildungs- und Berufserfahrung und soll berufsbegleitend stattfinden. Für die Konzeption des Yoga-Moduls in der Ausbildung zeichnet der BDY verantwortlich.
Pressemitteilung des BDY

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Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 
Montag, 21. Dezember 2015 - sonstiges
think.work.different macht Ferien. Wir wünschen allen LeserInnen besinnliche Weihnachtstage und einen guten Start ins neue Jahr. Ab 11. Januar sind wir wieder mit frischen News für Sie da!

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Schluss mit dem Mindfuck 
Freitag, 18. Dezember 2015 - Arbeit
Wie frei ist unser Denken? Eine Frage, die die Neurowissenschaften mit immer neuen Studien zu ergründen versuchen. Allein, wenn wir unser Denken im Alltag ein wenig reflektieren, können wir schon sehen, wo unsere gedanklichen Selbstblockaden liegen. Die Süddeutsche Zeitung himmt das Buch "Mindfuck Job" zum Aufhänger, um das Bewusstsein für diese Art der Selbstsabotage zu fördern. Wer zum Katastrophen-Mindfuck neigt, malt sich immer das Schlimmste aus und flüchtet sich gerne in Auf-Nummer-Sicher-Lösungen. Der Selbstverleugnungs-Mindfuck lässt einen gerne die eigenen Bedürfnisse zurückstellen, um anderen den Vortritt zu lassen oder es ihnen recht zu machen - und verliert darüber die eigenen Interessen aus dem Blick. Wer Bewertungs-Mindfuck betreibt, ist ständig im Kritik-Modus - gegenüber anderen wie auch sich selbst gegenüber. Druckmacher-Mindfuck scheint längst eine Modedisziplin zu sein - enge Deadlines, stramme To-do-Listen. Man setzt sich mehr auf die Agenda, als gut tut. Der Regel-Mindfuck klingt typisch deutsch - das haben wir immer schon so gemacht, man muss sich an die Regeln halten. Vielleicht lieber ab und an mal fragen: Was mache ich hier eigentlich und warum? Wer im Misstrauens-Mindfuck festhängt erwartet immer nur das Schlechteste. Auch der Übermotivations-Mindfuck hat seine Tücken. Zwar bringt einen die damit verbundene Euphorie auf Touren, doch lässt sie sich erfahrungsgemäß nicht längerfristig durchhalten. Gibt man Phänomenen Namen wie diese hier, fällt es leichter, Probleme zu erkennen und sich selbst entsprechend zu verändern. Das geht aber auch ohne Etikettierungs-Mindfuck. Oft reicht es schon, sich einfach mal bewusst beim Denken zuzuschauen, hinter die eigenen Motive und die der Umwelt zu blicken und ins eigene Wesen zu lauschen ... Aber vielleicht ist das zu einfach ...
Sieben Hirnblockaden bei der Arbeit, SZ 10.12.15

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Grundeinkommen oder was ist uns Freiheit wert? 
Donnerstag, 17. Dezember 2015 - Arbeit
In der Schweiz wird 2016 über die Einführung eines Grundeinkommens abgestimmt. In Finnland prüft die Regierung bereits eine Einführung, die dann 2017 umgesetzt werden könnte. In Deutschland hat der 30-jährige Berliner Michael Bohmeyer eine Aktion gestartet. Er sammelt per Crowdfunding Geld, um Menschen für ein Jahr ein Grundeinkommen in Höhe von 1.000 Euro pro Monat zur Verfügung zu stellen. 25 Personen kamen via Verlosung bisher in den Genuss. Die Welt stellt vor diesem Hintergrund die Argumente der Befürworter und Gegner noch einmal zusammen. Vor allem eine Passage des Artikels bringt nicht nur die Ängste, sondern auch viele unserer impliziten Wertevorstellungen zum Vorschein: "Gerade die Gewerkschaften als Arbeitnehmerlobby müssen das Konzept auch als Kampfansage an die Arbeitsgesellschaft und den Wert der Arbeit schlechthin verstehen. Das existenzsichernde Grundeinkommen suggeriert den Menschen (finanzielle) Sicherheit und individuelle Freiheit. Aber wie frei sind Bürger, die nicht mehr selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen müssen, sondern jeden Monat vom Staat fürs Nichtstun bezahlt werden? Letztlich geht es beim Grundeinkommen auch um die Frage: Was fällt in die Verantwortung des einzelnen Bürgers, und was muss der Staat oder die Gemeinschaft leisten? Bislang gilt, dass zunächst einmal jeder selbst für sich und sein Leben verantwortlich ist, erst in Notlagen springt der Staat ein. Wenn nun der Staat jedem seiner Bürger ein sorgloses Leben garantieren soll, wird dieses Prinzip auf dem Kopf gestellt." Fast scheint es, als könnten - oder wollten - wir uns wirkliche Freiheit, in diesem Fall zumindest im Hinblick auf finanzielle Belange, nicht vorstellen. Wir denken Gesellschaft immer noch in erster Linie individualistisch. Jeder sorgt für sich selbst und erst, wenn das so gar nicht funktioniert, springen wir als Gemeinschaft ein. Doch warum fordert es uns so heraus, Leben und vor allem das Arbeitsleben von vornherein als ein gemeinschaftliches Projekt zu denken? Auch die Sorge, viele Menschen würden dann einfach nichts tun, spricht Bände, zeigt sie doch, wie stark unsere heutigen Vorstellungen von Arbeit auf Prinzipien des Zwangs beruhen.
Sind 1000 Euro die schöne neue Sozialstaatwelt? Die Welt 10.12.15

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Agile Führung braucht Wandel und Werte 
Mittwoch, 16. Dezember 2015 - Management
In einem Beitrag für den Harvard Business Manager stellt Joachim Seibert, Mitgründer des Internetdienstleisters Seibert Media, dar, wie sich die Unternehmensorganisation flexibilisieren lässt. Mit der Methode Scrum, die vor allem in der IT-Welt verbreitet ist, brachte das Unternehmen die Projektarbeit der Softwareentwicklungsteams auf Vordermann - unter anderem durch die Entwicklung von Taskboards, Stand-up-Meetings, so dass Feedbackprozesse beschleunigt wurden und mehr Transparenz möglich wurde. Im Zuge dieses Öffnungsprozesses, der immer stärker Eigenverantwortlichkeiten stärkte, zeige sich auch, dass das Werteset, das Scrum beinhaltet - Commitment, Fokus, Offenheit, Respekt und Mut - eine wesentliche Säule der Selbstorganisation darstellt. Eine, die die Unternehmensgründer auch mti der Notwendigkeit weiterer Veränderungen konfrontierte. "Unser Anliegen ist es, gemeinsam mit der Belegschaft, den organisatorischen Rahmen so weiterzuentwickeln, dass er optimale Bedingungen für unsere autonom agierenden Teams bietet. In diesem Prozess haben wir gemeinsam schon einiges erreicht. Beispiele dafür sind die Abschaffung der individuellen Zielvereinbarungen, die Einführung von Mentorenteams für jeden Mitarbeiter statt klassischer Vorgesetzter, die Angleichung und Anhebung der Urlaubstage für alle und das gemeinsame Erarbeiten einer uns alle verbindenden und von allen getragenen Vision", erlärt Seibert. Für die Firmengründer war es eine Lernerfahrung, zu erkennen, in welchen Prozessen sie selbst noch die oberste Entscheidungsbefugnis wahrnehmen sollten und welche Aspekte eher ans Team delegiert werden. "Gleichzeitig führt unsere Art der Unternehmensführung aber auch dazu, dass jeder Konflikt zwangsläufig ans Tageslicht kommt, gemeinsam diskutiert werden will und wir daraus einen Verbesserungsvorschlag erarbeiten müssen. Ich bin überzeugt davon, dass diese Konflikte in anderen Unternehmen ebenfalls existieren, dort aber einfach durch autoritäre Führung und fehlende Transparenz nicht so stark ans Tageslicht kommen", so Seibert.
Überzeugt von selbst organisierten Teams, HBM 8.12.15

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Persönlichkeit bestimmt Kooperationsverhalten 
Dienstag, 15. Dezember 2015 - Studien
Eine Studie der Newcastle University in England zeigt, wie stark unser Kooperationsverhalten von unserer Persönlichkeit geprägt ist. Die Wissenschaftler untersuchten zunächst die Persönlichkeitseigenschaften von 184 Studenten. Anschließend mussten diese um Geld miteinander spielen. Sie konnten ihre Token entweder behalten oder in einen gemeinschaftlichen Topf einzahlen, dessen Inhalt automatisch um das 1,6-Fache erhöht und wieder an alle Mitspieler zu gleichen Teilen ausgezahlt wurde (unabhängig davon, was jeder zuvor gegeben hatte). Einmal waren die individuellen Transaktionen geheim, dann erfolgten sie öffentlich. Dabei zeigte sich, dass in den offenen Runden zwar alle Teilnehmer ihre Einsätze erhöhten, die eher extravertierten Probanden allerdings deutlich stärker als die intravertierten. Anscheinend neigen in sich gekehrte Persönlichkeiten insgesamt weniger dazu, mit anderen zu kooperieren.
Kooperation braucht Situation und Charakter, spektrum.de, 10.12.15

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