Wirklich zuhören kann recht fordernd sein 
Donnerstag, 25. Februar 2016 - Arbeit
Wer gut zuhören kann, hat mehr Erfolg in geschäftlichen Verhandlungen, so die Erkenntnis einer Untersuchung des Harvard-Professors William Ury. Gute Zuhörer kommen schneller und effizienter zu einem Ergebnis als jene, die sich vor allem auf ihre eigenen Argumente fokussieren. In der Realität fällt das Zuhören jedoch nicht immer leicht. Der amerikanische Autor Anthony Alessandra etwa definiert vier Arten des Zuhörens, wobei die erste eher ein Weghören ist, denn der Weghörer kommuniziert vor allem auf der Sachebene und hat eher Schwierigkeiten damit, sich zuhörend anderen zuzuwenden. Der selektive Zuhörer folgt Gesprächen nur oberflächlich und blendet Details aus, so dass er sich kaum in Gesprächspartner hineinversetzt und gerne mit den Gedanken woanders ist. Der bewertende Zuhörer ist zwar ganz bei der Sache, doch rattert es in seinem Hirn bereits, um auf das Gehörte zu reagieren, weil er alles sofort bewertet. Dann gibt es noch den aktiven Zuhörer. Er ist ganz bei seinem Gegenüber und schenkt dem Gesagten schlicht seine volle Aufmerksamkeit. Vielleicht hilft es ja, sich in Gesprächen immer mal wieder fragen, wo man selbst gerade mit der eigenen Aufmerksamkeit ist. Bin ich überhaupt interessiert, etwas zu hören?
Wer etwas zu sagen hat, muss zuhören können, Zeit online 17.2.16

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Ich bin ein Top-Performer 
Mittwoch, 24. Februar 2016 - Studien
Deutsche Arbeitnehmer halten viel von ihrer beruflichen Leistung, die Chefs sogar noch mehr. Eine Umfrage im Auftrag des Karrierenetzwerks Xing unter mehr als 1.000 Fach- und Führungskräften zeigt: 56 Prozent der Beschäftigten glauben von sich, dass sie besser arbeiten als ihre Teamkollegen. Von denjenigen in Führungspositionen glauben dies sogar 62 Prozent. Dabei wird die eigene Performance umso besser eingeschätzt, je größer die Unzufriedenheit mit dem Job ist.
Der Chef hält sich für überragend, SZ 12.2.16

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900.000 Deutsche würden gerne weniger arbeiten 
Dienstag, 23. Februar 2016 - Studien
Betrachtet man die Zahlen des Statistischen Bundesamts, wollen die Deutschen mehr arbeiten. Im Schnitt liegt die geleistete Wochenarbeitszeit gegenwärtig bei 35,7 Stunden. Das klingt nicht viel und liegt daran, dass die Teilzeitstellen miteingerechnet sind. Würde man alle Wünsche nach mehr Arbeit (wie auch die derjenigen, die gerne weniger arbeiten würden), umsetzen, stiege die durchschnittliche Arbeitszeit um 0,6 Wochenstunden. Hinter der glatten Statistik stecken verschiedene Bewegungen. 90 Prozent der Beschäftigten sind mit ihrem Arbeitsvolumen zufrieden. Aufstocken wollen 7,3 Prozent der Arbeitnehmer (2,9 Millionen), darunter insbesondere Teilzeit-Beschäftigte. Ihre durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt bei 19,5 Stunden, die Erhöhungswünsche beziffern sich auf 14,7 Stunden im Schnitt. Aufgrund des hohen Frauenanteils in dieser Gruppe liegt nahe, dass es vor allem Mütter sind, die zunächst in Teilzeit in den Beruf zurückgekehrt sind und später gerne aufstocken würden. Interessant ist aber auch, dass 2,3 Prozent (900.000 Menschen) gerne weniger arbeiten würden. Da im Gegensatz zu Umfragen, in denen nach Arbeitszeitreduzierungen mit Lohnausgleich gefragt wird und bei denen die Zustimmung immer recht hoch ausfällt, die Statistik den Wunsch nach geringerer Arbeitszeit ohne diese Vergünstigung abbildet, scheint das Interesse dieses Personenkreises sehr belastbar zu sein.
Jeder Zehnte ist unzufrieden mit seiner Arbeitszeit, spiegel online 15.2.16

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Wirklich wirklich - der Gender Pay Gap 
Montag, 22. Februar 2016 - Studien
Verdienen Frauen das Gleiche wie Männer? 90 Prozent der Deutschen finden, dass eine gleiche Entlohnung der Geschlechter üblich sein sollte. Die Realität ist indes eine andere. Selbst wenn man Faktoren wie die unterschiedlichen Verdienste in unterschiedlichen Branchen (Frauen sind stärker in Bereichen vertreten, in denen niedrige Gehälter gezahlt werden) oder Familienzeiten herausrechnet, bleibt in Deutschland zwischen den Geschlechtern noch ein Gender Pay Gap von sieben Prozent. Einer Umfrage des Jobportals Glassdoor zufolge, in der 8.000 Arbeitnehmer aus sechs Industriestaaten befragt wurden, gehen drei Viertel der Befragten davon aus, dass die Geschlechter gleich bezahlt werden. 41 Prozent der Deutschen finden, der Gesetzgeber solle Arbeitgeber dazu zwingen, Beschäftigte gleich zu entlohnen. Jeder siebte fordert, Personalabteilungen sollten generell Gehaltszahlen offenlegen. 70 Prozent der deutschen Frauen würden sich nicht bei einem Arbeitgeber bewerben, von dem bekannt ist, dass er Frauen schlechter bezahlt, bei den Männern ist es jeder zweite.
Frauen verdienen weniger als Männer? Echt jetzt? SZ 10.2.16

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Bezug zu etwas Größerem stärkt Kooperation 
Freitag, 19. Februar 2016 - Wissenschaft
Forscher der University of British Columbia sind der Frage nachgegangen, ob Religionen möglicherweise die frühe Basis gelegt haben, dass Menschen geneigt sind, mit anderen, weit entfernten Gesellschaftsmitgliedern zu kooperieren und so die Entwicklung größerer Zivilisationen möglich zu machen. "Der Glaube an moralische, strafende und allwissende Götter könnte die Ausdehnung der Kooperation, des Vertrauens und der Fairness auch auf entfernte Religionsgenossen gefördert haben", erklärt Benjamin Grant Purzycki. Die Wissenschaftler testeten diese These in einem Spielexperiment mit 591 Menschen aus acht Kulturen, darunter Jäger und Sammler in Tansania, Viehzüchter und Bauern in der Südsee und Brasilien und Angehörige von Kulturen mit Lohnarbeit in Sibirien oder auf Mauritius. Sie gehörten Religionen wie dem Christentum, Hinduismus und Buddhismus an oder glaubten an Natur- oder Ahnengeister. Die Probanden bekamen die Aufgabe, eine bestimmte Geldsumme zwischen einem Topf für einen entfernten, ihnen unbekannten Religionsgenossen und einem Topf für sich selbst oder ein lokales Mitglied ihrer Religion aufteilen. "Je stärker die Teilnehmer ihre Götter als strafend und als allwissend beschrieben, desto mehr Münzen teilten sie dem geografisch entfernten, ihnen fremden Religionsgenossen zu", so das Ergebnis. Menschen, die in einer Religion lebten, die an einen strafenden Gott glaubt, ließen den entfernt lebenden Glaubensgenossen fünf Mal mehr Münzen zukommen als diejenigen, die eine göttliche Strafe nicht fürchteten. Die Wissenschaftler deuten, dass der Glaube an einen moralischen, strafenden Gott zu einer Ausweitung der frühen Gesellschaften beigetragen haben könnte und den Zusammenhalt auch großer Gruppen förderte. "Er verstärkt das faire Verhalten gegenüber entfernten, fremden Glaubensgenossen und trägt damit zu einer Expansion des prosozialen Verhaltens bei", so Purzycki.
Religion als Triebkraft für Zivilisationen? wissenschaft.de 10.2.16

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Gefühle steuern oder wirklich in Beziehung sein? 
Donnerstag, 18. Februar 2016 - Management
Wie mechanisch das Denken im Business bisweilen ist, zeigt ein Beitrag im Harvard Business Manager, der die Bedeutung von Gefühlen in geschäftlichen Verhandlungen beleuchtet. Allein die Überschrift des Artikels - "Gefühle in Verhandlungen richtig steuern" - sagt bereits alles. Und auch die Ratschläge des Artikels selbst lassen deutlich erkennen, wie Gefühle hier schlicht zu einem strategischen Instrumentarium werden. Der Rat, sein Gegenüber aufmerksam wahrzunehmen und auf dessen Gefühle direkt einzugehen, mag zunächst banal klingen. Dahinter steht allerdings nicht der Wunsch, sich auf einen Gesprächspartner einzustellen, sondern der Versuch, emotionale Reaktionen, die den eigenen Intentionen zuwiderlaufen, unmittelbar zu erkennen und dann Mittel zu ergreifen, sie im eigenen Sinne zu beeinflussen (was der zweite Ratschlag des Artikels ist). Ich frage mich bei solchen Tipps immer, wie tragfähig sie wirklich sind. Sicherlich kann ich auf einen Menschen so lange einreden, bis er vorübergehend vergisst, dass er eigentlich gerade an etwas, das ich möchte zweifelt. Doch wie belastbar wäre ein Ja, das ich auf diesem Wege erringe? Gefühle sind eben gerade keine Verhandlungssache. Sie können sich verändern, wenn man miteinander in einen wirklichen Dialog geht. Wenn man bereit ist zuzuhören und der eigenen Position zuwiderlaufende Perspektiven zunächst einmal gelten zu lassen. Und wenn man es vielleicht sogar schafft, sich innerlich auf die Gefühle des anderen einzulassen. Es geht nicht darum, die eigenen Ziele aus dem Blick zu verlieren. Doch erst wenn man sie an dem spiegelt, was real ist, können sie wirklich zielführend werden.
Gefühle in Verhandlungen richtig steuern, HBM 9.2.16

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Wo bleiben die Visionen? 
Mittwoch, 17. Februar 2016 - sonstiges
In der taz geht der Politikwissenschaftler Peter Grottian der Frage nach, warum zivilgesellschaftliche Bewegungen und hier insbesondere Attac in den letzten Jahren stark an Energie und Wirkungskraft verloren zu haben scheinen. Grottian erinnert an Höhepunkte der Attac-Geschichte wie die Proteste in Heiligendamm und bemängelt, dass die Politikverdrossenheit innerhalb der Bevölkerung Organisationen wie Attac keinen Zulauf mehr zu bescheren scheint. Mir ist beim Lesen des Artikels eines bewusst geworden: Viele dieser Bewegungen sind vor allem groß geworden, indem sie GEGEN etwas gekämpft haben - eine typische alt-linke Haltung. Über Jahrzehnte war Protest eine wesentliche Ausdrucksform derer, die sich Veränderungen wünschen. Doch wie steht es um das energetische Potential des Protests? Nun, Protest ist immer dann erfolgreich, wenn er etwas verhindern kann. Doch ist damit, dass etwas nicht geschieht, automatisch auch etwas Besseres gewonnen? Ich habe da meine Zweifel. Beispiel TTIP: Selbst wenn all die Organisationen, die das Abkommen kritisieren, sich mit ihren Forderungen durchsetzen würden - hätten wir dann schon eine wirklich bessere Wirtschaft und Lebenswelt? Ich glaube, der Niedergang, den Grottian bemerkt, betrifft nur einen bestimmten Teil der zivilgesellschaftlichen Sphäre, den des Protests. Denn auf der anderen Seite scheinen sich, zumindest in meiner Wahrnehmung, die Aktivistengruppen, die konkrete Projekte in Angriff nehmen, die sich für die schöpferische Verwirklichung von etwas, das einen realen Unterschied macht und Lebenszusammenhänge spürbar verbessert, stetig zu vermehren. Sie ignorieren bisweilen den politischen Diskurs und machen einfach ihr eigenes Ding. Sie verharren nicht mehr in Gegnerschaft, sondern gestalten das, was sie gerade gestalten können. Vielleicht ist der Protest ein Auslaufmodell.
Erstarrte Bewegung, taz 9.2.16

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Aufmerksamkeit kann Manipulation durchbrechen 
Dienstag, 16. Februar 2016 - Arbeit
Die FAZ hat kürzlich einen Beitrag der Frage gewidmet, wie man sich im Arbeitsleben vor Manipulation durch Vorgesetzte und Kollegen schützen kann. Im Artikel werden verschiedene Szenarien dargestellt, die Menschen ihren Gesprächspartnern im Dialog ihre eigenen Vorstellungen geradezu aufzwingen, ohne dass diese es wirklich bemerken. Oft setzen beispielsweise zu Beginn eines Gesprächs gesetzte Annahmen Voraussetzungen, die dann einen unhinterfragten Rahmen für den gesamten Verlauf der Unterhaltung bilden - weil das Gegenüber sich auf sie bezieht, anstatt eine eigene Perspektive zu entwickeln. Oder Wünsche und Anforderungen werden als Selbstverständlichkeiten formuliert, was es dem Gegenüber erschwert, sich davon abzugrenzen - einfach weil der subjektive Eindruck entsteht, dem Gewohnten dann nicht zu entsprechen. "Generell schützt man sich gegen Manipulation, indem man sie kennt und wiedererkennt", sagt der Coach Thomas Wilhelm. Das bedeutet in meiner Wahrnehmung allerdings weniger, nach den von Beratern gerne analysierten Mustern zu suchen und diese dann einfach auszuhebeln. Wichtiger erscheint mir eine grundsätzliche Aufmerksamkeit im Hinblick darauf, wie Gespräche sich entwickeln. Innere Klarheit über eigene Haltungen und Ziele wie auch ein aufmerksames Wahrnehmen von Gesprächspartnern erleichtern es, wirklich das mitzubekommen, was gerade geschieht - und Abweichungen vom Wünschenswerten zu erkennen. Sicher gibt es Menschen, die andere ganz bewusst manipulieren. Doch häufig geschieht das, was wir später als Manipulation wahrnehmen, gar nicht in diesem Sinne willentlich. Wenn ein Chef, der unter Druck steht, in Gesprächen Überstunden als Selbstverständlichkeit preist, mag es vielleicht auch hilfreich sein, einen Schritt hinter das vermeintliche Thema zurückzutreten. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass eine harmlose Frage - "Ist das wirklich so?" - Gespräche einen unerwarteten Verlauf nehmen lässt. Allerdings nur, wenn ich auch in einer wirklich fragenden Haltung bin und nicht damit versuche, mein Gegenüber dorthin zu bringen, wo ich es haben will (eine schlichte Konter-Manipulation). Denn diese innere Offenheit, man könnte auch sagen Weite, ist es letztlich, die begrenztes Denken ins Leere laufen lässt.
Auf Umwegen zum Ziel, FAZ 8.2.16

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