Facebook macht Konsumenten zu Langweilern 
Freitag, 5. Juli 2019 - Lebensart, Psychologie, Studien
Werbung in sozialen Netzwerken ist eine zweischneidige Angelegenheit, und das nicht nur aus User-Sicht (nerv, nerv). Auch für Firmen kann der Schuss nach hinten losgehen. Eine Marketingstudie, die die Datensätze von 200.000 Neuwagenkäufen aus neun europäischen Ländern analysierte, stellte fest: Wenn die Kunden zuvor auf Facebook unterwegs waren, waren die von ihnen gewählten Konfigurationen deutlich konventioneller als die anderer Kunden. Die Forscher deuten das damit, dass auf Plattformen wie Facebook viel auf soziale Anerkennung hinauslaufe und Menschen dort leichter konform gehen mit Mehrheitsmeinungen. Die Empfehlung der Wissenschaftler ans Marketing: Wer konventionelle Produkte verkauft, kann davon profitieren, potentielle Kunden erst einmal auf eine Facebook-Seite zu leiten. Bei innovativeren Angeboten kann der Hinweis helfen, dass eine Mehrheit der Kunden sich für unkonventionelle Varianten entschieden habe. Meine Empfehlung: Selber denken und danach handeln.
Risikoscheu durch Facebook, HBM 7/2019

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Mit Mathe lässt es sich besser die eigene Meinung untermauern 
Donnerstag, 4. Juli 2019 - Psychologie, Studien
Wer Mathe kann, hat Vorteile, seine eigene Meinung mit vermeintlich rationalen Argumenten durchzudrücken. So könnte man zumindest die Ergebnisse mehrerer wissenschaftlicher Studien deuten, die den Zusammenhang zwischen den mathematischen Fähigkeiten und der Argumentation bei meinungsgeladenen Themen untersuchten. Dabei zeigt sich: Wenn es um Fragen mit politischem Bezug oder anderem Potential zur Polarisierung geht, scheinen Menschen, die gut rechnen können, keine Mühe zu scheuen, selbst eine dürftige oder gar widersprüchliche Datenlage zugunsten der eigenen persönlichen Meinung zu deuten. Bei weniger aufgeladenen Themen zeigt sich diese mathematische Verzerrung nicht im selben Maße. Die SZ kommentiert: "Mentale Akrobatik gelingt eben am besten, wenn der Geist gut trainiert und geschmeidig gehalten wird." Und da sage noch einer, Mathe ist doof.
Mathe schützt vor Dummheit nicht, SZ 27.6.19

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Hauptsache nicht ins Büro 
Mittwoch, 3. Juli 2019 - Studien, Arbeit, Management
Dienstreisen scheinen für bestimmte Arbeitnehmergruppen deutlich erquicklicher zu sein, als die Arbeitstage im Büro verbringen zu müssen. Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Reiseverbands zeigt: Für 58 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte sind die Dienstreisen eine willkommene Abwechslung. 69 Prozent der Geschäftsführer und Vorstände erleben sie sogar als besonders attraktiven Teil ihres Jobs. 40 Prozent der Befragten gaben an, unterwegs produktiver arbeiten zu können als im Büro. Insgesamt 54 Prozent finden das Reisen gut, was über die letzten beiden Jahre einen deutlichen Anstieg bedeutet, denn vor zwei Jahren waren es gerade einmal 25 Prozent, letztes Jahr 45 Prozent. Vielleicht ist das ja ein Indikator dafür, dass das Arbeiten im Büro immer öder oder stressiger wird? Dann bedeutet Dienstreise vielleicht auch: Hauptsache nicht ins Büro.
Geschäftsreisen: Je länger, je lieber, manager magazin 26.6.19

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Ehrlicher als erwartet 
Dienstag, 2. Juli 2019 - Studien
Vielleicht sind wir selbstloser als gedacht. Eine großangelegte internationale Studie zeigt zumindest, dass selbst Unehrlichkeit einer gewissen Ethik zu folgen scheint. Die Wissenschaftler platzierten Geldbörsen, gefüllt mit Beträgen zwischen 14 und fast 100 Dollar in verschiedenen Ländern als verlorene Gegenstände und untersuchten, wie viele davon zurückgegeben wurden. Interessanterweise war der Rücklauf mit 72 Prozent bei den prallgefühllten Börsen höher als bei jenen, die mit weniger Geld liegengelassen wurden (61 Prozent). Außerdem war die Rückgabequote insgesamt höher, wenn sich auch ein Schlüssel im Geldbeutel befand. Die Forscher glauben, dass Menschen das Zurückhalten hoher Beträge eher als Diebstahl einstufen und deshalb hier ehrlicher sind. Bei kleineren Beträgen könne man sich vor sich selbst eher herausreden - keine Zeit gehabt, nicht so wichtig. Bei der hohen Rückgabequote von Geldbörsen mit Schlüsseln ist womöglich Empathie im Spiel, schließlich weiß jede*r, wie nervend es ist, sich um verloren gegangene Schlüssel zu kümmern oder gar Schlösser austauschen zu müssen. Wenn's drauf ankommt, können wir also ehrlich.
Der Homo oeconomicus ist gar nicht so, spektrum.de 21.6.19

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Dem eigenen Denken zuschauen 
Montag, 1. Juli 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Achtsamkeit macht wacher, nicht nur, wenn es darum geht, im Job vielleicht ein bisschen besser zu sein. Auf Business Insider schreibt die Autorin Laura Lewandowski darüber, welche Erfahrungen sie beim Meditieren macht. Eine davon - wacher werden für die eigene Gedankenwelt. "Dinge, die ich denke, denke ich nicht einfach nur noch so. Ich begreife, welche Sätze in meinem Kopf entstehen. Was ich mir oft unbewusst einrede, was mich runterzieht, womit ich mich selbst klein mache", beschreibt sie, was ihr so durch den Kopf geht, wenn sie mal richtig still wird. Wie ihr dürfte es vielen gehen, die vielleicht gar nicht bemerken, wie sich ihre Sensitivität erweitert. Denn oft sind wir so darauf gepolt, vor allem nach Effekten zu suchen, die wir erwarten. Bin ich kreativer? Kommen mir coole Ideen? Kann ich mich besser konzentrieren? Lewandowski schreibt auch über diese Effekte. Aber sich selbst beim Denken zusehen - das ist doch wirklich was.
Meine Produktivität hat sich radikal gesteigert, als ich etwas Wichtiges über Meditation verstanden habe, Business Insider Deutschland 20.6.19

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Wie spirituell sollte Bildung sein? 
Freitag, 28. Juni 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft
Der Achtsamkeits-Trend hat Meditation auf breiter Basis von ihren spirituellen Wurzeln entkoppelt. Für viele Menschen, die heute Achtsamkeit praktizieren, um sich zu entspannen und gesünder zu sein, ist Meditieren eine Methode ähnlich wie Sport. Man macht sie, aber denkt nicht weiter darüber nach. Ein Projekt der University of Applied Sciences Frankfurt (UAS) zu "Persönlichkeit – Reflexion – Gesellschaft" sieht das anders. Mit dem Kongress "Meditation und die Zukunft der Bildung", der am 25. Oktober 2019 in der UAS stattfinden wird, möchte die Bildungsinstitution den spirituellen Kontext von Meditation und seine Bedeutung für die menschliche Entwicklung in Bildungskontexten näher betrachten. Der Kongress stellt Fragen wie: Sind Wissenschaft und Spiritualität Gegensätze oder sich ergänzende, komplementäre Erkenntnisweisen? Kann die Perspektive von Meditation und Spiritualität so rational sein wie die von Wissenschaft? Sind Fakten und Werte unterschiedliche Welten? Welches Menschenbild haben wir? Kann sich der Mensch selbst verändern? Brauchen wir für Schule, Studium und Beruf ein neues Persönlichkeitsprofil, um mit den Anforderungen komplexer Systeme besser und gelassener umgehen zu können? Ist die Evolution unseres Bewusstseins denkbar und notwendig für die Gesellschaft der Zukunft? Ich finde es spannend, wie hier existenzielle Perspektiven angedacht werden. Aus der bisherigen Meditationsforschung wissen wir, welche Wirkungen Achtsamkeit auf einer eher funktionalen Ebene hat. Vielleicht ist nun die Zeit reif dafür, tiefer zu gehen und auch zu fragen, wie Meditation unser Menschsein in der Tiefe öffnen und verändern kann.
Kongressankündigung

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Richtiges Feedback bringt die Firma in Schwung 
Donnerstag, 27. Juni 2019 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Feedback geben reduziert sich für viele Führungskräfte oft auf das alljährliche Mitarbeitergespräch. Ein Fehler, findet Feedback-Expertin Nora Heer, denn: "Es gibt drei Dinge, die Menschen mehr als alles andere motiviert: Die Identifikation mit einer Aufgabe oder mit dem Unternehmen, die Anerkennung von Kolleginnen oder Führungskräften und die Selbstwirksamkeit. Das bedeutet, dass wir merken möchten, dass unser Tun eine Auswirkung auf unser direktes Umfeld hat, also auf das Unternehmen oder auch auf die Kolleginnen. Feedback ist der zentrale Hebel für Anerkennung und Wertschätzung der eigenen Arbeit und ist damit ein wichtiger Treiber für Zufriedenheit." Führungskräfte sollten aufpassen, in Mitarbeitergesprächen den rechten Ton zu finden, denn kommt Kritik falsch rüber, kann sie Mitarbeiter oft langfristig frustrieren und demotivieren. Für Herr gilt - Kritik in der Sache ist notwendig, wenn etwas schief läuft, aber sie braucht den Resonanzraum der Wertschätzung der Person. In der deutschen Feedbackkultur stehe Loben nicht unbedingt an erster Stelle. Hierzulande sei der Optimierungsgedanke sehr stark. Das von ihr gegründete Unternehmen Loopline bietet Softwarelösungen an, die Unternehmen bei der Entwicklung einer Feedbackkultur unterstützen. Das System erlaubt es, innerhalb des Unternehmens auf breiter Basis Feedbacks einzuholen, um so ein differenziertes Bild der Mitarbeiter und ihrer Leistungen zu gewinnen. Für die Mitarbeitenden gibt es außerdem eine Art Stimmungsbarometer-Tool, in dem sie anonym auf Fragen zur Unternehmenskultur antworten können. So entsteht ein größerer Resonanzraum, der weit mehr Aspekte in die Wahrnehmung bringt als ein simples Gespräch zwischen Chef und Mitarbeiter.
"Gutes Feedback ist eine Frage von Führung", zeit.de 20.6.19

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Vertrauen oder Stechuhr? 
Mittwoch, 26. Juni 2019 - Arbeit, Management
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Pflicht der Arbeitszeiterfassung hat viele Unternehmen kalt erwischt. In einer Zeit, in der immer mehr Firmen zur Vertrauensarbeitszeit übergehen, wirkt es vielleicht wie eine kalte Dusche. Klar ist aber auch - gerade in stark leistungsgetriebenen Unternehmenskulturen kann die Selbstkontrolle der Arbeitnehmer leicht nach hinten losgehen. Der Outdoor-Ausrüster Vaude beispielsweise hatte einige Klippen zu überwinden, bis die Vertrauensarbeitszeit im Unternehmen wirklich funktionierte. Denn es gab durchaus Mitarbeiter, die zu viel arbeiteten und um ihrer Gesundheit willen ein bisschen gebremst werden mussten. Im Telko-Unternehmen Sipgate hingegen gibt es seit Jahren wieder eine Stechuhr. Die Geschäftsführung empfindet sie als Erleichterung, um sicherzustellen, dass Mitarbeiter auch wirklich Feierabend machen und sich nicht ständig unter Druck fühlen. Die Bielefelder Digitalagentur Rheingans hat sich längst vom typischen Acht-Stunden-Tag verabschiedet - weil in Wissensberufen acht Stunden kontinuierliche Leistung ohnehin ein Mythos seien. Hier wird nur fünf Stunden pro Tag gearbeitet, was allerdings manche Mitarbeiter durchaus auch unter Druck setzt. Die Beispiele zeigen - es kommt nicht nur auf die formale Stundenzahl an, die gearbeitet wird, sondern auch auf den Gesamtkontext. Auch protokollierte Acht-Stunden-Tage können richtig stressen, wenn die Arbeitskultur nicht stimmt. Wer sich mit verdichteter Arbeit in fünf Stunden auspowert, hat zumindest noch den Rest des Tages, sich wieder zu erholen.
Stechuhr? Aber gerne! faz.net 19.6.19

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