Brauchen wir eine Kultur der Auszeit? 
Montag, 8. April 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Das Thema Sabbatical scheint eine neue Blüte zu erleben. Nun prescht auch die Linke in dieser Frage nach vorne. Katja Kipping forderte kürzlich, dass ein gesetzlicher Rechtsanspruch auf bis zu zwei Jahre Auszeit während des Berufslebens geschaffen werden solle - bei steuerfinanziertem Lohnersatz. Kipping begründet die Idee damit, dass in der heutigen Arbeitswelt mit all ihren Belastungen längere Phasen der Pause notwendig seien, um Gesundheit und Arbeitsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Die SPD sprach sich vor einiger Zeit für neue Modelle der Arbeitszeitkonten aus - auch, um es Menschen zu erleichtern, zum Beispiel Phasen der Pflege von Angehörigen leichter zu bewerkstelligen. Im Prinzip sind beide Vorschläge gute Ideen. Sie haben jedoch eine Schwachstelle, denn sie versuchen letztlich nichts anderes, als die immer stärker zutage tretenden destruktiven Wirkungen unserer heutigen Arbeitswelt einfach zu kompensieren. Ein krankes System bleibt jedoch krank, auch wenn man ab und an eine Auszeit von ihm nehmen kann.
Linke-Chefin fordert Recht auf Sabbaticals, Zeit.de 30.3.19

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"Menschen als Wunder sehen! 
Freitag, 5. April 2019 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Mit "Reinventing Organizations" ist Frédéric Laloux ein Bestseller gelungen, der inzwischen durch die entstandene "New Work"-Bewegung immer mehr Unternehmen bewegt. Im Interview mit dem Spiegel lässt er erahnen, wie fundamental der Wandel ist, den heutige Unternehmenskulturen durchlaufen könnten, um ihre wirklichen Potentiale zu entfalten. Loslassen, anderen mehr Freiheiten zugestehen, gerade für Führungskräfte ist das nach wie vor eine Zumutung. "Paradoxerweise werden Manager viel wirkungsvoller, wenn sie ihren Mitarbeitern mehr Freiheit geben. Sie können dann zwar im Detail nicht mehr alles bestimmen, aber wenn sie sinnvolle Impulse setzen, werden die viel stärker aufgegriffen. Das ist allerdings eine Weltanschauung, in die Unternehmungsführungen erst hineinwachsen müssen", erklärt Laloux. Er hat auch ein Gespür dafür, wie entfremdet Führungskräfte oft vom Tagesgeschäft sind - und dabei die menschlichen Potentiale gar nicht mehr erkennen können, die der Firma zur Verfügung stehen. Laloux empfiehlt Führenden, sich am unteren Ende der Firmenhierarchie umzuschauen, im Call-Center oder am Fließband: "Dann merken sie, dass vieles, was von oben kommt, keinen Sinn macht. Und es wird leichter, Menschen nicht nur als Ressourcen, sondern als Wunder zu sehen, voller Potenzial, das sich noch nicht entfalten konnten." Auch dem Hang zu Planbarkeit und Kontrolle hält er eine erfrischende Perspektive entgegen: "Für komplexe Dinge ist das eine Illusion, die kann man nicht bis zum Ende durchplanen. Man kann aber Impulse setzen und den lebendigen Organismus, also die Mitarbeiter, aufs Abenteuer einladen. Wenn die Richtung Sinn macht und alle ausprobieren und mitarbeiten dürfen, wie sie wirklich wollen, kommen wunderbare Dinge dabei heraus." Was Laloux sagt, deutet auf eine tiefere Lebendigkeit in Menschen wie Organisationen. Die Frage ist, wann wir den Mut haben, uns genau darauf einzulassen.
"Was Chefs von oben entscheiden, bewirkt oft wenig", spiegel.de 27.3.19

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Das Für und Wider von Meditations-Apps 
Donnerstag, 4. April 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Jetzt, wo die bekannte Meditations-App Headspace auch in deutscher Sprache verfügbar ist, hat sich sogar die dpa zu einem ausführlichen Artikel über Meditation hinreißen lassen - der bereits von zahlreichen Magazinen veröffentlicht wurde. Der Beitrag gibt einen Überblick über den gegenwärtigen App-Hype in der Achtsamkeitsszene. Experten sehen diese Entwicklung durchaus mit Wohlwollen, denn die Apps erleichtern es vielen Menschen, die niemals einen Meditationskurs besuchen würden, mehr Achtsamkeit im Alltag zu entwickeln. Sie verweisen aber auch darauf, wie wichtig es ist, mit erfahrenen Menschen über die eigenen Erfahrungen sprechen zu können. Und wie viel kraftvoller es ist, auch gemeinsam mit anderen zu üben anstatt nur alleine mit der App. Die kleinen Technik-Helfer mögen eine Unterstützung sein, tiefer in das Thema einzusteigen. Doch sollten wir uns auch bewusst sein, dass Meditation ein menschlicher Erfahrungsraum ist, der uns mit anderen Menschen auf subtile und dabei sehr tiefe Weise verbinden kann. Und mit ein Auslöser für den wachsenden Stress in unserer Gesellschaft ist sicher auch die wachsende Beziehungslosigkeit und Getrenntheit, eine Kultur, in der jede*r erst einmal vor allem für sich selbst kämpft. Diese Dynamik kann unterschwellig durch Apps sogar verstärkt werden, denn sie suggerieren natürlich auch, dass wir nur ein kurzes Programm abspulen müssen, um aus uns selbst heraus wieder fit zu sein.
Entspannung per Smartphone – Der Hype um Meditations-Apps, heise.de 20.3.19

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Atem als wesentlicher Anker im Alltag 
Mittwoch, 3. April 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Wissenschaft
Das Gute liegt oft so nahe. In einer Zeit, in der Stresserkrankungen immer mehr zum Thema werden und der Langzeitgebrauch von Antidepressiva besorgniserregend hoch ist, scheinen wir jede Hilfe brauchen zu können, um im Alltag Ruhe zu bewahren. Der wunde Punkt: Selbst Menschen, die bereits eine Therapie durchlaufen haben, verlieren zurück im Alltag gerne den Bezug zu all den konstruktiven Entspannungstechniken, die sie gelernt haben, und verfallen wieder in den alten Trott. Der Psychosomatiker Thomas Loew empfiehlt deshalb eine einfache Atemtechnik, die man leicht während des Tages immer wieder einmal machen kann - vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden ausatmen und das elf Minuten lang. Entspannung kann so einfach und naheliegend sein!
"So schön alltagstauglich", Psychologie heute 13.3.19


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Um sich sicher zu fühlen, brauchen manche Millionen 
Dienstag, 2. April 2019 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Studien mögen immer wieder suggerieren, dass Geld heute an Bedeutsamkeit für Arbeitnehmer verliert und ihnen andere Werte wie Nachhaltigkeit oder Lebensqualität wichtiger werden. Eine Repräsentativbefragung der Max-Grundig-Klinik hingegen zeigt, wie wichtig gerade bei Führungskräften das Einkommen tatsächlich ist. Die Hälfte der Befragten fühlt sich unterbezahlt, bei den Frauen sogar 66 Prozent. 38 Prozent finden, dass Geld glücklich mache, "geldgetrieben" fühlen sich lediglich 18 Prozent. 46 Prozent haben Sorge, einmal weniger zu verdienen oder ihr Vermögen zu verlieren. Wirklich finanziell unabhängig zu sein, lässt sich klar beziffern - im Schnitt sind es für Führungskräfte sechs Millionen Euro, die es ihnen erlauben würden, sich finanziell frei zu fühlen. Das ist eine interessante Größenordnung und für gewöhnliche Arbeitnehmer jenseits aller Erreichbarkeit. Für mich deutet die Zahl auch darauf hin, wie unsicher die heutigen Lebensumstände empfunden werden - weil man seinen Arbeitsplatz jederzeit verlieren oder krank werden könnte, weil man sich zwar vieles, was das Sicherheitsgefühl stärkt kaufen kann (zum Beispiel ein Haus), aber auch darum weiß, dass man es wieder verlieren könnte, wenn das Geld ausgeht. Und die Erfahrung der letzten Finanzkrise, die eigentlich immer noch eine ist, aber nicht mehr so oft so genannt wird, lässt uns spüren, wie schnell sich Geld in nichts auflösen kann. Eine naheliegende Reaktion mag sein, und das zeigt die Studie, dann eben an mehr Geld zu denken, um sich sicher zu fühlen. Aber die grundlegende Unsicherheit dürfte das kaum auflösen.
Gierig sind vor allem die anderen, Manager Magazin 18.3.19

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Ehrlichkeit verbindet 
Montag, 1. April 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Manchmal fällt es uns schwer, anderen gegenüber Unangenehmes anzusprechen und für viele ist dann ein Ausweichen oder gar die Notlüge ein geschicktes Manöver. Die Wissenschaft zeigt allerdings: Ehrlichkeit kann im Gespräch das Wohlbefinden erhöhen, selbst wenn Kritisches auf den Tisch kommt. In einem Feldexperiment sowie in Gesprächssituationen im Labor baten Wissenschaftler ihre Probanden, sich entweder wie immer zu verhalten, sehr freundlich oder auf jeden Fall ehrlich. Als Ehrlichkeit definierten die Forscher dabei, in Übereinstimmung mit den eigenen Überzeugungen, Gedanken und Gefühlen zu sprechen, wobei es nicht darum ging, ob diese inneren Haltungen richtig oder falsch waren. In den Gesprächen zeigte sich Überraschendes, denn die Beteiligten empfanden die ehrlichen Dialoge als viel angenehmer, als sie erwartet hatten, und reagierten selbst auf Kritik weniger negativ als befürchtet. Im Gegenteil - die ehrlichen Unterhaltungen wurden als sehr sinnvoll empfunden und förderten das Gefühl, mit dem Gegenüber verbunden zu sein. Gerade diese Verbundenheit hat etwas sehr Schlüssiges. Denn wenn wir unangenehmen Dingen ausweichen und sie nicht ansprechen, duckt sich auch in unserer Anwesenheit etwas weg. Wir sind dann gar nicht wirklich da. Und vielleicht ist es uns ja, auch wenn wir das zunächst womöglich nicht glauben, wichtiger, wirklich in einer geteilten Präsenz zu sein, als immer nur Freundlichkeiten zu hören. (Und das ist kein April-Scherz - ganz ehrlich!)
Ganz ehrlich? Psychologie heute 13.2.19

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Gott hilft der Moral 
Freitag, 29. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Lange Zeit ging die Wissenschaft davon aus, dass Religionen, die klare moralische Konzepte entwickelten oder moralisierende Gottheiten haben, wesentlich zum Aufbau komplexer Hochkulturen beigetragen haben. Eine neue britische Studie zeigt nun, dass es sich genau umgekehrt verhält. In Gesellschaften, die immer komplexer wurden, etablierten sich mit der Zeit göttlich begründete Moralinstanzen, womöglich, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Die Wissenschaftler fanden diesen zeitlichen heraus, indem sie historische Daten für 414 Gesellschaften in 30 verschiedenen Regionen der Erde auswerteten. Die moralisierenden Religionen entwickelten sich zumeist dann, wenn in einer Kultur die Schwelle zur Megagesellschaft mit mehr als einer Million Menschen überschritten wurde. Der Glaube an strafende Götter und religiöse Moralkodizes scheinen es diesen Gesellschaften erleichtert zu haben, den inneren Zusammenhalt zu wahren. Vielleicht erklärt das ja auch, warum man in der heutigen Zeit leicht den Eindruck gewinnt, unsere Moral werde immer poröser. Wo Glaube keine Selbstverständlichkeit mehr ist und im Zuge des Individualismus jeder seine eigenen Regeln macht, driftet dieser Zusammenhalt wieder auseinander.
Brachten moralische Götter die Kulturen voran? wissenschaft.de 20.3.19

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Kultur macht froh 
Donnerstag, 28. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Kulturelle Veranstaltungen zu besuchen oder ins Museum zu gehen, ist mehr als nur ein schöner Zeitvertreib. Eine britische Langzeitstudie mit 2.148 Probanden im Alter zwischen 52 und 89 Jahren zeigt: Wer regelmäßig erbauliche kulturelle Impulse in seinem Leben hat, läuft weniger Gefahr, depressiv zu werden. Ob Theater, Kino oder Kunst - Menschen, die mindestens einmal im Monat oder auch häufiger kulturellen Aktivitäten nachgehen, zeigen ein um 50 Prozent geringeres Risiko, an einer Depression zu erkranken, im Vergleich mit jenen, die seltener als ein Mal pro Jahr dem Wahren, Schönen, Guten nachgehen. Die Gesundheit der Probanden, ihre finanzielle Situation wie auch, ob sie eher introvert oder gesellig sind, scheint dabei keinen Unterschied zu machen. Man kann also sagen, Kultur fördert die geistige Gesundheit und das Wohlbefinden.
Ihr Arzt empfiehlt: Kultur, Psychologie heute 13.3.19

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