Wohin hat uns die 1968er-Bewegung gebracht? 
Montag, 29. Januar 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Medien
Vor 50 Jahren, wenn man in Jubiläumszyklen denken mag, keimte mit der Hippie-Bewegung die Postmoderne auf. Kulturell betrachtet hat seitdem nicht weniger als eine tektonische Plattenbewegung stattgefunden. Kulturelle Vielfalt, Political Correctness und Gender Mainstreaming gehören zum offensichtlichen Erbe der Postmoderne und prägen heute wie selbstverständlich unsere Mainstream-Kultur. Doch zeigen die weltweit wachsenden Protestbewegungen mit nationalistischem Rückzugsdenken, Fremdenangst und Abstiegssorgen auch, dass der Spirit der 68er noch längst nicht nachhaltig Fuß gefasst hat in der Welt von heute. Die aktuelle Ausgabe von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur widmet sich der Frage, wohin uns postmodernes Denken gebracht hat, welche Durchbrüche mit ihm verbunden sind, aber auch, welche geistigen Engpässe mit ihm verbunden sind. Was mich bei der Recherche zu meinem eigenen Artikel über den politischen und kulturellen Einfluss der Postmoderne auf unsere gegenwärtigen Lebensverhältnisse überrascht und auch ein wenig betroffen gemacht hat, ist, dass gerade der Aufbruch zu mehr Vielfalt im Hinblick auf Lebensstile und kulturelle Konventionen durch die Hintertür auch den Weg geebnet hat für den heute immer mehr ausufernden Neoliberalismus der Leistungsgesellschaft. Weitere Beiträge der Ausgabe "Die Postmoderne und darüber hinaus - 1968 bis 2018": Der integrale Philosoph Ken Wilber sieht die Widerstände gegen die Postmoderne ebenfalls als einen Weckruf an die progressiven Kräfte in aller Welt, in ihrer Entwicklung einen Schritt weiterzugehen. Denn seiner Ansicht nach müssen wir Wege finden, die Pluralität der Postmoderne in eine umfassendere Integration zu führen. Bei dieser Integration wird auf psychologischer Ebene ein neuer Umgang mit unserer Innenwelt und unseren Gefühlen nötig sein, erklärt der Gestalttherapeut und Soziologe Hans-Peter Dreitzel, der die Hippie-Bewegung in Kalifornien und die Studentenbewegung in Berlin hautnah miterlebt hat. Er spricht von einer reflexiven Sinnlichkeit, die unsere Empfindungsfähigkeit mit einer wachen Bewusstheit verbindet, die auch um unsere Verbundenheit mit dem Ganzen weiß. Die evolve-Redakteurin und Gender-Expertin Elizabeth Debold hat sich in ein aktuelles Minenfeld der Diskussion um postmoderne Konfliktlinien begeben und analysiert in ihrem Artikel die #meetoo-Bewegung. Diese Bewegung hat eine längst überfällige Diskussion über sexuelle Gewalt und Übergriffe gegen Frauen angestoßen, bezieht sich aber gleichzeitig immer wieder auch auf alte Feindbilder. Wie können sich in dieser erhitzten Atmosphäre neue Geschlechterbeziehungen in beiderseitigem Respekt entwickeln? Wer probelesen möchte, findet hier einen Auszug aus dem Leitartikel von Thomas Steininger.

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Besser funktionieren mit Schmerzmitteln? 
Freitag, 26. Januar 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
Vor einiger Zeit hatten wir darüber berichtet, dass sich in den Vereinigten Staaten in breiteren Teilen der Bevölkerung eine ernstzunehmende Abhängigkeit von Schmerzmitteln ausgebreitet hat. Auch in Deutschland zeichnen sich Entwicklungen ab, die bedenkenswert sind. Gerade bei den freiverkäuflichen Schmerzmitteln, denen man kaum Gefährdungspotential zutraut, gibt es gewisse Trends. So hat sich der Verkauf von frei erhältlichen Ibuprofen-Tabletten in den letzten zehn Jahren hierzulande fast verdoppelt. Seit den 2000er Jahren hat im deutschen Gesundheitswesen ein Umdenken stattgefunden. In der heutigen Zeit unter Schmerzen zu leiden, sei oft unnötig, so die Meinung nicht weniger Mediziner. Damit steigen die Verschreibungszahlen. Und es entwickelt sich eine Kultur, in der der Gebrauch von Schmerzmitteln zu etwas Alltäglichem wird. Eine Umfrage von Bayer etwa zeigt, dass es für viele Menschen bereits üblich ist, wenn es ihnen gesundheitlich schlecht geht, Schmerzmittel zu nehmen, um den Aufgaben in Beruf und Alltag gewachsen zu sein. Eine Entwicklung, die durchaus bedenklich ist, denn Mittel wie Ibuprofen können, so sie regelmäßig angewendet werden, Herzinfarkte und Schlaganfälle begünstigen und die Nieren schädigen. Laut Forschung ist der langfristige Gebrauch von Schmerzmitteln schädlicher als der von Opiaten. Mediziner raten dazu, einen Arzt aufzusuchen, wenn man an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerzmittel nutzt. Vielleicht sollte man auch einfach mehr darüber nachdenken, warum man bei Schmerzen so leicht zu den Tabletten greift. Wer regelmäßig unter Kopfschmerzen leidet, weil er überlastet ist, tut sich keinen Gefallen, wenn er einfach immer weiter macht. Und die Vorstellung, im Job stets funktionieren zu müssen, mag von Arbeitsmoral zeugen, führt aber auch dazu, dass man reale Schieflagen im eigenen Leben ignoriert anstatt grundsätzlich etwas zu verändern.
Haste mal 'ne Ibu? Zeit.de 14.1.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Zuhause in der Stille 
Donnerstag, 25. Januar 2018 - Bewusstsein, Lebensart
Für viele Menschen ist Stille ein ersehnter Gegenpol zum dauernden Beschäftigtsein im Alltag. Doch nur wenige sind wirklich konsequent und geben dieser Sehnsucht auch nach, zum Beispiel, indem sie sich für eine gewisse Zeit zum Schweigen in ein Kloster zurückziehen. Die Kirchenzeitung berichtet in einem interessanten Artikel über die Erfahrungen von Menschen, die in ihren Klosteraufenthalten nicht nur die Stille wiederfinden, sondern auch sich selbst. "Ein anderer Mensch wird man dadurch nicht. Aber man wird aufmerksamer, achtsamer für den Augenblick. Wenn ich auf meinem Bänkchen sitze, ganz nach innen gerichtet, dann habe ich schon nach ein paar Minuten den Eindruck, nach Hause gekommen zu sein. Zu Hause bin ich dann bei mir“, erzählt etwa der pensionierte Reporter Albert Herchenbach. Typische Meditationskurse verlangen Einsteigern einiges ab. In Einführungskursen werden pro Tag schon einmal neun Runden à 20 Minuten meditiert - aufrechtes Sitzen, mit freiem Rücken ohne Lehne, bewegungslos und im Schweigen. Bei Meditationswochen für Fortgeschrittene reicht das Pensum, eine Woche lang, bis zu täglich 15 Sitzrunden à 25 Minuten. Das mag, wenn man es noch nie ausprobiert hat, vielleicht verrückt klingen. Die Erfahrung zeigt jedoch: Gerade durch diese langen Phasen ohne ständige äußere Reize und Ablenkungen kann der eigene Geist wirklich zur Ruhe kommen. Und das ist ein Gefühl, das sich "lohnt". "Anfangs lässt einen der Alltag noch nicht los, aber irgendwann kommt man in einen Zustand, wo es von alleine geht. Die Gedanken sind dann weg. Du machst dir über deine Atmung keinen Kopf mehr, fühlst dich wie im Dämmerzustand, in einer Art Grauzone. Und dann kann es vielleicht geschehen, dass du einen kurzen, aber sehr intensiven Moment in der Versenkung erfährst. Viele erleben darin eine große Dankbarkeit für das Sein", erzählt Albert Herchenbach.
Hören statt reden, Kirchenzeitung, 14.1.18


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Meditationshelfer für unterwegs 
Mittwoch, 24. Januar 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Mit dem ReSource-Projekt hat die Neurowissenschaftlerin Tania Singer das bisher größte Forschungsvorhaben zur Wirkung von Achtsamkeitsverfahren mit weltlichem Hintergrund angestoßen. Im Kontext des Projekts ist nun auch eine Meditations-App entstanden, die mit einem Anfängerkurs und immer neuen Übungen Einsteigern dabei hilft, in die Welt der Achtsamkeit einzutauchen. "Der Name der App, 'Balloon', steht für ein leichtes, schwebendes Gefühl, für Wärme, für eine Herzensqualität", erklärt der Psychologe Boris Bornemann, der am ReSource-Projekt des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig beteiligt war, im Stern. Sein Anliegen: "Ich will etwas in die Welt bringen, was mir am Herzen liegt." An der Entwicklung der Kurse sind auch die Neurowissenschaftlerin Britta Hölzel beteiligit sowie die Achtsamkeitstrainerin und Unternehmensberaterin Claudia Braun. Die App ist bisher nur für Apple-Geräte verfügbar.
Digitalisierte Achtsamkeit: Entspannung per App, stern.de 14.1.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Arbeit oder Leben? 
Dienstag, 23. Januar 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit
Die Dominanz, die die Erwerbstätigkeit im Hinblick auf unsere Lebensgestaltung einnimmt, wird von Zeit zu Zeit immer wieder einmal Thema im öffentlichen Diskurs. Gerade erst haben die Gewerkschaften mit ihrer Forderung nach einer 28-Stunden-Woche (wenngleich nicht als Standard für alle Arbeitnehmer, so doch als längerfristige Option in bestimmten Lebensphasen) eine neue Diskussion eröffnet. Studien zur Akzeptanz des Grundeinkommens zeigen immer wieder, dass die meisten Menschen auch bei einer solchen finanziellen Freiheit weiterarbeiten würden. Andererseits ist auch ein Trend zum Downshifting zu beobachten - vor allem jüngere Menschen wählen öfter Teilzeit-Jobs, um all den anderen Dingen, die ihnen im Leben wichtig sind, gleichermaßen gerecht werden zu können. Unser Verhältnis zur Arbeit hat viele Facetten, manche davon durchaus zwiespältig. Das sagt auch der Experte für Arbeits-, Organisations- und Gesundheitspsychologie Tim Hagemann in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Wertschätzung und Handlungspielräume seien zentrale Aspekte, die Menschen mit ihrer Arbeit zufrieden sein lassen, erklärt er. Darüber hinaus bindet uns die Arbeitswelt in ein größeres soziales Gefüge ein. "Lebenszufriedenheit ist nicht unbedingt von der Arbeit abhängig – genau so gut können sich Menschen kulturell, wissenschaftlich oder politisch engagieren. Nur für sich alleine zu sein, ohne Aufgabe oder Sinn, das wird für die Allermeisten sehr schwierig", so Hagemann. Viele, die mit der Arbeit grundsätzlich hadern, leiden womöglich allein an dem engen Korsett, das ihnen ihr Job auferlegt. Oder sie spüren, dass das tägliche Tätigwerden gegen Geld in nur einem Kontext sie von so vielem anderen, was sie als wichtig empfinden, abhält. Letztlich steht hier weniger die Frage im Raum, ob es gut ist zu arbeiten oder nicht, sondern vielleicht eher, was das Leben als Ganzes für uns ausmacht.
Was reizt uns am Leben ohne Arbeit? WiWo 10.1.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
6. Fachtagung Achtsamkeit am Arbeitsplatz in Frankfurt 
Montag, 22. Januar 2018 - Bewusstsein, Arbeit, Success Stories, Veranstaltungen
Der Achtsamkeitstrend hat längst die Unternehmenswelt erfasst. Das stellt viele Führungskräfte vor die Frage, wie sie Ansätze, die mehr mit dem "Nichts" als mit dem "Etwas" des Business verbunden sind, in den unternehmerischen Alltag einbringen können. Das Forum Achtsamkeit, das seit vielen Jahren MBSR-Lehrer ausbildet und verschiedene Curricula für die Anwendung von Achtsamkeit in Unternehmen entwickelt hat, veranstaltet am 19. April in Frankfurt zum sechsten Mal seine Fachtagung "Achtsamkeit am Arbeitsplatz", bei der Unternehmensverantwortliche, Wissenschaftler sowie Coaches und Trainer die Möglichkeiten von Meditation und Innenschau in der Arbeitswelt näher betrachten und Beispiele erfolgreicher Anwendungen vorstellen. Dieses Mal wird Prof. Dr. Dr. Harald Walach unter dem Titel "Achtsamkeit in Unternehmen – Die Quadrierung des Kreises. Ein paar Schlaglichter aus der Forschung" Einblicke in den Forschungsstand der Wissenschaft geben. Der Berater Torsten Schrör zeigt, wie sich "Erfolgreiches Führen durch achtsame Selbstwahrnehmung und Selbstführung" bewerkstelligen lässt. Marie Koch illustriert am Beispiel der Hotelkette Upstalsboom, "Wie eine Wertekultur ein Unternehmen verändert". Und die Meditationslehrerin und Führungskraft Nicole Stern wird einen Blick auf "Die spirituelle Dimension von Achtsamkeit und Meditation im Beruf" werfen.
Fachtagung Achtsamkeit am Arbeitsplatz

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Negative Gefühle haben einen Lerneffekt 
Freitag, 19. Januar 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Wer Patzer oder Fehlschläge einfach runterspielt anstatt sich den damit verbundenen schlechten Gefühlen zu stellen, tut sich keinen Gefallen. "Sich auf die unschönen Gefühle einzulassen, die nach einer persönlichen Niederlage auftauchen, kann helfen, begangene Fauxpas nicht mehr zu wiederholen", lautet die Schlussfolgerung amerikanischer Wissenschaftler, die untersucht hatten, wie unterschiedlich Menschen mit Niederlagen umgehen und welche Konsequenzen sich daraus für sie ergeben. An der Studie waren insgesamt 600 Probanden beteiligt, die eine von den Forschern gestellte Aufgabe lösen sollten. Nach dem ersten Durchlauf, bei dem allen Probanden von den Wissenschaftlern bescheinigt worden war, das Ziel verfehlt zu haben, sollten die Studienteilnehmer ihre Gefühle dokumentieren. Danach bekamen sie eine neue Aufgabe. Es zeigte sich, dass diejenigen, die sich mit ihren Versagensgefühlen auseinandergesetzt hatten, sich bei der Aufgabe mehr Mühe gaben und mehr Zeit investierten als jene, welche den Fehlschlag in der eigenen Wahrnehmung heruntergespielt hatten. Die, die sich ihren Gefühlen gestellt hatten, waren darüber hinaus motivierter, eine bessere Leistung zu erbringen und ein nochmaliges Versagen zu verhindern. Man könnte auch sagen: Aus dem Eingeständnis von Fehlern lernt man.
Aus Fehlern wirklich lernen, Psychologie heute 5.1.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Wirtschaft als Ganzheit denken 
Donnerstag, 18. Januar 2018 - Arbeit, Management, Success Stories
Nachhaltigkeit ist in aller Munde, doch vielfach beschränken sich unternehmerische Initiativen auf ein bisschen ökologisches Aufhübschen. Die Triodos Bank stellt auf ihrem Blog einen Pionier Null-Emissionen-Wirtschaft vor, dessen Ziel es ist, ganzheitliche Wirtschaftskreisläufe zu entwerfen, in denen Rohstoffe am Ende eines Produktlebenszyklus zum Ausgangsstoff für neue Produkte werden, und selbst Produktionsabfälle und -reststoffe schon zu Beginn der Produktentwicklung als Rohstoffe für weitere Produkte gedacht werden. "Blue Economy" nennt der Wirtschaftswissenschaftler Gunter Pauli sein Konzept, an dem eine Initiative von Wissenschaftlern tatkräftig arbeitet. "Mich interessiert keine Wirtschaft, die weniger schlecht ist, in der wir ein bisschen weniger konsumieren. Wir müssen verändern, wie wir Handel treiben. Zurzeit ist alles, was gut für den Menschen und die Umwelt ist, teuer. Was für eine Wirtschaft soll das sein! Wir müssen versuchen, die Dinge nicht weniger schlecht, sondern gut zu machen", sagt Pauli. Ihm geht es um mehr als Upcycling oder Resteverwertung. Er möchte Wirtschaft insgesamt als eine Ganzheit denken, in der Hersteller und Konsumenten einen partnerschaftlichen Umgang pflegen und die Ökologie von Anfang an mitbedacht wird. Technologische Innovationen spielen dabei genauso eine Rolle wie ein Denken, dass sich der natürlichen Verbundenheiten zwischen Menschen und Natur bewusst ist.
Die erstaunlichen Lösungen des „Steve Jobs“ der Nachhaltigkeit, Triodos-Blog 9.1.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter