Kulturelles Aufmerksamkeitsdefizit 
Donnerstag, 14. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Länger mal bei einer Sache zu bleiben, das scheint in unserer von Zerstreuung geprägten Kultur immer mehr zum inneren Kraftakt zu werden. Cal Newport, Professor für Informatik, gehört zu den Kritikern vor allem der ständigen digitalen Ablenkungen, weil die Online-Eskapaden die Konzentrationsfähigkeit dauerhaft schwächen: "Wir können verlernen, uns zu konzentrieren. Wer beim kleinsten Anflug von Langeweile sein Smartphone herausholt und etwas googelt oder auf die Facebook-Timeline schaut, der trainiert seinem Gehirn die Konzentrationsfähigkeit ab. Wenn jemand dann doch seine ganze Gehirnkapazität auf eine Sache fokussieren will, merkt er, dass ihm das schwerfällt. Die heutigen Studierenden können sich unfassbar schlecht konzentrieren, weil sie konstante Ablenkung gewohnt sind. Sie sind die erste Generation, die unter dem Einfluss des Smartphones aufgewachsen ist." Newport empfiehlt seinen Studierenden, wieder bewusst an ihrer Aufmerksamkeit zu arbeiten: "In der Regel empfehle ich ein Intervalltraining: Zunächst soll man sich 20 Minuten ohne Ablenkung auf etwas konzentrieren und das mehrere Male wiederholen, bis es problemlos geht. Dann erhöht man die Zeit um zehn Minuten. Von meinen Studierenden, die damit zu Semesterbeginn angefangen hatten, schafften es einige am Semesterende, bis zu anderthalb Stunden fokussiert zu arbeiten." Das ist einerseits erfreulich, lässt aber auch erahnen, wie verheerend es um unsere Aufmerksamkeit steht, wenn wir uns nicht um sie bemühen.
"Du brauchst keine Meditations-App", zeit.de 3.3.19

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Geld ist im Job am wichtigsten 
Mittwoch, 13. März 2019 - Studien, Arbeit, Management
Die Wissenschaft kennt unzählige Parameter, die zur Jobzufriedenheit beitragen. Doch letztlich scheint es vielen Arbeitnehmern vor allem um eines zu gehen - das liebe Geld. Das legt eine Untersuchung des Softwaredienstleisters Wilke nahe, der für seinen Happiness Index 4.000 Angestellte aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den USA befragte. Auf der Prioritätenliste der Deutschen leistete das Gehalt den wesentlichsten Beitrag zu ihrer Jobzufriedenheit, gefolgt vom Gefühl, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen. Erst danach folgen flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit auf Home Office, die Unternehmenskultur und die Führungskultur. Nur ein Drittel der Befragten in Deutschland wechselte schon einmal in eine niedriger bezahlte Position, weil diese glücklicher machte. In den USA war das hingegen bei 58 Prozent der Fall, in Großbritannien bei 54 Prozent und in Frankreich bei 32 Prozent. In den höheren Führungsetagen allerdings nimmt die Neigung, Gehalt gegen Glück zu tauschen, wieder zu. Wichtig für Arbeitgeber: Glückliche Mitarbeiter lassen sich mit mehr Geld eher weniger locken. Nur 18 Prozent der Befragten, die mit ihrem Job glücklich waren, nannten das Gehalt als Quelle ihrer Zufriedenheit. Interessant auch die Wünsche nach weniger Arbeit. 17 Prozent der Deutschen würde lieber an vier Tagen länger arbeiten und dafür ein langes Wochenende haben. Zu Gehaltseinbußen für eine Vier-Tage-Woche sind allerdings nur zwei Prozent bereit.
Lieber Geld als Glück, Manager Magazin 1.3.19

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Herdentrieb lässt sich für Verhaltensänderungen nutzen 
Dienstag, 12. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Das eigene Verhalten zu ändern, ist nicht leicht und fordert uns heraus. Wahrscheinlich sind deshalb auch größere gesellschaftliche Veränderungen ein eher langsamer Entwicklungsprozess. Wissenschaftler der Leuphana-Universität in Lüneburg haben nun untersucht, wie unser sozialer Herdentrieb hier gezielt mobilisiert werden kann. In der Cafeteria der Universität wurde mit einem Schild an der Kaffeeausgabe darauf hingewiesen, dass immer mehr Kunden sich für umweltfreundliche Mehrwegbecher entschieden. Im Untersuchungszeitraum stieg daraufhin der Verkauf von Getränken in Mehrwegbechern um 17 Prozent an. Das Vorbild anderer scheint also zu wirken. Während Kritik die meisten Menschen eher auf ihren Gewohnheiten beharren lässt.
Das machen alle so, SZ 3.3.19

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Die beschränkte Kapazität unseres Gehirns 
Montag, 11. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Die Wissenschaft belegt schon lange, dass unsere Gehirne mit Multitasking eher schlecht zurechtkommen. Eine Schweizer Studie hat das Phänomen nun näher betrachtet und fand heraus: Frauen vor der Menopause scheinen, solange eine der Aufgaben im Multitasking-Setting mit Sprache zu tun, dazu eher in der Lage als Männer. Bei dem Versuch mussten die Probanden auf einem Laufband laufen und einen kognitiven Test absolvieren, bei dem das Sprachvermögen involviert war. Dabei konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich der Laufstil der Männer deutlich veränderte - die Bewegungen ihres rechten Arms wurden geringer. Bei Frauen vor der Menopause zeigte sich diese Veränderung nicht, bei älteren Frauen hingegen schon. Die Wissenschaftler deuten den Befund dahingehend, dass die linke Gehirnhälfte, in der sowohl Sprache verarbeitet wird als auch die Bewegungen der rechten Körperhälfte, von beiden Aufgaben zusammen überlastet war. Die jüngeren Frauen hingegen profitierten vom Geschlechtshormon Östrogen, das ihnen die Sprachverarbeitung erleichtert. Was auch erklärt, warum ältere Frauen die gleichen Probleme an den Tag legten wie Männer.
Sind Frauen wirklich besser im Multitasking? wissenschaft.de 1.2.19

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Was man hat, gibt man ungern wieder her 
Freitag, 8. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wer unerwartet etwas gewinnt, ist sicher gerne bereit, anderen etwas abzugeben. Möchte man meinen, stimmt aber nicht. Eine britische Studie mit mehr als 1.300 Probanden zeigt: Solange Menschen nur die ungewisse Aussicht auf einen Gewinn haben, ist ihre theoretische Bereitschaft, zu teilen, deutlich höher ausgeprägt, als bei Menschen, die den Gewinn schon erhalten haben. "Wer vor der Bekanntgabe der Gewinner entscheiden musste, ob er etwas von seinem Gewinn abgeben wollte, zeigte sich spendabler. Die betreffenden Probanden spendeten mit einer 23 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit als Teilnehmer, die sich bereits sicher waren, dass sie den Bonus erhalten würden. Außerdem griffen Personen, die noch auf ihr Glück hofften, auch 25 Prozent tiefer in die Tasche als die Vergleichsgruppe", so Gehirn&Geist über die Studie. Es scheint also zu gelten: Was man einmal hat, gibt man nur ungern wieder her. Die Studie legt gemeinnützigen Organisationen, die um Spenden werben, deshalb nahe, an die Selbstverpflichtung möglicher Spender zu appellieren, noch bevor diese zu Geld kommen. Kampagnen zum Jahresende beispielsweise könnten, bevor die jährlichen Boni ausgezahlt werden, bereits Spenden einwerben.
Geldsegen macht geizig, spektrum.de 27.2.19

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Kirche schafft spirituelle Erfahrungsräume 
Donnerstag, 7. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Viele Menschen hadern mit der Kirche. Nicht nur aufgrund all der Missbrauchsfälle und der strukturellen Verkrustungen von Kirche als Organisation. In der aktuellen Ausgabe von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur beschäftigen wir uns ja mit der Zukunft der Religion und da zeigt sich, dass Menschen heute vor allem nach authentischen Erfahrungsräumen suchen, in denen sie sich der Tiefe des Menschseins zuwenden und anderen wirklich begegnen können. In Hamburg-Altona versucht die "Kirche der Stille" etwas ähnliches. Pastorin Irmgard Nauck bringt dort unterschiedliche spirituelle Praktiken der Weltreligionen zusammen, von christlichem Herzensgebet über Kontemplation und Zen bis hin zu Sufi-Mystik. Ihr Beweggrund: Gottesdienste erschienen ihr zu wortlastig und überfrachtet. Mit der "Kirche der Stille" möchte sie Räume öffnen für die Erfahrung der Präsenz Gottes. Gerade in der Stille könne man darüber hinaus auch mit sich selbst wieder in Kontakt kommen.
Mit der "Kirche der Stille" gelangt Spiritualität in den Alltag, evangelisch.de 26.2.19

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Der Kulturbezug der Eliten bröselt 
Mittwoch, 6. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft, Management
Die Wirtschaftswoche hat mal wieder ein Interview mit dem Eliteforscher Michael Hartmann geführt. Darin beschreibt er wie so oft, wie Eliten sich reproduzieren und bestimmte gesellschaftliche Räume bei aller Bildungsexpansion doch nach wie vor eher von den üblichen Verdächtigen eingenommen werden. Was mich an Hartmanns viel mehr interessiert, ist sein Hinweis auf das Erodieren größerer kultureller Bezüge, die Hartmann zunehmend bei den Eliten wahrnimmt. Auf die Frage, woher der Bedeutungsverlust von Allgemeinbildung in den Reihen der Mächtigen komme, antwortet er: "Am generellen Bedeutungsverlust des Bildungsbürgertums. Es hat seine kulturprägende Kraft eingebüßt. Übrigens bei Männern stärker als bei Frauen. Es gibt zwar immer noch ausnahmsweise den Strategie-Chef eines Dax-Konzerns, der ein Streichquintett leitet und bei Neubesetzungen in der Firma auf kulturelle Kompetenzen achtet. Aber das hat doch stark nachgelassen gegenüber früher. Als ich in den 90erjahren Konzernvorstände befragt habe, gab es viele, die ein intensives Verhältnis zu Kunst und Musik hatten. Das gibt es heute nur noch bei den wirklichen Großbürgerkindern." Das gibt mir zu denken. Kultur und damit menschliche Räume, die sich der direkten Verwertbarkeit entziehen, sind eigentlich das Herz von Gesellschaften und die Bindekraft im Zusammenleben. Wo dieses einenden Momentum immer mehr aus dem Blick gerät, wird auch etwas im Zusammenleben porös. Laut Hartmann sei für viele Mitglieder heutiger Eliten eher Sport wie Marathon oder Wandern im Gebirge ein Thema. Beschäftigungen, die eine individualistische Haltung ausdrücken wie auch fördern. Man macht sein eigenes Ding. Und das dürfte auch auf die Haltung gegenüber der Gesellschaft als Ganzer abfärben ...
"Am wichtigsten ist Souveränität", WiWo 23.2.19

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Grün stärkt die Psyche selbst in der Stadt 
Dienstag, 5. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Die Psychologie weiß schon länger, dass das Landleben der Psyche besser tut als urbane Umgebungen. Eine dänische Langzeitbetrachtung zeigt nun, dass auch die Stadt der Psyche nicht unbedingt schaden muss, so lange Kinder mit genügend Grün in ihrer Umgebung aufwachsen. In der Datenbetrachtung wurde deutlich, dass Kinder, die mit Parks oder Grünanlagen in ihrer Umgebung aufwachsen, ein um bis zu 55 Prozent geringeres Risiko für die Entwicklung psychischer Erkrankungen aufweisen. Ein Befund, der vor allem im Hinblick auf die stetig zunehmende Urbanisierung für künftige Generationen immer bedeutsamer werden dürfte. Die Studie vermag noch keine Aussagen darüber zu treffen, wie viel Grün die Psyche wirklich braucht. Einige sozioökonomische Faktoren, die ebenfalls Effekte haben dürften, wie die Tatsache, dass eher Menschen mit gutem Einkommen und entsprechendem Lebensstil in grünen Stadtvierteln leben, wurden bei der Studie bereits berücksichtigt, weitere müssten in künftigen Untersuchungen geklärt werden, um den wirksamen Zusammenhängen noch näher zu kommen. Deutlich ist aber auch, wie wichtig die Natur für das menschliche Wohlbefinden ist.
Je grüner die Stadt, desto gesünder ihre Kinder, zeit.de 25.2.19

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