Wenn der Bonus zum Schuss in den Ofen wird 
Donnerstag, 10. September 2020 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Mitarbeitern einen Bonus gewähren, wenn sie immer schön brav zur Arbeit erscheinen? Hört sich irgendwie schräg an - und kann zum Schuss in den Ofen werden. Das zeigt jedenfalls eine Studie, die untersuchte, was passiert, wenn man genau das versucht. Grundlage bildete ein reales Testszenario mit Auszubildenden im Einzelhandel. Diese konnten durch stete Anwesenheit bis zu 240 Euro oder vier zusätzliche Urlaubstage im Jahr erhalten. Um Verzerrungseffekte auszuschließen, wurde ein längerer Zeitraum betrachtet, der auch die Zeit vor dem Bonus-System und danach mit einschloss. Dabei zeigte sich: Der Motivationsanreiz kehrte sich in sein Gegenteil. Statt nun besonders auf ihre regelmäßige Anwesenheit zu achten, waren diejenigen, denen der Geldbonus angeboten wurde, nun im Schnitt alle zwei Monate einen zusätzlichen Tag abwesend. Die zusätzlichen Urlaubstage hingegen wirkten auf die Motivation zur Anwesenheit neutral. Die Forscher erklären das Ergebnis damit, dass es durch das in Aussicht gestellte Geld plötzlich keine unhinterfragte Selbstverständlichkeit mehr sei, wirklich zur Arbeit zu erscheinen. Ich habe zu dem Ergebnis noch eine andere Theorie. Fehltage durch Krankheit beispielsweise können den erwartbaren Geldsegen schon reduzieren. Hochgerechnet bedeutet die Statistik der Wissenschaftler, dass die Blaumacher im Schnitt an sechs Tagen im Jahr fehlten. Was sind schon 240 Euro mehr in der Tasche im Vergleich zu bis zu sechs Tagen mehr "Freizeit"? Ich könnte mir gut vorstellen, dass diejenigen, die mehr Urlaubstage bekamen, disziplinierter waren, weil die ihnen angebotene "Währung" eine andere war. Vielleicht sagt diese Studie nicht nur darüber etwas aus, wie sehr Geldanreize die Motivation untergraben, sondern viel mehr darüber, wie wertvoll Menschen zusätzliche freie Zeit ist?
Bonus reizt zum Blaumachen, spiegel.de 28.8.20

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Die Krise als Navigator nutzen 
Mittwoch, 9. September 2020 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit, Management
"Wir müssen die Wirtschaft von der Krise her neu denken", fordert der Wirtschaftswissenschaftler Lars Hochmann in einem Beitrag für Capital. Und er kritisiert, wie sich sein Fach über lange Jahre in der Bequemlichkeit alter Begrifflichkeiten eingerichtet hat. Sein Anliegen: Wirtschaft nicht mehr als ein System zu sehen, das eben so ist, wie es ist. Die Ursache der Krise "liegen weder in der Verantwortung einzelner Menschen noch lassen sie sich auflösen in einer gesellschaftlichen Totalität. Sie sind das Ergebnis einer sozialen Praxis, die sich weitestgehend unbesehen entlang von individuellen wie geteilten Gewohnheiten und Gepflogenheiten fortführt. Ökonomie gestaltet diese Kulturen, sie prägt, wie wir kommunizieren, uns kleiden, ernähren und miteinander umgehen. Der Glaube, Wirtschaft sei ein fremder Stern, auf dem es nur um den eigenen Vorteil und den rollenden Rubel geht, war immer schon ein Irrtum. Sie erscheint nur so, wenn sie aus diesem Blickwinkel betrachtet wird. Wir können ihn aber verändern, wir können andere Begriffe verwenden, andere Fragen stellen, andere Perspektiven einbeziehen, andere Ziele verfolgen – und kämen zu einem ganz anderen Bild", so Hochmann. Seine Forderung: Wir sollten im Hinblick auf die Gestaltung von Wirtschaft reflexiver werden, Begriffe und Gegebenheiten überdenken und so neu formulieren, dass sie konstruktive Entwicklungen ermöglichen. Die Werturteile und Standpunkte, die hinter diesen Gegebenheiten stehen, sollten transparenter gemacht werden. Weiter seien Teilhabe und Mitwirkung von auße essenziell für den Wandel, denn das Wissen der Vielen führe leichter zu neuen Lösungen.
Wir müssen Wirtschaft grundlegend neu denken, Capital 25.8.20

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Forcierter Wettbewerb lässt Menschen kontraproduktiv handeln 
Dienstag, 8. September 2020 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
In vielen Firmenkulturen ist es inzwischen üblich, innerhalb der Mitarbeiterschaft durch entsprechende Feedbacksysteme einen Wettbewerb aufzubauen, indem sie Menschen relativ zu anderen bewerten. Das spornt jedoch, wie eine neue Studie zeigt, nicht unbedingt auch zu konstruktiverer Leistung an. In der Untersuchung mussten die Proband*innen in verschiedenen Konkurrenzszenarien handeln. Dabei zeigte sich: Priorität hatte für die Teilnehmenden, wenn sie ein solches Ranking erwartete, vor allem, in dieser Rangliste gut dazustehen. Und damit dies möglich wurde, waren sie sogar bereit, Entscheidungen zu treffen, die der gesamten Gruppe und auch ihnen selbst schadeten. Mitarbeiter durch Rankings pushen zu wollen, kann also richtig nach hinten losgehen.
So ruiniert Wettbewerb die Leistung, WiWo 24.8.20

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Die Illusion von Kontrolle trifft uns frontal 
Montag, 7. September 2020 - Bewusstsein, Psychologie
Psychologen stellen seit vielen Wochen fest, wie stark die Pandemie auf unser Angstsystem zu wirken scheint. Der kollektiv erfahrene Kontrollverlust offenbart dabei ein Paradox, denn es sind nicht unbedingt die realen Gefahren, die uns in Sorge versetzen, sondern eher die Erkenntnis, dass wir einer Illusion aufgesessen haben, unser Leben kontrollieren zu können. "Wie leben in einer der am besten abgesicherten Gesellschaften weltweit. Aber unsere Ängste sind oft überdimensional groß. Unsere Fähigkeit, auf einen Kontrollverlust zu reagieren, nimmt ab. Weil es für uns so selbstverständlich ist, dass es immer Strom gibt, dass Wind und Wetter kein Problem mehr sind, all das. Je weniger Angst wir ausgesetzt sind, desto mehr wächst die Illusion, es gäbe ein System ganz ohne sie", erklärt der Coach Bernd Sprenger in einem Interview mit der Zeit. Für ihn lädt die Unsicherheit der gegenwärtigen Situation geradezu dazu ein, sich mehr darauf zu besinnen, was wir nicht kontrollieren können, und entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen: "Wir können nicht alles selbst planen. Deshalb sollten wir es gar nicht erst versuchen. Es geht eher darum: Vertrauen zu entwickeln in Bereichen, die man gar nicht kontrollieren muss. Natürlich sollten wir aktiv handeln. Aber da, wo wir es können, wo wir etwas verändern können. Und nicht da, wo wir ohnehin keine Macht haben."
"Vertrauen Sie darauf, dass Sie irgendwie durch die Krise kommen", Zeit.de 21.8.20

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Hitze kostet uns Produktivität 
Freitag, 4. September 2020 - Studien, Arbeit, Management
Wir alle haben wohl in den letzten heißen Sommerwochen gespürt, dass wir, wenn das Thermometer in die Höhe schnellt, selbst deutlich langsamer werden bei allem, was wir tun. Bisher ging die wissenschaftliche Forschung davon aus, dass ein Grad Erwärmung eine Volkswirtschaft pro Jahr ein Prozent ihrer Produktivität kostet. Eine neue Studie vom Berliner Mercator-Institut MCC und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zeigt nun, dass die Einbußen sogar höher ausfallen könnten. Die Wissenschaftler haben errechnet, dass bei einem Grad Erderwärmung die Produktivität sogar um drei Prozent sinken könnte. Für das Szenario einer Erderwärmung um vier Grad bis 2100 würde dies für Staaten Verluste von etwa zehn Prozent ihrer Wirtschaftskraft bedeuten, in den wärmeren und ärmeren Regionen könnten es sogar 20 Prozent sein. Szenarien wie diese zeigen, wie sehr der Klimawandel tatsächlich auch die Wirtschaft treffen wird, die sich bis heute in großen Teilen gegen Investments wehrt, die diese Effekte zumindest noch mindern könnten.
Die Hitze macht uns ärmer, taz 24.8.20

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Wohlbefinden ist durch Corona für viele kaum beeinträchtigt 
Donnerstag, 3. September 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wohl jede*r hat inzwischen diese Momente, in denen sich eine gewisse Corona-Müdigkeit einstellt. Seit Monaten mit all den bestehenden Einschränkungen zu leben, ist für viele Menschen eine kleine Katastrophe, für andere vielleicht nur zunehmend nervig. Eine Studie zeigt nun, dass sich bei all den Zumutungen, denen wir ausgesetzt sind, das grundsätzliche Wohlbefinden der Menschen dennoch kaum verschlechtert hat - zumindest bei jenen, die (immer noch) vollzeiterwerbstätig sind, denn diese stellen in besagtem Fall die Probanden dar. Die Möglichkeit, die Zeit vor und während Corona zu vergleichen, ergab sich, da die Studie - mit anderem Schwerpunkt - bereits im Dezember gestartet war. Anfangs war Corona natürlich für viele ein Schlag, doch: Die negative Stimmung hat mit der Zeit abgenommen. Wir haben mit dem Gegenteil gerechnet – dass Menschen zunehmend wütend oder verärgert sind über die Situation. Doch das konnten wir nicht belegen", so der Leipziger Psychologe Hannes Zacher. "Ich denke, dass Menschen in der Corona-Krise seltener diese intensiven negativen Gefühle spürten, sondern eher weniger aktivierte negative Emotionen wie Trauer oder ein Gefühl der Leere, die eher depressiver, apathischer oder emotionsloser Natur sind." Für Zacher stimmt das öffentlich vermittelte Bild zunehmender deutlicher Unzufriedenheit nicht mit den Erkenntnissen seiner Studie überein. Für den Psychologen ist auch augenscheinlich, dass der mit der Krise verbundene Kontrollverlust eine auf Sicherheit bedachte Kultur wie die Deutsche besonders trifft.
»Die negative Stimmung hat mit der Zeit abgenommen«, spektrum.de 21.8.20

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Meditation differenzierter betrachten 
Mittwoch, 2. September 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
In den letzten Jahren war die Meditationsforschung in einem Euphorie-Hoch. Vielleicht ist es so etwas wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, dass Studien über positive Effekte von Achtsamkeit weitere nach sich ziehen, die zu ähnlichen Erkenntnissen kommen. Seit Meditation in der Wissenschaft als Thema salonfähig geworden ist (es gab Zeiten, in der das Thema ein wahrer Karrierekiller war), bemühen sich natürlich insbesondere Wissenschaftler, denen die Methode am Herzen liegt, in entsprechender Forschung. Das hat lange Zeit den Blick dafür verstellt, bei den jeweiligen Forschungssettings genauer hinzuschauen. Wie die taz in einem sehr differenzierten Artikel darlegt, gibt es viele Studien, deren Parameter teils unübersichtlich, teils sogar fragwürdig sind. Auch werfen seit einiger Zeit immer mehr Studien auch kritische Blicke auf die Achtsamkeit. So belegen mehrere Forschungsarbeiten, dass Meditieren auch Nebenwirkungen haben kann - zumindest bei manchen Menschen. Vielleicht erleben wir hier gerade einen Reifungsprozess der Achtsamkeitsforschung, in dem neben dem Für auch das Wider nun stärker in den Blick rückt. Ein weiteres Thema, dass vielleicht auch noch stärker diskutiert und erforscht werden sollte: Vom Grundsatz her war Meditation nie als eine Methode gedacht, besondere Wirkungen bei Menschen hervorzurufen, wie dies nun in therapeutischen Kontexten gewünscht ist. Die Öffnung im Meditieren oder auch das Loslassen des Gewohnten haben in den spirituellen Traditionen einen hohen Stellenwert, allerdings im Sinne einer Hingabe jenseits aller Erwartungen. Erleuchtung kann man nicht machen, sie wird einem vielleicht einmal zuteil. Und es lässt sich nicht messen, wann dies geschehen könnte. Vielleicht ist nun die Zeit, nicht nur genauer hinzuschauen, wenn es um Meditation geht, sondern den Blick auch weiter und unschärfer werden zu lassen, um auch diese Tiefendimension jenseits der reinen Daten und Fakten zu berücksichtigen. Das wäre dann allerdings kein neurologisches Thema, sondern Disziplinen wie die Anthropologie und die Philosophie sind hier gleichermaßen gefragt.
Stellen wir die falschen Fragen?, taz 20.8.20

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Home Office ist gut fürs Klima 
Dienstag, 1. September 2020 - Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Viele Menschen haben die Corona-bedingten Zeiten im Home Office genossen, weil sie ihnen mehr zeitliche Flexibilität gegeben haben. Ein weiterer sehr positiver Nebeneffekt: Durch die gesunkene Pendelei zur Arbeit gingen die Schadstoffemissionen deutlich zurück. Eine Untersuchung von Greenpeace zeigt: Würden 40 Prozent der Arbeitnehmer an zwei Tagen pro Woche zu Hause arbeiten statt ins Büro zu pendeln, ließen sich jedes Jahr fünf Millionen Tonnen CO2 einsparen. Das entspricht 18 Prozent der durch das Pendeln entstehenden Emissionen. Vor der Pandemie arbeiteten etwa 13 Prozent der Beschäftigten im Home Office, im Frühjahr 2020 waren es 25 Prozent, die ausschließlich von zu Hause aus arbeiteten.
Homeoffice kann Millionen Tonnen CO2 einsparen, FAZ 20.8.20

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