Wie die Kirche zum Individualismus der Moderne beitrug 
Dienstag, 26. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Mit Religion verbinden wir zumeist auch so etwas wie einen tieferen Zusammenhalt in etwas Größerem. Das Göttliche als Schoß der Menschheit, in dem alles gehalten ist. Eine neue Studie zur Bedeutung kirchlicher Regeln und Institutionen für unsere menschliche Entwicklung kommt hier jedoch zum einem eher überraschenden Schluss. Gerade die Dogmen der katholischen Kirche scheinen in besonderem Maße zur heute immer deutlicher wahrnehmbaren menschlichen Individuation und auch Isolation beigetragen zu haben. Das für moderne westliche Kulturen so zentrale Streben nach Unabhängigkeit könnte nicht zuletzt durch kirchliche Regularien wie das Verbot der Verwandtenehe befördert worden sein. Die Wissenschaftler verglichen in ihrer Forschung 440 Regionen in 36 europäischen Ländern. "Westeuropäer und ihre kulturellen Abkömmlinge in Nordamerika und Australien neigen dazu, individualistisch, unabhängig, analytisch denkend und gegenüber Fremden prosozial zu sein. Gleichzeitig zeigen sie eine geringere Konformität, Bereitschaft zur Unterordnung und Loyalität gegenüber der eigenen Gruppe und auch weniger Vetternwirtschaft", zitiert wissenschaft.de Jonathan Schulz von der George Mason University in Fairfax und seine Kollegen. Es scheint, als habe die katholische Kirche wesentlich dazu beigetragen, verwandtschaftsbasierte Strukturen aufzulösen, so dass heute in Regionen, die schon lange christianisiert sind, vor allem eher loser Zusammenhalt die sozialen Strukturen prägt. Starker Individualismus, wenig Konformität und Gehorsam sowie ein Bedürfnis nach Unabhängigkeit sind die Ergebnisse, die bis heute wirken.
Wie die Kirche unsere Psyche prägte, wissenschaft.de 12.11.19

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Warum Tagträumen kreativ macht 
Montag, 25. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Mit Kreativität verbinden wohl die meisten Menschen einen Zustand höchster Aktivität. Doch unverhoffte Eingebungen und Ideen entstehen eigentlich gewissermaßen aus der Stille. Im Gehirn ist vor allem das so genannte "Default Mode Network" an kreativen Impulsen beteiligt. Es ist vor allem dann aktiv, wenn wir keine äußeren Impulse verarbeiten, beispielsweise beim Tagträumen oder auch, wenn wir eher monotonen Tätigkeiten nachgehen, die unseren Geist nicht fordern. Auch wenn der Müßiggang in unserer Leistungskultur oft eher verpönt ist - er scheint eine wesentliche Basis für schöpferische Kreativität zu sein. Eine Studie zeigte kürzlich wieder, dass das reizunabhängige Denken, das sich in diesem Grundzustand des Gehirns abspielt, die Grundlage für komplexe und anspruchsvolle Hirnleistungen legt. Hier erwächst die Möglichkeit, uns in andere Menschen hineinzuversetzen, Zusammenhänge neu zu verstehen und künftiges Geschehen zu bedenken. Man könnte fast sagen, in der Ruhe liegt die Kreativität.
Tagträumen ist keine Zeitverschwendung, sondern eine lebenswichtige Hirnfunktion, NZZ 9.11.19

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Achtsamkeitskalender mit Tipps für den Alltag 
Freitag, 22. November 2019 - sonstiges
Sich im Alltag immer wieder daran zu erinnern, ein bisschen achtsamer zu sein, ist oft gar nicht so leicht. Eine kleine Unterstützung bietet der Achtsamkeitskalender 2020, der ganz unaufgeregt mit wunderschön bebilderten Monatsmotiven und zwölf Fragen, die zu mehr Achtsamkeit anregen sollen, durchs Jahr führt. Der Kalender wurde mir vom Macher persönlich ans Herz gelegt. Bei der Ausgestaltung merkt man, dass ihm ein authentischer Zugang wichtig ist. Fragen wie
In welchen Situationen bin ich großzügig?
In welchen Bereichen bin ich aufrichtig?
In welchen Situationen habe ich Ehrfurcht vor dem Leben?
Wie offen bin ich mit meinem Leben?
In welchen Lebensbereichen kann ich Sanftmut entwickeln und kultivieren?
Wann gehe ich wirklich Gemeinschaft ein?
können dazu inspirieren, in die Tiefe zu gehen. Ganz ohne die Aufgeregtheit vieler Achtsamkeits-Gadgets. Ist sicher für viele auch ein schönes Weihnachtsgeschenk.

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Wenig Schlaf, mehr Angst 
Donnerstag, 21. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Schlaf dient nicht nur der Erholung, er reguliert auch den menschlichen Umgang mit Ängsten. Eine amerikanische Studie zeigt nun: Bei Menschen, die zu wenig schlafen, kann sich das Angstniveau um rund 30 Prozent erhöhen. Grund dafür ist der Studie zufolge, dass in unausgeschlafenem Zustand beim Menschen Gehirnareale, die für die Angstregulation zuständig sind, weniger aktiviert werden. Besonders wichtig sei der Tiefschlaf, denn in diesen Phasen regenerieren sich die natürlichen Bremsmechanismen des Gehirns, die die emotionale und physiologische Reaktivität senken und damit das sich Hochschaukeln von Ängsten verhindern. Die Wissenschaftler bemängeln, dass insbesondere bei der Therapie von Angststörungen noch zu wenig Augenmerk auf eine Verbesserung der Schlafqualität gelegt werde. Aber auch für Gesunde sind die Studienerkenntnisse wesentlich, denn wer möchte schon überängstlich durchs Leben gehen?
Wie Schlafmangel ängstlich macht, wissenschaft.de 7.11.19

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Solidarität wieder tiefer verankern 
Mittwoch, 20. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
In christlichen Kontexten gilt der Heilige Sankt Martin als Inbegriff von Nächstenliebe. Doch wie steht es um diese Solidarität in unserer Gegenwartskultur? In einer Zeit, in der immer mehr Menschen das Gefühl haben, jeder kümmere sich vor allem um seine Angelegenheiten. Gerhard Wegner, Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche (EKD), findet: "Was es braucht, sind institutionelle Ordnungen. Das sind in Deutschland insbesondere die Institutionen des Sozialstaates, die dafür sorgen, dass Solidarität über gesetzliche Regelungen vernünftig verankert wird." Gleichzeitig betont er aber auch, wie viel Solidarität sich bereits durch zivilgesellschaftliche Initiativen entfalte, beispielsweise die Tafeln, die Hospizbewegung oder das Engagement in der Flüchtlingshilfe von vielen Privatpersonen. Für Wegner ist hier auch ein Wandel insofern zu erkennen, dass es heute nicht mehr um einzelne Helden, wie Sankt Martin einer war, gehe, sondern darum, wirklich gemeinsam etwas zu machen.
Solidarität braucht eine gesetzliche Verankerung, Deutschlandfunk 11.1.19

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Null Bock auf Führung 
Dienstag, 19. November 2019 - Studien, Arbeit, Management
Über Jahrzehnte schien der Aufstieg in eine Führungsposition für viele Berufstätige etwas sehr Erstrebenswertes. Doch inzwischen scheint das Blatt sich zu wenden. Eine repräsentative Befragung der "Initiative Chefsache", einem Zusammenschluss von Führungskräften unter der Schirmherrschaft von Kanzlerin Angela Merkel, mit 5.000 Personen zeigt: Die Neigung, ganz nach oben zu wollen, lässt deutlich nach. Bei der Erhebung im Vorjahr wollten noch 45,1 Prozent der Männer und 37,5 Prozent der Frauen im Job eine Führungsposition erreichen. Nun, ein Jahr später, sind an einer Führungsposition nur noch 40 Prozent der Männer und 33,7 Prozent der Frauen interessiert. Warum das so ist, zeigt die Studie nicht. Allerdings ist anzunehmen, dass selbst ambitionierte Menschen immer seltener bereit sind, das immense Spannungsfeld, das mit Führungspositionen verbunden ist, in ihr Leben zu lassen. Karriere bedeutet für sie vielleicht eher, etwas bewegen zu wollen, aber nicht um jeden Preis. Theoretisch kann das eine gute Entwicklung sein, denn bei all den Initiativen zu mehr Agilität in Unternehmen, die ja auch Hierarchien abbauen wollen, sind Führungspositionen vielleicht ohnehin ein Auslaufmodell.
Wer will schon Chef sein? spiegel.de 8.11.19

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Aufmerksamkeit ist ein Politikum 
Montag, 18. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Der Achtsamkeits-Hype lässt immer mehr Menschen darüber nachdenken, wie sie im Alltag ein bisschen mehr entspannen und ihre Resilienz fördern können. Womöglich gehen individuelle Initiativen aber an den eigentlichen Herausforderungen vorbei. Die Autorin Lisa Herzog jedenfalls findet, dass Aufmerksamkeit eigentlich ein Politikum ist. In der Zeit schreibt sie: "Die Verantwortung wird dem einzelnen Individuum zugeschoben. Wer heute sein Humankapital optimal vermarkten will, hat eben auch die eigene Aufmerksamkeit und Erholung selbst zu managen! Aufmerksamkeit – und damit auch ihre digitalen Feinde – sind aber keine rein individuelle Angelegenheit, sondern eine gesellschaftliche, und, in gewissem Rahmen, auch eine politische." Einerseits deutet sie darauf, dass immer mehr vor allem digitale Geschäftsmodelle unsere menschliche Aufmerksamkeit kommerzialisieren. Das mache es schwer, noch wirklich persönliche Lebensentwürfe zu entwickeln. Darüber hinaus würden die Aufmerksamkeitsräume zunehmend privat, beispielsweise wenn ich meditiere oder ich dafür sorge, dass ich nicht durch mein Handy gestört werden. Herzog findet, es fehlen heute zunehmend Räume einer geteilten Aufmerksamkeit, solche, in denen beispielsweise auch "spontane Begegnungen mit anderen Menschen stattfinden können". Sie fragt: "Wer weiß, wie viele andere Veränderungen möglich würden, wenn durch ein bisschen weniger digitalen Aufmerksamkeitsklau neue Freiräume für das Weiterdenken spontaner Ideen oder für neue Begegnungen mit Mitmenschen entstünden!" Es geht ihr um mehr als nur ein bisschen mehr Miteinander, denn mit der Frage, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten und mit wem wir sie teilen, ist sehr Grundsätzliches verbunden. "Was dabei auf dem Spiel steht, ist die Art und Weise, wie wir arbeiten, aber auch, wie wir leben, in einem sehr existenziellen Sinn", so Herzog.
Für Ihre Erholung müssen Sie schon selbst sorgen!, zeit.de 31.10.19

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Schläfrige Agilität 
Freitag, 15. November 2019 - Studien, Arbeit, Management
Agilität ist in aller Munde, vor allem in den Führungsetagen, schließlich möchte kein Manager, der etwas auf sich hält, diesen Trend verpassen. Doch wenn es um die Umsetzung geht, hinken viele Führenden hinterher. Sie glauben vielleicht, agil mit ihren Mitarbeiter*innen umzugehen, doch sehen diese das ganz anders, so die Erkenntnis einer Befragung des Jobportals Stepstone von 10.000 Fach- und Führungskräften. 61 Prozent der Befragten finden flache Hierarchien wichtig, doch nur in einem Drittel der Firmen seien diese auch gegeben. Die Anwendung agiler Methoden erscheint jedem dritten Befragten wichtig, umgesetzt werden sie allerdings gerade einmal in jeder zehnten Firma. Die Hälfte der Führungskräfte ist der Meinung, sie binde ihre Mitarbeiter gut in Entscheidungsprozesse ein, aber nur jeder sechste Mitarbeiter kommt zum gleichen Schluss. Ähnliches beim Thema Motivation. Zwei von drei Führungskräften glauben, sie motivieren ihre Mitarbeitenden, aber nur gut jede*r Vierte sieht das genauso. Agilität kommt also durchaus in vielen Unternehmen noch eher schläfrig daher.
Mitarbeiter wollen agil arbeiten – Unternehmen sind die Bremser, WiWo 29.10.19

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