Zu viel Grübeln schadet dem Gehirn 
Dienstag, 23. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Intensives Grübeln und das Wälzen negativer Gedanken sind nicht nur dem psychischen Wohlbefinden nicht dienlich. Eine neue britische Studie zeigt nun auch, dass die negativen Denkschleifen anscheinend das Demenz-Risiko erhöhen. In der vier Jahre abdeckenden Untersuchung mit 360 Probanden, die 55 Jahre oder älter waren, wurde beobachtet, wie häufig Menschen sich in Denkmustern wie dem negativen Grübeln über Vergangenes oder in Ängsten vor der Zukunft ergehen. Außerdem wurde untersucht, wie sich die Gehirne der Probanden über die Zeit veränderten. So konnten die Wissenschaftler sehen, dass sich bei den starken Grüblern im Gehirn Proteinablagerungen zeigten, die mit Demenz in Verbindung stehen. Über den Zeitraum von vier Jahren stellen die Forscher auch fest, dass diese Grübler dann kognitive Störungen und Gedächtnisschwund entwickelten. Da Meditation einen Weg darstellt, aus solchen Grübelspiralen herauszukommen, starten die Wissenschaftler nun ein Projekt, in dem erforscht werden soll, ob Achtsamkeitsmethoden Menschen, die stark mit negativen Gedanken zu kämpfen haben, bei der Demenz-Prävention helfen könnte.
Negatives Denken erhöht das Risiko auf Demenz, Bayrischer Rundfunk 8.6.20

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Wie Corona die Psyche annagt 
Montag, 22. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wir alle erleben es wohl in der letzten Zeit immer wieder einmal, wie uns die Auswirkungen und die mit der Corona-Krise verbundenen Beschränkungen in unseren Leben berühren und bisweilen auch tiefer beeinträchtigen. Der Soziologe Martin Schröder hat nun Daten einer britischen Erhebung zu Zeiten des Höhepunkts des Lockdowns ausgewertet, die zeigen, wie tief diese Veränderungen auf die Psyche wirken. Wo vor der Pandemie 17 Prozent der Briten von sich sagten, dass sie ihre Alltagsaktivitäten nicht mehr genießen können, waren es während des Lockdowns 45 Prozent. Das Gefühl, sich manchmal ziemlich nutzlos zu fühlen, kennt wohl jeder Mensch. Bei jenen, die diese Erfahrung schon gemacht haben, war die Wahrscheinlichkeit während des Lockdowns 3,2 Mal so hoch wie zuvor. Die Wahrscheinlichkeit von Konzentrationsproblemen erhöhte sich um das 2,4-fache. Unzufrieden zu sein oder sogar depressiv, diese Wahrscheinlichkeit verdoppelte sich. Wo sich vor der Pandemie 20 Prozent der Bevölkerung als besonders depressiv einstuften, stieg diese Zahl auf dem Höhepunkt des Lockdowns auf 30 Prozent. Die Pandemie verlangt uns vieles ab. Und vielleicht hilft es ja ein wenig zu wissen, dass man mit den entsprechenden Gefühlen hier nicht alleine ist.
Corona-Maßnahmen drücken aufs Lebensglück, spiegel.de 8.6.20

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Die Pandemie lässt viele depressiver werden 
Freitag, 19. Juni 2020 - Psychologie, Studien
Für Psychologen liegt es nahe, dass all die Veränderungen, denen wir durch die Pandemie ausgesetzt sind, auch Spuren in der Psyche hinterlassen. Eine Online-Untersuchung der Privaten Hochschule Göttingen PFH mit bisher 2.000 Teilnehmenden zeigt nun: Depressionen sind auf dem Vormarsch. Im Vergleich zu einer vor der Pandemie genommenen Normierungsstichprobe zeigt sich ein deutlicher Anstieg. Laut Norm wären in der breiten Bevölkerung bei etwa einem Prozent schwere depressive Symptome zu erwarten. In der Zeit der Pandemie ist dieser Anteil auf fünf Prozent gestiegen. Insbesondere die 18- bis 25-Jährigen seien besonders betroffen. Beim Sars-Ausbruch in Kanada 2003 ließ sich eine ähnliche Entwicklung beobachten. Damals kam es bei 30 Prozent der von Quarantäne Betroffenen zu depressiven Symptomen oder Posttraumatischen Belastungsstörungen.
Mehr schwere depressive Symptome während Coronakrise, spektrum.de 8.6.20

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Wirtschaftskrise und Zukunftssorgen beschäftigen bereits viele 
Donnerstag, 18. Juni 2020 - Psychologie, Studien
Die gute Nachricht vorweg: Nur etwas jede*r Fünfte in Deutschland sorgt sich gegenwärtig um die eigene Gesundheit. So ein Zwischenergebnis einer Langzeitstudie der TU Darmstadt, die die Auswirkungen der Pandemie auf unsere Befindlichkeit untersucht. Ausgewertet wurden bisher die Daten von gut 400 Angestellten aus Deutschland und 550 aus den USA. Im Ländervergleich zeigt sich: Die Gewichtung der Sorgen ist in beiden Ländern ähnlich, in den USA sind die Befürchtungen allerdings etwas höher ausgeprägt. Die größten Sorgen der Deutschen: die Weltwirtschaftskrise (66,2 Prozent), die Gesundheit anderer (65,6 Prozent), eine zweite Erkrankungswelle (61,2 Prozent), Zukunftssorgen (52 Prozent) und finanzielle Sorgen (44 Prozent). Mehr als die Hälfte der Befragten fühlt sich im Homeoffice wohler als im Büro, wenngleich die Produktivität dort laut Untersuchung nur lediglich 70 Prozent des Gewohnten erreiche. Auch in Zukunft ausschließlich von Zuhause aus zu arbeiten, kann sich ebenfalls gut die Hälfte vorstellen. Die Unsicherheit über die eigene berufliche Zukunft plagt rund ein Drittel der Befragten.
Produktiv zu Hause, FAZ 7.6.20

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Alkoholkonsum steigt in Corona-Zeiten 
Mittwoch, 17. Juni 2020 - Lebensart, Psychologie, Studien
Aus Einsamkeit oder Langeweile zum Alkohol greifen? Für einen nennenswerten Teil der Bevölkerung ist das in Zeiten der Pandemie zur neuen Gewohnheit geworden. Der Global Drug Survey mit mehr als 16.000 Teilnehmenden zeigt: 30 Prozent der Befragten gönnen sich seit einigen Wochen häufiger mal ein Gläschen mehr, und knapp elf Prozent berichten sogar von einem deutlich gestiegenen Alkoholkonsum. Rund jede*r Fünfte räumt sogar ein, wenn er oder sie trinkt, dann mehr als fünf alkoholische Getränke zu konsumieren. Die genannten Gründe: mehr Zeit und mehr Langeweile. Manche trinken mehr aus Stress oder weil sie sich einsam fühlen, für andere ist der Alkohol ein kleiner Stimmungsaufheller gegen depressive Gedanken. Am anderen Ende der Skala zeigt sich allerdings auch eine gegenläufige Tendenz, denn gerade die Menschen, die meist nur in Gesellschaft trinken, halten sich, allein in den eigenen vier Wänden, etwas zurück.
Alkohol aus Langeweile, Zeit.de 4.6.20

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Umgang mit Krankheit im Job überdenken 
Dienstag, 16. Juni 2020 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Die Wirtschaftswoche widmet sich einer Kolumne der Frage, warum es erst des Corona-Viruses bedurfte, bis einmal ernsthaft darüber gesprochen wird, warum wir im Arbeitsleben oft völlig nachlässig mit Ansteckungsrisiken umgehen. Erkältet zur Arbeit? Das war vor Corona eher eine Regel denn eine Ausnahme. Der WiWo-Beitrag dekliniert durch, wie wir gerade lernen, dass das Arbeiten auch bei Ansteckungsrisiken weitergehen kann - im Homeoffice, virtuell vernetzt. Und er schlägt vor, diese innerhalb weniger Wochen flächendeckend erlernte Praxis auch in Nach-Corona-Zeiten aufrechtzuerhalten. "Zuhause ist das neue anwesend", heißt es in dem Artikel - vorausgesetzt natürlich, dass Chefs dafür genügend Vertrauen aufbringen und auch Menschen nur dann daheim weiterarbeiten, wenn die Ansteckung anderer das Hauptproblem wäre und man ansonsten ziemlich fit ist.
Neue Kategorie „ansteckend“: arbeitsfähig, aber zu Hause, WiWo 3.6.20

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Wie gefühlte Bedrohungen anderes verschleiern 
Montag, 15. Juni 2020 - Bewusstsein, Psychologie
Die Verschwörungsszenarien rund um Corona verbreiten sich immer mehr im öffentlichen Raum. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass wir solche Psychodynamiken nicht zum ersten Mal erleben. Auf Spiegel online beschreibt beispielsweise der Psychoanalytiker Hans-Jürgen Wirth viele Parallelen, die vor wenigen Jahrzehnten auch die Reaktionen auf Aids geprägt haben. Besonders interessant an seinen Betrachtungen finde ich, was er darüber schreibt, wie die Fokussierung auf die äußere Bedrohungen (heute: Corona) von anderen Konflikten ablenkt. "Die Projektion der eigenen inneren beziehungsweise internen Konflikte auf Außenfeinde entlastet Individuen, Familien, größere und kleinere Gruppen oder auch ganze Gesellschaften von internen Spannungen. An der eingebildeten äußeren Bedrohung kann man die Aggressionen festmachen und abführen, die sonst als interne Konflikte aufbrechen würden", schreibt er. Wenn Menschen ihre ganze Kraft darauf konzentrieren, Virologen als vermeintliche Lügner zu entlarven oder der Politik geradezu Putchversuche unterstellen, wird ihnen wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass ihr Unbehagen und ihre Ängste vielleicht gute Gründe haben, sie sich aber in falschen oder eingebildeten Ursachen verbeißen. Dass ganze Bevölkerungsgruppen sich von der Politik nicht ernst genommen und nicht angemessen vertreten fühlen, ist so neu nicht. Und das wachsende Ungerechtigkeitsempfinden vieler Menschen ist beispielsweise längst durch viele wissenschaftliche Studien belegt. Was aber hilft es, nicht einfach das zu beklagen, was beklagenswert ist (wie prekäre Beschäftigung, eine chronische Unterbezahlung in Pflegeberufen, die unterschiedliche Chancengleichheit), sondern von Phantasien genährte Schauplätze der Auseinandersetzung zu eröffnen? Realitätssinn hilft - vor allem dabei, reale Probleme wirklich anzugehen.
Aids und Corona: "Die Ängste vieler Menschen sind erstaunlich ähnlich", spiegel.de 31.5.20

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Wenn Stille in der Tiefe wirkt 
Freitag, 12. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Meditation ist für viele Neueinsteiger schlicht eine Methode, um ein bisschen besser mit den Herausforderungen des Lebens zurechtzukommen. Umso mehr hat mich ein kürzlich in der Kirchenzeitung erschienener Beitrag berührt, in dem ein Autor über seine Erfahrungen mit einem Kontemplations-Retreat und den längerfristigen Auswirkungen auf sein Leben berichtet. "Ich hatte den Eindruck, in der Stille lernt man seine Mitmenschen besser kennen als im stundenlangen Geplapper. Man kennt sich auf einer anderen Ebene. Man spürt die Energie, die von jemand ausgeht", schreibt Andreas Kaiser. Und: "Die seltenen Gespräche waren die intensivsten Gespräche, die ich in meinem Leben geführt habe. Da ging es nicht um Äußerlichkeiten, das Auto, die Arbeit. Es ging um uns, was uns ausmacht." Für Kaiser war das Retreat auch eine Tür zu einem veränderten Leben, die sich hier öffnete. Im Alltag verzichtete er mehr und mehr auf Ablenkungen und Zerstreuungen, fühlte sich nicht mehr von Krimis, sondern von spirituellen Büchern angezogen und erlaubt sich mehr Langsamkeit, um am Leben nicht vorbeizusausen. Meditation mag viel bewirken, man sollte darauf gefasst sein.
Die Stille verändert, Kirchenzeitung 3.6.20

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