Arbeit - zwischen Unterdrückung und Freiheit 
Montag, 25. Februar 2019 - Wissenschaft, Arbeit, Management
Arbeit ist für manche schlicht ein lästiges Übel, andere fühlen sich von ihren Arbeitsbedingungen vielleicht sogar erdrückt und von ihren Chefs unterdrückt. In einer Kultur, die (Arbeits-)Einkommen voraussetzt, um existieren zu können, spielt der Job auf jeden Fall eine immens große Rolle. Abhängigkeiten sind in solchen Systemen eine Art Naturgegebenheit". Und sie kann von jenen, die das Sagen haben, ausgenutzt werden. In den Augen der amerikanischen Sozialphilosophin Elizabeth Anderson gleichen viele Firmen Diktaturen, und das nicht nur aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen in bestimmten Betrieben, sondern weil man dem System im Ganzen kaum zu entrinnen vermag. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit betrachtet sie, wie die Idee freier Märkte, die einst auch individuelle Freiheiten mit sich brachte, sich heute in ihr Gegenteil verkehrt. "Für Adam Smith und andere Vordenker war der freie Markt ein Befreiungsprojekt, das sich gegen den Obrigkeitsstaat, Leibeigenschaft und das Monopol der Zünfte richtete. Die Menschen sollten die Möglichkeit bekommen, wirtschaftlich selbstständig zu werden. Sein eigener Boss zu sein – das war das Versprechen des freien Marktes, nicht Lohnarbeit. ... Eine Gesellschaft selbstständiger Kleinunternehmer ist das Idealbild einer Gesellschaft von Gleichen. Niemand hat einem Boss zu gehorchen. Auf dem Markt begegnen sich alle auf Augenhöhe", erklärt sie in einem Interview mit der Zeit. Diese Augenhöhe vermissen heute, nicht nur in den USA, viele. Ein ganzes System umzukrempeln, bräuchte indes immense Kraft, denn: "Die Bewegungen für mehr Gleichheiten kommen sehr oft nur in kleinen Schüben, die schnell wieder verebben. Es braucht eine Graswurzelbewegung und deren Engagement aufrechtzuerhalten, kostet enorm viel Kraft und Mühe." Manchmal ist es schon ernüchternd, die Fehler im System zwar wahrzunehmen, aber gleichermaßen das Gefühl zu haben, unter dem Strich dann doch nichts verändern zu können...
"Die moderne Firma ist eine Diktatur", Zeit.de 14.2.19

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Unbewusste Diskriminierung 
Freitag, 22. Februar 2019 - Studien, Arbeit, Management
Gleichberechtigung ist in der Arbeitswelt ein großes Thema. Sei es der Versuch, den Frauenanteil im Management oder in Aufsichtsräten zu erhöhen, sei es die gerechtere Bezahlung beider Geschlechter. Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin wirft nun eine Blick auf die unbewusste Diskriminierung bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen. Die Forscher hatten Personalern fiktive Lebensläufe von Männern und Frauen vorgelegt für Berufe, die als eher frauen- oder männertypisch gelten. Dabei zeigte sich, dass die Bewerbungen von Frauen für von Männern dominierten Ausbildungsberufen von den Personalern durchweg um etwa eine Schulnote schlechter bewertet wurden als jene von Männern. Umgekehrt wurden Männer, die sich für frauentypische Berufe bewarben, fair bewertet. Man könnte durch aus von systematischer, unbewusster Diskriminierung sprechen. Die Studie zeigt, welchen kulturellen Wandel wir noch vor uns haben, wenn es uns wirklich ernst damit sein sollte, im Berufsleben irgendwann zu Gleichberechtigung zu kommen.
„Personaler bewerten Frauen im Schnitt eine Note schlechter“, WiWo 11.2.19

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Was der Zufriedenheit im Job entgegensteht 
Donnerstag, 21. Februar 2019 - Studien, Arbeit, Management
Unzufrieden im Job? Für viele Deutsche ist das anscheinend der Normalzustand. Das legt zumindest der Engagement-Report des Softwareanbieter Peakon nahe. Peakon entwickelt Software für Mitarbeiter-Feedbacks, und die haben es, vor allem in Deutschland, bisweilen in sich. Analysiert wurden für den Report Daten von mehr als 500.000 Mitarbeiternaus aus 235 Unternehmen in Deutschland, den USA, Großbritannien und Skandinavien. Dabei zeigte sich: Am höchsten ist die Zufriedenheit bei Angestellten in den USA, gefolgt von Skandinavien und Großbritannieren. Unter den Deutschen rumort es hingegen kräftig. Nur ein Viertel der hierzulande Beschäftigten würde den eigenen Arbeitgeber weiterempfehlen - in den anderen Ländern sind es doppelt so viele. Nur ein Viertel der Deutschen hat das Gefühl, sich im Job weiterentwickeln zu können (in den anderen Ländern ein Drittel). Ein zu hohes Arbeitspensum indes ist in allen untersuchten Ländern ein Thema. Drei Viertel der Deutschen beklagen, dass sie überfordert sind und das vorgegebene Pensum nicht zu erfüllen vermögen. Ähnlich sieht es in Großbritannien und Skandinavien aus. In den USA trifft das auf etwa 66 Prozent der Angestellten zu.
Deutsche sind am unzufriedensten im Job, manager magazin 7.2.19

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Praxis-Test: Meditieren mit EEG-Headband 
Mittwoch, 20. Februar 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Gerade für Anfänger ist es oft eine Herausforderung, mit dem Meditieren zu beginnen. Insbesondere zu Beginn der Praxis machen viele erst einmal die Erfahrung, dass sie vor allem ihre alltägliche innere Unruhe, Gedanken, Ablenkungen wahrnehmen. Von Stille ist da oft noch wenig zu bemerken. Für technikaffine Achtsamkeits-Fans gibt es so genannte EEG-Headbands, die, zumindest rudimentär, Entspannungsreaktionen messen können. Auf MacLife testet ein Redakteur das Headband von Muse und beschreibt, wie das Messen während des Meditierens ihn nicht nur anspornt, regelmäßig zu üben, sondern ihm auch immer wieder Anhaltspunkte darüber gibt, wie tief er meditiert. Es kann durchaus motivierend sein, nach einer Meditation in den eigenen Messdaten zu sehen, dass die eigenen inneren Reaktionen sich durchaus zum Positiven verändern, selbst wenn man persönlich oft die Ablenkungen stärker im Gedächtnis behält. Ich habe früher selbst eine Weile mit Muse geübt - allerdings nur kurz, weil mich die technischen Pannen, die der Artikel auch beschreibt, einfach genervt haben. Andererseits - in einer Zeit, in der jeder ständig mit dem Smartphone rumdaddelt, sind Gadgets wie Muse vielleicht ein guter Weg, diese Art der kulturellen Kompetenz, so man sie denn so nennen mag, auch für Sinnvolles zu nutzen.
6 Monate Tiefenentspannung: Muse im Test, MacLife 7.2.19

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Achtsamkeit hilft bei körperlichen Erkrankungen 
Dienstag, 19. Februar 2019 - Bewusstsein, Studien
Beim Thema Achtsamkeit kommen einem meistens die eher typischen Stresserkrankungen in den Sinn, die vordergründig die Psyche betreffen. Unserem Alltagsverständnis entgeht dabei leicht, dass Stress auch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf all unsere körperlichen Funktionen hat - und somit auch den Körper längerfristig schwächt. Eine deutsch-indische Studie mit Glaukom-Patienten zeigt nun, dass sich bei den Betroffenen der gefährlich hohe Augeninnendruck senken lässt, was einen Beitrag zur möglichen Genesung leistet. In der Studie absolvierten die Patienten jeden Tag ein einstündiges Programm aus Achtsamkeits- und Atemübungen. Bereits nach drei Wochen zeigte sich bei 75 Prozent der Meditierenden eine signifikante Senkung des Augeninnendrucks von 25 Prozent. Die stressbedingten Biomarker der Patienten hatten sich ebenfalls gesenkt. Beispiele wie dieses zeigen, wie anfällig unser Körper-Geist-System eigentlich für "Stress" ist. Und Meditation scheint ein guter Weg zu sein, einen Lebensstil mit mehr Balance zu entwickeln.
Achtsamkeitstraining senkt Augeninnendruck bei Glaukom, Ärzteblatt 6.2.19

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Meditation in Wissenschaft und Lebenspraxis 
Montag, 18. Februar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Wissenschaft
Alle zwei Jahre findet in Berlin der Kongress Meditation & Wissenschaft statt, den ich für drei Stiftungen organisiere. Beim letzten Kongress Ende 2018 war auch ein Team der Deutschen Welle vor Ort. Nun ist ein halbstündiger Beitrag erschienen, der einen guten Überblick gibt über neurowissenschaftliche Erkenntnisse zur Meditation, ihre Einsatzmöglichkeiten in Medizin und Therapie wie auch in der Arbeitswelt. Im Film kommen der Neurowissenschaftler Ulrich Ott zu Wort wie auch der Zen-Lehrer Paul Kohtes, der vor allem mit Menschen aus der Unternehmenswelt arbeitet. Auch zeigt der Beitrag einige Beispiele, wie Interessierte in Meditationskursen erste Erfahrungen mit Achtsamkeit sammeln. Wer sich für mehr wissenschaftliche Details interessiert, findet auf der Videoplattform des Kongresses Material der Kongresse 2012 bis 2018.
Videoplattform Kongress Meditation & Wissenschaft

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Selbstverschleiß trifft auch die junge Generation 
Freitag, 15. Februar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Unsere Alltagskultur scheint sich immer mehr in Richtung Selbstverschleiß zu drehen. In einem Artikel in der Zeit wird beschrieben, wie selbst junge Arbeitnehmer am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn oder auch Studierende schon unter Stresssymptomen zusammenbrechen. Dabei sind es nicht unbedingt 80-Stunden-Wochen, die immer mehr Jüngere in die Knie zwingen. Vielmehr scheint die kaum greifbare Mischung aus Leistungsdruck, hohen Anforderungen, die nicht in der eigenen Hand liegen, wie auch Zukunftsängsten der Psyche so zuzusetzen, dass viele einfach nicht mehr können. Der Beitrag zeigt am Beispiel einer jungen Arbeitnehmerin, wie diese sich durch eine Burn-out-Therapie aus dem tiefen Loch, in das sie fiel, wieder hocharbeitet. Natürlich sind solche Behandlungen hilfreich, um schlimmeres zu vermeiden und Menschen wieder Lebensqualität zu schenken. Und doch beschleicht mich das Gefühl, dass das längst nicht genug ist, denn hier wird ein Phänomen, das sich in der Gesellschaft immer stärker zeigt, privatisiert. Es bleibt dem Einzelnen überlassen, mit der Überforderung, die von der Kultur als größerem Ganzem ausgeht, irgendwie zurechtzukommen. Was wir brauchen, wäre eine breitere gesellschaftliche Diskussion darüber, wie unter den Vorzeichen von Digitalisierung, Beschleunigung und Leistungswahn ein menschengemäßes Leben aussehen kann - und welche dieser Stressoren wir unbedingt verändern müssten.
Jung und ausgebrannt, zeit.de 31.1.19

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Positive Gedanken können helfen, Black-outs zu vermeiden 
Donnerstag, 14. Februar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wer kennt das nicht - man ist aufgeregt, weil man eine Aufgabe besonders gut meistern möchte, und plötzlich versagen die eigenen Fähigkeiten. Eine amerikanische Studie hat nun untersucht, wie man sich für solche Fälle wappnen kann. Die Wissenschaftler ließen ihre Probanden unter Druck Aufgaben erledigen, was immer wieder auch ein Scheitern zur Folge hatte. In einem zweiten Test baten sie die Probanden, sich zu Beginn vorzustellen, dass sie die Aufgabe bereits gemeistert hätten und ihre jetzige Arbeit eigentlich darin liege, nur den schon erreichten Status aufrechtzuerhalten. Dieser kleine Kniff führte dazu, dass im zweiten Durchlauf weniger der Versuchsteilnehmer scheiterten - und dass jene, denen die Aufgabe misslang, sich weniger gestresst fühlten.
Wie wir unter Druck die Nerven behalten, spektrum.de 30.1.19

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