Sind wir auf dem Weg in eine Techno-Sklaverei? 
Dienstag, 8. Mai 2018 - Bewusstsein, Arbeit
Die Digitalisierung durchpflügt unsere Vorstellungen der Arbeitswelt und lässt keinen Stein auf dem anderen. Das schafft viele neue Chancen, aber auch Ängste. Der DGB äußerte kürzlich wieder Bedenken zur sich ausweitenden "Plattformökonomie". Laut Gewerkschaft verdienen sich schätzungsweise zwei Millionen Deutsche bereits durch von digitalen Plattformen vermittelte Jobs ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise. So entsteht ein neuer Arbeitsmarkt, der sich den Reglementierungen des Arbeitnehmerschutzes entzieht, schlicht weil für diese neuen Konstellationen keine passenden Gesetze existieren. Der DGB fordert deshalb, hier nachzuregulieren, um die Crowdworker besser zu schützen. Vielleicht ist aber auch eine wesentliche Frage, die öfter gestellt werden sollte, wie wir insgesamt faire Lebensverhältnisse möglich machen können. Das übliche Regulierungsdenken versucht oft schlicht, Strukturen aufrechtzuerhalten, die man vielleicht besser gleich mit hinterfragt. Was wäre, wenn wir kein Geld verdienen müssten, um unsere Existenz zu sichern? Das ist keine Frage, die nach einer endgültigen Antwort strebt. Sie öffnet vielmehr unser gewohntes Denken. Arbeitsverhältnisse müssten dann nicht mehr reguliert werden, weil sie mit einer menschlichen Freiheit konfrontiert wären, die dieser Art des Schutzes nicht bedarf. Vielleicht zeigt sich hier der Unterschied zwischen politischem Denken und der Fähigkeit zur Vision. Und damit auch ein Dilemma von Politik, wenn sie nur im Gegebenen denkt, nicht aber darüber hinaus.
DGB-Chef warnt vor "moderner Sklaverei", zeit.de 28.4.18

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Zu viel geteilte Freude verliert sich leicht 
Montag, 7. Mai 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
"Geteilte Freude ist doppelte Freude", weiß der Volksmund. Und sicher kennt jeder die Erfahrung, dass man in freudigen Momenten noch glücklicher ist, wenn man dabei nicht alleine ist. Eine amerikanische Studie zeigt nun, dass auch das Gegenteil der Fall sein kann. Wissenschaftler fanden in verschiedenen Settings heraus, dass Freude, beispielsweise an Musik oder einem besonderen Genuss, schneller verfliegt, wenn man sie mit vielen Menschen teilt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese inflationäre Freude einen Sättigungseffekt mit sich bringt, was auch der Tatsache geschuldet sein könnte, dass wir durch soziale Medien mit so vielen Vorlieben in Kontakt kommen, die den Zauber des Besonderen schneller verfliegen lassen, weil sie nicht mehr einzigartig sind. Es ist vielleicht nicht so, dass wir anderen die gleiche Freude, die wir selbst empfinden, nicht gönnen. Doch unbewusst ist Freude womöglich mit der Ahnung des Einzigartigen verbunden. Das, was alltäglich ist, verliert dann diesen erhebenden Effekt. Andererseits zeigen Studien zur Achtsamkeit, dass sich, wenn man den eigenen Blickwinkel verändert, auch im Alltäglichen große Freude einstellen kann - schlicht, weil wir dann nicht mehr vergleichen oder bewerten, sondern einfach ganz da sind. Eine Form der Freude, die keine Sättigungsgrenze hat, wenn man bei der Sache bleibt, denn dann ist jeder Moment neu und eine Überraschung ...
Geteilte Freude ist halbe Freude, spektrum.de 13.4.18

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Gott konkurriert mit dem Wohlfahrtsstaat 
Freitag, 4. Mai 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Schwindendes religiöses Interesse scheint insbesondere ein Phänomen in Ländern zu sein, die über leistungsstarke Wohlfahrtssysteme verfügen. Das illustriert eine Studie, für die die Daten von mehr als 455 000 Personen aus 155 Nationen ausgewertet wurden, darunter Christen, Muslime, Hindus oder Buddhisten. In Ländern, in denen die Sozialsysteme eher schwach sind, war der Glaube der Menschen stärker ausgeprägt als in solchen, die über gute soziale Absicherungen verfügen. Die Wissenschaftler deuten ihre Ergebnisse dahingehend, dass Religiosität nicht nur ein spirituelles Phänomen ist, sondern aufgrund ihrer psychologischen Entlastungsfunktion für Menschen eine Zuflucht biete vor den widrigen Umständen des Alltags. Sie stille das Bedürfnis nach Sicherheit.
Wer dem Staat vertraut, braucht keinen Gott, SZ 26.4.18

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Staus erhöhen Aggressionspotential 
Donnerstag, 3. Mai 2018 - Psychologie, Studien
Im Stau zu stehen, kann richtig nerven. Das hinterlässt nicht nur in der eigenen Befindlichkeit Spuren. Amerikanische Wissenschaftler fanden heraus, dass es nach besonders schlimmen Staus in der Verbrechensstatistik zu einer Erhöhung der gewaltsamen Vorfälle in Partnerschaften und Beziehungen um zehn Prozent kommt. Bei Eigentumsdelikten zeigte sich dieser Zusammenhang nicht. Staus wirken sich also eher auf Verbrechen aus, die mit hochkochenden Emotionen zu tun haben. Ähnliche Beobachtungen gibt es auch in Städten nach Sportereignissen, bei denen die Heimmannschaft verloren hat - bei besonders wichtigen Spielen liegt die Gewalttätigkeit dann sogar um mehr als zehn Prozent höher als an anderen Tagen. Die Wissenschaftler geben zu bedenken, dass ihre Untersuchung nur die Spitze eines Eisberges zeige, denn nicht alle Menschen, die ein Stau emotional in Rage versetzt, agieren diese Emotionen auch aus. Psychosomatisch schädlich sind sie dennoch.
Mehr Stau auf den Straßen - mehr Gewalt daheim, spektrum.de 23.4.18

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Meditieren gegen den Lärm des Stadtlebens 
Mittwoch, 2. Mai 2018 - Bewusstsein, Psychologie
Wie laut das moderne Leben ist, insbesondere in der Großstadt, nehmen wir allzu oft schon gar nicht mehr wahr. Ungesund ist es für uns dennoch. Am Tag des Lärms nutzten Mitarbeiter der Heiligenfeld-Kliniken die Gelegenheit, auf dieses Zivilisationsdilemma hinzuweisen. Sie luden mitten im Berliner Hauptbahnhof zur öffentlichen Meditation ein. "Lärm verursacht eine körperliche Anspannung, Lärm bedeutet Gefahr und es kostet den Körper große Mühe, die Geräusche zu ignorieren", so Sven Steffes-Holländer, Chefarzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Es mache einen großen Unterschied, ob man selbst Lärm verursache oder ihm unerwünschter Weise ausgesetzt werde, ohne etwas dagegen tun zu können. "Nicht selbst gewählter Lärm erzeugt Ohnmachtsgefühle und Kontrollverlust", so Steffes-Holländer. Wer dauerhaft Geräuschen in der Lautstärke vorbeifahrender Autos ausgesetzt sei, leide vermehrt unter unter Schlafstörungen, Herz-Rhythmus-Störungen und Muskelverspannungen. Auch Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen und erhöhte Aggressivität können durch zu viel Lärm hervorgerufen werden. "Das gesamte Nervensystem ist gereizt", erklärt Steffes-Holländer. Er empfiehlt, wann immer es geht, für Phasen der Ruhe im eigenen Leben zu sorgen, und seien es nur wenige Minuten zwischendurch.
Tag gegen den Lärm. Klinikärzte meditieren mit Passanten im Hauptbahnhof, Berliner Zeitung 25.4.18

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Emotionen helfen, aus Konflikten zu lernen 
Montag, 30. April 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Emotionen können allzu leicht dazu beitragen, Konflikte noch zu verschärfen. Sie können uns aber auch dabei helfen, aus misslichen Entwicklungen zu lernen, so die Erkenntnisse einer Studie aus Kanada. Die Psychologen untersuchten in zwei Online-Erhebungen mit mehr als 1.500 Probanden, wie unterschiedliche Betrachtungsweisen dabei helfen, Konflikte besser zu verstehen und mit ihnen besser umzugehen. Die Probanden sollten sich einen kürzlich erlebten zwischenmenschlichen Konflikt noch einmal vergegenwärtigen. Danach sollten sie entweder in der Ich-Form oder in der Außenperspektive der dritten Person über ihre Erfahrungen sprechen und auch erklären, welche Gefühle sie empfunden hatten. Auch fragten die Forscher nach den gedanklichen Strategien, mit denen die Versuchsteilnehmer den Konflikt eruiert hatten, anhand der Kriterien für "praktische Weisheit" (Wissen um die Beschränktheit der eigenen Perspektive und die Komplexität von sozialen Situationen, Fähigkeit, andere Sichtweisen einzunehmen, Bereitschaft zur Lösungssuche). Die Selbstbetrachtung aus der Vogelperspektive erlaubte den Probanden dabei weisere Erkenntnisse als die Ich-Perspektive. Besonders weise waren allerdings die Einsichten derer, deren Erinnerungen stark emotional gefärbt waren im Vergleich zu den emotional eher unbeteiligten Versuchspersonen. Unser Gefühlsleben scheint also eine wesentliche Rolle zu spielen beim besseren Verstehen unserer Konflikte.
Bauch vor Kopf, spektrum.de 18.4.18

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Professionals schätzen Sicherheit mehr als das große Geld 
Freitag, 27. April 2018 - Studien, Arbeit, Management
Sicherheit scheint für Fach- und Führungskräften in der letzten Zeit wichtiger geworden zu sein als ein hohe Gehalt. Das zeigt eine Umfrage des Stellenportals meinestadt.de mit mehr als 2.000 Teilnehmern. Am wichtigsten ist den Befragten mit 56,5 Prozent ein sicherer Arbeitsplatz - darunter fällt vor allem ein unbefristetes Arbeitsverhältnis und die pünktliche Gehaltszahlung. Auf Rang zwei folgt mit 49,6 Prozent ein gutes Arbeitsklima. 26,5 Prozent der Professionals ist ein Arbeitsplatz in der nähe des Wohnortes wichtig. 21,3 Prozent wünschen sich, dass ihre Arbeit sie nicht gesundheitlich beeinträchtigt. Erst auf Rang folgt schließlich das überdurchschnittliche Gehalt, das für 17,6 Prozent besonderes Gewicht hat. Gute Arbeitnehmer zu finden, könnte also wesentlich preiswerter sein, als viele Unternehmen meinen.
Ein hohes Gehalt? Den Top-Leuten ist etwas anderes wichtiger, welt.de 19.4.19

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Warum wir Leistung neu denken sollten 
Donnerstag, 26. April 2018 - Psychologie, Wissenschaft, Arbeit, Management
Der Hyperindividualisierung der modernen Kultur hat längst auch unseren Leistungsbegriff geprägt. Denken wir an Leistung, meinen wir damit meistens: Schau, das hab' ich geschafft! Aber wie realistisch ist die Annahme eigentlich, dass das, was wir als unsere Leistung wahrnehmen - und was im Business als Leistung betrachtet wird -, wirklich allein auf unser Konto geht? "Hinter dem, was als individuelle Leistung gilt, steht ein kollektiver Kraftakt. Alles, was in der Erwerbswelt produziert wird, beruht auf den Anstrengungen von ganz vielen. Ähnliches gilt sogar im Bereich der Bildung, in dem wir ebenfalls von persönlicher Leistung sprechen. Das Können von Schulkindern beruht ja nicht nur auf ihrem eigenen Fleiß und ihrer Begabung, sondern auch auf dem Unterricht der Lehrer und der Unterstützung der Eltern", sagt etwa die Historikerin Nina Verheyen. Sie deutet mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit zur geschichtlichen Entwicklung des Leistungsgedankens darauf, dass es an der Zeit sein könnte, unsere Vorstellungen von Leistung zu revidieren. "Ich plädiere dafür, Leistung als eine genuin soziale Größe zu denken, was Verschiedenes beinhaltet. Erstens arbeiten wir ständig im Team, zweitens sind wir nicht gezwungen, nur Dinge als Leistung gelten zu lassen, die sich vermeintlich quantifizieren lassen. In Theorien sozialer Gerechtigkeit geht es bei einer Leistung im Kern um etwas, das jemand hervorbringt – und das von der Gesellschaft erwünscht ist. Warum ist es nicht auch eine Leistung, ein Glas Wein miteinander zu trinken und zu quatschen? Ich glaube, es fällt uns so schwer, das zu denken, weil wir Leistung fast automatisch mit Anstrengung, Druck, Messbarkeit und auch Ökonomie verbinden – eine Verengung", so Verheyen. Es ist spannend, darüber nachzudenken, wie sich unsere Wertelandschaft verändern würde, wenn wir einerseits Leistung nicht mehr nur als unser ureigenes Ding sehen würden und andererseits nicht nur mit meist wirtschaftsnahen Bereichen überhaupt die Idee von Leistung verbinden.
Wie ungerecht ist das denn? Zeit online 18.4.18

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