Wie viel müssen wir für unseren Lebensunterhalt arbeiten? 
Dienstag, 4. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien, Arbeit
Wir arbeiten, um unseren Lebensunterhalt sicherzustellen. Doch wie viel Arbeit dafür notwendig oder angemessen ist, ist auch die Folge komplexer kultureller Entwicklungen. Eine britische Studie zu den Unterschieden zwischen Jäger- und Sammler-Gesellschaften und von Landwirtschaft geprägten Bevölkerungen ist hier sehr aufschlussreich. Untersucht wurden hier Mitglieder der indigenen Agta in den Philippinnen, die zum Teil noch heute als Jäger und Sammler leben und sich zum Teil auf die landwirtschaftliche Lebensweise eingelassen haben. Dabei zeigte sich: Gruppen, die jagen und sammeln, benötigen etwa 20 Stunden pro Woche, um das, was sie zum Leben brauchen, zu finden. Die landwirtschaftlich lebenden Agta hingegen müssen 30 Stunden pro Woche aufwenden, um ihre Ernährung sicherzustellen. Die wachsende Komplexität der Lebensumstände hat also ihren zeitlichen Preis. Heute, in einer Zeit der so genannten Normalarbeitsverhältnisse (und ihrer prekären Ableger) gehen wir häufig von äußeren, kulturell geschaffenen Formen aus, um daraus abzuleiten, wie viel wir arbeiten (müssen) und was wir zu brauchen glauben. Und wir beklagen uns oft über einen Mangel an Zeit. Ich möchte auf keinen Fall retroromantisch werden, aber bei Beispielen wie dieser Studie wird mir bewusst, wie unhinterfragt wir das Leben uns oft in eine bestimmte Richtung ziehen lassen. Mehr Komplexität in unseren Lebensumständen empfinden wir dann als besser, merken aber nicht, dass wir dafür an anderen Stellen auch einen Preis zahlen - und hinterfragen kaum noch, ob wir dazu eigentlich bereits sind.
Jäger und Sammler haben mehr Freizeit, wissenschaft.de 21.5.19

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Weiterbildung Achtsamkeit am Arbeitsplatz 
Montag, 3. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Achtsamkeit boomt und viele Berater*innen würden gerne auf den Zug aufspringen. Doch wie findet man eine passende Weiterbildung? Die Ausbildung zum MBSR-Lehrenden beispielsweise ist hochkarätig, aber auch sehr zeitintensiv. Und viele Angebote mit eher kurzer Dauer sind oft nicht nachhaltig. Ein guter Bekannter von mir, Rüdiger Standhardt, gehört zu den Pionieren im Feld der Achtsamkeits-Schulung. Er unterrichtet auch MBSR, hat aber für Menschen, die vor allem in Business-Kontexten mit Achtsamkeit arbeiten möchten, ein besonderes Programm entwickelt, das den Bedürfnissen dieser Zielgruppe gerecht wird. Ab dem Sommer bietet er wieder eine einjährige Trainer-Ausbildung "Achtsamkeit am Arbeitsplatz" an, die ich wärmstens empfehlen kann. In zwölf Tagen ermittelt er alles, was man wissen sollte, um andere Menschen in Achtsamkeit anzuleiten - viel eigene Praxis inklusive. Die Weiterbildung findet in Hofheim am Taunus und in Frankfurt am Main statt.
Trainer-Ausbildung Achtsamkeit am Arbeitsplatz

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Verbreiten technische Gadgets Sexismus? 
Freitag, 31. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Warum haben eigentlich so viele technische Gadgets Frauenstimmen? Über die Jahre habe ich mich daran gewöhnt, dass mein Navigationssystem als "Frau" zu mir spricht - und gleichzeitig nervt mich das ein wenig, weil etwas in mir spürt, dass hier auch etwas Stereotypes in meine Lebenswelt einzudringen scheint. Seit ein paar Wochen habe ich einen Staubsaug-Roboter. Für mich ist das ein klarer Fall von "er", doch dieser fleißige Geselle kommt nur mit weiblicher Stimme und alternative Audiotracks hat der Hersteller anscheinend nicht vorgesehen. Mich stört es durchaus, dass der Sauber-Zauber in unserem Haus, ohne dass ich es ändern könnte, eine weibliche Konnotation bekommt. Die Unesco zeigt nun, dass mein Unbehagen kein rein persönliches ist. Sie hat einmal näher hingeschaut, wie die Sprachassistenten von Apple oder Amazon, natürlich auch als weiblich deklariert, gestrickt sind. Und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Die Sprachroutinen zeigen, beispielsweise wenn man Siri oder Alexa anzüglich anspricht, ein übles devotes Verhalten. Die Unesco empfiehlt deshalb Technologieherstellern, Frauenstimmen nicht als Standard zu setzen und auch dafür zu sorgen, dass die Sprachassistenten in der Lage sind, beispielsweise auf Beleidigungen gemäß ihrem "Geschlecht" gesellschaftlich angemessen zu reagieren. Ich finde es ungemein wichtig, dass wir bewusster mit all diesen unbewussten Einflüssen auf unsere Weltwahrnehmung umgehen. Ich gebe zu, es ist vor allem der Chauvi in mir, der im Saugroboter eine Männerstimme vermisst - weil es mich einfach wütend macht, wenn Putzen durch programmierte Frauenstimmen mal eben so wieder als Frauensache deklariert wird. (Und ganz nebenbei - bei uns putzt meistens mein Partner, während ich lieber Ikea-Regale zusammenschraube ... dafür würde ich auch gar keinen Roboter haben wollen ...)
Unesco kritisiert Alexa und Siri als sexistisch und unterwürfig, welt.de 23.5.19

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Naturerfahrungen in jungen Jahren schützen Seele auch im Alter 
Mittwoch, 29. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Natur ist wie ein Lebenselexier für uns Menschen und das nicht allein in physiologischer Hinsicht. Eine europäische Studie mit knapp 3.600 Erwachsenen zeigt: Menschen, die in jungen Jahren viel in der Natur waren, sind auch als Erwachsene psychologisch stabiler und weniger anfällig für seelische Erkrankungen. Für die Untersuchung wurden die Studienteilnehmenden danach gefragt, wie viel Zeit sie als Kinder in der Natur verbrachten, und es wurde untersucht, wie es um ihre psychische Verfassung heute bestellt ist. Warum tiefere Naturerfahrungen in der Jugend bis ins Erwachsenenalter eine solch positive Wirkung entfalten, kann die Studie nicht klären. Aber vor dem Hintergrund, dass heute in Europa etwa 70 Prozent der Bevölkerung in urbanen Lebensräumen zuhause sind, stellt sich die Frage, ob durch die immer geringer werdenden Möglichkeiten für Naturerlebnisse wir nicht etwas Wesentliches in unserem Menschsein verlieren. Grüner Schutz für die Seele? wissenschaft.de 22.5.19

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Gemeinwohl ist vielen wichtig 
Dienstag, 28. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Immer mehr Menschen entwickeln ein Gespür dafür, wie wichtig es in der heutigen Zeit ist, bei allem, was wir tun, auch das Gemeinwohl im Blick zu haben. Für die Erstellung des Gemeinwohl-Atlas befragten die Handelshochschule Leipzig und die Universität St. Gallen 12.000 Deutsche, welche Organisationen ihrer Meinung nach am ehesten zum Gemeinwohl beitragen. Dabei zeigt sich eine klare Spaltung zwischen NGOs und eher gesellschaftlich agierenden Institutionen auf der einen und den Wirtschaftsunternehmen auf der anderen Seite. Feuerwehr, Polizei und ähnliche Organisationen genießen einen guten Ruf. Das beste Unternehmen in der Umfrage kommt hingegen erst auf Rang 30. Wenn es um Lebensqualität, Zusammenhalt, Moral und Aufgabenerfüllung geht, scheinen Firmen hier in der Wahrnehmung der Bevölkerung selten eine Vorreiterrolle einzunehmen und wenn, dann sind es vor allem Familienunternehmen, denen diese zugesprochen wird. 81 Prozent der Befragten äußerten Besorgnis, dass dem Gemeinwohl zu wenig Beachtung geschenkt werde. 71 Prozent wären bereit, für ein geringeres Gehalt als gewohnt zu arbeiten, wenn ihr Arbeitgeber sich in der Gesellschaft dienlicher Weise engagiert. Hier wächst also ein Bewusstsein für mehr gemeinschaftliche Orientierung - und gleichzeitig scheint es weiterhin schwer, dass diese Einstellungen auch einen gemeinsamen größeren kulturellen Ausdruck finden.
Soziale Sieger, HBM 21.5.19

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Agilität als wirkliche Praxis 
Montag, 27. Mai 2019 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Im Business wird in der letzten Zeit viel über Agilität gesprochen, denn viele Unternehmen spüren, dass sie mit ausgeprägten Hierarchien und starren Prozessen die eigentliche Komplexität unserer Lebens- und Arbeitswelten zunehmend verfehlen. Doch gerade Agilität ist weit mehr als eine Methode, die man einfach mal so im Unternehmen zur Anwendung bringt. Denn all die Ansätze, die hier eingebracht werden, von flachen Hierarchien über mehr Eigenverantwortung bis hin zu völlig fluiden Prozessen, die sich immer wieder aufs neue finden und ausrichten, sind nicht einfach Tools, die man nutzt, sondern im Prinzip persönlichkeitsverändernde Türöffner für eine völlig neue Art des Zusammenseins und miteinander Arbeitens. Spiegel online zeigt am Beispiel des Telko-Unternehmens Sipgate, wie weitreichend diese inneren Prozesse sein können. Mitarbeiter, denen diese von ihnen angefragte Offenheit und Flexibilität zu schätzen wissen, blühen in solchen Kontexten auf, das zeigt der Artikel deutlich. Doch es gibt auch Menschen, die mehr Orientierung brauchen oder sogar klare Vorgaben. Bei Sipgate konnten sich nicht alle Mitarbeiter mit der agilen Arbeitsweise anfreunden und einige verließen das Unternehmen. Mir stellt sich an diesem Punkt immer wieder die Frage, wie wir dazu beitragen können, dass Menschen sich leichter für solche sich verändernden Umstände öffnen - nicht im Sinne von Anpassung, sondern indem sie wirklich innerlich wachsen. Das geschieht nicht auf Knopfdruck und in Unternehmen scheint momentan die natürliche Auslese, wie im Artikel beschrieben, eine verbreitete Entwicklung zu sein. Aber wie könnte es möglich werden, dass Firmen selbst Wachstumspfade kreieren, die Menschen in unterschiedlichen Graden mitnimmt und dabei dennoch in der Zusammenarbeit eine Ganzheit aufrechterhalten?
Wo Überstunden ein No-Go sind, spiegel.de 16.5.19

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Der Kampf um Überstunden und Vertrauen 
Freitag, 24. Mai 2019 - Arbeit, Management
Überstunden sind in der Arbeitswelt inzwischen eine Selbstverständlichkeit, die vor allem von Arbeitgebern ungern hinterfragt wird. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, demzufolge Unternehmen künftig grundsätzlich verpflichtet werden sollen, die vollständige Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter zu erfassen, hat vielerorts zu Aufschreien geführt. Manche klagen über mehr Bürokratie, andere empfinden die Vorgabe in Zeiten von Home Office und Vertrauensarbeitszeit als Anachronismus. Worüber die Arbeitgeber nur ungern sprechen, ist das Ausmaß an Überstunden, dass hierzulande geleistet wird - und vielfach nicht vergütet wird. Dieser Eisberg dürfte, wenn die Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs umgesetzt werden, noch einmal auf neue Weise in Erscheinung treten. 2017 wurden in Deutschland 2,1 Milliarden Überstunden geleistet, die Hälfte davon blieb unbezahlt. Die Gewerkschaften bemängeln das schon lange. Eine durchgehende Arbeitszeiterfassung dürfte mit Blick auf diese bisher unentgeltlich geleistete Mehrarbeit die Arbeitgeber unter Druck setzen. Deren Klagen sind in gewisser Weise nachvollziehbar, denn in Anbetracht des Ausmaßes der bisher unbezahlten Überstunden kann man ahnen, um wie viel Geld es hier auch in Zukunft gehen könnte. Denn was erst einmal offiziell erfasst ist (und viele Unternehmen tun das bisher nicht), schafft Fakten. Andererseits ist es wohl auch ein Gebot der Fairness, das, was geleistet wird, auch zu honorieren. Darüber sprechen in diesen Tagen eher weniger Arbeitgeber.
Dieses Urteil verspricht Arbeitnehmern die Überstunden-Wende, welt.de 14.5.19

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Schlechte Gefühle beim Meditieren 
Donnerstag, 23. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Meditation ist nicht nur ein seeligmachender Heilsbringer, auch wenn der gegenwärtige Achtsamkeitstrend das bisweilen suggeriert. Eine Befragung von rund 1.200 Meditierenden zeigt: Etwa ein Viertel der Übenden hat nach dem Praktizieren bisweilen negative Gefühle oder sogar Angstzustände. Vor allem bei eher dekonstruierenden Methoden wie Zen oder Vipassana ist das der Fall, weniger bei Menschen, die MBSR-Übungen machen. Meditation ist ihrem Ursprung nie eine Methode gewesen, die zu Wohlbefinden führen soll, sondern eher ein Weg, auch Selbsttäuschungen zu durchschauen. Das innerliche Herausgefordertsein, das durchaus auch zu existenziellen Ängsten führen kann, könnte man auch als Beleg dafür sehen, dass das Meditieren etwas bewirkt. Die Wissenschaftler weisen auch darauf hin, dass solche Effekte in den spirituellen Traditionen Teil der gemeinsamen Erfahrungswelt seien. Ihre Sorge gilt jenen Menschen, die, weil sie einfach ein bisschen entspannen möchten, in solche Erfahrungen hineinschliddern und dann oft nicht wissen, wie sie mit ihnen umgehen sollen.
Häufig negative Erfahrungen beim Meditieren, spektrum.de 14.5.19

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