Kann Achtsamkeit zur Falle werden? 
Freitag, 13. Juli 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft
Der Mindfulness-Trend führt immer mehr dazu, dass Meditation und Achtsamkeit auch als Selbstoptimierungs-Techniken angewendet werden. In einem Interview für eine Beilage von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur zum Kongress Meditation & Wissenschaft 2018 kritisiert der bekannte Fernsehmoderator Gert Scobel die vereinfachenden Betrachtungsweisen im Umgang mit Meditation. "Achtsamkeit alleine macht noch keine guten Menschen. Selbst Erwachen oder Erleuchtung – wie auch immer man es nennen will – als vertiefte Praxis der Meditation macht noch keine guten Menschen", sagt er. Ein wunder Punkt in unserer Wahrnehmung der Möglichkeiten von Meditation: "Wir erkennen die Fiktionalität unserer Erwartungen nicht." Scobel versucht dafür zu sensibilisieren, dass die Wissenschaft im Hinblick darauf, was Achtsamkeit für unser gefühltes Menschsein und unsere Handlungsmöglichkeiten bedeutet, erst ganz am Anfang stehe. "Alle wissenschaftlichen Untersuchungen kommen aus der Dritte-Person-Perspektive: jemand untersucht jemand anderen, der irgendetwas mit seinem Bewusstsein macht. Man kann analysieren, was in dieser Zeit, in der sich das Bewusstsein oder das Verhalten verändert, im Gehirn geschieht. Aber das ist etwas völlig anderes als die Erste-Person-Perspektive: wie fühlt es sich an, wenn ich diesen veränderten Bewusstseinszustand erfahre und beispielsweise dualistische Unterscheidungen fallen lasse und eine Einheit mit der Welt nicht nur denke, sondern erfahre und erlebe. Das sind zwei völlig unterschiedliche Welten", sagt er. Bei Kongress Meditation & Wissenschaft 2018, der am 30. November / 1. Dezember 2018 in Berlin stattfinden wird, hat Scobel vor, dieses Dilemma in seinem Festvortrag zum Thema "Paradoxien der Meditation - Über Weisheit und Wissenschaft, säkulare Ethik und Fiktion" näher zu beleuchten.
Drahtseilakt Selbstoptimierung, Kongress Meditation & Wissenschaft

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Wenig Entwicklungschancen bremsen Elan von Arbeitnehmern 
Donnerstag, 12. Juli 2018 - Studien, Arbeit, Management
Lust auf Leistung ist ein Thema, das Unternehmen immer wieder beschäftigt, denn wenn Mitarbeiter nur Dienst nach Vorschrift machen, lässt sich wenig bewegen. Was aber sind die Faktoren, die diesem Elan dienen? Im "Talent Monitor" des Analysehauses CEB, now Gartner zeigt sich, dass gegenwärtig nur 12,6 Prozent der der deutschen Arbeitnehmer über das erwartete Maß hinaus Einsatzbereitschaft zeigen, ein Rückgang um vier Prozentpunkte, so dass Deutschland hier engagementmäßig nun unter dem weltweiten Durchschnitt von 15,2 Prozent liegt. Die Treue gegenüber dem Arbeitgeber ist noch vergleichsweise hoch - 35,9 Prozent der Angestellten wollen bei ihrer Firma bleiben (weltweiter Durchschnitt 32,4 Prozent). Allerdings war diese Verbundenheit bei der letzten Erhebung noch bei 40,5 Prozent der Befragten gegeben. Ein Grund für das bröckelnde Engagement könnte sein, dass nur 27,4 Prozent der Beschäftigten mit ihren persönlichen Entwicklungsperspektiven am Arbeitsplatz zufrieden sind. 46,2 Prozent schätzen die Stabilität in ihren Unternehmen, doch scheint diese nicht als Motivationskraft zu wirken.
Der Elan deutscher Arbeitnehmer sinkt, Manager Magazin 3.7.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Deutschland bei Einkommensgerechtigkeit recht gut 
Mittwoch, 11. Juli 2018 - Studien, Arbeit, Management
Wie gerecht Einkommen sind, ist eine Frage, die nicht nur Mitarbeiter immer wieder beschäftigt, sondern auch zentral ist für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Eine neue deutsch-amerikanische Untersuchung hat nun anhand neuester Theorien zur Einkommensgerechtigkeit diese Frage beleuchtet. Sie brachten die Auswirkungen unterschiedlicher Startbedingungen im Berufsleben (Bildungsabschluss und Berufe der Eltern, Migration) sowie Armut zusammen und beleuchteten, inwieweit diese Faktoren in verschiedenen Ländern einer gerechten Einkommensverteilung im Wege stehen. In einigen europäischen Ländern herrscht vergleichsweise Gerechtigkeit. So sind in den Niederlanden lediglich 7 Prozent der Einkommensungleichheit auf Unfairness in diesen Bereichen zurückzuführen, in Finnland 9,3 Prozent, in Frankreich 9,7 Prozent, in Großbritannien 11,3 Prozent und in Deutschland 11,6 Prozent. In Ländern wie Griechenland, Spanien, Litauen, Rumänien und Italien sind es deutlich schlechter aus - hier ist ein Viertel bis ein Drittel der Einkommensungleichheit unfairen Rahmenbedingungen geschuldet.
Mehr Fairness für Deutschland, welt.de 3.7.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Langeweile kann eine Kulturtechnik sein 
Dienstag, 10. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
Langeweile hat meist einen schlechten Ruf. In Zeiten des permanenten Beschäftigtseins ist es uns oft unheimlich, wenn einmal nichts zu tun ist. Auch bei monotonen Tätigkeiten sucht etwas in uns gerne nach einer Ausflucht, nach etwas, das unseren Geist mehr fesselt und interessiert. Vielleicht sollten wir die Langeweile aber einfach einmal aushalten, denn, das zeigt ein Artikel in der Wirtschaftswoche, in diesem geistigen Raum des Nicht-gefordert-Seins wird eine Menge möglich. Studien etwa zeigen, dass Menschen, die zuvor eine sehr langweilige Aufgabe ausgeführt haben, anschließend wesentlich kreativer sind. "Man vergeudet Jahre, wenn man nicht in der Lage ist, Stunden zu vergeuden", soll der israelisch-amerikanische Psychologe Amos Tversky gesagt haben. Die temporäre Unterforderung des Geistes scheint ihn in Bestform zu bringen. Langeweile, dieser innere Raum frei von Ablenkungen, öffnet darüber hinaus eine Sphäre der Selbstbegegnung. "Fruchtbar wird die Langeweile, wenn ich, statt zu sagen: Etwas langweilt mich, zu der Erkenntnis vorstoße: Ich langweile mich", erklärt der Autor Norbert Bolz in seinem Buch "Lob der Langeweile". Vielleicht sollten wir uns bewusst viel öfter Zeit nehmen, um uns langweilen zu können ...
Ein Lob der Langeweile, WiWo 10.7.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Mehrarbeit summiert sich bei Chefs auf Jahre 
Montag, 9. Juli 2018 - Studien, Arbeit, Management
Vor allem in gehobenen Positionen gehören Überstunden meist dazu. Für die Chefs können die sich im Laufe eines Berufslebens ganz schön summieren. Eine Analyse von 226.452 Daten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern durch die Hamburger Vergütungsanalysten von Compensation Partner zeigt: Führungskräfte leisten im Laufe ihrer Karriere 15.430 Stunden Mehrarbeit - was in etwa zwei Jahren entspricht. Fachkräfte kommen mit 6562 Überstunden besser weg. Jeder dritte Beschäftigte arbeitet bis zu fünf Stunden in der Woche über das vertraglich geschuldete Maß hinaus. Bei 13 Prozent sind es zwischen sechs und zehn Überstunden pro Woche. Ein minimaler Teil, 0,03 Prozent der Beschäftigten, schuften sogar mehr als 30 Stunden mehr, als ihre Normalarbeitszeit es vorsieht.
Chefs häufen zwei Jahre an Überstunden an, WiWo 26.6.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Nur jeder Dritte schaltet im Urlaub völlig ab 
Freitag, 6. Juli 2018 - Studien, Arbeit, Management
Im Urlaub völlig offline gehen und für die Belange der Arbeit nicht erreichbar sein? Laut einer Umfrage des Online-Netzwerks Xing tut das nur jeder dritte Befragte. Jeder Zehnte ist im Urlaub hingegen immer erreichbar. 17 Prozent checken gelegentlich, ob für den Job was zu tun ist, 37 Prozent sind in Ausnahmefällen ansprechbar. Erreichbarkeit, das bedeutet für zwei Drittel, dass sie mindestens ein Mal am Tag ihre Mails checken, ein gutes Drittel macht das sogar mehrmals. Na dann, schöne Ferien!
Zwei von drei Mitarbeitern sind für die Firma erreichbar, Manager Magazin 18.6.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Licht und Schatten des Psychobooms 
Donnerstag, 5. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Wie sehr die Psychologisierung der letzten 50 Jahre unser Selbstverständnis heute prägt, ist wohl den wenigsten wirklich bewusst. Mal schnell zum Coach gehen, um eigene Schwächen zu analysieren und zu überwinden, oder zum Psychologen, wenn unsere Gemütsstimmung über längere Zeit düster ist, das ist für viele heute ganz alltäglich. Noch ein, zwei Generationen früher wäre das nicht denkbar gewesen. Der Psychoboom der letzten Jahrzehnte hat viel in unserem Menschsein geöffnet. "Verfahren des Psychobooms schließen in ihr Vorgehen Existenz- und Sinnfragen mit ein. Spiritualität ist in den meisten Ansätzen der humanistischen Therapien ein wichtiges Thema. Auch in der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie ist in den letzten Jahren ein 'spiritual turn' zu bemerken", heißt es in einem Dossier der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Doch diese verstärkte Zuwendung zur Tiefendimension unseres Daseins hat auch Kehrseiten: "Der Psychoboom hat durch die Ideologisierung therapeutischer Methoden zu einer teilweise übertriebenen Therapeutisierung des Alltags geführt. Störungen wie Depression, posttraumatische Belastungsstörung, Burn-out oder Narzissmus scheinen sich epidemieartig verbreitet zu haben und werden zum Teil immer noch eilfertig und undifferenziert diagnostiziert." Im Territorium zwischen oft notwendiger Heilung und Heilsversprechen wird der Boden leicht dünn. Ich finde es spannend, sich zu vergegenwärtigen, dass der Siegeszug des Psychischen uns einerseits als Menschen wachsen lässt, aber auch die Gefahr des übertriebenen Selbstbezugs in sich birgt. Und dass die Beziehung zu unserer Innenwelt uns für Größeres wie Spiritualität öffnen kann, uns aber auch anfällig dafür werden lässt, diese Dimension des Unverfügbaren mit unseren ganz persönlichen, kleinen Wünschen zu vermengen.
Dossier Psychoboom

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Die Gefahren unserer technologiegetriebenen Selbstüberschätzung 
Mittwoch, 4. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
"Wir werden zu Göttern", sagt der Historiker Yoval Harari, aber das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk spricht er über die neue Reichweite, die unser menschliches handeln durch Technologie erreicht: "Götter schaffen normalerweise das Leben, so ist es in den ersten Kapiteln der Bibel. Und das haben wir uns jetzt angeeignet. Und im 21. Jahrhundert schaffen wir plötzlich Körper, Gehirne und Seelen. Das heißt, wir stellen menschliche Wesen her, ob das nun Tiere sind, Menschen oder ganz neuartige Wesen, die es bisher auf der Welt noch gar nicht gab." Harari sieht dabei nicht nur die Gefahr, dass wir, was unsere Verantwortungsfähigkeit angeht, dieser neuen Macht vielleicht nicht gerecht werden. Er warnt auch davor, dass wir vielleicht schon kurz vor einem Umkehrpunkt stehen, an dem unsere Schöpfungen beginnen könnten, über uns zu herrschen. "Und wir sind sehr nahe dran, dass uns gewisse Algorithmen besser kennen, als wir Menschen uns selber kennen. Und dann verschiebt sich die Kontrolle des menschlichen Lebens von Menschen auf Algorithmen", sagt er. Das mag wie Science Fiction klingen, doch liegt ein wunder Punkt auch in der Tatsache, dass wir in vielen alltäglichen Lebenshandlungen schon unsere Eigenverantwortung an Technologie delegieren: "Wir Menschen haben ja schon sehr viele Dinge outgesourct sozusagen, übergeben an Algorithmen, sehr viele Fähigkeiten, die wir früher selbst ausgeübt haben. Wenn es beispielsweise darum geht, sich in einer fremden Stadt zurechtzufinden, also was die ganzen Navis angeht. Heute schauen wir auf unser Handy oder auf einen Navi, und nur noch so bewegen wir uns durch die Welt." Dort, wo wir immer weniger aus eigenen Kräften schöpfen, liegt es natürlich im Bereich des Möglichen, dass diese Kräfte irgendwann stärker sind als wir selbst. Ich finde den umgekehrten Blickwinkel spannend - zu erkennen, dass wir unsere menschliche Freiheit allein dadurch wahren können, dass wir in Freiheit handeln.
"Wir werden zu Göttern, aber zu sehr unverantwortlichen", Deutschlandfunk Kultur 27.6.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Weiter