Mit Achtsamkeit Ängste verlernen 
Dienstag, 14. Januar 2020 - Psychologie, Studien
In manchen Therapien ist ein Teil der Behandlung das Verlernen von Ängsten. Da diese jedoch leichter "gelernt" werden, als man sie hinterher wieder loslässt, sind solche Ansätze nicht immer von Dauer. Eine neue Studie zeigt nun: Wenn Menschen nur ein vierwöchiges Achtsamkeitstraining mit einer App durchlaufen, unterstützt das das therapeutisch begleitete Verlernen von Ängsten deutlich. Der Versuchsaufbau der Studie war allerdings ein vergleichsweise banaler, denn die Probanden wurden darauf konditioniert, dass bestimmte Bilder, die ihnen gezeigt werden, mit der Verabreichung schmerzhafter Elektroschocks verbunden sind. Das Angstsetting war ein zeitlich sehr überschaubares und die Angst nicht, wie im echten Leben so oft über Jahre "kultiviert". Einerseits finde ich es spannend zu sehen, in welch unterschiedlichen Szenarien Achtsamkeitsübungen positive Wirkungen zeitigen. Mir fehlt aber ein wenig der Weitblick bei vielen Ansätzen. Deutlich mehr interessieren würde mich beispielsweise, einmal in einer Langzeitstudie zu erforschen, ob Meditation nicht vielleicht als grundsätzliche Lebenspraxis betrieben, das Entstehen von Ängsten verringern könnte. Viele aktuelle Forschungsprojekte, die Achtsamkeit hypen, konzentrieren sich darauf, die Resultate einer womöglich nicht so dienlichen Lebensweise zu kompensieren - siehe all die Stressstudien, die gemacht werden. Wie wäre es, wenn wir uns mehr darauf konzentrieren, wie Lebensstile und kulturelle Gepflogenheiten sich ändern müssten, damit solche Reparaturen gar nicht möglich werden und Menschen einfach so ein zufriedenes Leben haben, beispielsweise indem meditieren so selbstverständlich wird wie Zähenputzen.
Achtsamkeitstraining hilft, Ängste zu vergessen, spektrum.de 8.1.20

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Weniger arbeiten wäre schön 
Montag, 13. Januar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Wie groß unsere Sehnsüchte zu sein scheinen, die offizielle Erlaubnis zu erhalten, weniger zu arbeiten, zeigte kürzlich eine Falschmeldung, die in verschiedenen Medien und bei ihren Lesern auf enorme Resonanz stieß. Es ging darum, dass die finnische Regierung angeblich eine Vier-Tage-Woche mit Sechs-Stunden-Tagen einführen wolle. Die Zeit gibt sich in einem Kommentar zu dem Vorfall pragmatisch und listet eine ganze Reihe von Möglichkeiten auf, wie man die Arbeitszeiten wenigstens flexibler den Bedürfnissen der Arbeitnehmenden anpassen könnte. Interessanter finde ich, dass durch die Falschmeldung geradezu ein tiefes Luftholen unter gebeutelten Angestellten quer durch die Republik wahrnehmbar wurde. Denn in Kontexten, in denen sich Arbeit immer mehr verdichtet, geht es vielleicht schon lange nicht mehr darum, einfach etwas flexibler bis zur Erschöpfung zu schuften. Sondern Menschen haben wirklich zunehmend das Gefühl, zu viel, sprich zu lange im Verhältnis zu der Zeit, die ihnen für anderes bleibt, zu arbeiten. Und das deutet nicht nur auf ein Bedürfnis nach mehr Flexibilisierung - das heute durch die Hintertür oft mit unbezahlter und kaum wahrgenommener Mehrarbeit korreliert. Es geht eher darum, unsere Lebensperspektiven grundsätzlicher zu betrachten. Arbeit ist heute der Mittelpunkt unserer Leben. Aber muss das wirklich so sein? Fragen wird man ja noch dürfen ...
Es ist Zeit für radikale Flexibilität, zeit.de 9.1.20

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Einfach mal durchatmen 
Freitag, 10. Januar 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Die individuellen Kompensationsbemühungen in einer auf Überforderung angelegten Arbeitswelt haben den Markt der Achtsamkeits-Apps in den vergangenen Jahren gehörig gepusht. Laut „The State of Mobile 2019" sind die Ausgaben der Konsumenten für Meditations- und Gesundheits-App zwischen 2016 und 2018 um das Dreifache gestiegen. Mobile Mindfulness scheint wirklich in zu sein. Ein Artikel des Redaktionsnetzwerks Deutschland gibt eine schöne Übersicht über gängige Tools und bringt auch Kommentare von Expert*innen aus Therapie und Beratung, die zwar durchaus einen Nutzen dieser Apps gegeben sehen, aber sie auch nicht als Allheilmittel verstanden wissen möchten. Am besten gefällt mir der Schluss des Artikels, der von gesundem Menschenverstand zeugt. Die Psychologin Eva Kaczor hat für Gestresste einen wunderbar einfachen Tipp parat: "Tief in den Bauch auf vier einatmen, auf vier ausatmen und dann auf vier den Atem draußen halten. Nach zwei bis drei Minuten ist man wieder bei sich, fühlt sich ruhiger und leichter." Ja, einfach mal durchatmen, hilft wirklich!
Entspannung auf Knopfdruck? Meditations-Apps sollen bei Achtsamkeit helfen, RND 31.12.19

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Achtsamkeit im Hamsterrad 
Donnerstag, 9. Januar 2020 - Bewusstsein, Management
"Eine der größten Herausforderung der Arbeitswelt der 20er wird sein, weniger stresskranke Menschen zu produzieren", propagiert die Wirtschaftswoche in einem Grundsatzartikel, in dem das Magazin nicht nur den Achtsamkeitstrend kritisch unter die Lupe nimmt, sondern versucht, eine Diskussion anzustoßen über die ganz grundsätzlichen Veränderungsnotwendigkeiten in der Arbeitswelt. Es ist ein Vorstoß, der dringend notwendig scheint, denn seit die Achtsamkeitswelle an Fahrt aufgenommen hat, versprechen Apps, kluge Tipps für Zwischendurch und Sofortmaßnahmen, dass man mit ein bisschen Feintuning dann doch irgendwie wieder alles auf die Reihe bekommen kann. "Gemeinsam ist den vielen Achtsamkeitstipps, dass sie meist logisch und verlockend klingen und dem Gehetzten Hilfe versprechen, um trotz aller Belastung und aller eindeutiger körperlich-seelischer Warnsignale irgendwie doch nicht krank zu werden. Man muss resigniert feststellen, dass das doch mehr Selbstbetrug als Selbsthilfe ist", so der Artikel. Mit Beispielen hochrangiger Führungskräfte, die von sich aus die Reißleine gezogen haben und im Job kürzer getreten sind oder ihn ganz hingeschmissen haben, versucht der Beitrag dafür zu sensibilisieren, dass unsere Arbeitswelt längst zu unmenschlich geworden ist, als dass da mit individueller Kompensation noch viel zu machen wäre. "Durch Digitalisierung verdichtete Arbeit braucht deutlich mehr Ausgleich als nur ein paar Achtsamkeitsfloskeln. Wer über Jahre hochkonzentriert komplexe und vielfältige Arbeit verrichten soll, kann dies nicht acht Stunden am Tag tun. Erste erfolgreiche Versuche mit dem Fünf-Stunden-Tag gibt es bereits. Die Ansprüche an Freizeit und Familienleben sind gestiegen. Das erfordert noch mehr flexible und familienfreundliche Arbeitszeitregelungen, in einer idealen Welt wäre das die vor Jahren schon einmal vorgeschlagene 32-Stunden-Vollzeit-Woche für Eltern", listet der Artikel einige interessante Vorstöße der jüngeren Vergangenheit auf, die vorherrschenden Probleme grundlegender anzugehen. Es wäre zu wünschen, dass noch viel öfter thematisiert wird, wie wir in den letzten Jahren geradezu eine Überforderungsgesellschaft kreiert haben. Die gute Nachricht: Was wir geschaffen haben, können wir auch wieder verändern!
Gegen den Stress der Massen braucht es mehr als Achtsamkeit, WiWo 30.12.19

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Kann die Finanzwelt achtsam werden? 
Mittwoch, 8. Januar 2020 - Bewusstsein, Management
"Mindful Finance" ist eine der neueren Blüten, die der Achtsamkeitstrend hervorgebracht hat. Friedhelm Boschert, einst in Top-Positionen im Banking tätig, ist einer der Vorreiter des neuen Trends, dem das Magazin enorm einen Beitrag widmet. Inzwischen als Berater und auch Meditationslehrer tätig, versucht Boschert mit dem von ihm gegründeten Mindful Finance Institute den Sinn für die tiefere Beziehungsebene im Finanzwesen zu stärken. Ich finde den Ansatz interessant, weil er eine Wende andeutet von individuell praktizierter Achtsamkeit (oft zur Selbstoptimierung oder als letztes Mittel, um einen Zusammenbruch zu vermeiden) hin zu den menschlichen Zusammenhängen, in denen wir alle stehen. Menschen wieder als Menschen zu sehen und nicht nur als Geschäftspartner, die es einem ermöglichen, Ziele zu erreichen, ist eines der Anliegen. Der Professor für buddhistische Ökonomie Ernest Ng sagt beispielsweise: "Das Bindeglied zwischen Mindfulness und Finanzwesen ist das Vertrauen. Vertrauen ist beispielsweise ein zentrales Element für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit. Je langfristiger eine Geschäftsbeziehung angelegt ist, desto weniger wichtig wird in ihr der aktuelle Profit, und desto wichtiger wird das gegenseitige Vertrauen. Darauf lässt sich aufbauen." Es ist eine zarte Blüte, die hier sprießt. Ich würde mir wünschen, dass diese größeren Beziehungsdimensionen in der Achtsamkeitswelt künftig noch stärkere Resonanz finden.
Mindful Finance macht den Kapitalismus menschlicher, enorm 30.12.19

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Führungskräfte kämpfen mit ihrer emotionalen Inkompetenz 
Dienstag, 7. Januar 2020 - Psychologie, Arbeit, Management
Wer es bis an die Spitze schafft, gilt als erfolgreich. Doch hinter den äußeren Business-Fassade sieht es für viele Menschen in Führungspositionen eher düster aus, weiß der Psychiater Christian Dog aus seiner Beratungspraxis. "Erfolg kann krank machen, das beobachte ich bei meinen Klienten seit vielen Jahren. Besonders dann, wenn die Karriere schnell und steil verläuft. Häufig ist die Entwicklung der Persönlichkeit und die emotionale Kompetenz viel langsamer als der berufliche Aufstieg. Dann werden sie in die ständige Überforderung befördert und versuchen, die Diskrepanz zwischen der wirklichen Leistungsfähigkeit und dem geforderten Arbeitsprofil zu überspielen. Das kostet ungemein viel Kraft. Ohnehin legen viele der von mir betreuten Managerinnen und Manager bei den 80-Stunden-Wochen und dem enormen Druck kaum Wert auf ihre psychische Gesundheit", erzählt er in einem Interview mit der ZEIT. Karriere funktioniere in den üblichen Businessstrukturen nur, "wenn man verhärtet und verdrängt". Dogs macht immer wieder die Erfahrung, dass Führungskräfte nur schlecht Zugang finden zu ihrem Gefühlsleben. Das sei nicht nur ungesund für die eigene Psyche, sondern auch fürs Geschäft, denn viele Entscheidungen werden, ob bewusst oder unbewusst, aus dem Bauch heraus getroffen. Dogs Gegenmittel ist es, den Menschen dabei zu helfen, zu mehr Selbstreflexion zu gelangen: "Wir sprechen über die wirklich wichtigen Dinge und Werte im Leben: über Liebe, Familie, Gesundheit. In einem zweiten Schritt versuchen wir dann, den Alltag bewusst zu verlangsamen, Geschwindigkeit und Druck rauszunehmen und damit den Rahmen zu schaffen, sich auf die emotionale Identität und chronisch ungeklärten Konflikte zu konzentrieren."
"Je höher Manager kommen, desto einsamer werden sie", zeit.de 27.12.19

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Belastungen der Mitarbeiter frühzeitig erkennen 
Montag, 6. Januar 2020 - Arbeit, Management
Stress und Burnout sind nicht nur aufgrund gestiegener Belastungen in der Arbeitswelt in den letzten Jahren zu einem großen Thema geworden, sondern auch, weil viele Unternehmen noch nicht den rechten Blick dafür entwickelt haben, wie sie ihre Mitarbeiter vor Überlastung sinnvoll schützen können. Der Start-up "Dear Employee" möchte hier helfen. Er hat ein Befragungssystem entwickelt, mit dem Firmen leichter erkennen können, wie es um die gesundheitliche und seelische Verfassung ihrer Angestellten steht. Die Online-Befragungen sollen Entscheidern einen Überblick geben, wo es in ihrem Unternehmen hakt. Denn nur wer überhaupt im Bilde ist, wie es den Menschen, die in der Firma arbeiten, geht, kann auch entsprechende Maßnahmen ergreifen.
Dieses Start-up will Angestellte vor Burn-out schützen, welt.de 22.12.19

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Frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr 
Montag, 16. Dezember 2019 - sonstiges
think.work.different macht Pause zum Jahreswechsel. Wir wünschen allen regelmäßig hier Lesenden eine besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Start ins neue Jahr. Ab 6. Januar sind wir dann wieder mit frischen News für Sie da.

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