Arbeit ohne Sinn wird zum Produktivitätskiller 
Freitag, 6. Oktober 2017 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Wer arbeitet, erhofft sich, mit seiner Tätigkeit einen positiven Unterschied zu machen, Spuren zu hinterlassen. Stellt sich indes hinaus, dass das eigene Bemühen umsonst ist, ist das ein Motivationskiller, und dieser Frust hat Auswirkungen auf die künftige Produktivität von Menschen. Forscher am Leibnitz Institut für Wirtschaftsforschung in Halle untersuchten die Haltungen von 140 Mitarbeitern, die in einer Forschungseinrichtung an einem Projekt gearbeitet hatten, das eingestellt worden war. Die Studienteilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt. Einer sagte man, dass ihre Aufgabe bedeutungsvoll war. Eine andere erhielt die Botschaft, dass ihr Einsatz größtenteils vergeblich gewesen sei. Der dritten Gruppe wurde vermittelt, dass ihr Engagement in einem neuen Kontext noch Wirkung entfalten würde. Alle drei Gruppen sollten schließlich Fragebögen beantworten, wobei sie für einen Teil der Fragen eine Aufwandsentschädigung erhielten, während weitere Fragen freiwillig und ohne Vergütung beantwortet werden sollten. Die Probanden der Gruppen, die mit einem Kommentar in die Studie geschickt wurden, der ihre Arbeit sinnvoll erscheinen ließ, zeigten dabei ein wesentlich höheres Engagement bei der Beantwortung der freiwilligen Fragen. "Ein Unternehmen sollte kurzfristige Verluste in Kauf nehmen und eine neue Verwendungsmöglichkeit für die bereits erledigte Arbeit suchen. Diese Verluste dürften niedriger ausfallen als die Kos­ten, die auf lange Sicht durch demotivierte Angestellte entstehen", so die Schlussfolgerung der Studie.
Bloß nicht für den Papierkorb arbeiten! faz.net 26.9.17

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Risikoscheu oder berechtigterweise skeptisch? 
Donnerstag, 5. Oktober 2017 - Bewusstsein, Studien
Manchmal wundere ich mich über die Unreflektiertheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Anlässlich der Vorstellung des Global Wealth Reports der Allianz titelte die ARD: "Was die Deutschen falsch machen". Es geht darum, dass viele Sparer in Deutschland wie in Europa insgesamt nach wie vor ihr Geld lieber bei niedrigen oder gar keinen Zinsen auf der Bank dümpeln lassen, anstatt mutig in Aktien zu investieren. Den risikoscheuen Anlegern seien dadurch "300 Milliarden Euro durch die Lappen gegangen". Die Mär, dass Geld einfach für uns arbeitet, scheint nicht auszurotten zu sein. Mich hat die jüngste Studie des Weltwirtschaftsforums (siehe Meldung von gestern) hingegen aufhorchen lassen. Zwar ist das Wirtschaftswachstum in vielen Volkswirtschaften zur Zeit auf gutem Kurs, der Bericht weist jedoch auch daraus hin, dass es um das weltweite Finanzsystem nicht allzu gut steht und in vielen Bereichen die Risiken sogar gewachsen sind. Ich würde mir von den Öffentlich-Rechtlichen hier ein bisschen mehr Weitblick und Überblick wünschen.
Was die Deutschen falsch machen. ard.de 27.9.17

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Wirtschaftlicher Erfolg fußt auch in Wohlbefinden 
Mittwoch, 4. Oktober 2017 - Bewusstsein, Studien, Arbeit
Bei der Betrachtung des wirtschaftlichen Wohlstands zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Schon längst ist das Bruttoinlandsprodukt nicht mehr die einzige Größe, an der Wissenschaftler wirtschaftliche Entwicklung messen. Eine neue Studie des Weltwirtschaftsforums legt nun nahe, dass die Förderung des Wohlbefindens der Arbeitnehmer einen bisher unterschätzten Beitrag für die Wirtschaftskraft von Ländern leistet. Die Studie spricht vom "inklusiven Wachstum", das auch Aspekte wie Arbeitnehmerrechte oder die Verteilung von Wohlstand berücksichtigt. Dabei zeigt sich, dass Volkswirtschaften, in denen eine gute Balance herrscht zwischen dem Wohlbefinden der Bürger, der Lebensqualität, der Arbeitsplatzsicherheit und der Förderung von Innovationen, wirtschaftlich sehr stark sind. Der Schwenk, stärker die weichen Faktoren einer Volkswirtschaft zu betrachten, sollte allerdings nicht davon ablenken, dass die harten Faktoren, insbesondere wenn sie rissig werden, Volkswirtschaften auch in Bedrängnis bringen. So erwähnt die Studie auch, dass der weltweite Bankensektor nach wie vor alles andere als stabil ist und in vielen Ländern das Bankensystem in den letzten Jahren sogar noch krisenanfälliger geworden ist.
In der Vermessung des Wohlstands zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab, welt.de 27.9.17

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Durchhaltevermögen inspiriert 
Montag, 2. Oktober 2017 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Wenn Menschen die Ärmel hochkrempeln und trotz Unannehmlichkeiten oder Gegenwind an einer Sache dranbleiben, kann das eine besondere Inspirationskraft freisetzen. Eine MIT-Studie mit Kindern im Alter von 13 bis 18 Monaten zeigt nun, dass diese Vorbildkraft schon bei den Kleinsten zu wirken scheint. In der Untersuchung sahen die Kinder dabei zu, wie Erwachsene eine bestimmte Aufgabe lösten. In einem Szenario bemühten sich die Erwachsenen dabei mehrfach, bis sie zum Ziel gelangten, in einem anderen gaben sie schnell auf und ließen die Aufgabe ungelöst. Anschließend sollten die Kinder selbst ein Problem lösen. Dabei zeigte sich, dass diejenigen, die zuvor das fortgesetzte Bemühen eines Erwachsenen beobachtet hatten, selbst ein wesentlich größeres Durchhaltevermögen an den Tag legten als die Kinder, die gesehen hatten, wie die Versuchspersonen aufgaben. Die Inspiration, länger am Ball zu bleiben, stellte sich vor allem dann ein, wenn die erwachsenen Versuchspersonen, während sie ihre Aufgabe lösten, mit den Kindern in Kontakt waren und mit ihnen sprachen. Inspiration scheint also einerseits von Vorbildern zu leben, aber auch von der persönlichen Beziehung zu diesen.
Kinder schauen sich Hartnäckigkeit von Erwachsenen ab, spektrum.de 21.9.17

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Flexibilität fördert Innovation 
Freitag, 29. September 2017 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Viele Unternehmen tun sich noch schwer damit, ihren MitarbeiterInnen eine freiere Gestaltung ihrer Arbeitszeiten und -abläufe zuzugestehen. Unter anderem, weil sie die damit verbundenen Umstände im Hinblick auf die Arbeitsorganisation gerne vermeiden möchten. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass diese Flexibilisierung auch Vorteile mit sich bringt, denn sie kann innovative Kräfte freisetzen. "Der Mehrwert für das Unternehmen ist, dass die Produktivität steigt, die Krankenrate sinkt und dass die Mitarbeiter ganz andere Ideen entwickeln können, als in einem starren Regelkorsett. Sie werden also innovativer", sagt Jutta Rump, Professorin für Organisationsentwicklung an der Hochschule Ludwigshafen. Es mag nicht einfach sein, Wünsche der Mitarbeiter und die Belange des Unternehmens in Passung zu bringen. Prozesse des Aushandelns und des aufeinander Eingehens gehören dazu. "Das ist ein Aushandlungsprozess, den Sie mit Ihren Mitarbeitern führen müssen. Das erfordert viel Transparenz und Kompromissbereitschaft, aber ich kenne niemanden, der in einem solchen Fall keine Lösung findet. Ich bin überzeugt, dass es in jedem Beruf Möglichkeiten gibt, den Wünschen seiner Mitarbeiter entgegenzukommen", erklärt Rump. Bei aller Mühe sollte man nicht vergessen, dass alleine solche Gespräche zu führen schon tiefere Beziehungen stiftet und gleichermaßen Verbindungen wie Verbindlichkeiten schafft. Zweifler sollten vielleicht auch darüber nachdenken, was die Folge ist, wenn sie Chancen wie diese nicht ergreifen. "Ein Unternehmer kann sich natürlich auch die Opportunitätskosten ansehen, also: Was passiert, wenn Sie Ihren Mitarbeitern keine flexiblen Modelle ermöglichen? Dann steigen Fluktuation und Krankenstand und die Produktivität sinkt", berichtet Rump aus Erfahrung.
"Sie werden fürs Ergebnis bezahlt, nicht für Anwesenheit", WiWo 20.9.17

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Grundeinkommen eröffnet Freiheitsräume 
Donnerstag, 28. September 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Die Zeit hat in einem sehr interessanten Beitrag drei Gewinner eines Jahres-Grundeinkommens in Höhe von 1.000,- Euro monatlich befragt, was dieser unerwartete Geldsegen für sie und ihre Lebensgestaltung bedeutet. Bei allen Dreien handelte es sich um Menschen in sozialen Umbruchphasen, die Dank dieses finanziellen Spielraums wesentliche Weichen in ihrem Leben wie Berufswechsel oder -einstieg neu stellen konnten. An den Geschichten fällt auf, dass es sich um Übergänge handelt, für die das Sozialsystem bisher keine niedrigschwelligen Formen der Unterstützung vorsieht. Sicher besteht die Möglichkeit, im absoluten Notfall Hartz IV zu beantragen. Doch das bringt Menschen, die schon eine konkrete Gestaltungsabsicht haben und nur für eine überschaubare Zeit etwas konkrete Hilfe benötigen, in eine Maschinerie, die ihren eigenen Gesetzen folgt. Es stimmt nachdenklich, wie schnell man, wenn man keine größeren finanziellen Reserven hat, hierzulande (und wahrscheinlich überall auf der Welt) gleich an der Kante, vor einem Abgrund steht. Denn Eigeninitiative allein hilft wenig, wenn doch so vieles ganz real am Geld hängt. In den Gesprächen mit den Gewinnern zeigt sich auch der immense soziale Druck, der dadurch entsteht - und die Erleichterung, die mit einem ganz konkreten Tatendrang verbunden ist, wenn man das eigene Schicksal in die eigenen Hände nehmen kann, ohne abhängig zu sein. Das ist wirkliches Humankapital, verglichen mit dem Beitrag vom Montag.
"Ich habe geheult vor Erleichterung", zeit.de 16.9.17

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Lebenskrisen sind großer Stressfaktor 
Mittwoch, 27. September 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit
Die Arbeitsausfälle durch psychische Erkrankungen sind in den letzten zehn Jahren um 80 Prozent gestiegen, so eine Erkenntnis des Fehlzeiten-Report 2017 der Krankenkasse AOK. Der wachsende Stress in der Arbeitswelt ist dabei nur ein Problem, denn die Repräsentativstudie zeigt auch, dass Lebenskrisen für viele Arbeitnehmer einen enormen Stressfaktor darstellen. Unter den Arbeitnehmern, die jünger als 30 Jahre sind, ist immerhin bereits ein Drittel davon betroffen, unter den 50- bis 65-Jährigen sind es sogar zwei Drittel. Für eine große Mehrheit sind dann körperliche Beschwerden oder psychische Probleme die Folge. Das hat auch für die Arbeit Folgen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen fühlt sich im Job nicht voll leistungsfähig. Nahezu jeder Zweite geht trotz seiner Beschwerden weiter zur Arbeit. Ein Drittel der Betroffenen meldet sich häufiger krank.
Arbeitsausfälle wegen psychischer Erkrankung nehmen drastisch zu, SZ 14.9.17

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Selbsterkenntnis hilft im zwischenmenschlichen Miteinander 
Dienstag, 26. September 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Wie gut wir andere Menschen verstehen, scheint auch davon abzuhängen, wie gut unser Zugang zu unserem eigenen tiefsten Inneren ist. Das legt eine deutsch-amerikanische Studie nahe. Die Wissenschaftler ließen über drei Monate ihre Studienteilnehmer im Alter von 20 bis 55 Jahren im Rahmen eines Meditationstrainings ihre eigenen kognitiven Muster mit innerem Abstand betrachten. Außerdem übten sich die Probanden darin, verschiedene in ihnen wirksame Persönlichkeitsanteile zu erkennen, darunter der "innere Manager“, "der Feuerwehrmann“, "die glückliche Prinzessin“ oder "das enthusiastische Kind“. In Partnerübungen ging schließlich eine Person in die Rolle eines dieser Persönlichkeitsanteile und erzählte ein eigenes Erlebnis, die zuhörende Person sollte erkennen, welcher Anteil hier gerade sprach. Dabei zeigte sich, dass diejenigen, die durch den Übungsprozess ihre Selbsterkenntnis am meisten gestärkt hatten, die Rolle ihres Gegenübers am sichersten erkannten. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Fähigkeit zur inneren Differenzierung ausschlaggebend dafür ist, die Komplexität anderer Menschen besser zu verstehen.
Erkenne dich selbst! Psychologie heute 14.9.17

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