Generation Y nur ein Hype? 
Mittwoch, 9. März 2016 - Arbeit
Im Interview mit Zeit online spricht der Soziologe Marcel Schütz darüber, dass die seit Jahren ausufernden Diskussionen über die Generation Y und ihre beruflichen Präferenzen eher einem selbstkreierten Hype hinterher laufe als sich auf Tatsachen zu beziehen. Nicht nur die demografischen Kriterien, die zur Beschreibung dieser Gruppe junger Arbeitnehmer verwendet würden, seien schwammig - auch die Definition derer Präferenzen. "Der Begriff Generation Y tauchte 1993 zum ersten Mal in der Marketingzeitschrift Advertising Age auf. Und weil das Y als "why" ausgesprochen wird, hat es den gewünschten Effekt: Es ist cool, weil englisch, und zeugt gleichzeitig von einer ausgeprägt kritischen Einstellung der Generation Y. Diese Generation fremdelt mit der Karriere und hat der Wirtschaft gegenüber Vorbehalte – so zumindest der Mythos. Die Realität sieht ganz anders aus", so Schütz. So gebe es in der jüngeren Generation nach wie vor viele Menschen, die eine konventionelle Karriere machen wollen. Und die so genannten Sinnsucher seien wohl eher ein Randphänomen: "Alternative Typen gab es schon immer und überall. Das ist aber erst einmal die Ausnahme und nicht die Regel." Diese Einschätzung erklärt zumindest, warum in den Studien der letzten Jahren zu den Präferenzen junger Arbeitnehmer immer wieder die unterschiedlichstens Ergebnisse auf den Tisch kommen.
"Die Generation Y ist ein Mythos", Zeit online 29.2.16

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Frauen öfter überqualifiziert als Männer 
Dienstag, 8. März 2016 - Studien
Eine Auswertung des Statistischen Bundesamtes anhand der Mikrozensus-Daten zeigt, dass jede siebte Frau sich für ihren Job überqualifiziert fühlt. Von den Männern sehen nur zehn Prozent diese Diskrepanz zwischen ihrer Qualifikation und den Anforderungen ihrer Arbeitsstelle. Insgesamt 86 Prozent der Arbeitnehmer finden, dass die Aufgaben ihrer Stelle genau zu ihren Fähigkeiten passen. Zwei Prozent allerdings denken, dass ihre Qualifikation zu niedrig ist.
Jede siebte Frau fühlt sich im Job unterfordert, Welt 1.3.16

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Erfolg erzeugt Erfolg 
Montag, 7. März 2016 - Arbeit
Wie gelingt eine erfolgreiche Berufskarriere? Glaubt man dem Berner Psychologie-Professor Andreas Hirschi, ist es eine Mischung aus klarer Zielorientierung, Offenheit für Chancen und Selbstkenntnis, die zum passenden Job führt. In einer Zeit, in der Geld für viele nicht mehr alles ist, weil sie vor allem nach einer Arbeit mit Sinn streben, helfe es diesen Zielgruppen, sich klar zu machen, dass auch ein solcher Berufsweg eine "Karriere" ist - nur mit anderer Definition als bei jenen, denen es vordergründig allein ums Geld geht. Hirschi weiß: "Wem es gelingt, diese Vorstellungen zu verwirklichen, ist nachhaltiger zufrieden
als jemand mit klassischen Karrierezielen wie einem hohen Gehalt." Wer hingegen nach vielen Berufsjahren auf einmal merkt, dass er unzufrieden mit der eigenen Arbeit ist, sollte vielleicht einmal grundsätzlich über seine Ziele nachdenken: " Für mich ist auffällig, dass diejenigen, die nach zehn oder zwanzig Berufsjahren mit ihrer Situation hadern, irgendwann aufgehört haben, sich um ihre Ziele zu kümmern. Sie haben die Dinge einfach laufen lassen und sind so nach und nach in eine Unzufriedenheit hineingerutscht. Oder aber sie hatten sich nie wirklich überlegt, was sie eigentlich im Beruf und im Privatleben erreichen wollen." Nur wer weiß, was er wirklich will, hat auch die Chance, es zu verwirklichen.
"Der Zufall spielt immer mit", Zeit online 26.2.16

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Deutsche finden Obergrenze für Gehälter gut 
Freitag, 4. März 2016 - Studien
2013 stimmten die Schweizer darüber ab, ob die Gehälter für Manager auf das Zwölffache der Angestellten-Saläre beschränkt werden sollen. Der Vorstoß wurde seinerzeit von zwei Dritteln der Wähler abgelehnt. Doch die Idee findet auch in Deutschland immer mehr Anhänger. In einer Repräsentativbefragung der Zeit wünschten sich 44 Prozent der Befragten eine Obergrenze für Einkommen, wobei die Zustimmung in Ostdeutschland mit 58 Prozent deutlich höher liegt als in Westdeutschland mit 41 Prozent. Nur etwa ein Viertel der Befragten hierzulande lehnt die Idee ab, 29 Prozent sind unentschieden.
Deutsche fordern Obergrenze für Spitzengehälter, Zeit online 24.2.16

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Unsicherheit will ausgehalten werden 
Donnerstag, 3. März 2016
"Studieren geht über funktionieren", sagt Bernd Beuscher, Professor für Praktische Theologie an der Evangelischen Fachhochschule in Bochum. In einem Beitrag in der FAZ kritisiert, dass heutige Studenten im Lernprozess immer mehr nach Sicherheiten suchen, während studieren eigentlich eher das Loslassen bisheriger Gewissheiten voraussetze: "Das Leben und seine Wissenschaften konfrontieren aber immer wieder mit Neuem, Ungewohntem, Ungemütlichem, Unübersichtlichem, Komplexem, Fremdem. Das löst Angst, Ohnmachtsgefühle und Enttäuschungen aus. Neugier und Abenteuerlust werden im Freizeitpark konsumiert. ... Es geht meines Erachtens an der Hochschule darum, richtig in Schwierigkeiten hineinzukommen anstatt ideologisch zu simplifizieren, bildungsbürgerlich abzuhaken und Patentrezepte zu erhaschen. Ein guter Professor verweigert sich Erklärungsschnelldiensten und Pädagotchi-Reflexen. Er kaut nicht vor und jubelt nicht unter, sondern ist eine (dosierte) Zumutung." Auch plädiert Beuscher dafür, wieder mehr Mut zum wirklichen Denken zu entwickeln: "An der Hochschule ist mit Nachdenken wirklich noch Mut zu denken gemeint und nicht das abgekartete Spiel, den Gedanken der Dozenten und Dozentinnen nachzukommen, indem man argumentativ dahin geht, wo diese meinen, dass die Studierenden abgeholt werden müssten. Ich verstehe Hochschulen als Arenen für den Kampf um Erkenntnis im Blick auf Fragen, die das Leben stellt."
Studienanfänger - leseschwach und verantwortungsscheu, FAZ 24.2.16

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"Selbstbewusste innere Freiheit" 
Mittwoch, 2. März 2016 - Management
Das Technologie-Magazin t3n beleuchtet in einem Interview mit dem Zen-Lehrer Paul Kohtes die Frage, wie Achtsamkeit in der überkomplexen Arbeitswelt zu neuen Perspektiven führen kann. Kohtes, der gerade mit der Meditations-App 7Mind ein neues Tool entwickelt hat, dass den Einstieg in eine Achtsamkeitspraxis erleichtern soll, hebt dabei vor allem ab auf die befreiende Wirkung, die ein Durchschauen der allgegegenwärtigen vermeintlichen Zwänge haben kann: "Uns kommt die Flexibilität abhanden zwischen dem Sein im Jetzt und dem Versunkensein. Wir sind dann gefangen in dem, was gerade passiert, aber nicht mehr in der Lage, ins Jetzt zurückzukommen. Und: Ganz ohne Bewertungen kommen wir im Leben ja nicht aus. Wenn ich es aber als Bewertungssystem durchschaue, hat das eine ganz andere Qualität als wenn ich in diesem System gefangen bin. Und darum geht es bei dieser Nummer: die Wahlmöglichkeiten wieder zu entwickeln oder neu zu entdecken." Der gegenwärtige Achtsamkeitstrend hat längst auch Kritiker auf den Plan gerufen, und das nicht grundlos. Immer mehr Unternehmen nehmen Meditation in ihr Weiterbildungsrepertoire auf und manche befürchten, dass hier eine neue Spirale der Selbstoptimierung in Gang gesetzt wird: Wer nicht meditiert, kann dann eben nur noch schwer mithalten ... Paul Kohtes sieht das eher gelassen: "Das kann man so sehen und das will ich auch gar nicht abstreiten. Aber auch da: so what? Wir nutzen das Auto, um schneller von A nach B zu kommen und deshalb ist das Auto schlecht? Das ist doch unlogisch! Es gibt andere Gründe, warum das Auto schlecht ist. Auch Meditation kann ich so verstehen, aber was soll das? Wenn ich einmal die Erfahrung gemacht habe, was da passiert, ist es doch meine Entscheidung, wie ich damit umgehe. Und wenn ich merke, dass ich auf dem falschen Weg bin, kann ich das mit Abstand sehen und dann bemerke ich meine Selbstoptimierung. Und selbst die ist ja nicht unbedingt schlecht, das machen wir Menschen seit es uns gibt." Wer die "selbstbewusste innere Freiheit" im Meditieren kultiviert, hat immer eine Wahl ...
Die Ratlosigkeit der Manager, t3n 24.2.16

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Mit Innehalten Vorurteile überwinden 
Dienstag, 1. März 2016 - Wissenschaft
Eine Studie der Universität Bern zu Zeitabläufen im Gehirn bei sozialen Entscheidungsprozessen bringt interessante Ergebnisse zutage. Die Forscher ließen Probanden Parteien und Fußballclubs, die sie mögen und nicht mögen, jeweils mit positiven Zuschreibungen belegen. Dabei zeigten die EEG-Messungen, dass die Prozesse im Gehirn in den Fällen, in denen eine eher ungeliebte Gruppe positiv bewertet werden sollte, mehr Zeit in Anspruch nahmen. Vielleicht könnte man sagen, das eigene Vorurteil außer Acht zu lassen, braucht im Gehirn einfach etwas mehr Rechenleistung. Spannend daran finde ich die möglichen sozialen Implikationen. Was wäre, wenn wir im Alltag öfter solche Phasen des "Resets" bewusst einbauen? Wenn wir nicht impulsiv unser gewöhnliches Verhaltensrepertoire abspulen, sondern bewusst ganz offen werden, neugierig, unvoreingenommen?
Vorurteile wegmogeln kostet Zeit, mehr nicht, spektrum.de 23.2.16

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Empathie - lebendiger Organismus zwischen Selbst und anderen 
Montag, 29. Februar 2016 - Wissenschaft
Empathie, die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, ist nicht allein eine Eigenschaft des Selbst, sie spiegelt immer auch unser Verhältnis zu äußeren Gegebenheiten wider. Ihre Ursprünge reichen zurück bis zu den Frühmenschen, die, um gemeinsam erfolgreich jagen zu können, eine subtile Form geteilter Intentionalität entwickeln. In modernen Gesellschaften entwickelt sich das empathische Selbst in komplexen emotionalen Situationen. Kinder, deren emotionaler Zustand von Eltern angemessen aufgenommen wird, lernen auf diese Weise, auch in verbundener Bezogenheit mit anderen zu agieren. Wissenschaftliche Studien zeigen immer wieder, dass starke äußere Reize oder gesellschaftlich geprägte Perspektiven diesen inneren Kompass stark beeinflussen können. Eine Studie der Princeton University etwa dokumentiert, dass unter Stress der Selbstbezog stärker werden kann, während die Bereitschaft, die Bedürfnisse anderer in Erwägung zu ziehen, abnimmt. Zwei Testgruppen von Studenten wurden zu einem Auftrag geschickt. In der Gruppe, die dabei keine zeitlichen Vorgaben hatte, boten beinahe zwei Drittel auf ihrem Weg einem verletzten Mann am Straßenrand ihre Hilfe an. In der zweiten Gruppe, die unter Zeitdruck gesetzt worden war, waren es indes nur vier Prozent. Auch die Vielfalt emotionaler Reize, denen Menschen in der digitalen Welt ausgesetzt sind, können unseren Empathie-Kompass herausfordern. "Wir erhalten ein solches Überangebot an Situationen, Gefühlen und Selbstdarstellungen anderer, dass wir gar nicht an allem teilnehmen können", sagt etwa die Entwicklungspsychologin Doris Bischof-Köhler. Eine Überforderung, die auch zur Abstumpfung führen könne. Und dennoch scheinen die Entwicklungen in der Welt uns geradezu aufzufordern, den Radius unserer Empathie immer weiter werden zu lassen. Was man dabei auch im Blick behalten sollte: Das empathische Selbst wäre in einer empathischeren Welt ja nicht nur ein "Gebendes" - es würde gleichermaßen von der Empathie anderer getragen.
Ich weiß, wie du dich fühlst, Zeit online 15.2.16

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