Zwischen Pessimismus und möglicher Verbundenheit 
Mittwoch, 18. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Noch schwappt die Corona-Krise mehr oder weniger über uns hinweg und wir sitzen staunend im Zentrum einer Entwicklung, deren weitere Folgen für niemanden auch nur zu erahnen sind. Das Zukunftsinstitut wirft indes bereits einen Blick auf mögliche Szenarien, wie die aktuellen Erfahrungen auf unser globales Zusammenleben wirken könnten. Anhang der Skalen Optimismus/Pessimismus und lokal/global sehen die Zukunftsforscher vier Szenarien, zu denen die Corona-Erfahrung führen könnte. Die positivste Möglichkeit wäre, wenn sich Optimismus und eine globale Haltung treffen und sich ein Adaptionsprozess zur resilienten Gesellschaft gestaltet. Damit meinen die Forscher, dass die Weltwirtschaft zu einem gesunden Verhältnis von lokalem und globalem Handel findet und damit zu einem insgesamt gesünderen Wirtschaftssystem, dass wir Menschen uns als Teil einer Weltgesellschaft aufeinander beziehen und unser Gesundheitsverständnis nicht nur ganzheitlich im Hinblick auf den eigenen Körper und Geist, sondern auch auf unser Zusammenwirken mit der Umwelt wird. Gelingt diese globale Perspektive nicht, wären auch lokale Wir-Kultur-Zusammenhänge denkbar, die sich allerdings in begrenzten, überschaubaren Beziehungsräumen entfalten. Nicht auszuschließen sei aber auch, dass wir uns weltweit in einen permanenten Krisenmodus, gepaart mit Ressourcenverteidigung, hineinmanövrieren und all unsere bestehenden Systeme langfristig crashen. Schlimmstenfalls könnte das in einem Kampf aller gegen alle gipfeln. Wir sollten uns bewusst machen, dass gegenwärtig all diese beschriebenen Szenarien durchaus denkbar sind. Und dass es von uns allen abhängt, was aus dieser Krise hervorgehen kann (oder durch sie verloren geht).
Zukunftsinstitut: Der Corona-Effekt

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In der Krise geeint im Verzicht 
Dienstag, 17. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Die Bedrohung durch den Corona-Virus lässt uns alle mehr zusammenrücken, zumindest innerlich, denn seit das soziale Leben immer mehr zum Erliegen kommt, sind wir vor allem im Verzicht miteinander verbunden. WELT-Redakteur Moritz Seyffarth, 26 Jahre alt, stellt in einem Kommentar eine Beziehung zur Diskussion über die Klimakrise her, in der vor allem die Jungen von der älteren Generation immer wieder Verzicht fordern. Unter den Vorzeichen von Corona müssten nun jedoch auch die Jungen "Verzicht lernen und Größe beweisen". Er ruft seine Altersgenossen dazu auf, achtsam zu sein im Umgang mit Älteren, um deren Ansteckungsrisiken zu minimieren, Hilfe anzubieten und füreinander da zu sein. "Es ist an der Zeit zu zeigen, dass auch wir bereit sind, Opfer zu bringen. Dass wir solidarisch sind. Es wird die Generationen in Deutschland wieder mehr zusammenschweißen. Das hilft dem ganzen Land – auch wenn die Krise überstanden ist", so Seyffarth. Vielleicht ist die Corona-Krise eine Chance, uns menschlich auf einer tieferen Ebene wieder näher zu kommen.
Nun muss meine Generation Verzicht lernen und Größe beweisen, welt.de 15.3.20

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Jeder fünfte Deutsche bekommt nicht genug Schlaf 
Montag, 16. März 2020 - Lebensart, Studien
Schlaf ist eine wesentliche Quelle für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Und doch bekommen wir selten genug davon. In Deutschland sagt nur jeder Zweite von sich, wirklich ausreichend zu schlafen, während jeder Fünfte spürt, nicht genügend Schlaf zu haben. Weltweit besonders ausgeschlafen sind die Inder, von ihnen bekommen zwei Drittel genügend Schlaf und nur etwa jeder Siebte beklagt Schlafmangel. In den USA, Frankreich und Spanien liegt der Anteil der Zuwenig-Schläfer bei gut 20 Prozent. Insbesondere das Arbeitsleben scheint bei vielen Menschen den Schlafmangel zu begünstigen, denn eine Studie zeigt, dass die Menschen an Arbeitstagen im Schnitt 1,2 Stunden zu wenig Schlaf bekommen. In einer Kultur, die immer in Bewegung ist, und einer Arbeitswelt, die uns mehr und mehr fordert, scheint ausreichender Schlaf immer mehr zum Luxus zu werden. Und darüber vergessen wir leicht, dass längerfristiger Schlafmangel unsere Gesundheit untergräbt. Wenn sich der Schlafmangel über längere Zeit hinzieht, leidet unsere körperliche Befindlichkeit. Bereits nach fünf Jahren können sich die Risiken, an Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder sogar an Krebs zu erkranken, erhöhen.
Die Deutschen schlafen zu wenig, welt.de 16.3.20

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Kann ein Virus Wandel wecken? 
Freitag, 13. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Der Umgang mit dem Corona-Virus bricht immer mehr von dem, was uns als alltägliches Leben zutiefst vertraut und wertvoll ist, auf. Reisebeschränkungen, Absage von Großveranstaltungen, großflächige Quarantäne - im Angesicht der Bedrohung werden Einschränkungen, die im Normalmodus einer Gesellschaft kaum durchzusetzen wären (oder gar angedacht wurden), plötzlich möglich. Und kaum jemand rebelliert. Weil unterschwellig allen klar ist, dass Verzicht (an individueller Bewegungsfreiheit) und Einbußen (wirtschaftliche Verluste) im Zweifel das kleinere Übel sind. Diese Eindeutigkeit ist selbsterklärend, denn wir alle laufen potentiell Gefahr, uns anzustecken, darin sind wir gleich. "Das Coronavirus hat das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinwohl, zwischen Ich und Wir, verändert", stellt die Theologin Sieglinde Geisel in einem Beitrag für den Deutschlandfunk fest. Und wirft die Frage auf, ob wir daraus nicht auch im Hinblick auf andere Krisen, die wir zu bewältigen haben, wie den Klimawandel lernen können. Was durch Corona entsteht, ist allerdings eine Gemeinschaft der Angst. Denn vielen Menschen dürfte die Akzeptanz all der Beeinträchtigungen, denen wir als Gesellschaft gerade ausgesetzt werden, vor allem deshalb relativ leicht fallen, weil es um ihren Selbstschutz geht - und weil dieser unmittelbar ersichtlich ist. Die Klimakrise hat hier einen schwereren Stand, denn ihre Folgen kommen über Bande in unsere Leben - und sie lassen sich leichter wegdiskutieren oder in die Zukunft vertagen. Andererseits ist es erstaunlich, wie sich unter den Vorzeichen von Corona plötzlich zuvor Undenkbares umsetzen lässt. Was in der Wirtschaft gegenwärtig geschieht, wird erst einmal gravierende Folgen für unsere Zukunft haben. Die Bewegungen an den weltweiten Aktienmärkten verdeutlichen das schon. Was aber wäre, wenn wir uns ein wenig Zeit nehmen und auf uns wirken lassen, dass wir die Situation nach der Krise (wie immer dieses Danach aussehen mag) vielleicht nicht zum alten Normalzustand zurückdrehen müssen, sondern sie auch in andere Richtungen weiterdenken können? Das wäre eine Chance für Wandel. Aber sie ist vielleicht noch undenkbar.
Vor einem Virus sind alle Menschen gleich, Deutschlandfunk Kultur 10.3.20

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Jeder Dritte fühlt sich von Arbeit psychisch beeinträchtigt 
Donnerstag, 12. März 2020 - Studien, Arbeit, Management
Die gute Nachricht - zwei Drittel der Arbeitnehmer finden, dass ihnen ihre Arbeit psychisch gut tut. Doch das übrige Drittel leidet im Job. Gründe sind massive Überlastung, eine zu geringe Bezahlung und fehlende Unterstützung durch die Vorgesetzten. Im internationalen Vergleich, beispielsweise mit den USA, Kanada, Italien oder Schweden, zeigt sich dabei, dass die Deutschen sich besonders von der hohen Arbeitslast tangiert fühlen. Das sind die Erkenntnisse einer Umfrage des Karriereportals Monster mit 4.500 Personen. Beim Jobwechsel wird ein Drittel von der Aussicht auf mehr Gehalt getrieben, doch genauso viele wollen inzwischen wechseln, weil sie mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden sind. Ein großer Teil der Arbeitenden erwartet inzwischen vom Arbeitgeber Engagement für die Umwelt und Werte wie Diversität, Gleichstellung und Inklusion.
Geld ist nicht alles, SZ 3.3.20

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Schlafen will gelernt sein 
Mittwoch, 11. März 2020 - Lebensart, Psychologie, Wissenschaft
Schlafmangel ist in unserer modernen Gesellschaft längst zu einem Kostenfaktor geworden - er kostet jene, die nicht schlafen können, Nerven, Energie und letztlich die Gesundheit. Und die Folgen davon lassen sich sogar monetär beziffern. So sollen der deutschen Wirtschaft jedes Jahr rund 55 Milliarden Euro entgehen, weil Arbeitende übermüdet sind. Wen wundert es da, dass viele mögliche Lösungsvorschläge ebenfalls aus dem Reich des monetären Denkens kommen. Mit besonderen Matratzen, Schlaflampen und anderem Equipment, das den Gebeutelten helfen soll, besser zu schlafen, werden weltweit jährlich rund 70 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Die Forschung zeigt, dass wohl die meisten dieser vermeintlichen Helfer schlicht unnütz sind und nichts bewirken. Krankenkassen setzen deshalb inzwischen immer öfter auf professionelle Schlaftrainings - die kosten zwar mehr als eine neue Matratze, aber dürften sich durch sinkende Krankheitskosten amortisieren. Vielleicht denken wir dieses Thema auch einfach von der falschen Seite aus, denn das funktionale Effizienzdenken, dass hier bei Lösungsversuchen mitschwingt, könnte ja auch etwas sein, das zum eigentlichen Problem beiträgt. Wo Menschen ständig in dem Bewusstsein leben, andauernd etwas leisten zu müssen, und wo der Alltag bis in die letzten Abendstunden mit Aktivitäten gefüllt wird (denn irgendwie möchte man ja auch noch "etwas vom Leben haben"), ist Dauererregung der Normalfall. Manches einfach mal sein zu lassen, könnte diese Spirale durchbrechen. Das erzeugt keine Kosten und schafft den Raum für Schlaf.
Das zweifelhafte Geschäft mit dem Schlaf der Deutschen, welt.de 10.3.20

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Viel Arbeit, wenig Arbeit und das Leben dazwischen 
Dienstag, 10. März 2020 - Studien, Arbeit, Management
Die Statistiken zeigen, dass der Fachkräftemangel im Hinblick auf die Arbeitsbelastung der Angestellten deutliche Spuren hinterlässt. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2018 mit 49,9 Wochenstunden am längsten Männer in der Land- und Forstwirtschaft und Fischerei. Selbst die kürzeste Arbeitszeit bei Vollzeitbeschäftigten, Männer in der Industrie, lag noch bei 40,4 Wochenstunden. Die viele Arbeit ist für die meisten in Ordnung. Nur 4,5 Prozent der Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft würden ihre Arbeitszeit gerne verändern. In der Industrie sind es schon 8,2 Prozent. Es ist schwer zu sagen, ob der Grund dafür vor allem darin liegt, dass viele Menschen schlicht auf die Höhe ihres Einkommens angewiesen sind, oder ob vielleicht Berufe an der frischen Luft auch im Gesamtbild etwas weniger verschleißend sind. In der Kommunikation und Technologie würden immerhin gerne fast 6 Prozent ihre Wochenarbeitszeit reduzieren und zwar um 11 Wochenstunden. Das spricht schon eine deutlichere Sprache im Hinblick auf die alltäglichen Belastungen am Arbeitsplatz. Interessant ist gleichzeitig, dass viele Teilzeitbeschäftigte gegen ihren Willen weniger arbeiten. Fast jeder fünfte Mann in Teilzeit würde seine Arbeitsstunden gerne um im Schnitt 18 Wochenstunden aufstocken. Bei den Frauen haben gut 10 Prozent den Wunsch, im Schnitt knapp 13 Stunden mehr zu arbeiten. Hier scheinen die Arbeitgeber bewusst lieber mit vielen Wenigbeschäftigten zu arbeiten, um dadurch flexibler zu sein.
Arbeitszeiten in der Landwirtschaft am längsten, zeit.de 4.3.20

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Ungleichheit bewegt die Menschen 
Montag, 9. März 2020 - Lebensart, Psychologie, Studien
Drei Viertel aller Deutschen empfinden die Verteilung von Einkommen und Vermögen in Deutschland als ungerecht. Zu diesen Erkenntnissen kommt eine Befragung von 5.000 Menschen im Auftrag des Spiegel. Interessant daran: Statistisch betrachtet ist die Einkommensungleichheit im EU-Durchschnitt eher unauffällig und im Vergleich zu den OECD-Staaten insgesamt sogar unterdurchschnittlich. Die Gefühlslage der Deutschen spricht hingegen eine andere Sprache. Vor allem unter den Wählerinnen von SPD, Linken und Grünen ist dieses Ungerechtigkeitsempfinden besonders stark ausgeprägt. Hinzu kommt, dass drei Viertel der Befragten das Gefühl haben, dass die Ungleichheit in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist. Rund 57 Prozent finden, dass Leistung sich in Deutschland nicht mehr lohnt - unter den Wähler*innen der AfD sind es sogar gut 80 Prozent (Linke: 64 Prozent, FDP: 61 Prozent, Grüne/SPD/CDU/CSU jeweils um die 40 Prozent). Bei einer solch starken Stimmungslage fragt man sich natürlich, warum nicht mehr Menschen aktiv für Veränderungen eintreten. Womöglich ist ein Grund, dass das Erleben dieser Ungerechtigkeiten sich vor allem auf Distanz abspielt, denn 44 Prozent nehmen sie vor allem durch die Medien zur Kenntnis. 30 Prozent sehen sie im Freundes- und Bekanntenkreis, 25 Prozent in benachbarten Stadtteilen oder Orten.
Bürger empfinden Deutschland als extrem ungerecht, Spiegel.de 5.3.20

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