Haben Sie noch ein Gespür für Ihre "Naturzeit"? 
Mittwoch, 6. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Wann wir morgens aufstehen oder abends ins Bett gehen, ist uns oft von äußeren Faktoren vorgegeben, bei denen, die einer Arbeit nachgehen, vor allem von den regulären Arbeitszeiten. Wir mögen uns daran stoßen, dass wir morgens vielleicht noch nicht so recht wach sind oder, wenn wir zu den Frühaufstehern gehören, Meetings am frühen Abend lieber vermeiden, aber meist sind wir uns nicht bewusst, was diese Fremdtaktung wirklich für Körper, Geist und Seele bedeutet. Wir hechten einfach einer Anforderung nach der anderen hinterher. "Der menschliche Körper ist ein rhythmisches Instrument. Er repräsentiert Zeit, indem er mir anzeigt, wann ich aufnahmefähig und aktiv bin und wann müde. Die Uhr ist hingegen ein Taktinstrument und die Umstellung auf die Winterzeit bringt uns sozusagen aus dem Takt. Man könnte sie aber auch als eine Chance sehen, um wieder in den natürlichen Rhythmus zu kommen, den wir in den vielen Jahren, in denen wir nach der Uhr gelebt haben, verlernt haben", erlärtt der Zeitforscher Karlheinz Geißler in einem Interview mit der SZ. Doch selbst, wenn vieles an unserem Tagesrhythmus von außen vielleicht vorgegeben ist, können wir immer noch auf der Mikroebene wieder sensitiver werden für die Feinheiten unseres ganz persönlichen Zeitempfindens. Ein kleines Nickerchen, wenn man zwischendurch müde wird, kann da ebenso helfen, wie die Mahlzeiten auf Phasen zu verschieben, in denen man wirklich hungrig ist. Auch mit dem Schlafengehen ist das so eine Sache. Mal Hand aufs Herz - gehen Sie abends immer zeitnah ins Bett, wenn Sie sich müde fühlen? Oder ist der Krimi im Spätprogramm dann gerade so spannend, dass es noch ein halbes Stündchen länger sein muss ...Karlheinz Geißler rät dazu, sich mehr auf die Zeit der eigenen Natur zu fokussieren, denn: "Wenn ich von der Uhrzeit zur Naturzeit komme - also zu einem Rhythmus, der von meiner eigenen inneren Natur ausgeht oder der äußerlichen Natur - dann ist die Chance am größten, dass ich zufrieden bin."
"Den Einfluss der Uhr zurückdrehen", SZ 26.10.19

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Die Schattenseite der Positiven Psychologie 
Dienstag, 5. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, weiß der Volksmund. Die so genannte Positive Psychologie befeuert diesen Gedankengang. Unzählige Selbsthilfebücher weisen uns den Weg in ein glücklicheres Leben. Doch geht es hier längst nicht allein um unser privates Wohlergehen. Eher um ein Politikum. Das meint zumindest die Soziologin Eva Illouz. In einem Interview mit der NZZ deutet sie darauf, wie diese Fokussierung auf das Positive und die Betonung von Selbstverantwortlichkeit uns aus größeren Zusammenhängen herauslösen und anfällig machen für Manipulation. "Viele Arbeitgeber nutzen Methoden der Positiven Psychologie. Es ist ein effektiver Weg, um Leute zu kontrollieren und sie produktiver zu machen. Wenn die Leute für sich selbst und für alles verantwortlich gemacht werden, gibt es keinen Grund, warum sie bessere Arbeitsbedingungen fordern sollten", erklärt sie. Ähnlich kritisch sieht sie die sich wandelnde Rolle des Staates in diesem Spiel, denn privatisierte Glücksverantwortlichkeit führe da leicht in eine Selbstisolation: "Der Staat spielt nicht länger die Schlüsselrolle, indem er die Bürger befähigt, ihr Glück zu suchen, wie es in der amerikanischen Verfassung steht, sondern die Bürger müssen das allein tun, wie wenn kein Kontext und keine Institutionen existieren würden. Dieser Ansatz ist sehr erfolgreich und beeinflusst auch die Politik." Hinzu komme, dass der inhärente Zwang zum positiven Denken auch in eine seelische Abwärtsspirale münden könne: "An der Positiven Psychologie kritisiere ich, dass sie dazu führt, dass man sich für negative Gefühle schämt. Depression, Wut und Angst werden zu Gefühlen von Verlierern. Den Leuten wird vermittelt: Wenn ihr verletzt werdet, stimmt etwas nicht mit euch. Ihr müsst die Bedingungen eurer mentalen Gesundheit selbst schaffen. Glückspsychologie schafft ein neues Erfolgsmodell, das von der Fähigkeit zu positivem Denken abhängt." Interessant am Gesamtbild ist, wie man hier sehen kann, dass die positiven Seiten der Individualisierung so leicht in ihr Gegenteil kippen können.
"Glück ist ein Statussymbol geworden", NZZ 25.10.19

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Linke fordert Anti-Stress-Verordnung 
Montag, 4. November 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Stress ist inzwischen zur Krankheitsursache Nummer 2 geworden und damit häufiger als eine Erkältung. Eine Anfrage der Fraktion der Linken brachte zutage, dass psychische Leiden und Verhaltensstörungen seit 2008 um 144 Prozent zugenommen haben. Die Zahl der Krankheitstage stieg im gleichen Zeitraum um 71 Prozent. Auch andere Erkrankungsarten haben in ähnlichem Umfang zugenommen. Am Häufigsten erkranken Arbeitnehmer immer noch am Muskel-Skelett-System. Für die Linke deuten diese Zahlen daraufhin, dass wir dringend eine Anti-Stress-Verordnung brauchen, um diesem Negativtrend Einhalt zu gebieten. Sie möchte darauf hinwirken, dass Arbeitgeber verbindliche Richtlinien an die Hand bekommen, wie sie Stress eindämmen können. Gefährdungsbeurteilungen zur psychischen Belastung der Mitarbeiter seien wichtig, um Abhilfe zu schaffen. Man kann die Aufschreie der Arbeitgeber schon hören und ihre Angst vor Produktivitätsverlusten, wenn Menschen bei der Arbeit vielleicht künftig mehr geschont werden müssten. Wie unproduktiv hingegen heutige Arbeitskulturen gesamtgesellschaftlich sind, steht außer Frage. Die immer wieder wachsenden Defizite der Krankenkassen liefern hier handfeste Zahlen. Vom Verlust an menschlichem Wohlbefinden und Lebensqualität mal ganz zu schweigen.
Zahl der Krankentage in Deutschland stark gestiegen, welt.de 23.10.19

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Warum Blender und Narzissten leichter Chefs werden 
Freitag, 1. November 2019 - Psychologie, Arbeit, Management
Es gibt unzählige Studien, die international darauf hinweisen, wie inkompetent viele Führungskräfte sind, nicht zwingend auf der fachlichen Seite, wohl aber, wenn es um den Umgang mit Mitarbeitenden geht. In einem Interview mit der Zeit erklärt der Psychologe Tomas Chamorro-Premuzic, dass dies unter anderem daran liege, dass wir ein falsches Verständnis von Führung haben. "Wenn jemand ein übermäßig großes Selbstbewusstsein hat und derjenige auch charismatisch ist, vielleicht sogar narzisstische Züge hat, trauen wir dieser Person Führungspotenzial zu. Das Problem ist, dass genau das die Eigenschaften sind, die jemanden zu einem schlechten Chef machen. Er handelt nach seinem eigenen Nutzen, verfolgt nur seine Ziele und sieht seine Fehler nicht", sagt er. Und deutet darauf, dass in Bewerbungsgesprächen eher darauf geachtet werden sollte, welche "Lernfähigkeit, emotionale Intelligenz, soziale Kompetenz und Integrität" Kandidaten mitbringen. "Ein kompetenter Chef ist jemand, der einen Haufen Menschen dazu bringt, ihre persönliche Agenda beiseitezulegen, um etwas zu erreichen, das sie alleine nicht schaffen könnten. Kompetente Führungskräfte sorgen dafür, dass sich die Teammitglieder vertrauen, alle sich einbringen und zusammen Leistungen bringen, mit denen sie andere Teams übertreffen", so Chamorro-Premuzic.
"Narzissten trauen wir Führungspotenzial zu", zeit.de 21.10.19

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Arbeit einfach ein bisschen Aufhübschen 
Donnerstag, 31. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Im gestrigen Beitrag zum Thema Burn-out ist es bereits angeklungen, wie die ganz grundsätzlichen Prinzipien der Arbeitswelt geradezu dazu beitragen, dass Menschen sich über die Maßen verausgaben und schließlich zusammenbrechen. Am anderen Ende der Skala (wenngleich womöglich mit ähnlichem Ergebnis) spielt sich der New-Work-Trend ab. Da ist dann viel die Rede von sinnhafter Arbeit und Strukturen, die etwas ermöglichen sollen. Und auch der Hype-Begriff Agilität schwingt hier immer wieder mit, denn immer mehr Unternehmen haben Angst davor, von der Konkurrenz abgehängt zu werden, wenn sie nicht "agil genug" sind. Welches unterschwellige Dilemma sich hier zusammenbraut (man könnte auch sagen, welche Schönfärberei gerne betrieben wird), kam mir in einem Interview entgegen, das die Wirtschaftswoche mit dem Interimsmanager Bodo Antonic führte, der den New-Work-Trend eher kritisch sieht. "Wie kann Arbeit produktiv und kapitalismustauglich bleiben und gleichzeitig doch Verbesserungen im Sinne der New-Work-Ideen beinhalten, ohne dass nur gelabert wird?", fragte die WiWo. Und was allein in dieser Frage steckt, ist beachtlich, denn all die üblichen Annahmen, auf denen Management heute basiert, werden durch die Frage dezent bestätigt, so dass New Work zum Sahnehäubchen wird. Im Kern soll alles so bleiben, wie es ist, nur vielleicht noch ein bisschen schneller und dabei auch ein bisschen besser werden, aufgehübscht eben. Antonic ist da sofort dabei und antwortet: "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Arbeit Arbeit bleiben darf und sogar muss. Die ganze Diskussion, die Arbeit mit Sinn – man sagt ja jetzt purpose – aufladen will, unterstellt ja, dass Arbeit jetzt nicht wirklich gut sei. Das sehe ich aber nicht so. Dass ein Job mal mehr und mal weniger Spaß macht, finde ich nicht problematisch. Dass ein Unternehmen produktiv sein muss, finde ich auch nicht problematisch. Die Frage ist eigentlich nur, wie gestalten wir die acht Stunden, die wir im Betrieb sind, so, dass wir ein gutes Miteinander haben. Als Praktiker störe ich mich an der Formulierung, Arbeit müsse ganz neu gedacht werden." Und in diesem Stil geht das Interview weiter. Auf die Frage "Wo fängt die Utopie an, wo der Antikapitalismus?", legt Antonic nach: "Eine gängige Aussage von New-Work-Romantikern ist: Wir müssen Arbeit so organisieren, dass sie den Purpose des Mitarbeiters befriedigt. Damit wird Arbeit degeneriert zu einer Lustbefriedigung des Arbeitenden. Das geht vorbei am Sinn und Zweck von Unternehmen, die ihre Kunden bedienen wollen. Und dafür muss gearbeitet werden. Es geht nicht um eine Sinnbefriedigung der Mitarbeiter. Wenn so ein antimaterialistischer, antikapitalistischer Arbeitsansatz in unserer Gesellschaft auf den betriebswirtschaftlichen Rahmen prallt, der sich im Kapitalismus bewegt, dann klatschen da einfach zwei Welten aufeinander, das kann nicht gutgehen. ... Aus Sicht des Unternehmens ist es völlig egal, ob es Spaß macht oder nicht. Wichtig ist, dass die Arbeit gemacht wird." Es geht auch nicht. Die kapitalismuskonformen Implementierungen einer falsch verstandenen New Work werden nämlich leicht zur Burn-out-Maschinerie - nur dass das Klagen darüber immer schwerer fällt, wenn mit smartem, inspirierten Vokabular eine Schicht des schönen Scheins darüber gelegt wird, dass immer mehr Menschen an den Anforderungen im Business verzweifeln. Antikapitalismus wird leicht als Killerphrase genutzt, um all die, die immer noch daran glauben, dass Arbeit wirklich menschendienlich sein kann, mundtot zu machen. Wir haben hier ein massives kulturelles Problem. Darüber möchten aber die Wenigsten ernsthaft nachdenken oder gar reden.
„Bei Arbeit geht es nicht um eine Sinnbefriedigung der Mitarbeiter“, WiWo 20.10.19

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Burn-out als Dilemma der Leistungsgesellschaft 
Mittwoch, 30. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Kraftlos sein, nicht mehr können - das ist ein Gefühl, das immer mehr Menschen im Berufsleben mit sich herumschleppen. Seit es den Burn-out-Begriff hat dieses Phänomen einen Namen. Doch Erschöpfung den Status einer Krankheit zuweisen zu können, macht die Dinge nicht leichter. Denn das, was Menschen auslaugt, ist nicht nur ein vielleicht überhöhter Leistungsanspruch an sich selbst, sondern oft auch die grundsätzlichen Bedingungen in der Arbeitswelt. In einem Interview mit der Zeit geht der Psychologe Rainer Hellweg davon aus, dass etwa die Hälfte der Arbeitgeber nicht unbedingt optimal reagiert, wenn Beschäftigten der Job zu viel abverlangt. "Nach außen hin zeigen sie sich oft verständnisvoll. Letztlich sind viele Vorgesetzte aber daran interessiert, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hundert Prozent oder mehr leisten. Einigen geht das über die Gesundheit der Leute. Ausnahmen gibt es aber, in denen Führungskräfte sehr verständnisvoll waren und sind: zum Beispiel, wenn sie selbst bereits etwas Ähnliches erlebt haben wie der Betroffene. Oder wenn sie den Ausfall einer Arbeitskraft durch eine andere vergleichsweise gut kompensieren können", sagt er. Wie tiefgreifend dauerhafte Erschöpfung ist und Menschen zusetzt, wird deutlich an der Behandlung, die Hellweg empfiehlt. Bei Menschen, die noch nicht zu tief in der Erschöpfungsspirale festhängen, sei es oft mit 20 Therapiestunden getan, sagt er. Das ist nicht gerade wenig. Und letztlich lernen die Betroffenen in der Therapie, selbst besser mit den zu hohen Anforderungen, die vielen heute auferlegt werden, umzugehen. Eigentlich bräuchte unsere Kultur eine Therapie ...
"Meistens trifft es Menschen, die sich für unverzichtbar halten", zeit.de 16.10.19

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Gerechtigkeit ist Mangelware im Business 
Dienstag, 29. Oktober 2019 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Studien zeigen, dass die Babyboomer-Generation immer öfter darüber nachdenkt, wie sie früher aus dem Erwerbsleben aussteigen kann. Nicht einmal jeder Zehnte dieser Altersgruppe beabsichtigt, bis zum offiziellen Renteneintrittsalter zu arbeiten. In den Augen des Soziologen Wolfgang Menz liegt das vor allem daran, dass sich in den letzten Jahren in vielen Unternehmen eine Kultur des sich permanent Behaupten-Müssens eingespielt hat. "Früher konnten Beschäftigte, die durch gute Leistungen aufgestiegen sind, ihren Status einfacher erhalten. Einmal erreicht, war die Position gesichert. Nun gibt es in Unternehmen schon seit längerem die Entwicklung, dass Leistung ständig getestet wird – Beschäftigte müssen sich immer wieder bewähren und zeigen, dass sie sich ihre Stellung zurecht erarbeitet haben. Sie haben den Eindruck, immer mehr Leistung bringen zu müssen, um ihre Stellung im Unternehmen und der Gesellschaft nicht zu gefährden. Eine Gegenreaktion ist aus diesem System auszusteigen, um sich dem Druck nicht weiter auszusetzen", sagt er in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Das Gefühl, immer mehr leisten zu müssen und sich nicht auf dem Erreichten ausruhen zu können, versetze viele in Stress. Menz deutet auch auf eine wahrgenommene Gerechtigkeitslücke unserer Systeme. "Alle fühlen sich ungerecht behandelt – die einen glauben zu viel abgeben zu müssen, andere sind der Ansicht zu wenig zu haben. Die Gesellschaft setzt sich gar nicht mit den komplexen Strukturen dahinter auseinander. In welchem Verhältnis stehen zum Beispiel Leistung und Märkte? In der Gesamtheit betrachtet werden nicht diejenigen honoriert, die sich am meisten angestrengt haben. Trotzdem berufen wir uns weiter auf das Leistungsprinzip, weil Verteilung allein nach Bedürftigkeit oder Egalitätsprinzipien weder funktioniert, noch geteilter Wunsch ist. Wir machen beständig die Erfahrung von Ungerechtigkeit, halten aber am Prinzip der Leistungsgerechtigkeit fest", erklärt er. Wahrscheinlich sind es Feinheiten wie diese, denen wir viel mehr Augenmerk schenken sollten, denn die damit verbundenen Unzufriedenheiten graben sich tief ein in unser gesellschaftliches Verständnis und schaffen Spaltungen.
„Individueller Leistungsaufwand garantiert Erfolg immer weniger“, WiWo 17.10.19

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Nur für sich und gegeneinander 
Montag, 28. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Viele Menschen haben das Gefühl, dass die Zeiten rauer werden und darunter auch der zwischenmenschliche Umgang miteinander leidet. Eine Untersuchung des Allensbach-Instituts im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft zeigt: Unter den 30- bis 59-Jährigen erleben 81 Prozent heute eine wachsende Aggressivität. 77 Prozent finden, dass die Menschen immer mehr unter Zeitdruck stehen. 73 Prozent konstatieren wachsenden Egoismus und 70 Prozent bemängeln, dass Regeln immer weniger beachtet werden. Darunter leidet der Respekt füreinander und gleichzeitig nehme die Fremdenfeindlichkeit zu, so jeweils 68 Prozent der Befragten. Spannend wäre natürlich, im Detail einmal den Ursachen für diese Entwicklungen nachzugehen. Der in der Studie angesprochene Zeitdruck mag einen ersten Hinweis liefern. Menschen, die sich ständig unter Druck fühlen, scheinen sich beinahe schon automatisch auf eine Position der Selbstverteidigung und Abgrenzung zurückzuziehen. Wenn ich schon selbst dem Leben kaum noch standhalten kann, wie mag ich dann noch für andere da sein, könnte hier eine Frage sein. Ein kulturell wunder Punkt dürfte hier auch sein, dass wir so auf Individualismus getrimmt sind, dass wir immer glauben, die Suppe alleine auslöffeln zu müssen. Im eigenen Genervtsein vermag ich dann kaum noch zu erkennen, dass es anderen genauso geht - und es vielleicht besser wäre, statt aufeinander loszugehen, gemeinsam nach besseren Lösungen und einer Veränderung der äußeren Umstände zu streben.
#Gene­ra­tion­Mitte beklagt wach­sende Aggres­si­vi­tät, Ego­is­mus und Respekt­lo­sig­keit, GDV 12.9.19

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