Auch die Schweiz ist gestresst und meditiert 
Mittwoch, 28. März 2018 - Wissenschaft, Arbeit, Management
Jeder vierte Berufstätige in der Schweiz ist bei der Arbeit häufig oder sogar immer unter Stress. Für viele Schweizer Unternehmen ein Grund, Meditation in das Arbeitsumfeld zu bringen. Beim Stromanbieter Axpo treffen sich die Mitarbeiter jede Woche für eine halbe Stunde zur gemeinsamen Achtsamkeitspraxis. Auch Firmen wie Julius Bär, Swisscom oder Helsana erproben das Meditieren im Büro. Gängige Management-Methoden versuchen, dem wachsenden Druck mit Verhaltenstipps und -änderungen zu begegnen. "Aber das hilft nicht mehr, um den Wahnsinn der heutigen Komplexität zu bewältigen. Es braucht etwas qualitativ Neues", findet Angelika von der Assen, bei der Axpo zuständig für das Leadership Development. Axpo bietet heute den Mitarbeitern, die das möchten, mehrwöchige Kurse an, in denen sie Meditationsübungen erlernen, die arbeitsplatztauglich sind. Während der Kurse üben sie täglich mindestens 15 Minuten. Und später können sie das Gelernte weiter kultivieren und beispielsweise an der wöchentlichen Meditationsrunde in der Firma teilnehmen.
Wenn Manager meditieren: Achtsamkeit erobert die Wirtschaft, SRF 18.3.18

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Globalisierung braucht einen Ausgleich 
Dienstag, 27. März 2018 - Wissenschaft, Arbeit
Die wachsende Ungleichheit wird für immer mehr Ökonomen zum Thema. In einem Interview mit der Zeit beleuchtet der Ökonom Branko Milanović das Paradox, dass der intensiver werdende Welthandel zwar einerseits in den letzten Jahren den Lebensstandard für Millionen von Menschen erheblich verbessert hat, aber andererseits auch bestimmte Bevölkerungsgruppen überproportional von dieser Entwicklung profitieren, während andere zunehmend abgehängt werden. In Ländern, die im Verdrängungswettbewerb um die billigsten Arbeitskräfte gerade erst beginnen, vom Boom zu profitieren, sei die Akzeptanz der Globalisierung entsprechend hoch. In Europa, wo sich unter anderem durch massive Arbeitsplatzverlagerungen immer mehr die Schattenseiten zeigen, sinkt sie hingegen. In Vietnam denken 91 Prozent der Bevölkerung positiv über die Globalisierung, in Frankreich hingegen nur 37 Prozent. Milanović weist darauf hin, dass die sozialen und politischen Dimensionen, die durch das wachsende globale Ungleichgewicht aufgerissen werden, stärkere Beachtung finden sollten und es weltweit neuer Mechanismen des Ausgleichs und der Solidarität bedürfe. "Da die Globalisierung alle beteiligten Länder insgesamt reicher macht, müsste man den Globalisierungsgewinnern in den jeweiligen Ländern einen Teil ihrer Profite nehmen und diese den Globalisierungsverlierern geben", schlägt er vor. Die gegenwärtige Politik geht indes derzeit in vielen Ländern einen anderen Weg.
"Es profitieren längst nicht alle von diesem Boom", Zeit online 19.3.18

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SAP bringt Meditation in die Unternehmenswelt 
Montag, 26. März 2018 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Wie sehr das Thema Achtsamkeit inzwischen im Mainstream angekommen ist, lässt sich auch daran ablesen, welche Medien darüber berichten. Nun hat sogar die Lebensmittelzeitung den Trend aufgegriffen und berichtet darüber, wie das Softwareunternehmen SAP nicht nur im eigenen Haus das Meditieren fördert, sondern auch für andere Firmen Achtsamkeitskurse anbietet. Drahtzieher hinter dem Mindfulness-Programm ist Peter Bostelmann, der vor vier Jahren damit begann, das bei Google entwickelte Programm "Search inside yourself" bei SAP bekannt zu machen. Inzwischen ist er Director für Corporate Mindfullness. Dank seiner Initiative haben bereits 6.500 SAP-Mitarbeiter Kurse durchlaufen, 5.000 weitere stehen auf der Warteliste. 21 SAPler haben sich bereits zu Mindfulness-Trainern ausbilden lassen, dieses Jahr sollen weitere 23 dazustoßen. Im letzten Jahr wurde Siemens der erste SAP-Kunde in Sachen Achtsamkeit. Und auch für weitere Firmen sollen Programme angeboten werden. "Achtsamkeit ist das neue Joggen. Die Mitarbeiter werden in ihrem Selbst gestärkt. Sie rennen hinterher nicht noch schneller im Hamsterrad, sondern sorgen dafür, dass sie mehr Zufriedenheit finden beim Arbeiten", so Bostelmann gegenüber der Lebensmittelzeitung.
"Achtsamkeit ist das neue Joggen", Lebensmittelzeitung 16.3.18

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Gebrauch von Schmerzmitteln besorgniserregend 
Freitag, 23. März 2018 - Lebensart, Wissenschaft
Vor einigen Wochen machten verstärkt Meldungen die Runde, dass in den USA der Missbrauch von Schmerzmitteln beziehungsweise das wenig umsichtige Verschreiben derselben durch Ärzte immer mehr zu einer gesellschaftlichen Bedrohung wird. Nun schlagen auch deutsche Mediziner Alarm. "Der Pro-Kopf-Verbrauch von Opioiden ist in Deutschland bereits erschreckend hoch und unterscheidet sich kaum noch von dem in den USA", zitiert die Welt Christoph Stein, Direktor der Klinik für Anaesthesiologie und operative Intensivmedizin an der Charité Berlin. Stein kritisiert, dass u.a. nach Zahn-OPS von den Ärzten zu viele Opiode verschrieben würden. Die Gefahr dabei: Patienten nehmen sie zu lange ein und könnten unbemerkt süchtig werden. Von 2000 bis 2010 haben sich die hierzulande verschriebenen Tagesdosen mehr als verdoppelt, zwischen 2006 und 2015 wurden um ein Drittel mehr Verordnungen durch Ärzte gemacht. Ein Teil des Anstiegs ist der Tatsache geschuldet, dass in der Palliativmedizin immer mehr Schmerzmittel eingesetzt werden, um Sterbenden das Lebensende erträglicher zu gestalten. Die Verantwortung liegt letztlich nicht nur bei den Ärzten. Viele Menschen mit Schmerzen wollen vor allem, dass diese schnellstmöglich aufhören. Über die Folgen von starken Schmerzmitteln machen sie sich oft nicht so viele Gedanken. Auch die Gründe für den wachsenden "Bedarf" sind bedenkenswert. In einer Kultur, in der man am besten immer reibungslos funktionieren sollte, werden Schmerzmittel zu so etwas wie logisch konsequent eingesetzten Helfern.
„In Deutschland droht eine Opioid-Epidemie wie in den USA“, welt.de 15.3.18

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Chefinnen haben vieles mit Männern gemein 
Donnerstag, 22. März 2018 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Frauen, die es im Job bis an die Spitze schaffen, haben mehr mit Männern gemein als mit ihren Geschlechtsgenossinnen, so die Erkenntnisse einer Studie aus Belgien. Dafür wurden die Persönlichkeitseigenschaften von rund 600 Führungskräften, ein Viertel davon Frauen, und von 52.000 Angestellten beiderlei Geschlechts näher betrachtet, insbesondere Merkmale wie Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit, Neurotizismus sowie Professionalität. Zwischen den angestellten Männern und Frauen zeigten sich dabei Unterschiede. Die weiblichen Angestellten waren insgesamt etwas verträglicher als die männlichen, neigten etwas mehr zu Kooperation, waren aber auch emotional instabiler und weniger extravertiert - alles Dispositionen, die schon in mehreren Studien belegt wurden. Die männlichen und weiblichen Chefs waren sich hingegen viel ähnlicher. Beide zeigten mehr Extrovertiertheit und emotionale Stabilität als die Angestellten und waren weniger hilfsbereit. Damit bestätigt die Studie, dass Führung heute immer noch eher männlich definiert ist und erfolgreiche Frauen tendenziell männliche Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften zeigen. Ob diese Eigenschaften auch per se Kennzeichen guter Führung sind, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
Weibliche Führungskräfte ticken eher wie Männer, spektrum.de 7.3.18

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Wie wir womöglich Fake-News antreiben 
Mittwoch, 21. März 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Fake-News und vor allem ihre manchmal geradezu explosionsartige Verbreitung stellen ein immer größer werdendes Problem in den sozialen Medien dar. Eine amerikanische Studie legt nun nahe, dass unsere Psyche und unser eigener Umgang mit Nachrichten einen wesentlichen Einfluss auf das Phänomen hat. Die Wissenschaftler analysierten die Entwicklung von 126.000 Geschichten, die von mehr als drei Millionen Menschen in der Zeit von 2006 bis 2017 getwittert wurden. Gerne glauben wir, dass falsche Nachrichten vor allem von besonders bekannten und gut vernetzten Menschen weit gestreut werden. Die Studie zeigt jedoch, dass sich unwahre Daten eher über weniger vernetzte Menschen verbreiten. Während wahre Meldungen oft nur 1.000 User erreichten, waren es bei den unwahren zwischen 1.000 und 100.000 Menschen, die sie lasen und weiterleiteten. Falsches verbreitete sich zudem sechs Mal schneller als Wahres. Bei der Analyse der emotionalen Dimension von Falschnachrichten - die untersuchten News wurden dabei auf entsprechende Schlüsselwörter hin betrachtet - zeigte sich: Die treibende Kraft für die stärkere und schnellere Verbreitung von Fake-News scheinen ihr Neuigkeitswert und ihr Überraschungsfaktor zu sein. Das ernüchternde Urteil der Studienautoren: „Die Neigung von Menschen, falsche Meldungen eher zu retweeten als wahre ist es demnach, was die Ausbreitung von Fake-News antreibt.“ Also, erst nachdenken, dann weiterleiten ...
Twitter: Fake-News sind erfolgreicher, wissenschaft.de 8.3.18


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Psychische Ansteckungsgefahr? 
Dienstag, 20. März 2018 - Psychologie, Wissenschaft
In Psychologie und Hirnforschung mehren sich die Indizien dafür, dass psychische Traumata nicht alleine durch eigenes Erleben hervorgerufen werden, sondern sich auch im Kontakt mit Traumatisierten "vermitteln" könnten. Verschiedene Studien, beispielsweise mit Psychologen, die Traumapatienten behandeln, Helfern von Krisenereignissen oder auch Angehörigen von Traumatisierten zeigen, dass zwischen zehn und 20 Prozent derjenigen, die in Kontakt mit Traumata anderer Menschen kommen, selbst Belastungsstörungen an den Tag zeigen. Die Wissenschaft nennt das "Sekundäre Traumatisierung". Ein Artikel auf Spektrum.de beleuchtet die Details. Mir kommt in diesem Kontext noch eine ganz andere Frage, die sich mehr auf die Verbreitung alltäglicherer psychosozialer Wahrnehmungen richtet. Ich möchte damit keinesfalls den Trauma-Kontext des angesprochenen Fachartikels banalisieren. Ich habe bisweilen den Eindruck, dass auch gefühlte Bedrohungslagen, die sich als gesellschaftliche Phänomene artikulieren und noch nicht einmal sehr breite Teile der Bevölkerung betreffen, auch in Nicht-Betroffenen gewissermaßen "einnisten". Angst vor Arbeitslosigkeit oder Armut, sozialem Abstieg oder ähnliches zum Beispiel. Betrachtet man die Statistiken, sind von solchen Lebenslagen nur überschaubare Bevölkerungsgruppen betroffen. Und doch hat man in sozialen Netzwerken und bisweilen auch den Mainstream-Medien das Gefühl, dass die gefühlte Betroffenheit, damit meine ich nicht nur die Dimension des Mitfühlens, sondern wirklich unterschwelliges, direkteres Betroffensein, deutlich größer ist. Die mediale Allgegenwärtigkeit scheint hier die Grenze zwischen uns und anderen immer durchlässiger werden zu lassen.
Können Traumata ansteckend wirken?, spektrum.de 5.3.18

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Nach der Arbeit ... wird weitergearbeitet 
Montag, 19. März 2018 - Lebensart, Studien, Arbeit
Wie sehr die Grenzen zwischen Job und Privatleben am Verschwimmen sind, zeigt eine neue Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Im Schnitt widmen sich die 1.800 Befragten nämlich fünf Stunden pro Woche außerhalb ihrer Arbeitszeit beruflichen Dingen. Knapp 63 Prozent gehen in der Freizeit regelmäßig Jobangelegenheiten nach. Knapp 22 Prozent in einem Umfang von bis zu zwei Stunden, bei knapp 30 Prozent sind es zwischen drei und zehn Stunden. Etwa 13 Prozent sind sogar mehr als zehn Stunden in der Woche nach Feierabend noch mit Beruflichem beschäftigt. Die Studie möchte mit den Ergebnissen dafür sensibilisieren, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer fließender werden - und die bisherigen Definitionen von Arbeitszeit wie auch der Arbeitnehmerschutz in den neuen Grauzonen nicht greifen.
Angestellte opfern fünf Stunden Freizeit für die Arbeit - jede Woche, Spiegel online 5.3.18

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