Was man hat, gibt man ungern wieder her 
Freitag, 8. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wer unerwartet etwas gewinnt, ist sicher gerne bereit, anderen etwas abzugeben. Möchte man meinen, stimmt aber nicht. Eine britische Studie mit mehr als 1.300 Probanden zeigt: Solange Menschen nur die ungewisse Aussicht auf einen Gewinn haben, ist ihre theoretische Bereitschaft, zu teilen, deutlich höher ausgeprägt, als bei Menschen, die den Gewinn schon erhalten haben. "Wer vor der Bekanntgabe der Gewinner entscheiden musste, ob er etwas von seinem Gewinn abgeben wollte, zeigte sich spendabler. Die betreffenden Probanden spendeten mit einer 23 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit als Teilnehmer, die sich bereits sicher waren, dass sie den Bonus erhalten würden. Außerdem griffen Personen, die noch auf ihr Glück hofften, auch 25 Prozent tiefer in die Tasche als die Vergleichsgruppe", so Gehirn&Geist über die Studie. Es scheint also zu gelten: Was man einmal hat, gibt man nur ungern wieder her. Die Studie legt gemeinnützigen Organisationen, die um Spenden werben, deshalb nahe, an die Selbstverpflichtung möglicher Spender zu appellieren, noch bevor diese zu Geld kommen. Kampagnen zum Jahresende beispielsweise könnten, bevor die jährlichen Boni ausgezahlt werden, bereits Spenden einwerben.
Geldsegen macht geizig, spektrum.de 27.2.19

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Kirche schafft spirituelle Erfahrungsräume 
Donnerstag, 7. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Viele Menschen hadern mit der Kirche. Nicht nur aufgrund all der Missbrauchsfälle und der strukturellen Verkrustungen von Kirche als Organisation. In der aktuellen Ausgabe von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur beschäftigen wir uns ja mit der Zukunft der Religion und da zeigt sich, dass Menschen heute vor allem nach authentischen Erfahrungsräumen suchen, in denen sie sich der Tiefe des Menschseins zuwenden und anderen wirklich begegnen können. In Hamburg-Altona versucht die "Kirche der Stille" etwas ähnliches. Pastorin Irmgard Nauck bringt dort unterschiedliche spirituelle Praktiken der Weltreligionen zusammen, von christlichem Herzensgebet über Kontemplation und Zen bis hin zu Sufi-Mystik. Ihr Beweggrund: Gottesdienste erschienen ihr zu wortlastig und überfrachtet. Mit der "Kirche der Stille" möchte sie Räume öffnen für die Erfahrung der Präsenz Gottes. Gerade in der Stille könne man darüber hinaus auch mit sich selbst wieder in Kontakt kommen.
Mit der "Kirche der Stille" gelangt Spiritualität in den Alltag, evangelisch.de 26.2.19

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Der Kulturbezug der Eliten bröselt 
Mittwoch, 6. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft, Management
Die Wirtschaftswoche hat mal wieder ein Interview mit dem Eliteforscher Michael Hartmann geführt. Darin beschreibt er wie so oft, wie Eliten sich reproduzieren und bestimmte gesellschaftliche Räume bei aller Bildungsexpansion doch nach wie vor eher von den üblichen Verdächtigen eingenommen werden. Was mich an Hartmanns viel mehr interessiert, ist sein Hinweis auf das Erodieren größerer kultureller Bezüge, die Hartmann zunehmend bei den Eliten wahrnimmt. Auf die Frage, woher der Bedeutungsverlust von Allgemeinbildung in den Reihen der Mächtigen komme, antwortet er: "Am generellen Bedeutungsverlust des Bildungsbürgertums. Es hat seine kulturprägende Kraft eingebüßt. Übrigens bei Männern stärker als bei Frauen. Es gibt zwar immer noch ausnahmsweise den Strategie-Chef eines Dax-Konzerns, der ein Streichquintett leitet und bei Neubesetzungen in der Firma auf kulturelle Kompetenzen achtet. Aber das hat doch stark nachgelassen gegenüber früher. Als ich in den 90erjahren Konzernvorstände befragt habe, gab es viele, die ein intensives Verhältnis zu Kunst und Musik hatten. Das gibt es heute nur noch bei den wirklichen Großbürgerkindern." Das gibt mir zu denken. Kultur und damit menschliche Räume, die sich der direkten Verwertbarkeit entziehen, sind eigentlich das Herz von Gesellschaften und die Bindekraft im Zusammenleben. Wo dieses einenden Momentum immer mehr aus dem Blick gerät, wird auch etwas im Zusammenleben porös. Laut Hartmann sei für viele Mitglieder heutiger Eliten eher Sport wie Marathon oder Wandern im Gebirge ein Thema. Beschäftigungen, die eine individualistische Haltung ausdrücken wie auch fördern. Man macht sein eigenes Ding. Und das dürfte auch auf die Haltung gegenüber der Gesellschaft als Ganzer abfärben ...
"Am wichtigsten ist Souveränität", WiWo 23.2.19

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Grün stärkt die Psyche selbst in der Stadt 
Dienstag, 5. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Die Psychologie weiß schon länger, dass das Landleben der Psyche besser tut als urbane Umgebungen. Eine dänische Langzeitbetrachtung zeigt nun, dass auch die Stadt der Psyche nicht unbedingt schaden muss, so lange Kinder mit genügend Grün in ihrer Umgebung aufwachsen. In der Datenbetrachtung wurde deutlich, dass Kinder, die mit Parks oder Grünanlagen in ihrer Umgebung aufwachsen, ein um bis zu 55 Prozent geringeres Risiko für die Entwicklung psychischer Erkrankungen aufweisen. Ein Befund, der vor allem im Hinblick auf die stetig zunehmende Urbanisierung für künftige Generationen immer bedeutsamer werden dürfte. Die Studie vermag noch keine Aussagen darüber zu treffen, wie viel Grün die Psyche wirklich braucht. Einige sozioökonomische Faktoren, die ebenfalls Effekte haben dürften, wie die Tatsache, dass eher Menschen mit gutem Einkommen und entsprechendem Lebensstil in grünen Stadtvierteln leben, wurden bei der Studie bereits berücksichtigt, weitere müssten in künftigen Untersuchungen geklärt werden, um den wirksamen Zusammenhängen noch näher zu kommen. Deutlich ist aber auch, wie wichtig die Natur für das menschliche Wohlbefinden ist.
Je grüner die Stadt, desto gesünder ihre Kinder, zeit.de 25.2.19

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Egoismus in freundlichem Gewand 
Montag, 4. März 2019 - Studien, Arbeit, Management
Haben Sie manchmal das Gefühl, von Kolleg*innen ausgenutzt zu werden, obwohl diese eigentlich ganz umgängliche und oft auch zuvorkommende Menschen sind? Solche Erfahrungen sind nicht ungewöhnlich, wie eine Studie des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie zeigt, denn Egoismus kommt oft gut getarnt daher. Die Untersuchung stieß auf eine sehr raffinierte "Ausbeuter-Strategie". Die "freundlichen" Egoisten agierten in der Studie in sechs von zehn Fällen kooperativ - machten aber in den übrigen vier Fällen ihr eigenes Ding. Die von den Handlungen in reinem Eigeninteresse Betroffenen begehrten indes nicht auf, denn in 40 Prozent der Fälle hatten sie selbst ja Vorteile durch die Kooperation der Egoisten. In der Studie zeigt sich, dass vor allem hoher Wettbewerbsdruck diese passive Unterstützungsmentalität fördert. Denn wo es um viel geht, ist ein bisschen Kooperation für die Düpierten immer noch besser, als auch diese noch zu verlieren. In der Studie nutzte jeder Zweite diese Strategie, was durchaus zu denken gibt.
Nette Egoisten setzen sich am erfolgreichsten durch, WiWo 21.2.19

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Die verbindende Dimension von Arbeit 
Freitag, 1. März 2019 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit, Management
Die Professorin für Politische Philosophie Lisa Herzog wirft einen in meinen Augen interessanten Blick auf einige sonst eher vernachlässigte Aspekte von Arbeit. Im Interview mit der Zeit versucht sie für die verbindende Dimension des menschlichen Zusammenwirkens in Arbeitskontexten zu sensibilisieren anstatt allein ihren instrumentellen Wert zu betrachten. "Aber Arbeit hat immer auch damit zu tun, dass wir in ihr bestimmte Formen von Gemeinschaft erleben. Arbeit kann uns die Gelegenheit geben, gemeinsam mit anderen Widerstände zu überwinden und Dinge zu schaffen. In einer modernen Gesellschaft ist die Arbeit sehr stark geteilt. Die einzelnen Tätigkeiten greifen ineinander und bedingen einander. Wir arbeiten also immer mit der Hilfe anderer und für andere. Dieser soziale Aspekt der Arbeit ist in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig beleuchtet worden", so Herzog. Die Wissenschaftlerin kritisiert, dass neben Nutzenerwägungen auch die Selbstverwirklichung in der Arbeitswelt eine sehr starke Rolle spiele, was immer wieder zu unangemessenem Personenkult und Gegeneinander statt miteinander führe. Und im Hinblick auf Arbeitsteilung werde meist nur die Effizienz betrachtet, nicht aber die Frage, wie alle Teile vernünftig auch ein Ganzes ergeben, dass sich als solches bewusst ist. "Die Arbeitsteilung legt nahe, die Dinge aus einer einseitigen und partiellen Perspektive zu betrachten. Der Blick für das große Ganze geht verloren", warnt Herzog.
"Wir übersehen die positiven Seiten der Arbeit", zeit.de 21.2.19

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Einfach nur ambitioniert oder schon neurotisch? 
Donnerstag, 28. Februar 2019 - Studien, Arbeit, Management
Mit dem Perfektionismus ist das so eine Sache. Die weniger perfekten Zeitgenossen sind leicht genervt von jenen, bei denen alles bis ins Detail stimmen muss. Dabei ist es manchmal einfach der hohe innere Anspruch, der Menschen dazu verleitet, besonders genau zu sein und die Dinge bis aufs i-Tüpfelchen wirklich gut machen zu wollen. Eine andere Gruppe mag von außen genauso wirken, sie hat es aber in sich, denn die neurotischen Perfektionisten handeln eher aus Angst - Angst davor, zu versagen, kritisiert zu werden oder schlecht dazustehen. Eine amerikanische Metastudie hat diese Unterschiede zutage gefördert - und sie gibt Anlass zur Sorge, denn es zeigt sich: Unabhängig vom Alter der Versuchspersonen ist eine Tendenz zu wachsendem neurotischen Perfektionismus zu erkennen. Vielleicht ist das ja der hilflose Versuch einer Antwort auf eine immer komplexer werdende Welt, in der immer weniger vom Einzelnen beherrschbar ist. In den Bereichen, auf die wir Einfluss haben, dann besonders perfektionistisch zu sein, gibt einem dann vielleicht wenigstens für einige Momente wieder das Gefühl, ein bisschen Kontrolle zu haben.
Besonders gewissenhaft oder ziemlich neurotisch? spektrum.de 20.2.19

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Wie der "Clown" Teams zusammenhält 
Mittwoch, 27. Februar 2019 - Studien, Arbeit, Management
Was hält Teams in ihrem Inneren zusammen? Und lässt Menschen selbst unter widrigen äußeren Bedingungen noch gut gemeinschaftlich handeln? Dieser Frage ist ein amerikanischer Anthropologe nachgegangen, um optimale Bedingungen für eine mögliche Marsmission der NASA zu eruieren. Es sind nicht die fachlichen Fähigkeiten, die Teams gut ihren Job erledigen lassen - wenngleich es unerlässlich scheint, dass die Person, die die höchste Führungsverantwortung trägt, diese Rolle auch ausfüllen und von den anderen in ihr anerkannt werden muss. Die Untersuchungen der Arbeitskontexte verschiedener Forschungsteams einer Antarktis-Station zeigen: Es ist vor allem der Humor, der Teams nicht auseinanderfallen lässt. Dabei müssen nicht alle gleich den Clown geben. Die Forschung zeigt allerdings, dass es die Menschen mit Humor sind, die über alle Arbeitsbereiche hinweg als Bindeglieder zwischen den Teammitglieder fungieren. Jeffrey Johnson beobachtete bei seinen Studien, dass in Teams oft die Neigung vorherrscht, dass Gleichgesinnte sich mit Gleichgesinnten umgeben. Er sagt: "Deshalb braucht es die Clowns und Geschichtenerzähler - sie schaffen es mit Humor, die Untergruppen zu einem großen Team zu vereinen."
Diesen Typ braucht jede Gruppe, spiegel.de 18.2.19

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