Lichtblicke sozialer Innovationen 
Dienstag, 9. Februar 2016 - Success Stories
Forbes hat eine wunderbare Liste zusammengestellt mit spannenden Innovationen von Sozialunternehmern, den Top 30 Ideen, die von jungen Gründern unter 30 Jahren realisiert werden. Amélie Maryage, 24, und Miriam Reyes, 29, aus Frankreich und Spanien etwa entwickeln in ihrem Unternehmen Aprendices Visuales Bücher und Apps für autistische Kinder. Catalin Voss, 20, aus Deutschland engagiert sich ebenfalls für autistische Kinder. Sein Google-Glass-basiertes Autism Glass Project erkennt für die Betroffenen Emotionen. Clementine Chambon, 23, aus Frankreich hat das Unternehmen Oorja mitgegründet, das aus Bio-Abfall Energie herstellt und so mehr als 400 Millionen Menschen in Indien helfen möchte, sich ihren eigenen Strom herzustellen. Der deutsche Architekt Dénes Honus, 28, gestaltet mit seinen City Trees urbane Kunstwerke, die der Luftverschmutzung entgegenwirken. Dies sind nur einige der spannenden Projekte. Ich finde es phantastisch, wie sich hier neue Formen der Technologienutzung zu entwickeln beginnen. Und die City Trees bringen eine neue Ästhetik in die Stadt.
Forbes-Liste "30 unter 30", Good Impact 20.1.16

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Freiheit oder Kohle? GenY bleibt ein Rätsel 
Montag, 8. Februar 2016 - Studien
Studien, die versuchen, die Haltung junger Arbeitnehmer zu erkunden, häufen sich und immer neue Diagnosen zur Verfassung der GenY suggerieren, dass hier ein gänzlich neuer Angestelltentypus die Firmenwelt betritt. Unter dem Strich sind die Erkenntnisse dann doch eher dünn und vielfach widersprüchlich. Ob die Jungen lieber Sicherheit, Abenteuer oder doch einfach nur Kohle wollen - man weiß es nicht so genau. In einer Studie des Marktforschungsinstituts Lünendonk wurden 2.123 Arbeitnehmer und Arbeitsuchende in Deutschland befragt nach den fünf wichtigsten Faktoren, die einen Arbeitgeber besonders attraktiv machen. Hier war für 65,5 Prozent der Befragten das Gehalt wichtigstes Kriterium und überholte damit sogar die Sicherheit des Arbeitsplatzes, die in deutschen Studien meist sehr hoch gerankt wird. In der Arbeitsmarktstudie des Personalunternehmens Orizon landet die Arbeitsplatzsicherheit ebenfalls auf Platz zwei. Insgesamt gaben 56,4 Prozent der jungen Befragten an, dass eine gute Bezahlung sehr wichtig sei, Sicherheit nannten 56,1 Prozent. Es folgen flexible Arbeitszeiten, Nähe von Arbeitsplatz zu Wohnsitz und abwechslungsreiche Tätigkeiten. Vielleicht ist das Stochern in diesen Details einfach wenig zielführend. Eindeutiger ist dagegen - zumindest in meinen Augen - eine ganz andere Schlussfolgerung. Menschen möchten gut leben können. Und dazu gehört eben in unserem gegenwärtigen System ein Arbeitsplatz, der den Lebensunterhalt sicherstellt und dies nicht nur kurzfristig. Ich würde wetten, dass ältere Arbeitnehmer das genauso sehen.
Doch keine Lust auf Work-Life-Balance? WiWo 3.2.16

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Unsicherheit belastet die Hälfte aller Deutschen 
Freitag, 5. Februar 2016 - Studien
Wir leben in unsicheren Zeiten und diese Unsicherheit scheint immer mehr Menschen zu bedrängen. Ängste vor wachsender Kriminalität, Terroranschlägen und einem zu starken Zuzug von Flüchtlingen beschäftigen laut einer Umfrage des Allensbach Instituts mittlerweile schon rund drei Viertel der Bevölkerung. Gerade die aktuelle Lage im Hinblick auf die Flüchtlinge scheint hier geradezu einen Sorgenschub ausgelöst zu haben, denn im Sommer 2014 waren es lediglich 29 Prozent, die „Die allgemeine Unsicherheit, wie es weitergeht.“ thematisierten, gegenwärtig sind es 53 Prozent. Auch die Zahl derer, die die Zeit insgesamt als besonders unsicher erachten, ist in den vergangenen kontinuierlich auf heute 58 Prozent gestiegen. Dabei scheint es nicht allein der permanente Wandel zu sein, der die Menschen schreckt. Beim Stichwort Veränderungen denken lediglich 29 Prozent umgehend an damit verbundene Risiken, 47 Prozent hingegen sehen die Chancen. Was das Unsicherheitsgefühl der Bevölkerung zu schüren scheint, könnte eher der Eindruck sein, immer öfter mit großen gesellschaftlichen Herausforderungen konfrontiert zu sein, deren Folgen dann ganz privat zu bewältigen sind. Für manche Bevölkerungsgruppen mag Angela Merkels "Wir schaffen das!" in doppeltem Sinne zynisch klingen. Richtet sich der Appell doch vordergründig an die Bewältigung der Herausforderungen, die sich durch die hohen Flüchtlingszahlen ergeben. Bezieht es aber auch diejenigen ein, die schon immer hier leben und schon lange nicht mehr das Gefühl haben, es zu schaffen? Vielleicht täuscht die aktuelle Situation auch darüber hinweg, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt bereits seit Jahren am Bröckeln ist und es - zumindest subjektiv empfunden - immer mehr Verlierer zu geben scheint. Dem schenken wir immer noch wenig Beachtung.
Die Angst vor Veränderung, FAZ 27.1.16

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Zwischen Grundeinkommen und menschlichen Prioritäten 
Donnerstag, 4. Februar 2016 - Studien
Die in der Schweiz geplante Volksabstimmung zur Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens fördert im Zuge der darum kreisenden Diskussionen immer wieder interessante Blicke auf unsere grundsätzlichen Einstellungen zur Arbeitswelt und zur Erwerbstätigkeit zutage. So veröffentliche die Volksinitiative für das Grundeinkommen kürzlich die Ergebnisse einer Befragung von 1.076 Schweizern, darunter 676, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Sorge vieler Kritiker, bei bestehendem Grundeinkommen werde niemand mehr arbeiten wollen, bestätigt sich hier nicht. 69 Prozent der Befragten lehnen laut einem Bericht der Welt eine freiwillige Arbeitslosigkeit generell ab, weitere 21 Prozent können sich eher nicht vorstellen, nicht mehr zu arbeiten, wenn sie ein Grundeinkommen erhalten. Gleichzeitig würde aber eine Mehrheit die Möglichkeit nutzen, arbeitsmäßig kürzer zu treten. Jeweils gut 50 Prozent, um sich weiterzubilden oder mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. 22 Prozent liebäugeln mit der Option, sich selbstständig zu machen. Zahlen wie diese deuten, auch wenn sie häufig nicht so interpretiert werden, auf einiges an gesellschaftlichem Potenzial hin, das unter den gegenwärtigen Gegebenheiten sich schlicht nicht entfalten kann, weil es den Menschen an Zeit und Mitteln fehlt. Spannend wäre es sicher, mögliche Entwicklungen weiter zu denken. Was tun beispielsweise diejenigen, die sich weiterbilden, anschließend? Und wie wirkt sich dies auf die Lebenswelt aus? Bedeutet der Wunsch, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, nur einen Rückzug ins Private oder verbinden Menschen damit konkrete Ideen wie sich mehr um Angehörige kümmern zu können, die Unterstützung brauchen? Mehr Zeit zu haben, etwas Gesundes selbst zu kochen? Endlich mal ausreichend zu schlafen? Wie sähen unsere Gesellschaften aus, wenn jeder Mensch einfach ein bisschen mehr von dem tun könnte, was er besonders mag oder besonders gut kann?
2.270 Euro geschenkt - und trotzdem weiterarbeiten, Die Welt 27.1.16



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Abschalten in der Freizeit fällt vielen schwer 
Mittwoch, 3. Februar 2016 - Studien
Pro Tag stehen dem Durchschnittsdeutschen heute knapp vier Stunden Freizeit zur Verfügung. Doch erholsam ist diese freie Zeit für eine Mehrheit nicht wirklich. Eine Befragung des Onlinepanels Toluna unter 1.045 Personen zeigt: 45 Prozent fühlen sich nach Feierabend stark erholungsbedürftig, aber nur 36 Prozent gelingt es auch, wirklich abzuschalten und sich zu regenerieren. Eine Mehrheit von 56 Prozent gibt an, dass Überstunden, Pendeln oder Zweitjobs ihren Spielraum für Erholung beschneiden. 36 Prozent fühlen sich durch die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen so stark eingebunden, dass ihnen für sich selbst keine Zeit mehr bleibe. Das, was gerne als Freizeit betrachtet wird, ist eben meist zunächst einmal die Zeit, die wir nicht schlafen und nicht einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Das Leben selbst ist jedoch wesentlich vielfältiger. Andererseits: Die liebste Freizeitbeschäftigung der Deutschen ist nach wie vor das Fernsehen. Hierfür geht der größte Teil der Zeit ohne äußere Verpflichtungen drauf. Ob das wirklich erholsam ist?
Deutsche können sich im Feierabend nicht erholen, WiWo 25.1.16


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Was kommt nach der Ära der Jobs? 
Dienstag, 2. Februar 2016 - Arbeit
Es wird immer ernster mit der Industrie 4.0. Eine beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgelegte Studie zeigt, dass in den nächsten Jahren 7,1 Millionen Jobs durch die wachsende Digitalisierung verloren gehen könnten, während nur 2,1 Millionen neue Arbeitsplätze, überwiegend für Computerexperten, entstehen. Dementsprechend waren die Diskussionen in Davos auch davon geprägt, wie mit dieser tektonischen Plattenverschiebung umzugehen sein könnte. Interessanterweise mehren sich die Stimmen derer, die von einer Umverteilung der Einkommen sprechen und hier vor allem das Grundeinkommen ins Spiel bringen. Zu ihnen gehört beispielsweise Christopher Pissarides, der 2010 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt. Er sagt: "Wir müssen ein neues System entwickeln, um die Einkommen umzuverteilen." Andere wie Erik Brynjolfsson, Professor am MIT in Boston, denken eher über eine negative Einkommensteuer nach. Sinkt das Einkommen unter eine bestimmte Grenze, müssten Menschen keine Steuer mehr zahlen, sondern erhielten vom Finanzamt einen Zuschuss. Nachdem ich die Diskussion um das Grundeinkommen schon seit Jahren verfolge, finde ich es zwar erfreulich, dass - leider aufgrund prekärer Umstände - das Thema gesellschaftlich immer mehr Beachtung findet. Doch gleichzeitig scheint mir das, was wir uns zu denken erlauben, noch längst nicht weit genug zu gehen. Wo eigentlich das gesamte kapitalistische System immer mehr ins Wanken gerät, bedarf es eher eines weiteren Blicks, der nicht versucht, an einzelnen Stellen umfassende Ideen zur Kompensation von Schwächen des Systems zu verwenden. Doch immerhin tritt so ein hilfreicher Ansatz immer mehr in die Gegenwärtigkeit und regt vielleicht auch manche zum Weiterdenken an.
Davos diskutiert über das Grundeinkommen, SZ 22.1.16

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Achtsamkeit goes Mainstream 
Montag, 1. Februar 2016 - Arbeit
Nachdem der Begründer des Achtsamkeitsprogramms Mindfulness Based Stress Reduction Jon Kabat-Zinn im letzten Jahr in Davos mit seinem Auftritt für Furore sorgte, scheint das Meditieren nun beim Weltwirtschaftsforum schon fest zum Programm zu gehören. Wie die FAS berichtete, waren die dieses Jahr von ihm in Davos angebotenen Stille-Sessions restlos ausgebucht und manche Manager meditierten sogar im Flur vor dem Veranstaltungsraum. Das Handelsblatt hat bereits Anfang Januar ein großes Special dem stetig wachsenden Achtsamkeitstrend gewidmet. Der Beitrag stellt vor allem Kabat-Zinns MBSR-Programm vor, bringt Erfahrungsberichte von Praktizierenden und nordet das Thema gesellschaftlich ein. Unter dem Strich zeigt der Artikel, dass Meditation immer mehr zur Antwort auf die verschiedenen Stressphänomene der Zeit zu werden scheint. Unzählige Wirksamkeitsstudien und ein wachsendes Interesse am Buchmarkt (schon rund 15 Prozent der neu erscheinenden Gesundheitsbücher beschäftigen sich mit Achtsamkeit) scheinen den Trend kontinuierlich zu befeuern. Allerdings überwiegen in der Berichterstattung - und wahrscheinlich auch im Bewusstsein der stetig wachsenden Zahl an Meditierenden - immer noch vor allem die kompensatorischen Wirkungen von Meditation. Die meisten meditieren, um im Alltag besser durchzuhalten. Wirklich spannend wird diese Entwicklung vielleicht dann, wenn Menschen immer stärker die Brüche zwischen ihrer alltäglichen Lebenswelt und der Dimension der Freiheit, die in Achtsamkeitsübungen durchscheint, nicht nur gezielter wahrnehmen, sondern damit beginnen, ihre Haltung zum Leben und ihre Lebenspraxis grundsätzlich zu überdenken - und zu verändern.
Bewusst sein, HB 8.1.16

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Deutsche Intellektuelle meiden Social Media 
Freitag, 29. Januar 2016 - Studien
Soziale Netzwerke scheinen vor allem in Deutschland ein Ort der Dumpfheit zu sein, zumindest wenn man eine Statistik der OECD zum Bildungshintergrund der Internetnutzer in Betracht zieht. Während in den meisten europäischen Ländern die Zahl der Social-Media-Nutzer mit hoher formaler Bildung diejenige der eher wenig Gebildeten übersteigt, und dies zum Teil deutlich, klafft in Deutschland hier eine Lücke. Die bildungsfernen Schichten beherrschen die Diskurse in den Netzwerken, während die Intellektuellen sich anscheinend in vornehmer Zurückhaltung üben. Lediglich in Dänemark und Schweiz weist die Nutzerverteilung Ähnlichkeiten zur deutschen Situation auf - dort allerdings ist die Lücke minimal, während sie hierzulande bei rund zehn Prozentpunkten liegt. Kommt uns das Internet manchmal so dümmlich vor, weil es uns schlicht zu dumm ist, einen geistvollen Beitrag zu leisten?
OECD-Statistik zur Internetnutzung

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