Freiheiten im Job ermuntern zu Mogeleien 
Donnerstag, 12. Oktober 2017 - Bewusstsein, Studien, Arbeit
Eine Studie von Wissenschaftlern aus Amerika und Israel zeigt, dass Menschen, die bei der Arbeit viele Freiräume haben, dadurch womöglich zum Schummeln ermuntert werden. Zunächst befragten die Forscher 400 Angestellte über ihre Freiheiten im Job und darüber, ob sie bei der Angabe ihrer Arbeitszeit schummelten, wie oft sie privat telefonierten oder ähnliches. Dabei zeigte sich, dass der Grad der Neigung zum Schummeln mit den individuellen Freiheiten im Job korrelierte. In einem Überprüfungstest mit anderen Probanden wendeten die Wissenschaftler das so genannte Priming an, eine Methode, bei der die Studienteilnehmer durch die Arbeit mit Sätzen unbewusst in Richtung der von den Sätzen vermittelten Konzepte beeinflusst werden. Anschließend sollten die Probanden Aufgaben lösen und angeben, wie erfolgreich sie dabei waren. Auch hier zeigte sich: Die Probanden, die im Priming mit Kontexten von Freiheit und eigenständiger Gestaltung in Berührung kamen, neigten stärker dazu, ihre Testergebnisse besser darzustellen als sie real waren. Die Wissenschaftler kommen durch ihre Forschungsergebnisse zu dem Schluss, dass Autonomie ein zweischneidiges Schwert ist, denn das Gefühl, weniger Kontrolle unterworfen zu sein, könne betrügerisches Verhalten begünstigen.
Freiräume im Job verleiten zum Schwindeln, spektrum.de 4.10.17

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Sexismus - Machtmittel oder nur Unbewusstheit? 
Mittwoch, 11. Oktober 2017 - Bewusstsein, Arbeit
Die Ungleichheit der Geschlechter hat sich, allen Gender-Mainstreaming-Maßnahmen zum Trotz, in der Arbeitswelt fest etabliert. Studien zufolge hat bereits jede dritte Frau in Deutschland schon einmal sexuelle Diskriminierung am Arbeitsplatz erlebt. Oft sind es mal eben dahin gesagte Sprüche, die für sich genommen vielleicht nicht wirklich tragisch sind, aber in Frauen doch immer wieder das Gefühl verstärken, ausgegrenzt und nicht respektiert zu werden. "Sexistische Sätze sind mehr als dumme Sprüche. Sie vergiften das Arbeitsklima und bleiben im im Kopf hängen", warnt die Sozialpsychologin Charlotte Diehl. Sie sieht zwei unterschiedliche Dimensionen des Sexismus in der Arbeitswelt, die beide mehr Beachtung verdienen: "Sexismus entsteht oft, weil Männer Angst haben, ihre Aufstiegschancen mit Frauen teilen zu müssen. Und er ist ein Werkzeug, mit dem sie ihre Macht sichern können – weil sie ihr Gegenüber auf diese Weise einschüchtern. Es kann aber auch vorkommen, dass dem Kollegen tatsächlich nicht bewusst ist, dass sein Spruch gerade nicht in Ordnung war. Sexistische Verhaltensmuster sind oft auch unbewusst." Das Bewusstsein für Sexismus zu schärfen und bewussten Sexismus gezielt zu unterbinden, ist in den Augen der Wissenschaftlerin nicht nur aus psychologischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen von Bedeutung. Zwar lässt sich der finanzielle Schaden, der durch die Belästigung von Frauen und die psychischen Folgen, die diese Übergriffigkeit hat, nicht genau bilanzieren, doch zeigen Studien bereits, dass Opfer sexueller Belästigung häufiger ärztliche Hilfe benötigen oder beispielsweise Essstörungen entwickeln. Schätzungen gehen davon aus, dass jede einzelne sexuelle Belästigung etwa ein Jahresgehalt an Kosten nach sich zieht. Und damit sind bei weitem nicht nur körperliche Übergriffe gemeint, sondern auch der ganz alltägliche Sexismus, wie er sich beispielsweise in Meetings durch flapsige Sprüche und herabsetzende Bemerkungen zeigt, die außer Frauen kaum jemand wahrnimmt.
"Sexismus ist ein Werkzeug, mit dem Männer ihre Macht sichern", Zeit online 4.10.17

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Finnland testet Grundeinkommen im Kleinen 
Dienstag, 10. Oktober 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Der Deutschlandfunk berichtet in einem längeren Feature über erste Eindrücke zum finnischen Experiment des bedingungslosen Grundeinkommens. 2.000 bisher arbeitslose Finnen erhalten seit Anfang diesen Jahres für zwei Jahre monatlich 560 Euro zur freien Verfügung. Im Vergleich mit einer Kontrollgruppe, die die üblichen Sozialleistungen erhalten, soll eruiert werden, ob das Grundeinkommen sich eignet, bisherige Leistungen des Sozialsystems zu ersetzen und so den Sozialstaat zu vereinfachen. Die Haltung der Finnen zu dem Experiment ist recht unterschiedlich: "Manche finden, dass das Experiment falsch ist, weil es Geld ohne jede Gegenleistung gibt. Andere meinen, dass das exakt das ist, was sie brauchen, was ihnen genau die Hilfe verschafft, die nötig ist, um aus ihrer schwierigen Lage herauszukommen." Man darf gespannt sein, wie nach zwei Jahren die Bilanz aussieht. Pertti Honkanen von der Sozialversicherungsagentur ist eher skeptisch, weil der Umbau des Sozialsystems, sollte das Experiment sich als erfolgreich erweisen, vielen Politikern wohl zu aufwändig werden dürfte: "Die meisten Parteien sind nicht bereit zu so einer radikalen Entscheidung."
Finnland probiert das bedingungslose Grundeinkommen, Deutschlandfunk 4.10.17

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Schöne neue transhumanistische Welt? 
Montag, 9. Oktober 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Arbeit
Die Diskussion um Technologieentwicklung wird vielerorts vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt. Im Zentrum des Interesses stehen die Auswirkungen der Industrie 4.0 auf die Arbeitsmärkte und das Effizienzversprechen im Hinblick auf ökonomische Optimierungen. In einem Beitrag des Harvard Business Managers spricht die Wirtschaftsinformatikerin Sarah Spiekermann nun insbesondere über die menschliche Dimension des Themas, die allzu leicht übersehen wird. Spiekermann sieht in den transhumanistischen Visionen vieler Technologievordenker Gefahren im Hinblick auf unser Menschsein erwachsen. "Transhumanismus bezeichnet eine Art und Weise, über uns selbst nachzudenken. Ein Denken, das geprägt ist vom Streben, über unsere angeborene Natur hinauszuwachsen und unsere Spezies zu 'transformieren'. Auf den ersten Blick klingt das ermutigend. Positiv zu wachsen bedeutet, sich selbst zu erkennen, wie schon am Eingangstor des Orakel von Delphi stand: "Gnothi seauton". Eine Botschaft, die große Hoffnung in die Erkenntnis und die Entwicklung unserer individuellen Menschlichkeit setzt", sagt sie. Aber: "Transhumanisten haben diesen wohlwollenden Glauben und diese Geduld mit der Menschheit nicht. Für Transhumanisten sind normale Menschen nur 'Ressourcen', ein 'Präferenzbündel', 'DAUs' (Dümmster Anzunehmende User) oder sogar 'Wetware'." Spiekermann beschreibt anschaulich, wie durch den ungebremsten Technologieoptimismus des Silicon Valley das transhumane Menschenbild immer mehr in die Kultur einsickert und sich durch seine wirtschaftliche Macht zu behaupten beginnt. "Es ist diese Mischung aus Geld, Interessen und Macht, gepaart mit einer bösartigen Ideologie, die mir am meisten Sorgen bereitet", schreibt sie. Ihr Appel: "Transhumanisten gründen ihr Naturverständnis auf einer positivistischen und vereinfachenden, modellgetriebenen, konzeptionellen und analytischen Perspektive der Realität. Als Wissenschaftlerin weiß ich, dass all diesen Modellen - trotz ihrer Nützlichkeit, Eleganz und Präzision! - eine entscheidende Essenz fehlt: ein wirklich ganzheitliches und damit realistisches Verständnis unserer komplexen Wirklichkeitsphänomene. Ich habe nur eine einzige Sorge: dass die Macht der transhumanistischen Bilder vom Menschen auf dem Rücken der positivistischen Wissenschaft so stark ist, dass wir weiter Technik in die Welt setzen, die uns Menschen schwächt und die insbesondere zu einem Phänomen führt: dass viele Menschen verlernen, wie sie ihre Aufmerksamkeit bewusst kontrollieren können." Es wird Zeit, dass wir uns diesen Entwicklungen sehr bewusst stellen! Für alle, die sich tiefer für die Bewusstseinsdimension dieses Themas interessieren, dürfte die aktuelle Ausgabe des Magazins evolve zum Thema Mensch & Maschine - Big Data und die Zukunft unserer Menschlichkeit sehr interessant sein.
Vorsicht vor dem Mensch 2.0, HBM 21.9.17

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Arbeit ohne Sinn wird zum Produktivitätskiller 
Freitag, 6. Oktober 2017 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Wer arbeitet, erhofft sich, mit seiner Tätigkeit einen positiven Unterschied zu machen, Spuren zu hinterlassen. Stellt sich indes hinaus, dass das eigene Bemühen umsonst ist, ist das ein Motivationskiller, und dieser Frust hat Auswirkungen auf die künftige Produktivität von Menschen. Forscher am Leibnitz Institut für Wirtschaftsforschung in Halle untersuchten die Haltungen von 140 Mitarbeitern, die in einer Forschungseinrichtung an einem Projekt gearbeitet hatten, das eingestellt worden war. Die Studienteilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt. Einer sagte man, dass ihre Aufgabe bedeutungsvoll war. Eine andere erhielt die Botschaft, dass ihr Einsatz größtenteils vergeblich gewesen sei. Der dritten Gruppe wurde vermittelt, dass ihr Engagement in einem neuen Kontext noch Wirkung entfalten würde. Alle drei Gruppen sollten schließlich Fragebögen beantworten, wobei sie für einen Teil der Fragen eine Aufwandsentschädigung erhielten, während weitere Fragen freiwillig und ohne Vergütung beantwortet werden sollten. Die Probanden der Gruppen, die mit einem Kommentar in die Studie geschickt wurden, der ihre Arbeit sinnvoll erscheinen ließ, zeigten dabei ein wesentlich höheres Engagement bei der Beantwortung der freiwilligen Fragen. "Ein Unternehmen sollte kurzfristige Verluste in Kauf nehmen und eine neue Verwendungsmöglichkeit für die bereits erledigte Arbeit suchen. Diese Verluste dürften niedriger ausfallen als die Kos­ten, die auf lange Sicht durch demotivierte Angestellte entstehen", so die Schlussfolgerung der Studie.
Bloß nicht für den Papierkorb arbeiten! faz.net 26.9.17

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Risikoscheu oder berechtigterweise skeptisch? 
Donnerstag, 5. Oktober 2017 - Bewusstsein, Studien
Manchmal wundere ich mich über die Unreflektiertheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Anlässlich der Vorstellung des Global Wealth Reports der Allianz titelte die ARD: "Was die Deutschen falsch machen". Es geht darum, dass viele Sparer in Deutschland wie in Europa insgesamt nach wie vor ihr Geld lieber bei niedrigen oder gar keinen Zinsen auf der Bank dümpeln lassen, anstatt mutig in Aktien zu investieren. Den risikoscheuen Anlegern seien dadurch "300 Milliarden Euro durch die Lappen gegangen". Die Mär, dass Geld einfach für uns arbeitet, scheint nicht auszurotten zu sein. Mich hat die jüngste Studie des Weltwirtschaftsforums (siehe Meldung von gestern) hingegen aufhorchen lassen. Zwar ist das Wirtschaftswachstum in vielen Volkswirtschaften zur Zeit auf gutem Kurs, der Bericht weist jedoch auch daraus hin, dass es um das weltweite Finanzsystem nicht allzu gut steht und in vielen Bereichen die Risiken sogar gewachsen sind. Ich würde mir von den Öffentlich-Rechtlichen hier ein bisschen mehr Weitblick und Überblick wünschen.
Was die Deutschen falsch machen. ard.de 27.9.17

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Wirtschaftlicher Erfolg fußt auch in Wohlbefinden 
Mittwoch, 4. Oktober 2017 - Bewusstsein, Studien, Arbeit
Bei der Betrachtung des wirtschaftlichen Wohlstands zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Schon längst ist das Bruttoinlandsprodukt nicht mehr die einzige Größe, an der Wissenschaftler wirtschaftliche Entwicklung messen. Eine neue Studie des Weltwirtschaftsforums legt nun nahe, dass die Förderung des Wohlbefindens der Arbeitnehmer einen bisher unterschätzten Beitrag für die Wirtschaftskraft von Ländern leistet. Die Studie spricht vom "inklusiven Wachstum", das auch Aspekte wie Arbeitnehmerrechte oder die Verteilung von Wohlstand berücksichtigt. Dabei zeigt sich, dass Volkswirtschaften, in denen eine gute Balance herrscht zwischen dem Wohlbefinden der Bürger, der Lebensqualität, der Arbeitsplatzsicherheit und der Förderung von Innovationen, wirtschaftlich sehr stark sind. Der Schwenk, stärker die weichen Faktoren einer Volkswirtschaft zu betrachten, sollte allerdings nicht davon ablenken, dass die harten Faktoren, insbesondere wenn sie rissig werden, Volkswirtschaften auch in Bedrängnis bringen. So erwähnt die Studie auch, dass der weltweite Bankensektor nach wie vor alles andere als stabil ist und in vielen Ländern das Bankensystem in den letzten Jahren sogar noch krisenanfälliger geworden ist.
In der Vermessung des Wohlstands zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab, welt.de 27.9.17

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Durchhaltevermögen inspiriert 
Montag, 2. Oktober 2017 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Wenn Menschen die Ärmel hochkrempeln und trotz Unannehmlichkeiten oder Gegenwind an einer Sache dranbleiben, kann das eine besondere Inspirationskraft freisetzen. Eine MIT-Studie mit Kindern im Alter von 13 bis 18 Monaten zeigt nun, dass diese Vorbildkraft schon bei den Kleinsten zu wirken scheint. In der Untersuchung sahen die Kinder dabei zu, wie Erwachsene eine bestimmte Aufgabe lösten. In einem Szenario bemühten sich die Erwachsenen dabei mehrfach, bis sie zum Ziel gelangten, in einem anderen gaben sie schnell auf und ließen die Aufgabe ungelöst. Anschließend sollten die Kinder selbst ein Problem lösen. Dabei zeigte sich, dass diejenigen, die zuvor das fortgesetzte Bemühen eines Erwachsenen beobachtet hatten, selbst ein wesentlich größeres Durchhaltevermögen an den Tag legten als die Kinder, die gesehen hatten, wie die Versuchspersonen aufgaben. Die Inspiration, länger am Ball zu bleiben, stellte sich vor allem dann ein, wenn die erwachsenen Versuchspersonen, während sie ihre Aufgabe lösten, mit den Kindern in Kontakt waren und mit ihnen sprachen. Inspiration scheint also einerseits von Vorbildern zu leben, aber auch von der persönlichen Beziehung zu diesen.
Kinder schauen sich Hartnäckigkeit von Erwachsenen ab, spektrum.de 21.9.17

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