Grundeinkommen: Das Schlimmste verhindern 
Montag, 24. Juli 2017 - Bewusstsein, Arbeit
In wirtschaftlichen und politischen Diskussionen klingt immer wieder an, welche drastischen Veränderungen der Arbeitswelt uns durch die Digitalisierung bevorstehen. Wir ahnen, dass sich hier etwas zusammenbraut, dessen Ausmaße wir uns nicht wirklich vorstellen können. Und wir gehen in Deckung. "Wir haben kein utopisches Potenzial mehr. Wir glauben nicht, dass wir die Gesellschaft von uns aus nennenswert verändern können. Wir haben einen Angststillstand", so der Philosoph Richard David Precht in einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger. Für ihn liegt eine Möglichkeit, das Schlimmste in diesem bahnbrechenden Wandlungsprozess zu verhindern, darin, durch die Einführung eines Grundeinkommens eine neue Fluidität zwischen Erwerbstätigkeit und anderen Lebensformen zu ermöglichen. "Es gibt einen enormen Produktivitätsfortschritt durch die Digitalisierung, und viele Nebenkosten fallen weg. Die spannende Frage ist, wie speisen wir das so in den Kreislauf ein, dass alle Menschen vernünftig leben können. Das ist eine Verteilungsfrage. Wir brauchen eine Gesellschaft, in der das Wechselverhältnis, mal berufstätig zu sein und mal nicht, gesellschaftlich völlig akzeptiert ist und für jeden, der gerade nicht arbeitet, auch die Chance besteht, wieder reinkommen zu können und nicht generell abgehängt zu sein", so Precht.
"Ich will das Grundeinkommen, um das Schlimmste zu verhindern", KSTA 10.6.17

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Das Glück der Großzügigkeit 
Freitag, 21. Juli 2017 - Psychologie, Studien
Geben ist seliger denn Nehmen, das steht schon in der Bibel. Und lässt sich heute auch durch neurowissenschaftliche Befunde belegen. Eine Studie der Universität Lübeck zeigt, dass Geschenke an andere glücklicher machen, als wenn man sich selbst etwas Gutes tut. Im Vorfeld der eigentlichen Studie wurde den 50 Probanden versprochen, dass sie über vier Wochen lang jede Woche 25 Schweizer Franken bekämen. Die Hälfte der Studienteilnehmer sollte sich überlegen, wem sie damit etwas Gutes tun wolle. Die andere Hälfte sollte sich überlegen, was sie für sich mit dem Geld tun wollten. Vier Wochen später fand das eigentliche Experiment statt. Die Probanden erhielten 30 Franken und sollten sich überlegen, welchen Anteil davon sie jemand anderem zukommen lassen wollten. Dabei zeigte sich, dass die Probanden, die im ersten Teil der Studie sich auf Großzügigkeit verpflichtet hatten, bereitwilliger mehr gaben als jene, die sich zuvor mit einer Gabe für sich selbst beschäftigt hatten. Und sie fühlten sich dabei auch glücklicher. Die Bilder des Magnetresonanztomographen zeigten, dass bei den Spendablen die Gehirnareale, in denen altruistische Reaktionen ablaufen, stärker aktiviert wurden und darüber hinaus weitere Hirnregionen. "Unser Studie liefert damit verhaltenstechnische und neurologische Belege, die den Zusammenhang zwischen Großzügigkeit und Glück unterstützen", so die Folgerung der Forscher.
Großzügigkeit macht glücklich, wissenschaft.de 11.7.17

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Neue Ausgabe von evolve zum Thema "Mensch & Maschine" 
Donnerstag, 20. Juli 2017 - Bewusstsein, Medien
Digitalisierung wird im Business vor allem unter pragmatisch-funktionalistischen Gesichtspunkten diskutiert. Das große Schlagwort heißt dann "Industrie 4.0" und eine vordergründige Frage ist, wie man es schafft, dass Mitarbeiter sich möglichst reibungslos an den digitalen Wandel in Unternehmen anpassen. Mit der neuen Ausgabe von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur, die heute erscheint, gehen wir bewusst einen ganz anderen Weg. Unter dem Titel "Mensch & Maschine - Big Data und die Zukunft der Menschlichkeit" fragen wir danach, was die Digitalisierung mit unserem Bewusstsein und damit einhergehend mit unserem Menschsein macht. Sind wir vielleicht, wie manche Transhumanisten glauben, nur biologische Algorithmen? Oder liegt in unserem Dasein etwas Einzigartiges, dessen wir uns noch viel stärker bewusst werden sollten, um es nicht nur zu bewahren, sondern aus uns selbst heraus weiterzuentwickeln? So kontrovers das Thema, so unterschiedlich sind auch die Beiträge in dieser Ausgabe. In einem spannenden Dialog bringen beispielsweise Stefan Lorenz Sorgner, Deutschland wichtigster Transhumanist, und der Tiefenökologe Geseko von Lüpke, zwei auf den ersten Blick unvereinbare Perspektiven ins Gespräch. Weitere Beiträge widmen sich der Frage, wo die zentralen Unterschiede zwischen Mensch und Maschine liegen, beleuchten die politische und gesellschaftliche Dimension des technologischen Wandels und zeigen, welche Rolle die spirituelle Sphäre des Menschseins unter den Vorzeichen der Digitalisierung spielt. Ich selbst habe in meinem Artikel einmal einen Blick darauf geworfen, wie die neuen Audio-Technologien der Binauralen Beats, die vorgeben, auch Meditationsanfängern tiefe meditative Erfahrungen zu ermöglichen, sich im Einsatz bewähren und ob sie nicht womöglich auch unser Bewusstsein auf ganz eigene Weise okkupieren. Diese Ausgabe von evolve ist im besten Sinne herausfordernd, denn sie stellt Fragen, die wir nur allzu gerne vermeiden. Und sie gibt Impulse, wie wir unsere digitale Zukunft gestalten können, ohne dabei das, was uns als Menschen auszeichnet, aufs Spiel zu setzen.

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Lieber Freizeit statt mehr Geld 
Mittwoch, 19. Juli 2017 - Psychologie, Studien, Arbeit
Studien zeigen immer wieder, dass eine wachsende Zahl von Arbeitnehmern gerne mehr Freizeit hätte und dabei auch auf finanzielle Vorteile verzichten würde. Eine Umfrage der Deutschen Bahn unter den rund 128.000 in Deutschland tariflich Beschäftigen zeigt nun ein ähnliches Bild. Die Belegschaft konnte wählen, ob sie eine Gehaltserhöhung wünscht, sechs Tage mehr Urlaub pro Jahr oder eine verkürzte Wochenarbeitszeit. 56 Prozent entschieden sich für den zusätzlichen Urlaub, eine kleine Minderheit für die Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Der große Rest bevorzugte die Gehaltserhöhung - dies waren vor allem ältere Beschäftige, die zum Teil damit spekulieren, es sich so leisten zu können, früher in Rente zu gehen. Die große Resonanz auf die Option, ab 2018 weniger zu arbeiten, erklärt sich die Bahn mit den hohen Belastungen, denen die Belegschaft bereits ausgesetzt sei.
Nicht mal Geld ist den Bahnern so wichtig wie Urlaub, Welt online 11.7.17

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Offline-Rechte verbindlich regeln 
Dienstag, 18. Juli 2017 - Psychologie, Arbeit, Management
Nach Feierabend noch schnell mal ein paar berufliche E-Mails beantworten oder eine wichtige Anfrage vom Chef am Handy entgegennehmen - das gehört für eine Mehrheit der Berufstätigen längst zum Alltag. Und viele leiden darunter, weil der Job immer unberechenbarer das Privatleben okkupiert. Das gängige Arbeitsrecht bietet das wenig Schutz - zwar definiert es, dass Arbeitnehmer nach Feierabend nicht erreichbar sein müssen und regelt die ihnen gesetzlich zustehenden Ruhezeiten. Doch in der täglichen Praxis wird rund um die Uhr gemailt, telefoniert oder mit Whatsapp-Nachrichten gedrängelt, was das Zeug hält. Viele Arbeitnehmer trauen sich nicht, auf ihre Rechte zu pochen, aus Angst, dass darüber die eigene Karriere den Bach hinunter geht. Gregor Thüsing, Direktor des Instituts für Arbeitsrecht und Recht der sozialen Sicherheit an der Universität Bonn, fordert deshalb, dass Unternehmen die Frage der Erreichbarkeit mit ihren Mitarbeitern verbindlich regeln müssten. "Es geht darum, zu erarbeiten, welche geringfügigen Störungen der Freizeit wir hinnehmen wollen, was also zulässig sein kann und was eben eine Zumutung ist. Es müssen Hürden her, damit man einen Ausgleich zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberinteressen schafft", so seine Ansicht. Ihm geht es nicht darum, einfach neue Verbote zu schaffen. Wichtiger ist ihm, eine öffentliche Diskussion darüber anzustoßen, wer wann und warum nach Feierabend gestört werden sollte - und wann dies besser unterbleibt. Das nehme den Druck vom Einzelnen, der so immer wieder selbst entscheiden müsse, wie er mit der impliziten Praxis der ständigen Erreichbarkeit umgehe.
"Ein Recht auf Offline!", Zeit online 8.7.17

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Die Achtsamkeits-Hürde bei Männern 
Montag, 17. Juli 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Unzählige Studien belegen, dass Achtsamkeit das Wohlbefinden erhöht. Doch die meisten Untersuchungen werfen keinen Blick darauf, ob diese positiven Wirkungen bei verschiedenen Zielgruppen möglicherweise unterschiedlich ausfallen. Willoughby Britton von der Brown University warf nun einen genaueren Blick darauf, ob das Meditieren für Frauen und Männer vielleicht einen Unterschied macht. Die Ergebnisse ihrer Studie stimmen nachdenklich. An der Untersuchung waren 41 männliche und 36 weibliche Studierende beteiligt, die an der Universität einen 12-wöchigen Achtsamkeitskurs absolvierten. Insgesamt meditierten die Beteiligten so durchschnittlich mehr als 40 Stunden. Die Wissenschaftler maßen die Stimmung ihrer Probanden vor Beginn des Kurses und danach. Dabei zeigte sich, dass die Stimmung der Frauen sich in den drei Monaten deutlich verbessert hatte, die der Männer hingegen war etwas schlechter geworden. Erste Vermutungen der Forscher gehen davon aus, dass dieser überraschende Unterschied daran liegt, dass Frauen und Männer unterschiedlich mit Stress umgehen. Frauen neigen eher zum Grübeln, so dass das mit dem Meditieren verbundene innere Loslassen einen Wohltat sein kann. Männer hingegen seien es gewohnt, dem Stress innerlich auszuweichen und sich abzulenken. So könnte es sein, dass die Konfrontation mit ihrem Innenleben, die sich beim Meditieren einstellt, erst einmal zu einer Verschlechterung ihres Befindens führens, schlicht weil sie es nicht gewohnt sind, sich mit dieser Dimension auseinanderzusetzen. Inwiefern diese Zusammenhänge so zutreffen, müssen allerdings erst weitere Studien eruieren. Doch ist es spannend zu sehen, wie nach einer langen Phase der einhelligen Euphorie nun ein Differenzierungsprozess in der Meditationsforschung einzusetzen scheint.
Mindfulness meditation helps women but not men, first study suggests, The Telegraph 20.4.17


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Unternehmen wissen Mitarbeiter-Potentiale oft nicht zu nutzen 
Freitag, 14. Juli 2017 - Management
In einem Beitrag für das Manager Magazin erklärt Walter Sinn, Deutschlandchef der Unternehmensberatung Bain & Company, warum viele Unternehmen am Talent-Management scheitern. Obwohl in den meisten Firmen etwa 16 Prozent der Belegschaft als Top-Talente gelten können, gelingt es längst nicht allen, deren Fähigkeiten angemessen zu nutzen und dies über längere Zeiträume. "Unternehmen, die die Zeit, das Talent und die Energie ihrer Belegschaft am besten managen, sind 40 Prozent produktiver als der Rest. Dabei erzielen sie Gewinnmargen, die bis zu 50 Prozent über dem jeweiligen Branchendurchschnitt liegen", so Sinn. Er hält den Firmen vor, häufig ihre Talente zu "fressen, indem sie deren Zeit mit überflüssigen Meetings, zu vielen Mails, unproduktiven Telefonaten und bürokratischen Prozessen verschwenden. "Durch ineffizientes Arbeiten gehen rund 25 Prozent der Produktivität verloren", so seine Erkenntnis. Sein konkreter Rat an Firmen, die mehr aus ihrem Talent-Pool machen möchten: "Um ihre gesamte Energie abrufen zu können, müssen Unternehmen heute ihre wichtigsten Mitarbeiter in gewisser Weise glücklich machen. Dies gelingt über sinnstiftende Aufgaben, Freiraum, Gestaltungsmöglichkeiten und einen gemeinsamen Spirit. Ein engagierter Mitarbeiter ist im Durchschnitt 44 Prozent produktiver als ein lediglich zufriedener. Mitarbeiter, die ihre Arbeit als inspirierend empfinden, sind sogar 125 Prozent produktiver."
Drei Erfolgskriterien für glücklichere Mitarbeiter, Manager Magazin 6.7.17

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Flache Hierarchien sind gut für Innovationen 
Donnerstag, 13. Juli 2017 - Studien, Arbeit, Management
Bürokratie kann viele gute Ideen im Keim ersticken. So zeigt eine aktuelle Untersuchung der Unternehmensberatung Kienbaum zusammen mit der Jobbörse StepStone, dass der Innovationsgrad von Unternehmen größer ist, je flacher die internen Hierarchien sind. Für die Studie wurden 14.000 Fach- und Führungskräfte befragt. 61 Prozent der Firmen, die mit geringen Hierarchien organisiert sind, sind in den Augen ihrer Mitarbeiter besonders gut darin, neue Ideen zu entwickeln. Dagegen wird nur jedes dritte Unternehmen, das stark hierarchisch organisiert ist, von den Beschäftigen als innovativ angesehen. 74 Prozent der befragten Fachkräfte und 68 Prozent der Führungskräfte gaben an, in einem (zum Teil stark) hierarchisch geprägten Unternehmen zu arbeiten. 18 Prozent der Fachkräfte arbeiten in dem Gefühl, dass Verbesserungsvorschläge in der eigenen Firma nicht wirklich willkommen sind.
Je flacher die Hierarchien, desto innovativer das Unternehmen, WiWo 3.7.17

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter