Kaum einer kocht noch sein eigenes Süppchen 
Mittwoch, 18. Oktober 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Wie sehr sich unser Lebensstil unter den Vorzeichen moderner Lebensweisen verändert, zeigt eine neue GFK-Studie zu den Kochgewohnheiten der Deutschen. Einmal am Tag eine warme Malzeit zu bereiten, das Szenario, mit dem wohl die meisten von uns noch aufgewachsen sind, wird immer mehr zum Auslaufmodell. Nicht einmal ein Viertel aller Deutschen tun dies noch. Für jeden Vierten ist die kulinarische Verpflegung bereits eine Nebensache des Lebens - sie begnügen sich entweder mit dem Aufwärmen von Fertiggerichten (16 Prozent) oder verzichten auf reguläre Malzeiten und snacken sich durch den Tag (11 Prozent). Immerhin 10 Prozent zelebrieren das Kochen in besonderem Maße, knapp 15 Prozent kochen gelegentlich und 11 Prozent am Wochenende. Man kann dies achselzuckend als Veränderung von Konsumgewohnheiten abtun. Dabei geraten aber leicht die kulturellen Folgen aus dem Blick. Lebensmittel sind schließlich in gewisser Weise die Basis unseres Hierseins. Wer sich nicht ausgewogen ernährt, hat meist in späteren Lebensjahren mit den gesundheitlichen Folgen zu kämpfen. Die wachsende Neigung, zu Convenience Food zu greifen, dürfte zu einer Entfremdung von dieser nährenden Funktion, die mit dem Kochen einhergeht, führen. Wer sich nicht oder kaum mit seiner Ernährung beschäftigt, verliert auch immer mehr den Bezug zu dem, was ihm wirklich gut tut. Die Anbieter am Markt reagieren natürlich auf die veränderte Nachfrage. Heute findet man im Supermarkt sogar schon frisches, vorgeschnittenes Gemüse (natürlich in Plastik verpackt). Doch in all den weiter verarbeiteten Lebensmitteln finde sich auch genügend Stoffe, die dem Körper (und Geist) alles andere als gut tun. Vielleicht ist kochen auch eine Art, das Leben selbst bewusst wahrzunehmen und sich mit ihm zu verbinden. Denn in der bewussten Auswahl von Essen und seiner bewussten Zubereitung geht es nicht nur um Nährstoffe - es ist eine bewusste Beziehung zum Leben selbst.
"Aufwärmer" und "Snacker" drängen in die deutschen Küchen, Die Welt 9.10.17

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Mehr schlafen bringt mehr 
Dienstag, 17. Oktober 2017 - Studien, Arbeit
In Zeiten einer "Work hard, play hard"-Kultur betrachten viele Menschen, vor allem im Business-Leben, Schlaf leicht als Zeitverschwendung. Wer weniger schläft, hat mehr Zeit zum Arbeiten, könnte man meinen. Das ist jedoch ein Trugschluss, denn permanente Übermüdung untergräbt die eigene Leistungsfähigkeit und zudem das Wohlbefinden mehr, als viele glauben. Die Wirtschaftswoche zeigt in einem umfassenden Beitrag, dass immer mehr High Performer erkennen, dass es ausreichender Schlaf ist, der ihnen Höchstleistungen ermöglicht. "Im Zeitalter der Achtsamkeit gewinnt die gesunde Nachtruhe eine neue, fast existenzielle Bedeutung. Auch weil sich die Wissenschaft längst einig ist: Wenig schlafen ist kein Grund für falschen Stolz – sondern Grund zur Sorge", heißt es in dem Artikel. Einer Forsa-Umfrage zufolge schliefen 42 Prozent der Befragten grundsätzlich schlecht. Bei 55 Prozent war der Hauptgrund dafür, dass sie zu spät ins Bett kommen und zu früh wieder aufstehen müssen. Eine Studie zu Schlafmangel in Führungskontexten zeigt, dass es unausgeschlafenen Führungskräften schwerer fällt, Konflikte im Job ruhig zu lösen. Außerdem sind die Übermüdeten weniger inspirierend für ihre Mitarbeiter, ihre Teams sind unmotivierter und die Grundstimmung in Firmen, in denen das sich Auspowern bis in die Nacht normal ist, eher feindselig. Es gibt also viele gute Gründe, das eigene Verhältnis zum Schlaf wie auch seine gesamtgesellschaftliche Bedeutung zu überdenken.
Warum Müdigkeit die Zusammenarbeit ruiniert, WiWo 9.10.17

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Soziale Intelligenz lässt sich trainieren 
Montag, 16. Oktober 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Zur Wirkung von Meditation gibt es die unterschiedlichsten Befunde. Mehr Achtsamkeit, Konzentration und Mitgefühl sind inzwischen Klassiker meditativer Wirkungen. Ein Forscherteam des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig hat nun die erste große differenzierende Studie vorgelegt, in der untersucht wurde, welche unterschiedlichen Wirkungen verschiedene Meditationsformen nach sich ziehen. Wer Achtsamkeitsmethoden übt, wird achtsamer. Wer Mitgefühlsmeditation übt, wird seine emotionalen Fähigkeiten verbessern. Und wer sich mit Methoden schult, die darin trainieren, die Perspektiven anderer Menschen einzunehmen, entwickelt seine sozialen Fähigkeiten weiter. Das belegen diese jüngsten Untersuchungen. Es wird deutlich, dass Meditation nicht gleich Meditation ist, denn in den Auswertungen der den Probanden vorgelegten Fragebögen wie auch in den Untersuchungen im Hirnscanner zeigte sich, dass die unterschiedlichen Methoden genau so spezifisch wirken. In der allgemeinen Meditationseuphorie, die sich kulturell bemerkbar macht, gibt es hingegen die Neigung, alle wissenschaftlich erwiesenen Wirkungen des Meditierens aufzuzählen und damit zu suggerieren, dass Meditation wie ein Generalschlüssel zu allumfassender Glückseligkeit wirkt. Diese neue Studie erlaubt es nun, zu differenzieren. Achtsamkeitsmeditation schult eben nicht die soziale Beziehungsfähigkeit. Und wer über Mitgefühl meditiert, wird nicht automatisch auch achtsamer. Auf ihre Weise wohltuend sind allerdings alle Meditationsformen.
Nie zu spät für soziale Kompetenz, spektrum.de 5.10.17

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Ideen für ein sozialökologisches Finanzsystem 
Freitag, 13. Oktober 2017 - Bewusstsein, Arbeit
Im Deutschlandfunk hat Dirk Helbing, Professor für Computational Social Science an der ETH Zürich, Ideen für ein Finanzsystem 4.0 vorgestellt, dass sich an sozialen und ökologischen Paradigmen ausrichtet. "Stellen Sie sich vor, wir könnten Geld erzeugen, indem wir gemeinsam die Umwelt mit unserem Smartphone vermessen und die Daten mit allen anderen teilen. Stellen Sie sich vor, Sie könnten Geld verdienen, indem Sie Umwelt und Gesellschaft etwas Gutes tun", so Helbing. In dem von ihm angedachten Finanzsystem sollten Vergütungen davon abhängen, welche Ziele eine Gemeinschaft als besonders wichtig definiert. Ist es der Klimaschutz, werde ökologisches Verhalten finanziell begünstigt. Gleiches wäre im Hinblick auf soziale Kriterien denkbar. Helbing schwebt vor, die technologischen Möglichkeiten der Zeit expliziter zu nutzen, um positive und negative Aspekte gesellschaftlicher Verhaltensweisen zu kartographieren und in Entscheidungsprozessen gezielter zu berücksichtigen. Auch die Entscheidungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger könnten auf diesem Wege gestärkt werden. "Europa könnte führend sein in der Gestaltung einer digitalen Gesellschaft, in der die Bürger befähigt, nicht entmündigt werden. Bereits heute arbeitet ein europäisches Forschungskonsortium namens Future ICT 2.0 an einer Gesellschaft, die sich mit digitalen Mitteln selber organisieren kann und durch Dezentralisierung zu mehr Effizienz, Innovation und Mitgestaltung führt. Das Finanzsystem 4.0 stellt einen wichtigen Pfeiler darin dar", so Helbing.
Die Idee der sozialen Währung, Deutschlandfunk 4.10.17

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Freiheiten im Job ermuntern zu Mogeleien 
Donnerstag, 12. Oktober 2017 - Bewusstsein, Studien, Arbeit
Eine Studie von Wissenschaftlern aus Amerika und Israel zeigt, dass Menschen, die bei der Arbeit viele Freiräume haben, dadurch womöglich zum Schummeln ermuntert werden. Zunächst befragten die Forscher 400 Angestellte über ihre Freiheiten im Job und darüber, ob sie bei der Angabe ihrer Arbeitszeit schummelten, wie oft sie privat telefonierten oder ähnliches. Dabei zeigte sich, dass der Grad der Neigung zum Schummeln mit den individuellen Freiheiten im Job korrelierte. In einem Überprüfungstest mit anderen Probanden wendeten die Wissenschaftler das so genannte Priming an, eine Methode, bei der die Studienteilnehmer durch die Arbeit mit Sätzen unbewusst in Richtung der von den Sätzen vermittelten Konzepte beeinflusst werden. Anschließend sollten die Probanden Aufgaben lösen und angeben, wie erfolgreich sie dabei waren. Auch hier zeigte sich: Die Probanden, die im Priming mit Kontexten von Freiheit und eigenständiger Gestaltung in Berührung kamen, neigten stärker dazu, ihre Testergebnisse besser darzustellen als sie real waren. Die Wissenschaftler kommen durch ihre Forschungsergebnisse zu dem Schluss, dass Autonomie ein zweischneidiges Schwert ist, denn das Gefühl, weniger Kontrolle unterworfen zu sein, könne betrügerisches Verhalten begünstigen.
Freiräume im Job verleiten zum Schwindeln, spektrum.de 4.10.17

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Sexismus - Machtmittel oder nur Unbewusstheit? 
Mittwoch, 11. Oktober 2017 - Bewusstsein, Arbeit
Die Ungleichheit der Geschlechter hat sich, allen Gender-Mainstreaming-Maßnahmen zum Trotz, in der Arbeitswelt fest etabliert. Studien zufolge hat bereits jede dritte Frau in Deutschland schon einmal sexuelle Diskriminierung am Arbeitsplatz erlebt. Oft sind es mal eben dahin gesagte Sprüche, die für sich genommen vielleicht nicht wirklich tragisch sind, aber in Frauen doch immer wieder das Gefühl verstärken, ausgegrenzt und nicht respektiert zu werden. "Sexistische Sätze sind mehr als dumme Sprüche. Sie vergiften das Arbeitsklima und bleiben im im Kopf hängen", warnt die Sozialpsychologin Charlotte Diehl. Sie sieht zwei unterschiedliche Dimensionen des Sexismus in der Arbeitswelt, die beide mehr Beachtung verdienen: "Sexismus entsteht oft, weil Männer Angst haben, ihre Aufstiegschancen mit Frauen teilen zu müssen. Und er ist ein Werkzeug, mit dem sie ihre Macht sichern können – weil sie ihr Gegenüber auf diese Weise einschüchtern. Es kann aber auch vorkommen, dass dem Kollegen tatsächlich nicht bewusst ist, dass sein Spruch gerade nicht in Ordnung war. Sexistische Verhaltensmuster sind oft auch unbewusst." Das Bewusstsein für Sexismus zu schärfen und bewussten Sexismus gezielt zu unterbinden, ist in den Augen der Wissenschaftlerin nicht nur aus psychologischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen von Bedeutung. Zwar lässt sich der finanzielle Schaden, der durch die Belästigung von Frauen und die psychischen Folgen, die diese Übergriffigkeit hat, nicht genau bilanzieren, doch zeigen Studien bereits, dass Opfer sexueller Belästigung häufiger ärztliche Hilfe benötigen oder beispielsweise Essstörungen entwickeln. Schätzungen gehen davon aus, dass jede einzelne sexuelle Belästigung etwa ein Jahresgehalt an Kosten nach sich zieht. Und damit sind bei weitem nicht nur körperliche Übergriffe gemeint, sondern auch der ganz alltägliche Sexismus, wie er sich beispielsweise in Meetings durch flapsige Sprüche und herabsetzende Bemerkungen zeigt, die außer Frauen kaum jemand wahrnimmt.
"Sexismus ist ein Werkzeug, mit dem Männer ihre Macht sichern", Zeit online 4.10.17

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Finnland testet Grundeinkommen im Kleinen 
Dienstag, 10. Oktober 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Der Deutschlandfunk berichtet in einem längeren Feature über erste Eindrücke zum finnischen Experiment des bedingungslosen Grundeinkommens. 2.000 bisher arbeitslose Finnen erhalten seit Anfang diesen Jahres für zwei Jahre monatlich 560 Euro zur freien Verfügung. Im Vergleich mit einer Kontrollgruppe, die die üblichen Sozialleistungen erhalten, soll eruiert werden, ob das Grundeinkommen sich eignet, bisherige Leistungen des Sozialsystems zu ersetzen und so den Sozialstaat zu vereinfachen. Die Haltung der Finnen zu dem Experiment ist recht unterschiedlich: "Manche finden, dass das Experiment falsch ist, weil es Geld ohne jede Gegenleistung gibt. Andere meinen, dass das exakt das ist, was sie brauchen, was ihnen genau die Hilfe verschafft, die nötig ist, um aus ihrer schwierigen Lage herauszukommen." Man darf gespannt sein, wie nach zwei Jahren die Bilanz aussieht. Pertti Honkanen von der Sozialversicherungsagentur ist eher skeptisch, weil der Umbau des Sozialsystems, sollte das Experiment sich als erfolgreich erweisen, vielen Politikern wohl zu aufwändig werden dürfte: "Die meisten Parteien sind nicht bereit zu so einer radikalen Entscheidung."
Finnland probiert das bedingungslose Grundeinkommen, Deutschlandfunk 4.10.17

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Schöne neue transhumanistische Welt? 
Montag, 9. Oktober 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Arbeit
Die Diskussion um Technologieentwicklung wird vielerorts vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt. Im Zentrum des Interesses stehen die Auswirkungen der Industrie 4.0 auf die Arbeitsmärkte und das Effizienzversprechen im Hinblick auf ökonomische Optimierungen. In einem Beitrag des Harvard Business Managers spricht die Wirtschaftsinformatikerin Sarah Spiekermann nun insbesondere über die menschliche Dimension des Themas, die allzu leicht übersehen wird. Spiekermann sieht in den transhumanistischen Visionen vieler Technologievordenker Gefahren im Hinblick auf unser Menschsein erwachsen. "Transhumanismus bezeichnet eine Art und Weise, über uns selbst nachzudenken. Ein Denken, das geprägt ist vom Streben, über unsere angeborene Natur hinauszuwachsen und unsere Spezies zu 'transformieren'. Auf den ersten Blick klingt das ermutigend. Positiv zu wachsen bedeutet, sich selbst zu erkennen, wie schon am Eingangstor des Orakel von Delphi stand: "Gnothi seauton". Eine Botschaft, die große Hoffnung in die Erkenntnis und die Entwicklung unserer individuellen Menschlichkeit setzt", sagt sie. Aber: "Transhumanisten haben diesen wohlwollenden Glauben und diese Geduld mit der Menschheit nicht. Für Transhumanisten sind normale Menschen nur 'Ressourcen', ein 'Präferenzbündel', 'DAUs' (Dümmster Anzunehmende User) oder sogar 'Wetware'." Spiekermann beschreibt anschaulich, wie durch den ungebremsten Technologieoptimismus des Silicon Valley das transhumane Menschenbild immer mehr in die Kultur einsickert und sich durch seine wirtschaftliche Macht zu behaupten beginnt. "Es ist diese Mischung aus Geld, Interessen und Macht, gepaart mit einer bösartigen Ideologie, die mir am meisten Sorgen bereitet", schreibt sie. Ihr Appel: "Transhumanisten gründen ihr Naturverständnis auf einer positivistischen und vereinfachenden, modellgetriebenen, konzeptionellen und analytischen Perspektive der Realität. Als Wissenschaftlerin weiß ich, dass all diesen Modellen - trotz ihrer Nützlichkeit, Eleganz und Präzision! - eine entscheidende Essenz fehlt: ein wirklich ganzheitliches und damit realistisches Verständnis unserer komplexen Wirklichkeitsphänomene. Ich habe nur eine einzige Sorge: dass die Macht der transhumanistischen Bilder vom Menschen auf dem Rücken der positivistischen Wissenschaft so stark ist, dass wir weiter Technik in die Welt setzen, die uns Menschen schwächt und die insbesondere zu einem Phänomen führt: dass viele Menschen verlernen, wie sie ihre Aufmerksamkeit bewusst kontrollieren können." Es wird Zeit, dass wir uns diesen Entwicklungen sehr bewusst stellen! Für alle, die sich tiefer für die Bewusstseinsdimension dieses Themas interessieren, dürfte die aktuelle Ausgabe des Magazins evolve zum Thema Mensch & Maschine - Big Data und die Zukunft unserer Menschlichkeit sehr interessant sein.
Vorsicht vor dem Mensch 2.0, HBM 21.9.17

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