Mehrarbeit wird immer mehr zum Standard 
Montag, 6. Mai 2019 - Studien, Arbeit, Management
Länger arbeiten als im Vertrag steht? Für 71 Prozent der deutschen Arbeitnehmer scheint dies nach Selbstaussagen inzwischen die Regel zu sein. Laut einer Umfrage in mehreren europäischen Ländern leistet so jeder im Schnitt 4 Stunden und 47 Minuten Mehrarbeit pro Woche. Im europäischen Schnitt betrifft regelmäßige Mehrarbeit nach eigenen Angaben 60 Prozent der Befragten. Die Zahlen könnten ein Indiz dafür sein, dass das vorgegebene Arbeitspensum in der vertraglich geschuldeten Zeit nicht zu schaffen ist, so dass die Beschäftigten eben nach dem eigentlichen Feierabend weiterarbeiten, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Im Bildungssektor arbeiten nach eigenen 69 Prozent der Befragten jede Woche um die fünf Stunden mehr. Auch in der Technologie-, Telekommunikations- und Finanzbranche geht es zur Sache. Hier leisten 15-20 Prozent der Befragten jede Woche um die zehn Stunden Mehrarbeit - über alle Branchen hinweg trifft das auf jeden achten Befragten zu.
Deutschland ist Spitzenreiter bei unbezahlten Überstunden, FAZ 10.4.19

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Die Zukunft der Achtsamkeit als dialogische Erfahrung 
Sonntag, 5. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Der Selbstoptimierungs-Trend, den die Achtsamkeitsbewegung hervorgebracht hat, sitzt mir schon länger quer. Nicht, weil ich etwas dagegen hätte, dass Menschen meditieren, um sich einfach ein bisschen wohler zu fühlen. Eher, weil mich die Sorge beschleicht, dass mit diesem Selbstbezug auch eine gewisse Form der Isolation einhergeht. Denn wenn meine achtsamen Wahrnehmungen nur um mich selbst kreisen, verändert sich nicht automatisch meine Beziehung zu meinen äußeren Lebensumständen - oder gar diese Umstände selbst. Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, bei einem großen Achtsamkeitskongress in Bad Kissingen mit 1.200 Teilnehmenden einen Vortrag zu halten zur Zukunft der Achtsamkeit als dialogischer Erfahrung. Dabei habe ich gezeigt, wie Achtsamkeit, wenn man sie als dialogische Haltung kultiviert und mit anderen Menschen in achtsame Dialoge geht, völlig neue Zwischenräume öffnen, die uns miteinander verbinden und unerwartete, tiefgreifende Einsichten zwischen den Beteiligten entstehen lassen. Selbst im Vortrag, der ja erwiesenermaßen kein Dialog ist, war spürbar, dass die Zuhörenden sich hier in etwas Tiefem berührt fühlten. Gemeinsam mit meinen Kolleg*innen vom evolve Magazin konnten wir auch zwei Dialog-Cafés und einen Workshop geben, bei dem die Teilnehmenden die Möglichkeit hatten, dieses Dazwischen und Darüberhinaus tiefer zu erfahren. Ihre Resonanz stimmt mich zuversichtlich. Da war viel von Verbundenheit die Rede, von einer besonderen Beziehungsqualität. Und ist es nicht gerade das, was uns als Menschen ausmacht?
Vortrag "Die Zukunft der Achtsamkeit als dialogische Erfahrung"

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Mittelschicht wird für Jüngere schwerer erreichbar 
Freitag, 3. Mai 2019 - Lebensart, Studien
Die gefühlte Prekariatsstimmung, die in Deutschland in vielen Bevölkerungsgruppen immer wahrnehmbarer wird, auch wenn viele Fundametaldaten noch dagegenzusprechen zu scheinen, hat nun auch einen wissenschaftlichen Beleg. Eine OECD-Studie zeigt, dass es für die so genannten Millenials, also die zwischen 1983 und 2002 Geborenen, heute schwieriger wird als es für frühere Generationen war, ihren Platz in der Mittelschicht zu finden. Gründe dafür sind, dass heute zum Beispiel eine mittlere Ausbildung nicht mehr reicht, um ein mittleres Einkommen zu erzielen. Wo in der Elterngeneration der heute 40- bis 50-Jährigen häufig noch ein Einkommen ausreichte, um sich in der Mittelschicht einzurichten, ist heute eher das Doppelverdiener-Modell notwendig, ein Umstand, der auch Singles, vor allem in den Großstädten immer mehr zu schaffen macht. Denn, insbesondere in Deutschland, sind die Lebenshaltungskosten deutlich gestiegen. Hierzulande werden rund 35 Prozent des Einkommens fürs Wohnen fällig - im OECD sind es "nur" 32 Prozent, 1995 waren es allerdings noch 25 Prozent. Unter den Babyboomern (geb. 1942-1964) gehörten noch 71 Prozent der Menschen in ihren Zwanzigern der Mittelschicht an, in der Generation X (geb. 1965-1982) waren es auch noch 70 Prozent, bei den Millenials hingegen sind es nur noch 61 Prozent.
Unter 30-Jährigen gelingt immer seltener ein Aufstieg in die Mittelschicht, welt.de 10.4.19

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Sich mit "Musik" für Arbeit oder Entspannung tunen 
Donnerstag, 2. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Ich gebe es ja zu, ich bin ein Fan von Audio-Tracks, die so arrangiert wurden, dass sie beruhigen oder die innere Fokussierung unterstützen. Selbst wenn die wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit solcher Tracks noch dürftig sind - ich habe den Eindruck, diese Musik stimmt mich milder, wenn im Zug im Ruheabteil mal wieder alles um mich herum am Quatschen ist. Die App Endel geht noch einen Schritt weiter - sie webt aus kurzen elektronischen Klangmustern immer wieder neue Kompositionen - je nach Bedarf abstimmt auf Beruhigung oder Einschlafen, Fokussierung und konzentriertes Arbeiten. Wer auf abwechslungsreiche Begleitung am Schreibtisch Wert legt und nicht selbst Playlisten zusammenstellen möchte, könnte hier also finden, was er schon immer gesucht hat. Mich stört an Endel die Tatsache, dass hier die algorithmische Logik zu einer intensiven, ständigen Begleitung wird. Nicht, dass ich etwas gegen digitale Sounds hätte - Jean-Michelle Jarre zum Beispiel ist ein Meister seines Genres. Aber die Vorstellung, dass ich so viel von mir in ständigem Kontakt mit maschinellem Output bringe, widerstrebt mir irgendwie. Denn das prägt ja nicht nur unsere Befindlichkeit, sondern über längere Zeiträume auch unsere Hörgewohnheiten insgesamt.
Wie Automatenmusik bei der Arbeit hilft, WiWo 9.4.19

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Geh' doch mal an die frische Luft 
Dienstag, 30. April 2019 - Lebensart, Psychologie, Studien
Mütter sagen es zu ihren Kids, wenn sie stundenlang am Computer daddeln, und Ärzte vielleicht bald, anstatt ein Rezept auszustellen: Geh' doch mal an die frische Luft! Wissenschaftliche Studien zeigen, dass schon 20-30 Minuten im Freien, bei entspanntem Gehen oder sogar Sitzen, für Körper und Geist ein wahrer Jungbrunnen sind. Eine Studie belegt: Bereits nach den ersten 20 Minuten sinkt der Cortisolspiegel enorm. Bleibt man länger draußen, gehen die Stressmarker zwar weiter zurück, aber nicht mehr so deutlich. Wenn das mal keine gute Nachricht ist für alle, die nie Zeit haben oder sich nicht allzu gerne bewegen.
Was 20 Minuten im Grünen bewirken, spiegel.de 7.4.19

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Einfach mal durchatmen 
Montag, 29. April 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Der Achtsamkeits-Boom verschafft Entspannungsmethoden Hochkonjunktur. Doch es müssen nicht immer gleich besondere Übungen sein, wenn wir mal runterkommen möchten. Ein Artikel in Gehirn & Geist stellt zum Beispiel verschiedene Studien vor, die zeigen, wie hochwirksam schlichtes, bewusstes Atmen sein kann. Es entspannt Körper und Geist, mildert Stress und kann sogar positiv auf verschiedene psychische Erkrankungen wirken. Besonders hilfreich ist ein Atemtakt, bei dem man vier Sekunden einatmet und sechs Sekunden ausatmet. Schon nach rund elf Minuten beginnt der Organismus sich umzustellen, biologische Regenerationsmechanismen setzen ein, Zellschäden werden behoben der Körper tankt neue Energie. Man könnte sagen, Nichtstun 2.0 mit positiven Nebenwirkungen ... ;-)
Die Entschleunigung des Atems, spektrum.de 5.4.19

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Frohe Osterstage 
Montag, 15. April 2019 - sonstiges
think.work.different macht Osterferien! Wir wünschen Ihnen eine schöne Osterzeit mit herrlichen Frühlingstagen - und sind ab 29. April wieder mit frischen News für Sie da!

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Braucht das Nichtstun einen gesellschaftlichen Halt? 
Freitag, 12. April 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Nichtstuns hat in einer Gesellschaft, die davon lebt, immer beschäftigt zu sein, etwas Anrüchiges. Wer nicht immer nur leisten möchte, eine Pause braucht oder einfach die Ruhe und Stille schätzt, wird da leicht zum Außenseiter. Der Deutschlandfunk geht in einem Beitrag der Frage nach, warum es in der heutigen Zeit so schwierig ist, die Produktivitäts- und Aktivitätszwänge einmal hinter sich zu lassen und durchzuatmen. Bis vor gar nicht so langer Zeit brachte zumindest der kirchliche Kalender ein wenig Ruhe in das Leben als Ganzes. Sonntage und Feiertage bildeten einen Rahmen für kollektive Pausen. Doch unter den Vorzeichen der Säkularisierung und der sich immer stärker ausweitenden kulturellen Verfügbarkeitsforderungen wird es immer mehr zu einer individuellen Angelegenheit, sich Freiräume zu schaffen zum Innehalten. Der Beitrag des Deutschlandfunks zeigt, welche Ressourcen auch heute noch in den religiösen Traditionen liegen - weil sie etwas Grundsätzliches aufrechterhalten, das uns alle betrifft. Vielleicht können wir diesen Halt, der uns als Einzelne davon befreit, Ruheräume selbst immer wieder schaffen zu müssen, auch durch neue kulturelle, säkulare Praktiken wieder mehr ins Zentrum unserer Lebensweisen stellen.
Vom Nutzen des Nichtstuns, Deutschlandfunk 1.4.19

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