Wenn Arbeit zur Identifikationsquelle wird 
Mittwoch, 20. März 2019 - Psychologie, Arbeit, Management
Wir haben uns schon so daran gewöhnt, in Arbeitskontexten auch die Sinnfrage zu stellen, dass wir ganz aus dem Blick verlieren, dass dies ein relativ neues Phänomen ist. Heute sagen wohl die meisten Menschen von sich, dass sie sich einen Job wünschen, der ihnen das Gefühl gibt, etwas Sinnvolles zu tun. Noch in den 1980er Jahren machten hingegen viele Menschen eine klare Trennung zwischen ihrer Arbeit und ihrem wirklichen Leben, erklärt der Arbeitspsychologe Theo Wehner in einem Interview mit der Zeit. "Heute erwarten wir von einem Unternehmen sinnstiftende Aufgaben, kreative Freiheiten und gemeinwohlorientierte Unternehmensziele. Der Anteil an Unternehmen, die mit ihrer Arbeit – egal ob in Form von Dienstleistungen oder der Produktion von Waren – einen sozialökologischen Mehrwert verfolgen, wächst stark an. Viele Menschen wollen heute bei einem Unternehmen arbeiten und einkaufen, in dem ökologisch und menschlich gedacht wird", so Wehner. Er findet, dass heutige "Bullshit-Jobs" an Maschinen delegiert werden sollten, damit Menschen die Freiheit bekommen, zu tun, was sie wirklich möchten. Eine Entkopplung vom Zwang, mit der Arbeit den eigenen Lebensunterhalt sicherzustellen, wie sie beispielsweise die Idee des Grundeinkommens vorsieht, könnte dies bewirken: "je weniger Geld als Motivation für die Arbeit herhalten muss, desto eher können sich Menschen einen Job aussuchen, der für sie Sinn ergibt. Wenn man Arbeit von Geld entkoppelt wie in der Freiwilligenarbeit, dann übernehmen Menschen nur noch Aufgaben, die ihnen sinnvoll erscheinen. Und Sinn ist die beste Motivationsquelle überhaupt." Diese Freiheit wäre auch ein hervorragender Indikator dafür, was wir ganz grundsätzlich als sinnvoll erachten und was nicht.
Sinn ist die beste Motivationsquelle überhaupt", zeit.de 13.3.19

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Bitte nicht noch ein Projekt ... 
Dienstag, 19. März 2019 - Studien, Arbeit, Management
Manchmal fragt man sich, warum Unternehmen überhaupt noch in Projekten denken und arbeiten, denn seit Ewigkeiten (und trotz aller klugen Coaching-Tipps) sind die Zahlen des Scheiterns konstant hoch und eindrücklich. Nur jedes fünfte in einer Firma gestartete Projekt führt auch zum Erfolg. Die Unternehmensberatung Mutaree ist den Gründen für dieses Scheitern wieder einmal nachgegangen und hat 134 Führungskräfte und Mitarbeiter aus zwölf Branchen dazu befragt, wie sie den Projektalltag erleben. Liest man die Antworten, kann man sich schlicht nicht des Eindrucks erwehren, dass Manager hier immer wieder aufs Neue etwas versuchen, das in dieser Form schlicht nicht funktionieren kann. 76 Prozent der Projektmitarbeiter und -verantwortlichen beklagen, dass Projekte zusätzlich zum Tagesgeschäft enormen Zeitdruck verursachen. Für 75 Prozent bedeutet das Überstunden, für 86 Prozent eine hohe Arbeitsverdichtung. Es klingt wie ein Hilferuf, wenn 94 Prozent der Befragten sich vor allem eines wünschen - Menschlichkeit. 55 Prozent beklagen, dass ihre Bedürfnisse in Veränderungsprozessen nicht ernst genommen werden. Und 67 Prozent haben den Eindruck, Verhalten und Engagement in ihrer Firma seien schlicht nicht ausreichend, um Projekten zum Erfolg zu verhelfen. Der Artikel der Wirtschaftswoche, der die Studie vorstellt, hat natürlich auch ein paar gute Tipps parat, wie alles besser werden könnte. Dazu zählen "kontinuierlicher Dialog und aktives Zuhören der Führungskräfte", "Die Führung muss prüfen, ob die Botschaften ankommen" und "laufendes Monitoring". Unter dem Strich geht es eigentlich nur um zwei ganz grundsätzliche Einsichten: Die Arbeitskraft von Menschen ist eine endliche Ressource und weil es um Menschen geht, sollte man auch menschlich handeln. Ganz simpel, oder?
An diesen drei Hürden scheitern Change-Projekte, WiWo 12.3.19

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Digitale Meditation weckt vielleicht Interesse für analoge Stille 
Montag, 18. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Das Katholische Medienzentrum in der Schweiz hat Meditations-Apps unter die Lupe genommen und geht der Frage nach, ob das Meditieren mit digitalen Helfern vielleicht auch das analoge Interesse an Stille und Besinnung fördert. Der Artikel stellt verschiedene Apps vor und spricht mit christlich ausgerichteten Expert*innen darüber, wie sie deren Bedeutung, Wirkung und Möglichkeiten einschätzen. Dabei zeigt sich, dass christliche Kreise die Technologie selbst auch im eigenen Sinne nutzen. Martin Iten, Mitglied der Kommission für Kommunikation und Öffentlichkeit der Schweizer Bischofskonferenz, etwa verweist auf die Stundenbuch-App, die vor allem von jungen Gläubigen rege genutzt werde, um das Stundengebet der Kirche zu praktizieren. Irene Gassmann, Priorin des Klosters Fahr im Limmattal, hat auf ihrem iPhone keine Meditations-App. Sie bevorzugt die analoge Stille während der Einkehr im Kloster. Sie betont allerdings, dass solche digitalen Brückenbauer womöglich auch dazu geeignet sind, Menschen ins Kloster zu bringen, um die Stille live und analog mit anderen gemeinsam zu erfahren.
Das beruhigende «Ohhmm» aus dem Smartphone, Katholisches Medienzentrum 11.3.19

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Mitarbeiter vor Burn-out bewahren 
Freitag, 15. März 2019 - Psychologie, Arbeit, Management
Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Firmen längst dazu, mögliche psychische Gefährdungen ihrer Arbeitnehmer zu untersuchen und zu dokumentieren. Und die steigenden Zahlen psychischer Erkrankungen legen nahe, wie dringend notwendig dies ist. Aber wie erkennen, ob ein Mitarbeiter auf dem Weg dazu, ist eine Depression oder einen Burn-out zu entwickeln? Der Start-up Humangold hat einen Online-Fragebogen entwickelt, mit dem Firmen herausfinden können, wo im Unternehmen Schwachstellen sind. Es werden Daten zu Arbeitszufriedenheit erhoben. Auch wird danach gefragt, ob Mitarbeiter sich bevormundet fühlen oder viele Freiheiten bei der Ausgestaltung ihrer Aufgaben haben. Überstunden und Zeitdruck bei der Arbeit sind ebenso ein Thema wie die Einschätzung der Vorgesetzten - haben diese ein offenes Ohr für ihre Untergebenen, erkennen sie deren Arbeit an? Man möchte sich wünschen, dass mehr Unternehmen Instrumente wie dieses nutzen, um sich aktiv für ein gesünderes Arbeitsklima einzusetzen.
Ein Start-up will helfen, depressive Mitarbeiter zu erkennen, welt.de 5.3.19

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Kulturelles Aufmerksamkeitsdefizit 
Donnerstag, 14. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Länger mal bei einer Sache zu bleiben, das scheint in unserer von Zerstreuung geprägten Kultur immer mehr zum inneren Kraftakt zu werden. Cal Newport, Professor für Informatik, gehört zu den Kritikern vor allem der ständigen digitalen Ablenkungen, weil die Online-Eskapaden die Konzentrationsfähigkeit dauerhaft schwächen: "Wir können verlernen, uns zu konzentrieren. Wer beim kleinsten Anflug von Langeweile sein Smartphone herausholt und etwas googelt oder auf die Facebook-Timeline schaut, der trainiert seinem Gehirn die Konzentrationsfähigkeit ab. Wenn jemand dann doch seine ganze Gehirnkapazität auf eine Sache fokussieren will, merkt er, dass ihm das schwerfällt. Die heutigen Studierenden können sich unfassbar schlecht konzentrieren, weil sie konstante Ablenkung gewohnt sind. Sie sind die erste Generation, die unter dem Einfluss des Smartphones aufgewachsen ist." Newport empfiehlt seinen Studierenden, wieder bewusst an ihrer Aufmerksamkeit zu arbeiten: "In der Regel empfehle ich ein Intervalltraining: Zunächst soll man sich 20 Minuten ohne Ablenkung auf etwas konzentrieren und das mehrere Male wiederholen, bis es problemlos geht. Dann erhöht man die Zeit um zehn Minuten. Von meinen Studierenden, die damit zu Semesterbeginn angefangen hatten, schafften es einige am Semesterende, bis zu anderthalb Stunden fokussiert zu arbeiten." Das ist einerseits erfreulich, lässt aber auch erahnen, wie verheerend es um unsere Aufmerksamkeit steht, wenn wir uns nicht um sie bemühen.
"Du brauchst keine Meditations-App", zeit.de 3.3.19

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Geld ist im Job am wichtigsten 
Mittwoch, 13. März 2019 - Studien, Arbeit, Management
Die Wissenschaft kennt unzählige Parameter, die zur Jobzufriedenheit beitragen. Doch letztlich scheint es vielen Arbeitnehmern vor allem um eines zu gehen - das liebe Geld. Das legt eine Untersuchung des Softwaredienstleisters Wilke nahe, der für seinen Happiness Index 4.000 Angestellte aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den USA befragte. Auf der Prioritätenliste der Deutschen leistete das Gehalt den wesentlichsten Beitrag zu ihrer Jobzufriedenheit, gefolgt vom Gefühl, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen. Erst danach folgen flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit auf Home Office, die Unternehmenskultur und die Führungskultur. Nur ein Drittel der Befragten in Deutschland wechselte schon einmal in eine niedriger bezahlte Position, weil diese glücklicher machte. In den USA war das hingegen bei 58 Prozent der Fall, in Großbritannien bei 54 Prozent und in Frankreich bei 32 Prozent. In den höheren Führungsetagen allerdings nimmt die Neigung, Gehalt gegen Glück zu tauschen, wieder zu. Wichtig für Arbeitgeber: Glückliche Mitarbeiter lassen sich mit mehr Geld eher weniger locken. Nur 18 Prozent der Befragten, die mit ihrem Job glücklich waren, nannten das Gehalt als Quelle ihrer Zufriedenheit. Interessant auch die Wünsche nach weniger Arbeit. 17 Prozent der Deutschen würde lieber an vier Tagen länger arbeiten und dafür ein langes Wochenende haben. Zu Gehaltseinbußen für eine Vier-Tage-Woche sind allerdings nur zwei Prozent bereit.
Lieber Geld als Glück, Manager Magazin 1.3.19

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Herdentrieb lässt sich für Verhaltensänderungen nutzen 
Dienstag, 12. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Das eigene Verhalten zu ändern, ist nicht leicht und fordert uns heraus. Wahrscheinlich sind deshalb auch größere gesellschaftliche Veränderungen ein eher langsamer Entwicklungsprozess. Wissenschaftler der Leuphana-Universität in Lüneburg haben nun untersucht, wie unser sozialer Herdentrieb hier gezielt mobilisiert werden kann. In der Cafeteria der Universität wurde mit einem Schild an der Kaffeeausgabe darauf hingewiesen, dass immer mehr Kunden sich für umweltfreundliche Mehrwegbecher entschieden. Im Untersuchungszeitraum stieg daraufhin der Verkauf von Getränken in Mehrwegbechern um 17 Prozent an. Das Vorbild anderer scheint also zu wirken. Während Kritik die meisten Menschen eher auf ihren Gewohnheiten beharren lässt.
Das machen alle so, SZ 3.3.19

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Die beschränkte Kapazität unseres Gehirns 
Montag, 11. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Die Wissenschaft belegt schon lange, dass unsere Gehirne mit Multitasking eher schlecht zurechtkommen. Eine Schweizer Studie hat das Phänomen nun näher betrachtet und fand heraus: Frauen vor der Menopause scheinen, solange eine der Aufgaben im Multitasking-Setting mit Sprache zu tun, dazu eher in der Lage als Männer. Bei dem Versuch mussten die Probanden auf einem Laufband laufen und einen kognitiven Test absolvieren, bei dem das Sprachvermögen involviert war. Dabei konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich der Laufstil der Männer deutlich veränderte - die Bewegungen ihres rechten Arms wurden geringer. Bei Frauen vor der Menopause zeigte sich diese Veränderung nicht, bei älteren Frauen hingegen schon. Die Wissenschaftler deuten den Befund dahingehend, dass die linke Gehirnhälfte, in der sowohl Sprache verarbeitet wird als auch die Bewegungen der rechten Körperhälfte, von beiden Aufgaben zusammen überlastet war. Die jüngeren Frauen hingegen profitierten vom Geschlechtshormon Östrogen, das ihnen die Sprachverarbeitung erleichtert. Was auch erklärt, warum ältere Frauen die gleichen Probleme an den Tag legten wie Männer.
Sind Frauen wirklich besser im Multitasking? wissenschaft.de 1.2.19

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